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Enttaeuschte Langnauer Spieler im Eishockey National League A Spiel zwischen dem SC Bern und den SCL-Tigers, am Freitag, 14. Oktober 2016, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/ Peter Schneider)

Lange Gesichter bei den Langnauern. So ein schwaches Derby gab es seit 1998 nicht mehr. Bild: KEYSTONE

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Die programmierte Pleite: Darum hinkt Langnau der Konkurrenz drei Monate hinterher

Die SCL Tigers fallen nach einem kläglichen 1:4 in Bern wieder auf den letzten Platz zurück. Weil sie Augustkatzen sind und drei Monate Rückstand auf die Konkurrenz haben.



>>> Wir tickern heute ab 19.45 Uhr die Partie Langnau – SC Bern live!

Die Bauern im Bernbiet halten nichts von Katzen, die im August auf die Welt kommen. Wenn der Winter kommt, sind die August-Katzen noch zu klein. Sie überstanden früher die kalte Jahreszeit nicht, als sie nicht in die warme Stube durften wie heute und auf der kalten, zugigen Heubühne darben mussten. Wenn ein Kind im Winter kränkelte, sagte man früher: «äs schnuderet wie eine August-Katze.» Nur Mai-Katzen waren im Herbst schon kräftig genug, um den Winter zu überleben.

Katze Schnee Winter

Keine Augustkatze: Dieses Exemplar scheint sich im Schnee wohl zu fühlen.

Die SCL Tigers sind typische Augustkatzen. Hätten sie früher einen richtigen Trainer bekommen, also schon im Juli wie die übrigen Mannschaften, dann wären sie beim Saisonauftakt Anfang September so gut trainiert und taktisch geschult gewesen, dass sie genug Punkte geholt hätten, um jetzt auf einen Playoff-Platz zu stehen.

Herbst 2016 ideal für Aussenseiter 

Der Herbst 2016 ist eine freundliche Jahreszeit für die Aussenseiter. Die Titanen (SCB, ZSC Lions) stehen nach einem Philosophiewechsel (von NHL auf skandinavisch) in einer Findungsphase. Arno Del Curto wagt in Davos ein Torhüterexperiment und Zug ist an die Tabellenspitze getaumelt. Kloten, Lausanne und Biel haben diese Situation genützt. Für Langnau wären bisher neun Punkte mehr möglich gewesen.

L'attaquant lausannois Harri Pesonen, droite, celebre avec ses coequipiers le 2eme but devant le gardien tessinois Sandro Zurkirchen, centre, lors du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League A, entre le Lausanne HC, LHC, et HC Ambri-Piotta ce mardi 11 octobre 2016 a la patinoire de Malley a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Bisher der frechste Aussenseiter: Lausanne tanzt vorne mit. Bild: KEYSTONE

Aber Langnau hat mit Heinz Ehlers erst seit zwei Wochen einen richtigen Trainer. Die SCL Tigers stehen in der taktischen und spielerischen Entwicklung erst dort, wo die übrigen elf NLA-Teams bereits Anfang Juli beim Beginn des Eistrainings standen. Sie haben also drei Monate Rückstand auf die Konkurrenz.

Larifari-Betrieb kann nicht kompensiert werden

Das ist doppelt und dreifach fatal. Die SCL Tigers sind nominell (auf dem Papier) eines der schwächsten Teams der Liga, und wer behauptet, sie seien sogar das Schwächste, ist kein Schelm. Also sind taktische Schulung, intensives Training und schlaues Coaching noch wichtiger als bei der Konkurrenz. Langnau hat keine Talentreserven, um einen Larifari-Betrieb zu kompensieren.

