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Patrick Fischer, right, head coach of Switzerland national ice hockey team, speaks to his players forward Nino Niederreiter, left, forward Gregory Hofmann #15, forward Reto Schaeppi #19, during the IIHF 2018 World Championship preliminary round game between Switzerland and Austria, at the Royal Arena, in Copenhagen, Denmark, Saturday, May 5, 2018. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Bringt Patrick Fischer die Schweiz zur taktischen Stilsicherheit? Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Findet Patrick Fischer die taktische Stilsicherheit, spielen wir um den WM-Titel

Immer mehr zeichnet sich ab: Die WM 2018 markiert einen historischen Wechsel in unserem Hockey. Der Nationaltrainer hat eine neue Rolle.

klaus zaugg, kopenhagen



Ein kurzer Blick zurück sagt uns viel über die Gegenwart und die WM 2018. Die Rückkehr unter die Grossen der Welt hat die Schweiz ab 1997 unter Ralph Krueger mit «System-Hockey» geschafft.

Wir hatten nicht die besseren Einzelspieler als Deutschland, Österreich, Norwegen, Dänemark, Weissrussland, Frankreich, Lettland, die Ukraine oder Kasachstan. Also jene Länder, die uns noch in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre so oft vor der Sonne standen.

ARCHIVBILD ZUM WECHSEL VON MARK STREIT ZU TAMPA BAY --- Switzerland's Mark Streit drives the puck, during the IIHF 2015 World Championship preliminary round game Switzerland vs Canada, at the O2 Arena, in Prague, Czech Republic, Sunday, May 10, 2015. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Mark Streit bei seiner letzten WM 2015. Bild: KEYSTONE

Weil wir keine Spieler in der NHL hatten – Mark Streit war 2006 der erste NHL-Stammspieler in einem WM-Team – war es möglich, mit der Nationalmannschaft während der Saison ein Spielsystem einzuüben.

Die Anforderungen an den Nationaltrainer waren also ganz andere als heute. Und nur ein charismatischer Hockeycoach von Weltformat wie Ralph Krueger war dazu in der Lage, die Nationalmannschaft taktisch so zu schulen wie ein Klubteam. Er ist und bleibt der wichtigste Nationaltrainer unserer Hockeygeschichte.

Die Silber-WM 2013 war der Höhepunkt der «System-Nationalmannschaft». Sie war bereits ergänzt durch NHL-Spieler – Nino Niederreiter und vor allem Leitwolf Roman Josi machten aus einem guten ein grosses WM-Team. Aber getragen wurde diese Mannschaft nach wie vor von den Schweizern und von einer sehr guten Spielorganisation.

Der Übergang zur «Namens-Nationalmannschaft» ab 2013 ist bisweilen chaotisch verlaufen und artete 2016 in Moskau bei der ersten WM unter Patrick Fischer in «Pausenplatzhockey» aus. Die Ordnung hatte sich aufgelöst. Die grossen Spielerpersönlichkeiten, die ein Team prägen und tragen, hatten wir noch nicht in ausreichender Zahl. Auch Nino Niederreiter war 2016 noch nicht der charismatische Leitwolf, der er heute ist.

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Die Highlights des gestrigen Schweizer Sieges. Video: YouTube/IIHF Worlds 2018

Bei der WM 2018 haben wir jetzt zum ersten Mal eine «Namens-Nationalmannschaft» wie die anderen Grossen auch. Wir haben jetzt die besseren Einzelspieler als die «Hockey-Schwellenländer» Österreich, Norwegen, Dänemark, Weissrussland, Frankreich, Lettland, die Ukraine oder Kasachstan. Und mindestens gleich gute wie Deutschland.

«Wir treten frech und mutig auf und es spielt keine Rolle mehr, wer der Gegner ist.»

Patrick Fischer

Fünf Feldspieler, die eine wichtige oder gar zentrale Rolle spielen, sind erst unmittelbar vor der WM aus Nordamerika angereist. Die Verteidiger Dean Kukan und Mirco Müller, die Stürmer Sven Andrighetto, Timo Meier und Nino Niederreiter. Und nach wie vor sind zwei Plätze frei für weitere NHL-Spieler.

Switzerland's forward Timo Meier #28 scores the 5:2 against Belarus' goaltender Mikhail Karnaukhov, 2nd right, past Belarus' forward Artyom Kisly #82, defender Yevgeni Lisovets #14 and Switzerland's forward Gregory Hofmann, right, during the IIHF 2018 World Championship preliminary round game between Switzerland and Belarus, at the Royal Arena, in Copenhagen, Denmark, Wednesday, May 9, 2018. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Timo Meier (links) bei seinem 5:2 – er glänzte im ersten Einsatz auch mit zwei Assists. Bild: KEYSTONE

Nationaltrainer Patrick Fischer zieht also nach vier Partien und neun Punkten eine positive Zwischenbilanz. «Die Punkte sind das eine, aber mir gefällt vor allem auch die Art und Weise, wie wir spielen. Wir treten frech und mutig auf und es spielt keine Rolle mehr, wer der Gegner ist. Das ist es, was mir gefällt.» Dazu komme, dass jeder seine Rolle akzeptiere. «Es ist eine gute Mannschaft.»

Patrick Fischer, head coach of Switzerland national ice hockey team, speaks to the media, after a training session of the IIHF 2018 World Championship at the practice arena of the Royal Arena, in Copenhagen, Denmark, Friday, May 4, 2018. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Patrick Fischer ist mit der Nati bisher zufrieden. Bild: KEYSTONE

Nun haben also auch wir NHL-Stars, die dazu in der Lage sind, ein Team auf und neben dem Eis zu führen (wie Nino Niederreiter) und so den Trainer zu entlasten. Unter diesen Voraussetzungen sind beim Nationaltrainer andere Qualitäten gefragt. Ein so guter Taktiker wie Ralph Krueger muss er nicht mehr sein. Die tägliche Detailarbeit wie bei einem Klubtrainer ist nicht mehr wichtig.

