Sport
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11.02.2015; Ittigen; Eishockey - Swiss Ice Hockey Federation National League Versammlung; 
Ueli Schwarz, Direktor Leistungssport
(Urs Lindt/freshfocus)

Trat von seinem Amt zurück: Ligadirektor Schwarz.
Bild: Urs Lindt/freshfocus

Eismeister Zaugg

Der Abgang von Ligadirektor Ueli Schwarz ist der folgenreichste Personalwechsel der Neuzeit

Die gute alte Zeit ist zu Ende gegangen. Ueli Schwarz geht. Seine Nachfolgeregelung ist wichtiger als die Besetzung jedes anderen Verbandpostens, sogar wichtiger als jene des Nationaltrainers.



Wenn wir die Bedeutung des Abgangs von Ueli Schwarz für unser Hockey illustrieren wollen, dann gibt es dazu ein gutes Beispiel aus der Geschichte: Die Absetzung des ersten Deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck durch den forschen neuen Kaiser Wilhelm II.

«Der Lotse geht von Bord», hiess es damals. Otto von Bismarck stand für den diplomatischen Ausgleich, für die alte Welt, für die 1815 beim Wiener Kongress geschaffene Ordnung Europas. Er war nicht der Mann des heraufziehenden dynamischen Zeitalters, der Moderne, die der neue Kaiser verkörperte.

BERLIN, GERMANY - MARCH 23:  A statue of Prussian statesman Otto von Bismarck stands in Tiergarten park on March 23, 2015 in Berlin, Germany. Germany will commemorate the April 1st 200th anniversary of von Bismarck. Otto von Bismarck was instrumental in the creation of a unified German state and was among the most influential politicians of late 19th-century Europe.  (Photo by Sean Gallup/Getty Images)

Vor 200 Jahren in der gleichen Lage wie Ueli Schwarz: Otto von Bismarck.
Bild: Getty Images Europe

Schwarz wusste, dass seine Zeit um ist

Ueli Schwarz ist ein «Mann des Hockeys» im besten Wortsinne. Keiner im Verband weiss so viel über Eishockey und keiner war so sehr darauf bedacht, zu dieser Hockeykultur Sorge zu tragen. Schwarz war in der höchsten Spielklasse Trainer und Sportchef, er führte die U20-Nationalmannschaft und arbeitete bei der Organisation der WM 2009 an vorderster Front. Er ist international exzellent vernetzt.

Warum geht er? Weil er sonst hätte gehen müssen. Das ist der einzige Unterschied zu Otto von Bismarck. Der Reichskanzler wurde abgesetzt, Ueli Schwarz geht freiwillig. So, wie es seine Art ist. Er hat schon 1998 sein Amt als Trainer des SC Bern freiwillig niedergelegt. Weil er wusste, dass seine Zeit um ist.

Ueli Schwarz, zustaendig fuer die Logisitk an der bevorstehenden IIHF Eishockey Weltmeisterschaft, geht seinen Gedanken nach, anlaesslich einer Pressekonferenz am Mittwoch, 18. Maerz 2009, in Kloten. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Schwarz ging, bevor er gegangen wurde. Bild: KEYSTONE

Das Geld regiert und nicht mehr der Sport

So ist es auch jetzt. Er spürt, er weiss, dass seine Zeit abgelaufen ist. Der neue, forsche Verbandsdirektor Florian Kohler ist kein Mann des Eishockeys und spielt sehr wohl eine ähnliche Rolle wie damals Kaiser Wilhelm II. Mit Kohler ist die neue Zeit angebrochen. Die Zeit der Manager, eine Zeit, in der das Geld das Primat über den Sport hat – und nicht umgekehrt wie in der Welt des Ueli Schwarz.

Florian Kohler und Ueli Schwarz sind zwei Männer aus einer völlig unterschiedlichen Kultur und der Eklat war programmiert. Es geht nicht darum, welche Kultur die bessere ist. Die gute alte von Ueli Schwarz oder die moderne, kapitalistische von Florian Kohler. Es geht darum, dass es ist, wie es ist: Die neue Zeit ist angebrochen.

Der Nachfolger muss ein «Anti-Kohler» sein

Der Anfang vom Ende der guten alten Zeit war die Bemerkung eines Chronisten in der Sendung «The Hockeyweek» über die Einmischung von Schwarz in die Arbeit von Einzelrichter Reto Steinmann. Daraus ist ein von SCB-General Marc Lüthi eingeleitetes Verfahren gegen Schwarz geworden. Ein Verfahren nicht gegen seine Person. Aber ein Verfahren, das die Unabhängigkeit der Hockey-Justiz zu untersuchen hat. Das Resultat wird sein, dass sich Ueli Schwarz tatsächlich eingemischt hat – im guten Sinne. Aber eben: Gut gemeint ist in diesem Fall das Gegenteil von gut.