Berns Simon Bodenmann, Mitte, feiert gegen Langnaus Goalie Damiano Ciaccio, links, und Yves Mueller den Treffer zum 3:1 im Eishockey National League A Spiel zwischen dem SC Bern und den SCL-Tigers, am Freitag, 14. Oktober 2016, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/ Peter Schneider)

Langnau wollte am Freitag mit dem SCB mitspielen. Eine fatale Taktik. Bild: KEYSTONE

Die Emmentaler zahlen die Zeche für eine Operetten-Vorbereitung unter dem viel zu spät gefeuerten Scott Beattie. Sie gewannen sieben von acht Testpartien – aber sie spielten nur eine einzige (gegen Servette) gegen einen Gegner mit NLA-Format. Der schwächste Saisonstart der Vereinsgeschichte (seit 1946) mit neun Pleiten in Serie war die Quittung.

So wie den Augustkatzen drei Monate fehlen, um den Winter zu überstehen, so fehlen den SCL Tigers nun drei Monate seriöses Training und taktische Schulung, um die Playoffs zu erreichen. Auch ein so fähiger Mann wie Heinz Ehlers, der Nachfolger von Scott Beattie, kann diese drei Monate nicht mehr aufholen. Das Ziel müssten die Playoffs sein – aber er muss froh sein, wenn er den letzten Platz noch in diesem Jahr los wird.

ARCHIV --- ZUR ENTLASSUNG VON LANGNAU-COACH SCOTT BEATTIE STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Tigers Head Coach Scott Beattie, Mitte, waehrend dem Eishockey National League A Spiel zwischen den SCL Tigers und den ZSC Lions, am Samstag, 10. September 2016, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Scott Beattie: Wegen ihm sind die Langnauer gegenüber der Konkurrenz drei Monate zurück. Bild: KEYSTONE

Schwächstes Derby seit 18 Jahren

Mit dem neuen Trainer haben die Langnauer zweimal verloren (0:3 gegen Ambri, 1:4 in Bern) und zweimal gewonnen (3:2 n.V. in Davos, 3:0 gegen Gottéron). Der SCB hat ihnen gestern die Grenzen von allem Anfang an schonungslos aufgezeigt. Zumal die Emmentaler den Fehler machten, mit dem Bären zu tanzen. In einem offenen spielerischen Schlagabtausch sind sie gegen diesen viel schnelleren und talentierteren Gegner chancenlos. Den ersten Treffer kassierten sie mit dem ersten Schuss bereits nach 25 Sekunden.

Wir haben gestern das schwächste, emotionsloseste Derby-Langnau seit dem 12. September 1998 gesehen. Damals setzte es zum Saisonauftakt eine noch kläglichere 0:4-Pleite im ersten Spiel nach dem Wiederaufstieg von 1998 ab. Aber damals war es das erste NLA-Spiel seit zehn Jahren, seit dem 15. März 1988, der letzten Partie der Abstiegssaison 1987/88 (ein nutzloser 6:5-Sieg in Fribourg).

Berns Mark Arcobello, links, im Duell gegen SCL Tigers Yannick-Lennart Albrecht  im Eishockey National League A Spiel zwischen dem SC Bern und den SCL-Tigers, am Freitag, 14. Oktober 2016, in der PostFinance Arena in Bern. (PPR/ Peter Schneider)

Mut, Leidenschaft, Härte, Hartnäckigkeit, Provokation, Verzögerung und Schlauheit: Diese Tugenden fehlten Langnau am Freitag gänzlich. Bild: PPR

Langnau braucht die sieben Kardinaltugenden

Langnau hat nur mit den sieben Kardinaltugenden des Aussenseiters eine Chance: mit Mut, Leidenschaft, Härte, Hartnäckigkeit, Provokation, Verzögerung und Schlauheit. Alle sieben fehlten am Freitagabend. Und Heinz Ehlers sprach knurrig von einer peinlichen Leistung (er sagte tatsächlich «peinlich») und monierte, nur eine Mannschaft habe existiert.

«There’s always next game» trösten sich die Nordamerikaner über schlimme Niederlagen hinweg. Auch Heinz Ehlers ist froh, dass sein Team bereits heute gegen den gleichen Gegner die Chance zur Korrektur bekommt. Einen Sieg zu fordern wäre vermessen. Aber eine heftige Reaktion darf, muss es sein.

Die Stadien der 12 NLA-Klubs

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Die Stadien der 12 National-League-Klubs
quelle: keystone / peter schneider
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