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Marc Luethi, CEO des SC Bern, spricht waehrend einer Vorsaison-Medienkonferenz des SC Bern, am Montag, 5 September 2016, in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

SCB-General Marc Lüthi hat den SCB in eine wirtschaftliche Blütezeit geführt. Bild: KEYSTONE

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Zum 17. Mal in Folge im Plus: der SC Bern ist wirtschaftlich ein halber FC Basel

Zum 17. Mal in Folge kann die SCB Eishockey AG ihren Aktionären schwarze Zahlen präsentieren. Dank dem kommerziellen Rekordjahr ist der SCB bereits ein halber FC Basel geworden.



Den Fuchsbau der Bilanzen und Erfolgsrechnungen von Sportunternehmen auszuleuchten, ist aufgrund der publizierten Zahlen sehr schwierig. Immerhin zeigen sich die Dimensionen.

Der SCB hat mit dem Eishockeygeschäft (Eishockey AG) letzte Saison einen Rekordumsatz von 26,60 Millionen Franken erwirtschaftet. Ein absoluter Schweizer Rekord und auch unerreicht in Europa.

Dazu kommt beim SCB-Hockeykonzern ein Umsatz in der Gastronomie in ungefähr gleicher Höhe. Der SCB-Hockeykonzern (die SCB Holding) hat also mit Eishockey und der Bewirtung seiner Zuschauer und seinen externen Beizen in der Stadt etwas mehr als 50 Millionen Franken umgesetzt. Der Gewinn wird nach bestem buchhalterischen Wissen und Gewissen «versteckt». Die offen gelegte SCB- Erfolgsrechnungen und Bilanzen sind wie Bikinis: Scheinbar viel wird sichtbar, das entscheidende aber bleibt verhüllt und der Kenner kann mit scharfem Blick nur die Dimensionen erkennen.

Marc Luethi, CEO des SC Bern, vorne, an der Seite von Walter Born, Verwaltungsratspraesident des SC Bern, hinten, waehrend einer Vorsaison-Medienkonferenz des SC Bern, am Montag, 5 September 2016, in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

SCB-CEO Marc Lüthi und Verwaltungsratspräsident Walter Born. Bild: KEYSTONE

Der ausgewiesene SCB-Reingewinn beträgt bescheidene 68'000 Franken. Das erwirtschaftete Geld wird also wieder ins Hockey-Geschäft investiert, der Gewinn nicht an die Besitzer ausgeschüttet. Das Ziel eines Sportunternehmens ist es ja nicht, die Aktionäre reich zu machen. Sondern konkurrenzfähig zu bleiben und die dafür notwendigen Mittel selber zu erwirtschaften. Letzte Saison waren im Eishockey nur der SC Bern und erstmals die SCL Tigers dazu in der Lage. Alle übrigen Klubs waren auf mehr oder weniger grosse «betriebsfremde» Zuschüsse (Mäzene) angewiesen oder schrieben rote Zahlen.

Die SCB-Holding (die aus der Sport AG und der Gastro AG besteht) gehört einer kleinen Männerrunde um den SCB-Präsidenten Walter Born, zu der auch Marc Lüthi gehört. Zum 17. Mal hintereinander hat der SCB unter der Leitung Lüthis schwarze Zahlen geschrieben. Nur in seiner allerersten Saison ging «Chole Marc» die Rechnung noch nicht auf. Zum 9. Mal in Serie kamen im Schnitt mehr als 16'000 Zuschauer und die Stadionauslastung betrug 96 Prozent.

Der SCB verdient mit der Gastronomie allerdings nicht Millionen. Die Bruttorendite von Gastrobetrieben erreicht nicht einmal fünf Prozent. Das Erfolgsgeheimnis ist die Kombination der Stadionbeizen und 13 Wirtshäuser in der Stadt mit dem Hockeybusiness. Konkret: Wer diesen Betrieben Ware liefern will (Bier, Fleisch etc.) kommt nur mit einem SCB-Sponsoring zum Zuge.

Berns Fans machen Stimmung vor dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem SC Bern und den SCL Tigers, am Freitag, 11. September 2015, in der PostFinance-Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Die Fans kommen in Scharen zu den SCB-Heimspielen – und konsumieren fleissig. Bild: KEYSTONE

Tauschgeschäfte werden nicht gemacht: Die Gastro-AG bezahlt die Ware, das Sponsoring beim SCB muss ebenfalls bezahlt werden. Kenner schätzen, dass der SCB rund 20 Prozent seines Sponsoringertrages von rund 15 Millionen dank dieser Verknüpfung mit seinen Beizen erzielt. Richtig Geld kann also mit der Bewirtung der Stadiongäste nur in geschickter Kombination mit dem Hockey-Business gemacht werden.

Mit dem Gesamtumsatz (Hockeybusiness und Gastronomie) von etwas über 50 Millionen ist der SCB ein halber FC Basel geworden. Die Basler setzen etwas mehr als 100 Millionen um. Sie erzielen allerdings etwa die Hälfte dieses Umsatzes auf Feldern, die dem SC Bern verschlossen bleiben: Mit Transfers und mit den internationalen Wettbewerben (Champions League, Europa League).

Im Eishockey gibt es keine Transfererlöse (die Ausbildungsentschädigungen für selbst ausgebildete Spieler fallen in der Gesamtrechnung nicht ins Gewicht) und die Champions Hockey League hat bisher nur gekostet und dürfte noch auf Jahre hinaus kein «Big Business» werden.

Nur mit der nationalen Meisterschaft erzielt der SCB in Kombination mit seinen Beizen also rund gleich viel Umsatz wie der FC Basel.

Der SCB ist nicht Besitzer des Stadions. Aber Generalmieter. Die Berner verdienen also auch noch etwas Geld mit der Weitervermietung (und der Gastronomie) für andere Anlässe wie etwa die EM der Kunstturner im vergangenen Mai.

epa05332808 Britain's Joe Fraser performs on the vault during the junior all-around final at the European Artistic Gymnastics Championships at Postfinance Arena in Bern, Switzerland, 27 May 2016.  EPA/PETER KLAUNZER

Spült ein bisschen Geld in die SCB-Kassen: Die Weitervermietung der gemieteten Arena. Bild: EPA/KEYSTONE

Wo steht der Schweizer Meister 2016 im internationalen Vergleich damit? Nun, der SCB ist ein halbes NHL-Unternehmen geworden. Zumindest wenn wir zum Vergleich die Kennzahlen des wirtschaftlich schwächsten der 30 NHL-Klubs heranziehen. Die Florida Panthers setzten knapp 100 Millionen Dollar um verlieren Jahr für Jahr über 10 Millionen Dollar.

Hingegen ist der SCB im Vergleich zum wirtschaftlich erfolgreichsten NHL-Unternehmen nur ein Zwerg. Die New York Rangers erzielen bei einem Umsatz von rund 230 Millionen Dollar bei gut 80 Millionen Bruttoertrag.

Der SCB beim «königlichen» Teamevent

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Der SCB beim «königlichen» Teamevent
quelle: keystone / manuel lopez
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