Der Nationaltrainer ist jetzt mehr Manager, Motivator und Kommunikator, der die Sprache seiner Jungs spricht, gute Beziehungen pflegt, sicherstellt, dass die NHL-Stars zur WM kommen, wenn sie die Möglichkeit haben. Und für gute Laune bei der WM sorgt («Cheerleader»).

epa06723147 Switzerland's players cheer their supporters after the IIHF 2018 World Championship preliminary round game between Switzerland and Belarus at the Royal Arena in Copenhagen, Denmark, 09 May 2018.  EPA/SALVATORE DI NOLFI

Gute Laune bei den Schweizern und ihren Fans. Bild: EPA/KEYSTONE

Es ist exakt die Rolle für den Trainer-Zauberlehrling Patrick Fischer, der als Klubtrainer gescheitert ist, aber viele Voraussetzungen für diese neue Rolle an der nationalen Bande mitbringt.

Dass Patrick Fischer beim olympischen Turnier gescheitert ist, aber bei dieser WM auf gutem Weg zur Erfüllung der Vorgaben (Viertelfinale) ist, hat durchaus seine Logik: Beim olympischen Turnier konnten die NHL-Stars nicht teilnehmen. Da war noch einmal die alte «System-Nationalmannschaft» wie zu den Zeiten von Ralph Krueger gefragt. Und in dieser Rolle war Patrick Fischer völlig überfordert. Die Achtelfinals waren das logische Ende des olympischen Abenteuers.

Switzerland's players celebrate their victory over USA, during the IIHF Ice Hockey World Championships semifinal match Switzerland vs USA at the Globe Arena in Stockholm, Sweden, on Saturday, 18 May 2013. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Die Schweizer an der WM 2013 nach dem Final-Einzug. Bild: KEYSTONE

In Kopenhagen haben wir eine «Namens-Nationalmannschaft» wie nie zuvor und damit ganz andere Voraussetzungen. Spielerisch besser, offensiv spektakulärer und dynamischer als jedes andere WM-Team seit 1951 und auf Augenhöhe mit dem WM-Silberteam von 2013.

«Wenn wir richtig spielen – dazu gehört Stabilität in der Defensive – dann haben wir gegen jeden Gegner eine gute Chance.»

Patrick Fischer

Ob sich die Schweizer hier in den nächsten Partien am Samstag gegen Russland und am Sonntag gegen Schweden und dann im Viertelfinale gegen einen Titanen aus der anderen Gruppe durchsetzen können, hängt nicht mehr in erster Linie von der eingeschulten Taktik ab. Aber die Rolle des Nationaltrainers ist immer noch wichtig: wenn er das Gespür für die richtige Zusammenstellung seiner Linien hat, in den entscheidenden Momenten die richtigen Worte findet, während des Spiels die Übersicht nicht verliert und zumindest in der eigenen Zone für eine gewisse spielerische Systematik sorgt, dann kann er nach wie vor die Differenz machen.

Und etwas mehr defensive Ordnung sollte schon sein. Das sieht auch Patrick Fischer so: «Wenn wir richtig spielen – dazu gehört Stabilität in der Defensive – dann haben wir gegen jeden Gegner eine gute Chance. Wenn wir nicht richtig spielen, wird es noch immer gegen jeden Gegner schwierig.»

epa06723204 Switzerland's players listen to the Swiss anthem after the IIHF 2018 World Championship preliminary round game between Switzerland and Belarus at the Royal Arena in Copenhagen, Denmark, 09 May 2018.  EPA/SALVATORE DI NOLFI

Hören wir den Schweizerpsalm auch nach Partien gegen die «grossen» Gegner? Bild: EPA/KEYSTONE

Wenn die Schweizer zur neuen offensiven Dynamik und zum neuen Selbstvertrauen von Kopenhagen noch 20 Prozent von der taktischen Stilsicherheit aus der Zeit der «System-Nati» hätten – wir würden um den WM-Titel spielen.

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24 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
N. Y. P. D.
10.05.2018 11:18registriert October 2015
Patrick Fischer, ich fasse den Artikel für Dich zusammen :
Du hast eine neue Rolle.
Motivieren, kommunizieren, Sprache der Jungs sprechen, Beziehungen pflegen, für gute Laune sorgen. Also ein «Cheerleader» sein.
Du bist ein Zauberlehrling und ein gescheiterter Klubtrainer, der taktisch schlecht ist und der jetzt halt die Aufgabe hat, die richtige Zusammenstellung der Linien zu finden und ansonsten den NHL-Stars nicht im Wege zu stehen.
Bei Gold heisst es dann : Trotz Dir ist die Schweiz Weltmeister
Ja, Du und der Eismeister, wahrlich keine Symbiose.
🙈
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morax
10.05.2018 11:09registriert January 2014
Jetzt vom Titel zu sprechen ist masslos. Zuerst folgen Mannschaften wie Schweden und Russland, die unangefochten an der Weltspitze stehen.
Dann schauen wir weiter...
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Wayne99
10.05.2018 12:56registriert April 2014
Es macht wieder mal Spass unserem Team zu zuschauen!
Das Spiel gegen Tschechien war ja so was von Geil ( jetzt wissen wir warum Fischer auf Spieler wie Mottet, Fazzini usw.verzichtet, das Spiel war Knallhart!)
Aber vom Titel sprechen ist schon gewagt, wenn man den Kanadiern und den Russen so zuschaut....ups!
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