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Eishockey-WM in Prag, Spiele vom Samstag

A: Schweiz – Österreich 3:4 (1:0, 1:1, 1:2, 0:0) n.P. 
B: Slowakei – Dänemark 4:3 (0:0, 0:1, 3:2, 0:0) n.P.
A: Frankreich – Deutschland 1:2 (0:1 0:0 1:1) 
B: Weissrussland – Slowenien 4:2 (2:1, 1:0, 1:1)
A: Lettland – Tschechien 2:4 (1:0 1:3 0:1) 
B: Norwegen – USA 1:2 (1:1 0:1 0:0) 

Glen Hanlon, head coach of Switzerland's national ice hockey team, instructs his players, during the IIHF 2015 World Championship preliminary round game Switzerland vs Austria, at the O2 Arena, in Prague, Czech Republic, Saturday, Mai 2, 2015. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Glen Hanlon hat heute den Draht zu seiner Mannschaft nicht wirklich gefunden. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Glen Hanlon wirkt ratlos: «Wir waren nervös, nicht arrogant»

Nationaltrainer Glen Hanlon nimmt die Spieler nach der peinlichen Niederlage gegen Österreich (3:4 n.P.) in Schutz.

klaus zaugg, prag



Der freundliche Kanadier beginnt seine Medienkonferenz mit einem Glückwunsch und einem Kompliment an den gegnerischen Coach. So ist das üblich. Aber er hätte es auch getan, wenn es nicht Brauch wäre. Glen Hanlon ist ein freundlicher Coach.

Ach, welch ein Spektakel wären die Interviews nach einer solchen Partie mit dem grantigen Silberschmied Sean Simpson gewesen. Aber Glen Hanlon ist so nett. Ja, er wirkt irgendwie hilflos. Er sagt, die Spieler seien nicht arrogant gewesen. «Niemand hat diesen Gegner unterschätzt. Wir waren nervös. Wir wollten gegen den Aufsteiger unbedingt gewinnen. Das ist eine ganz andere Ausgangslage als ein Spiel gegen einen Grossen, wenn wir sagen können: Okay, lass uns spielen und wenn wir verlieren ist es nicht so schlimm.»

Verteidiger Félicien Du Bois, der mit dem ersten Schuss der Schweizer gleich zum 1:0 getroffen hatte, sagt, man habe diesen Gegner ernst genommen. Auch nach dem frühen 1:0. «Niemand unterschätzt an einer WM einen Gegner. Wer auf diesem Niveau spielt, ist gut». Die Niederlage sei sehr frustrierend. Nein, auch das frühe 1:0 habe nicht zu Überheblichkeit geführt. Entscheidend sei gewesen, dass das 2:0 nicht gelungen sei.

Switzerland’s Felicien du Bois, left, celebrates with Kevin Fiala, right, after scoring the opening goal during the Hockey World Championships Group A match against Austria in Prague, Czech Republic, Saturday, May 2, 2015. (AP Photo/Petr David Josek)

Du Bois: «Niemand unterschätzt an einer WM einen Gegner». Bild: Petr David Josek/AP/KEYSTONE

Glen Hanlon führte weiter, er habe vor dem Spiel ein gutes Gefühl gehabt und man habe diesen Gegner nicht falsch eingeschätzt. «Wir wussten, dass es schwierig werden würde.» Wie Félicien Du Bois sieht auch Glen Hanlon im verpassten zweiten Treffer einen wichtigen Grund für die Niederlage. «Nach dem 1:0 ist uns das 2:0 nicht gelungen und der Gegner ist immer dran geblieben.» Österreichs Bandengeneral Dan Ratushny sah das ähnlich. «Ich freue mich nicht nur über den Sieg. Ich freue mich ganz besonders, wie sich meine Spieler zu diesem Sieg durchgekämpft und nie aufgegeben haben.»

Hilfloser Glen Hanlon

Am Ende schafften die Österreicher 50 Sekunden vor Schluss den Ausgleich zum 3:3 gegen unsere NHL-Titanen Roman Josi und Mark Streit. Jemand fragt, ob es richtig gewesen sei, in der Schlussphase auf diese zwei Verteidiger zu setzen. «Wenn wir 3:2 führen und der Gegner in der zweitletzten Minute ein Time Out nimmt und ich nicht Roman Josi und Mark Streit aufs Eis schicke, dann darf man mich zu Recht kritisieren.»

