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Der Zuercher Verteidiger Phil Baltisberger, links, im Spiel gegen den Zuger Stuermer Dominic Lammer, rechts, im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EV Zug und den ZSC Lions am Samstag, 3. Oktober 2015, in der Bossard Arena in Zug. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Zug musste gestern gegen den ZSC Lehrgeld bezahlen. 
Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Eine Playoff-Lehrstunde im Oktober und was Zug zum Titel fehlt

Zug verpasst durch eine 1:3 Niederlage gegen die ZSC Lions die Tabellenführung. Das Spiel zeigt auch, wie wichtig Rafael Diaz für die Zuger wäre.



Das Spiel ist wahrlich kein Spektakel. Taktisch hochstehend und intensiv, ganz nach dem Gusto der Trainer. Aber kein Vergnügen für die Fans. Nach einer schnellen 1:0-Führung scheint der achte Sieg in Serie (inkl. Cup) möglich. Aber die Zürcher bekommen die Partie überraschend schnell unter Kontrolle. Die tapferen Zuger zerbrechen schliesslich am taktischen Realismus eines unerbittlichen Widersachers.

Der Zuger Stuermer Dominic Lammer, links, und der Zuger Stuermer Pierre-Marc Bouchard, 2. von links, im Spiel gegen die Zuercher Verteidiger Severin Blindenbacher und der Zuercher Stuermer Morris Trachsler, rechts, im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EV Zug und den ZSC Lions am Samstag, 3. Oktober 2015, in der Bossard Arena in Zug. (PHOTOPRESS/Alexandra Wey)

Der ZSC hatte das Spielgeschehen gestern in Zug unter Kontrolle.   
Bild: PHOTOPRESS

ZSC bereits auf Playoff-Niveau

Gegen jedes andere NLA-Team hätten die Zuger mit der gleichen Leistung wohl gewonnen. Aber nicht gegen diese ZSC Lions. Die Zürcher sind mit der grimmigen Entschlossenheit nach Zug gereist, die 0:4-Pleite vom Vortag gegen Servette zu korrigieren. Sie spielen bereits im Oktober Playoff-Hockey. Mit einer Entschlossenheit, die keine Zweifel aufkommen lässt. Gegen so konzentrierte und disziplinierte ZSC Lions ist es noch schwieriger zu gewinnen als gegen einen Schwingerkönig, der unbedingt einen Gestellten will.

«Wir hätten noch mehr laufen müssen, dann wäre mehr möglich gewesen. Aber die Spritzigkeit fehlte.»

Lino Martschini über das Spiel gegen den ZSC.

In Zug haben wir zum ersten Mal in dieser Saison die «Hockey-Maschine» ZSC Lions gesehen. Vier gleichwertige Linien. Die vierte genauso stark wie die erste. Die Künstler mutieren bei Bedarf zu defensiven Maschinisten und die defensiven Maschinisten sind so talentiert, dass sie auch offensiv Wirkung erzielen. So spielt es auch keine Rolle, dass nicht Nationaltorhüter Lukas Flüeler im Kasten steht. Sondern Niklas Schlegel, die Nummer zwei. Ein guter, aber keineswegs ein grosser Goalie. Hinter dieser Abwehr wird jeder Torhüter ein bisschen grösser, flinker und sicherer. Selbst für die offensiv starken Zuger ist es überaus schwierig, die neutrale Zone gegen den geschickt Defensiv-Schach spielenden Gegner zu überwinden.

Zug, 03.10.2015, Eishockey NLA - EV Zug - ZSC Lions, Lino Martschini (L, EVZ) gegen Mike Kuenzle (R, ZSC). (Marc Schumacher/EQ Images)

Lino Martschini fand keine freie Laufwege.
Bild: Marc Schumacher

Die Zuger Angriffe laufen sich bald einmal fest wie ein Motor ohne Öl. Pierre-Marc Bouchard wird auf die Aussenbahnen abgedrängt. Lino Martschini, der sonst immer freie Laufwege findet, nur nicht in diesem Spiel, hat eine Erklärung: «Wir hätten noch mehr laufen müssen, dann wäre mehr möglich gewesen. Aber die Spritzigkeit fehlte.» Das mag sein. Aber auch grösserer läuferischer Aufwand hätte kaum zu mehr Ertrag geführt. Nicht an diesem Abend. Nicht gegen diese ZSC Lions. Die Laufwege waren zu.

Der fehlende «Quarterback»

Die Zürcher demonstrierten den taktischen Realismus, der aus einem guten Team eine Meistermannschaft machen kann. Eine Lehrstunde für die Zuger. So gesehen ist dem EVZ auf eindrückliche Art und Weise vor Augen geführt worden, was zu einem Meisterteam nach wie vor fehlt: In erster Linie ein dominierender «Quarterback» (Spielmacher), der mit schnellen, präzisen Pässen die Angriffe auslösen kann bevor sich der Gegner organisiert hat. Dabei geht es um Sekunden. Womit wir beim Thema des Abends sind.

Raphael Diaz ist einer der wenigen Schweizer Verteidiger, der mit seinen Pässen das Offensivspiel zu dynamisieren vermag. Wer will, kann Raphael Diaz als letztes Teilchen zu einem Zuger Meisterpuzzle bezeichnen. Ein Transfer des WM-Silberhelden aus der NHL zurück in die Schweiz könnte die Meisterschaft tatsächlich entscheiden.

Philadelphia, 22.09.2015 - Eishockey NHL Pre-Season, Philadelphia Flyers - New York Rangers, Raphael Diaz (Rangers) - Foto: Gavin Baker/Icon Sportswire (EQ Images) SWITZERLAND ONLY

Diaz könnte für Zug zum wichtigsten Transfer der letzten Jahren werden. 
Bild: Icon SMI

Diaz-Rückkehr wird nicht am Geld scheitern

Die Frage ist nun, ob und wie schnell er aus dem Vertrag mit den New York Rangers herauskommt. Zugs Sportchef Reto Kläy sieht die Sache gelassen. «Wir warten jetzt erst einmal ab, was passiert.» Er muss nicht einmal verhandeln. Denn Raphael Diaz hat in Zug nach wie vor einen gültigen Vertrag bis zum Ende der Saison. Eine Rückkehr in die Schweiz ist also nur nach Zug möglich. Ja, Diaz hat sogar das Recht, bei einer Rückkehr Zug auf Aufnahme ins Team zu pochen – weil er ja einen Vertrag hat. Die Gespräche in New York orchestriert sein Agent Dani Giger bzw. dessen nordamerikanischer Partner Rick Winter.

Raphael Diaz kommt – vielleicht. Der Präsident geht – definitiv. Roland Staerkle gibt sein Amt am Montag an der Generalversammlung ab. Er hat sich nach dem Spiel in der Kabine verabschiedet. «Es ist ein emotionaler Moment für mich. Aber ich kann einen schuldenfreien, tollen Klub in einem neuen Stadion übergeben – mehr ist nicht möglich.» Es fehle nur noch ein Titel. «Und wenn wir den diese Saison holen sollten, wäre es ja auch noch ein wenig meine Saison.» Er versichert, dass eine Rückkehr von Raphael Diaz nicht am Geld scheitern wird. «Das können wir finanzieren.»

NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden

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