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Biels Beat Forster, rechts, holt Ambris Elias Bianchi von den Beinen im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Biel und dem HC Ambri-Piotta, am Sonntag, 17. Dezember 2017, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Für Ambri sind die Playoffs in weite Ferne gerückt. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Der Abstieg droht – diesmal gibt es für Ambri im Frühjahr kein «Spengler-Cup-Hockey»

Nach der Niederlage in Biel (1:5) kann Ambri die Playoff-Hoffnungen fahren lassen. Aber der Schlendrian darf nicht Einzug halten – im Frühjahr droht der erste echte sportliche Existenzkampf seit dem Wiederaufstieg von 1985.



Leise Hoffnung keimt nach dem Spiel im Kabinengang des Bieler Hockeytempels bei den Chronisten auf. Vielleicht gibt es doch noch einen Grund zu Polemik.

Fast zehn Minuten dauert es nämlich, bis die Kabinentüre aufgeht und Trainer Luca Cereda herauskommt. Er muss getobt haben. Seine Mannschaft hat in Biel kläglich verloren (1:5). Aber er ist nicht laut geworden. Es gibt keine Polemik. Er hatte sich bloss ein wenig verspätet. Weil er noch ein wenig in der Trainergarderobe gekramt hat. In Ambri tobt im Jahre des Herrn 2017 niemand mehr. Nicht in der Kabine und nicht in der Chefetage.

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Die «Highlights» der Partie gegen Biel. Video: YouTube/MySports

Das ist neu, vernünftig und auf seltsame Weise beunruhigend. Die Mannschaft steht nach 32 Runden mit 34 Punkten (83:106 Tore) ziemlich genau gleich da wie letzte Saison (32 Punkte/78:102 Tore). Ambri hat nur noch 3 der letzten 14 Partien gewonnen.

Was, wenn wir mit Bertold Brecht sagen können: stell dir vor, es ist Krise in Ambri und niemand merkt es?

Vor einem Jahr rockte es bei ungefähr gleicher sportlicher Ausgangslage zur Adventszeit gehörig. Eifrig sägten so ziemlich alle Chronisten am Stuhl des Trainers und schliesslich fegte die Polemik Hans Kossmann im Januar aus dem Amt. Ein solches Szenario ist inzwischen undenkbar. Vernunft ist im Tal der emotionalen Hockeyunvernunft eingekehrt. Einerseits ist dieser Schritt hin zu wahrer Professionalität erfreulich. Andererseits beunruhigend.

Was, wenn wir mit Bertold Brecht sagen können: stell dir vor, es ist Krise in Ambri und niemand merkt es? «Das ist tatsächlich eine Herausforderung», sagt Trainer Luca Cereda, im Amt so unbestritten wie der Papst. Nach einem sonnigen Herbst sei man jetzt in der Realität angelangt. «Wir sind dort, wo man uns erwartet hat und nun müssen wir mit dieser Realität leben lernen und darauf achten, dass wir nicht nachlässig werden und unsere neugewonnene Identität nicht verlieren.»

Ambris Trainer Luca Cereda, beim Eishockey-Qualifikationsspiel der National League A zwischen dem HC Davos und dem HC Ambri Piotta, am Sonntag, 24. September 2017, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

«Wir sind dort, wo man uns erwartet hat»: Ambri-Coach Luca Cereda. Bild: KEYSTONE

Ein wenig hat die Mannschaft diese neue Situation in Biel geübt. Nach dem ersten Drittel wird Verteidigungsminister Nick Plastino geschont. Damit er eine Muskelversteifung im Nacken rechtzeitig vor der Partie morgen in Genf auskurieren kann. Nach zwei Dritteln steht es rettungslos 5:1 für Biel. «Ich habe in der zweiten Pause gesagt, dass es ein schwieriges letztes Drittel wird. Für den Torhüter, für die Verteidiger, für die Stürmer und für uns Trainer auf der Bank. Aber es gelte jetzt, dieses Spiel in Anstand zu Ende zu bringen.» Und das ist gelungen. Es steht auch am Ende 5:1.

Die Identität bewahren

Die Playoffs sind weg. Die Versuchung ist gross, nun mit ein bisschen «Spengler-Cup-Hockey» durch die restliche Qualifikation zu surfen und dann im Februar die Schraube vor der Platzierungsrunde wieder anzuziehen. «Nein, das dürfen wir nicht» sagt Luca Cereda. Sonst gehe alles wieder verloren, was man im Herbst gewonnen habe. Ein Herbst, der am 8. September mit einem 4:3 in Lugano so wunderbar mild begonnen hatte. «Es ist sehr wichtig, dass wir unsere Identität, die wir uns hart erarbeitet haben, nun nicht verlieren.» Das bedeutet: jeden Tag weiterhin konzentriert und intensiv durchtrainieren und durchspielen.

