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Davos' Head coach Arno Del Curto reacts behind his players, during the game of National League A (NLA) Swiss Championship between Geneve-Servette HC and HC Davos, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Tuesday, February 17, 2015. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Noch mehr Sorgenfalten für Del Curto – oder gar Aufschwung für den HCD? Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Der Trubel um seinen Sohn: So oder so eine Geschichte, die den Kultstatus von Arno Del Curto mehrt

Arno Del Curtos Bub attackiert mit einem Mercedes den Bus des gegnerischen Teams. Wahrlich die Hockey-Story des Jahrzehnts.



Ach, welches Vergnügen bereitet uns der «Blick» mit dieser Geschichte. Bessere Unterhaltung ist nicht mehr möglich. Zumal ja alles glimpflich verlaufen ist und es in dieser Sache keine Verletzten gibt. Niemand hätte diese Geschichte erfinden können. Nicht Tom Wolfe, nicht Norman Mailer, nicht John Grisham.

Die Medien haben bei keinem anderen Hockeytrainer das Wort «Vollgas» so oft zur Charakterisierung der Persönlichkeit und der Spielphilosophie verwendet wie bei Arno Del Curto. Vollgas ist das HCD-Hockey, Vollgas gibt der Trainer im Training und an der Bande. Vollgas gibt er bei Interviews. Und dann attackiert sein Bub auf der Autobahn mit einem Mercedes den Mannschaftsbus der gegnerischen Mannschaft.

Kein anderer Trainer gibt so sehr den Nonkonformisten wie Arno Del Curto (er ist es ja auch). Wer ihn so sieht und erlebt, nie in Anzug und Krawatte, wild und rebellisch, wer um seine Vorliebe um Rockmusik weiss, der ordnet ihn eher dem linken politischen Lager zu. Aber sein Bub attackiert auf der Autobahn nicht mit einem «Deux Chevaux» oder einem Käfer den Teambus der Zuger – nein, mit der Kapitalisten-Kutsche Mercedes.

Ein Reflex gegen den «Feind»

Ich lege es positiv aus. Der Bub hat die Vollgas-Eishockey-Philosophie seines Vaters, dieses totale Engagement, diese Leidenschaft, diese Kompromisslosigkeit, in die Tat umgesetzt. Nur eben leider am falschen Ort. Aber irgendwie ist es verständlich: Wer als Sohn miterlebt, wie sehr der Vater für den HCD lebt und leidet, setzt diese Botschaft beim Zusammentreffen mit dem «feindlichen» Mannschaftsbus auf der Autobahn reflexartig um. Die ganze Geschichte wird doch hoffentlich noch von allerlei Küchentisch-Psychologen aufgearbeitet und analysiert.

Schadet diese Geschichte Arno Del Curto? Könnte diese Geschichte gar dazu führen, dass der HCD diese Viertelfinalserie gegen Zug verliert? Nein, überhaupt nicht.

Wieso hat Del Curto junior den EVZ-Bus ausgebremst?

Natürlich wird im Falle eines Ausscheidens gegen Zug auch diese ganze Angelegenheit als Begründung herangezogen. Das lässt sich nicht vermeiden. Die Versuchung ist einfach zu gross, ironisch oder weniger ironisch diese Geschichte nun in die Berichterstattung einfliessen zu lassen. Aber wenn der HCD dieses Viertelfinale verliert, dann wird es lediglich ganz profane, unspektakuläre hockeytechnische Gründe haben.

Autobahn-Episode bringt Team näher zusammen

Solche Vorfälle führen in der Regel eher dazu, dass eine Mannschaft noch enger zusammenrückt und sich um den Trainer scharrt. Wenn schon, dann hat diese Story eher positiven Einfluss auf das Leistungsvermögen des HC Davos. Rückt der HCD nun erstmals seit 2011 wieder ins Halbfinale vor, wird diese Autobahn-Episode erst recht im guten Sinne in die Geschichte eingehen. Und so oder so mehrt sie, wenn sich der Pulverdampf erst einmal verzogen hat, den Kultstatus von Arno del Curto.

Eine solche Geschichte befeuert natürlich auch die Boshaftigkeit, die fast allen Chronisten innewohnt. Sagt uns doch Wilhelm Busch: «Dummheit, die man bei anderen sieht, wirkt meist erhebend aufs Gemüt.» Die Verteidigung von Arno Del Curto junior sollte unbedingt Reto Steinmann übertragen werden. Der Einzelrichter ist ja ein erfahrener Strafverteidiger, war früher Strafrichter und hat unzählige Delikte aus dem Strassenverkehr entweder als Verteidiger oder Richter bearbeitet. Und in der Werbeabteilung des Mercedes-Importeurs arbeiten sicherlich kreative Köpfe, die aus diesem ja letztlich glimpflich verlaufenen Zwischenfall einen coolen Werbesport machen können.

Wir zitieren zum Abschluss passend zweimal Wilhelm Busch. Für den Vater: «Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr.» Und für den Bub: «Der Gedanke macht mich blass, wenn er fragt: Was kostet das?»

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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • my2cents 12.03.2015 09:19
    Highlight Highlight "Ich lege es positiv aus."
    "Aber irgendwie ist es verständlich"
    "[...] die aus diesem ja letztlich glimpflich verlaufenen Zwischenfall einen coolen Werbesport machen können"

    ...Äh.... schliifts?!
  • goldmandli 10.03.2015 18:27
    Highlight Highlight wieso wird diese tat (die es für ein mal verdient hat) nicht als lächerlich betittelt und von k.z. durch den fleischwolf der satire gequetscht? für mich ziemlich peinlich, man kann sein team auch besser supporten.

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