Glen Hanlons ganze Körpersprache nach dem Spiel drückte Rat- und Hilflosigkeit aus. Kann er seinen Jungs Zuversicht und Selbstvertrauen einflössen. Kann er den völlig verunsicherten Damien Brunner aufrichten? Das vermag er nicht zu sagen und gibt zu bedenken: «Während einer WM habe ich als Coach sehr wenig Zeit zur Verfügung. Wenn ein Skorer wie Damien Brunner nicht trifft, dann wird er kritisiert. Dabei spiel er nicht so schlecht.»

Switzerland's Damien Brunner, left, misses a goal against Austria's Bernhard Starkbaum, right, during the shoot out session at the IIHF 2015 World Championship preliminary round game Switzerland vs Austria, at the O2 Arena, in Prague, Czech Republic, Saturday, Mai 2, 2015. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Damien Brunner sucht nach wie vor nach seiner Form. Bild: KEYSTONE

Vor dem nächsten Spiel am Sonntag gegen Frankreich gibt es ein Fragezeichen. Dean Kukan verschwand gegen Ende des zweiten Drittels nach einem harten Aufprall auf die Bande nach einem Check in der Kabine. Er hat eine Schulterverletzung erlitten. Glen Hanlon rechnet nicht mehr mit ihm. «Wir haben noch keinen definitiven Bescheid vom Arzt. Aber wenn ein Spieler im ersten Spiels aufgeben muss, dann kehrt er in der Regel nicht mehr ins Turnier zurück». Wenn Dean Kukan nicht mehr eingesetzt werden kann, dann wird Timo Helbling gegen Frankreich ins Team nachrutschen – er hat immerhin gegen die Franzosen im zweitletzten Testspiel (3:2) zwei Treffer erzielt.

Sven Bärtschi wird nicht nachnominiert

Nationaltrainer Glen Hanlon liess es nach dem 3:4 n.P. gegen Österreich offen, ob er für den noch nicht registrierten Tristan Scherwey einen Spieler nachnominieren wird. Aber seine Antwort («Ich sage dazu nichts, so lange Bärtschi noch in den Playoffs spielt») liess eigentlich nur einen Schluss zu: Ja, er wird den NHL-Erstrundendraft im Falle eines Falles nach Prag holen.

Dazu wird es nicht kommen. Sein Agent sagt, Sven Bärtschi werde in keinem Fall zur WM kommen. Mit einer einfachen Begründung: Glen Hanlon habe sich bisher nie für seinen Klienten interessiert und deshalb sei die WM so oder so kein Thema mehr.

«So lange er noch in den Playoffs spielt, gebe ich dazu keine Antwort.»

Glen Hanlon zur Personalie Bärtschi.

Im letzten Drittel hatte Kevin Fiala nur noch halb so viel Eiszeit wie im ersten und zweiten Abschnitt. Weil er die taktischen Anweisungen nicht befolgt und eigensinnig gespielt hat. «Nein» sagt Glen Hanlon. «Wir wollten in der Schlussphase das 3:2 über die Zeit bringen und deshalb kamen die Defensivstürmer zum Zuge. Wenn wir 2:3 im Rückstand gewesen wäre, hätte Kevin Fiala Doppeleinsätze bekommen. Ich habe überhaupt kein Problem mit ihm.» Mit dieser Aussage versucht er, die Spekulationen um die «Unführbarkeit» des eigenwilligen Schillerfalters zu beenden.

Am meisten Eiszeit hatte in diesem ersten Spiel wie erwartet Roman Josi (28:24 Min.) vor Mark Streit (23:38 Min.). Josi ging mit einer ausgeglichenen Bilanz vom Eis, Streit stand beim 1:0 sowie bei den Gegentreffern zum 2:2 und 3:3 auf dem Eis (-1). Josi gab das Zuspiel zum 2:1 und stand ebenfalls beim 3:3 auf dem Eis.

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