Biels Robbie Earl, rechts, trifft gegen Ambris Torhueter Benjamin Conz zum 5:1 im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Biel und dem HC Ambri-Piotta, am Sonntag, 17. Dezember 2017, in der Tissot-Arena in Biel. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Benjamin Conz kann Ambri nicht im Alleingang vor dem Abstieg retten. Bild: KEYSTONE

So als ginge es morgen um das 7. Spiel in der Liga-Qualifikation. «Spengler-Cup-Hockey» darf nicht sein. Die wohltuende mediale und sonstige Ruhe täuscht. Ambri steht auf einem Vulkan. Die bange Frage ist nämlich, ob ein vernünftiges Ambri mit seinem offensiven, dynamischen, mutigen Hockey im Fegefeuer eines sportlichen Existenzkampfes bestehen kann. Auf den ersten Blick scheint diese Frage absurd. Seit den Jahren des Ruhmes (Playoff-Final 1999) geht es in der Leventina mehrheitlich um den Ligaerhalt. Wir leiden, wir kämpfen, also sind wir. Wir sind «unabsteigbar». Oder doch nicht?

Ambri weiss nicht, was Abstiegskampf bedeutet. Ambri hat keine mit Langnau, Biel, Gottéron oder Lausanne auch nur annährend vergleichbare Erfahrung im Existenzkampf.

Ambri weiss nicht, was Abstiegskampf bedeutet. Ambri hat keine mit Langnau, Biel, Gottéron oder Lausanne auch nur annährend vergleichbare Erfahrung im Existenzkampf. Ambri hat zwar in seiner jüngsten Vergangenheit dreimal die Liga-Qualifikation gespielt – und dieses ultimative Fegefeuer durchschritten ohne sich den Hosenboden zu versengen: Nur zwei Niederlagen in 14 Partien.Aber alle drei Liga-Qualifikationen, eigentlich dreimal unerbittlicher Existenzkampf gegen den NLB-Sieger, bescherte Ambri bloss Spengler Cup-Hockey im Frühjahr.

Ambris Trainer Luca Cereda, fotografiert beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen den HC Biel und dem HC Ambri-Piotta, am Samstag, 30. September 2017, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Ambri-Trainer Luca Cereda muss sich etwas einfallen lassen. Bild: KEYSTONE

Die Gegner hiessen nämlich Langenthal (zweimal) und Visp und Ambri tanzte leichtfüssig durch eine Operetten-Liga-Qualifikation. Auch wenn es nie jemand offen gesagt hatte – weder Langenthal noch Visp wollten aufsteigen und schickten sie freudigen Herzens in die Niederlagen. Sie hätten notfalls absichtlich verloren. Das könnte im nächsten Frühjahr ganz anders werden. Wenn die Lakers oder Olten die NLB gewinnen sollten, droht dem NLA-Vertreter in der Liga-Qualifikation ein loderndes Fegefeuer. Dann funktioniert konstruktives «positives» Hockey nicht mehr. Dann gibt es für gibt es für Ambri im Frühjahr kein «Spengler-Cup-Hockey». Dann geht es Bully um Bully, Check um Check, Provokation um Provokation, Stockschlag um Stockschlag.

Für Ambri wäre es der erste wahre, echte sportliche Existenzkampf seit dem Wiederaufstieg von 1985. Und für Luca Cereda gleich in seiner ersten Saison als Cheftrainer die grösstmögliche Herausforderung. Er ist im Wesen und Wirken der nächste Arno Del Curto. Aber der wahre Arno Del Curto musste sich mit Davos noch nie in einem Abstiegskampf bewähren.

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    Alle Leser-Kommentare
  • dechloisu 18.12.2017 08:45
    Highlight Highlight Vergessen wir nicht dass im Moment Kloten noch weit zurück liegt.

  • SteveLaCroix 18.12.2017 08:33
    Highlight Highlight "Benjamin Conz kann Ambri nicht im Alleingang vor dem Abstieg retten." Sorry, aber ich lache mich tot, wenn ich so einen Satz lese... Conz hatte genau eine gute Saison, damals mit Langnau, als er diese in die Play-Offs hexte und es rockte und rollte (wie Klausi das schreiben würde...). Aber danach, ob in Lugano oder dann in den unzähligen Saisons bei Fribourg oder jetzt bei Ambrì. Conz ist ein Lottergoali, nicht mehr und nicht weniger!
  • Clark Kent 18.12.2017 07:57
    Highlight Highlight ambri gehört in die nlb (oder sogar msl). ganz klar. der club hat weder finanzen noch sonstige grundlagen für professionelles hockey.
    • SalamiSandwich 18.12.2017 10:29
      Highlight Highlight Sicher en ZSC oder SCB Fan wo das gschribe het
    • 1848BO 18.12.2017 12:20
      Highlight Highlight Ambri gehört weiterhin in die nla nur schon wegen der valascia das letzte echte stadion in der nla und nicht so eine event tempel wie in zug, zürich und bald lausanne wo man bei aussentempraturen von -10 grad im t shirt rumlaufen kann.

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