Leider kommt der ehemalige SCB-Sportchef Sven Leuenberger für das Amt eines Ligadirektors nicht in Frage. Er steht nach wie vor im Solde des SC Bern und politisch ist ein Jünger von Marc Lüthi in der Liga- Chefposition nicht machbar.

Für unser Hockey ist es von schicksalsschwerer Bedeutung, dass der neue Ligadirektor ein «Anti-Kohler» sein wird. Also nicht ein Anhänger des rassigen Kapitalisten Florian Kohler. Der Ligadirektor muss ein Mann des Sportes sein. Ein Mann, der für die sportlichen Belange (wie Nachwuchsnationalteams, Belange der Nationalmannschaften) kämpft wie ein Löwe und dabei den Widerspruch, die Auseinandersetzung mit seinem Chef nicht scheut.

27.08.2015; Zuerich; Eishockey - MK Swiss Ice Hockey;
Florian Kohler, CEO, waehrend der Pressekonferenz 
(Andy Mueller/freshfocus)

Verbandsdirektor Kohler, der Gatte von SRF-Eishockey-Frau Steffi Buchli. Bild: freshfocus

Schwarz wird dem Schweizer Eishockey erhalten bleiben

Um Kohler die Stange halten und eine fruchtbare Auseinandersetzung führen zu können, braucht es eine starke, im Denken unabhängige Persönlichkeit. Im Idealfall finden wir einen Ligadirektor mit der Leidenschaft fürs Hockey wie sie Ueli Schwarz hatte – aber mit der streitbaren Persönlichkeit wie sie Marc Lüthi eigen ist und mit dem Charisma des ehemaligen Nationaltrainers Ralph Krueger. Die sportliche Gestaltungskraft des neuen Ligadirektors ist noch grösser als jene des Nationaltrainers. Deshalb ist die Besetzung der Position des Ligadirektors wichtiger als die Wahl des Nationaltrainers.

Wichtig ist auch, dass es nicht bei der Neuwahl eines Ligadirektors bleibt. Missstände im Inneren des Verbandsfuchsbaus sind ebenfalls aufzuarbeiten. Die sofortige Absetzung des unseligen TV-Chefanklägers Stephane Auger ist vordringlich. Auch die Nachfolgeregelung von Einzelrichter Steinmann ist ein heikles Geschäft. Wie Schwarz ist auch Steinmann ein Mann der guten alten Zeit des Eishockeys.

Wir können es auch so sagen: Mit Ueli Schwarz und Reto Steinmann gehen die letzten Aufrechten und Gerechten des Eishockeys, wie wir es lieben und wie wir es erhalten und bewahren sollten. Der Abgang von Ueli Schwarz ist zu bedauern. Aber ich bin sicher, dass er dem Eishockey nicht verloren gehen wird. Jede Wette, dass er bald eine zentrale Position bei der Organisation der WM 2020 in Zürich und Lausanne übernehmen wird.

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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Tikkanen 18.04.2016 14:09
    Highlight Highlight Well done, Chlöisu👏🏻👏🏻 Auch im Fight Chronist vs. Verbandsmafi hat sich der Wille gegen das grosse Geld durchgesetzt. Hat schlussendlich ausser bei Gaydoul immer geklappt. Jetzt muss aber der Zaugg auf die zu erwartende Retourkutsche der Verbandsmöffe achtgeben und diese am besten bereits im Zaum ersticken. Und endlich sind nun auch die skandalösen Geschehnisse rund um das unsäglich Verfahrenstheater geklärt, mit welchem die Verbandsmafia den SCB erfolglos aufhalten wollte👍 Nun muss noch Auger weg, und durch einen anständigen Ex-Hockeyspieler ersetzt werden. Stancescu oder Schöggi😂😂
    • goschi 18.04.2016 14:57
      Highlight Highlight ach netshark, eine 30-Jährige Geschichte sollte man irgendwann dort sein lassen, wo sie hingehört, in die Mottenkiste.

      Der SCB hat seit dem immer und immer wieder bewiesen, dass er zurecht in der NLA ist, dies sogar schon wenige Jahre nach dem Aufstieg und zuletzt letzten Dienstag.
    • TheMan 18.04.2016 15:05
      Highlight Highlight netshark Bern wäre so oder so Augestiegen. Ob durch den Grünen Tisch oder ein Jahr Später als NLB-Meister. Den Bern ist eine Feste Grösse in der NLA. Nicht wie Rappi, Biel oder Langnau
  • Bruno Wüthrich 18.04.2016 13:55
    Highlight Highlight Es war sicher nicht das Ziel des Chronisten, den Ueli von seinem Stuhl zu kicken. Aber Aufgabe des Chronisten ist es, Sachverhalte aufzudecken und darüber zu berichten. So, wie es der Beruf eines Eishockeyspielers ist, Eishockey zu spielen, der Beruf des Schreiners, zu schreinern, und der Beruf des Treuhänders und Anwalts, Gelder auf den Bahamas vor dem Zugriff der Steuerbehörden zu schützen. Der Chronist hat also nur seinen Job gut erledigt, so wie es hoffentlich alle, die hier Stories lesen und Kommentare verfassen, auch tun. Alles andere ist eines seriösen Berufsmanns (-frau) nicht würdig.
  • subreena 18.04.2016 13:29
    Highlight Highlight Der Chronist hat sein Ziel erreicht... und über die Nachfolgeregelung kann auch in der Eishockey freien Zeit wundebar fabuliert und polemisiert werden...
  • manolo 18.04.2016 13:22
    Highlight Highlight was erzählt uns da "klausi" wieder einmal für einen stuss!
    will er sich mit schwarz versöhnen? für mich ist "klausi" ein
    heuchler!
  • subreena 18.04.2016 13:20
    Highlight Highlight @Watson

    M. Lüthi hat Ueli Schwarz nicht vorgeworfen, er habe sich in die Ligajustiz eingemischt. Der Vorwurf kam vom Klaus Zaugg in seiner The Hockeyweek Sendung auf einem Eishockey Portal. Marc Lüthi hat "nur" eine Untersuchung beantragt, ob an den Vorwürfen von K. Zaugg etwas dran ist.
  • raphaelmoser 18.04.2016 13:06
    Highlight Highlight 5.- in die Kasse der schlechten Wortspiele für diese Überschrift =)
  • Dan Rifter 18.04.2016 12:32
    Highlight Highlight Wer ist im Turnus von Zahner und Lüthi an der Reihe?

    Je nachdem wirds wohl entweder Sven Leuenberger, Renato Tosio, Claudio Micheli oder Zesi Zehnder..
  • manolo 18.04.2016 12:17
    Highlight Highlight ENDLICH¨! jetzt noch KOHLER und FURRER !
    dann mit einem neuaufbau beginnen!
  • Hockrates 18.04.2016 12:06
    Highlight Highlight Das hat ja geklappt: Zaugg schreibt auf Lüthis geheiss gegen den Schwarz-Ueli bis der Druck so weit steigt, dass er geht.

    Wieso gibt sich Zaugg für so was her?
    • Pax Mauer 18.04.2016 12:43
      Highlight Highlight Weil er Ueli nicht mag. Warum ist aber eine andere Frage.
    • subreena 18.04.2016 13:24
      Highlight Highlight @Hockrates

      Quelle? Woher weisst Du, dass Lüthi Zaugg dazu aufgefordert hat gegen Schwarz zu schreiben?

      Was für die Allgemeinheit sicht- und nachvollziehbar ist, ist dass Klaus Zaugg in der Hockeyweek gegen Ueli Schwarz geschossen hat, worauf M. Lüthi als Vertreter eines direkt betroffenen Clubs Klärung der Vorwürfe gefordert hat.
  • welefant 18.04.2016 11:58
    Highlight Highlight & jetzt geht hoffentlich noch buchelis toyboy!
  • deed 18.04.2016 11:53
    Highlight Highlight Ob er freiwillig geht oder rausgemobbt wurde, ist aus dem Communiqué nicht zu ersehen. Wenigstens muss er sich jetzt keine Sesselkleberei mehr vorwerfen lassen.

Lugano und der Wunsch, so zu werden wie Ambri

Lugano hat einen der berühmtesten Sportpsychologen der Welt engagiert. Dabei brauchen die Tessiner auf dem Weg zur Bescheidenheit bloss einen besseren Torhüter.

Seit dem Wiederaufstieg von 1982 ist Lugano in seinem Selbstverständnis, aber auch in der Wahrnehmung der Konkurrenz auf der Alpen-Nordseite «grande».Die grössten Namen und höchsten Saläre. Titel und Triumphe, Eishockey unter Palmen.

An dieser Einschätzung ändert auch die vergebliche Jagd nach neuem Ruhm nichts. Seit dem 7. und bisher letzten Titel von 2006 hat Lugano zweimal die Playoffs verpasst.

Aber Lugano hat in den letzten Jahren unter diesem Image gelitten. Die kluge Präsidentin Vicky …

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