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25.02.2014; Zug; Eishockey NLA EV Zug - HC Fribourg-Goteron ; Trainer Doug Shedden (Zug) (Daniela Frutiger/Freshfocus)

Bild: Daniela Frutiger

EVZ-Trainer Shedden gefeuert

Eismeister Zaugg

Gestrandet im Niemandsland zwischen General und Clown

Zug feuert Trainer Doug Shedden. Trotz grossem Unterhaltungswert. Der Kanadier versucht nun Nachfolger von Nationalcoach Sean Simpson zu werden.



Geht Doug Shedden als grosser Trainer in die EVZ- Geschichte ein? Nein. Ist er als Trainer in Zug gescheitert? Nein. Der kanadische Feuerkopf war also in Zug weder ein Held noch ein Versager. Er hat die Mannschaft fünfmal hintereinander in die Halbfinals gebracht – aber das Finale erreichte er nie. Dafür hat er er den EV Zug zu einem festen Wert im Innerschweizer Unterhaltungsprogramm gemacht. 

Doug Shedden war ein Bandengeneral. Aber kein grosser Bandengeneral. Dafür war er im Kern zu weich und es fehlte ihm jene Prise Unerbittlichkeit, Konsequenz und Bösartigkeit um mit seinem Team den letzten, so schwierigen Schritt ins meisterliche Paradies zu machen.

Abgang eines Entertainers

Doug Shedden war auch ein Clown. Oder sagen wir es ein bisschen weniger boshaft: Er war ein guter Entertainer. Mit einem ganz besonderen Sinn für Humor. Mit einer für Coaches eher ungewöhnlichen Selbstironie rettete er sich so oft aus schwierigen Situationen und er hat es verstanden, die Spieler bei Laune zu halten. 

Shedden war auch immer ein emotionaler Typ. Hier ein Müsterchen aus seiner Zeit bei IFK Helsinki. Nicht für Kinderohren geeignet. YouTube/ToplonParas

Deshalb hat es gegen Doug Shedden keinen Spieleraufstand gegeben. Zug ist als Mannschaft nie auseinandergefallen. Aber auch der beste Clown kann nicht fünf Jahre lang jeden Tag lustig sein.  

Am Ende ist Doug Shedden in seinem fünften Jahr im Niemandsland zwischen General und Clown gestrandet. Zu wenig autoritär, um als Bandengeneral die taktische Ordnung und Disziplin durchzusetzen und sein Team über die Leistungsgrenzen zu treiben. 

Als Clown zu wenig unterhaltsam, um bei miserablen Resultaten in der Chefetage und in der Kabine dauerhaft gute Laune zu verbreiten. 

Entlassung vorprogrammiert

Von allem Anfang an war diese Saison klar: Doug Shedden würde nur mit entsprechenden Resultaten eine kleine Chance auf die Erfüllung seines bis Ende der nächsten Saison laufenden Vertrages haben. Das Management in Zug hat viel Geld in die sportliche Aufrüstung investiert.

Le gardien Genevois Tobias Stephan repousse le puck Luganais, lors du match de Hockey sur glace de ligue nationale A, LNA, saison 2013-2014, entre Geneve Sevette et HC Lugano, ce vendredi 24 janvier 2014 a la patinoire des des Vernets a Geneve. (KEYSTONE/Christian Brun)

Wird in der neuen Saison Tobias Stephan das Goalieproblem lösen können? Bild: KEYSTONE

Auf nächste Saison kommen Nationalverteidiger (Grossmann), Nationalstürmer (Bürgler) und Nationaltorhüter (Stephan). Das Ziel ist klar: Aus einem guten NLA-Team soll nun eine grosse NLA- Mannschaft werden. 

Ein Trainer, der fünf Mal hintereinander im Halbfinale gescheitert ist, der fünf Mal hintereinander nicht dazu in der Lage war, eine gute Saison mit einem Finale oder einem Titel zu krönen, ist nicht der Mann, der aus Zug ein Meisterteam machen kann. 

Auch Sportchef Horak muss trotz guter Arbeit gehen

Wer Meister werden will, muss konsequent sein. Deshalb ist es nur logisch, dass mit dem Trainer auch Sportchef Jakub Horak gehen muss. Aber Jakub Horak hat einen viel besseren Job gemacht, als es auf den ersten Blick scheint. Seine Entlassung mahnt an den Moor, der seine Schuldigkeit getan hat. 

13.Okt.2012; Zug; Eishockey NLA - MK - EV Zug  ; Sportchef Jakub Horak und Henrik Zetterberg (Zug) (Daniela Frutiger/Freshfocus)

Beispielweise holte Horak in der Lockout-Saison mit Henrik Zetterberg einen Top Shot. Bild: Daniela Frutiger

Zugs gefeuerter Sportchef hat gute Transfers (Ramholt, Alatalo, Grossmann, Suri, Stephan) gemanagt, er hat die Jungen aus Kanada zurückgeholt (Bertaggia, Martschini) und die NHL-Pause letzte Saison optimal genutzt (Diaz, Brunner, Zetterberg). Seine Kritiker sagen es allerdings so: Er war wenigstens nicht zu stolz, um seinen Chef, Zugs Manager Patrick Lengwiler, um Rat zu fragen, wenn er nicht mehr weiter wusste. 

30 Minuten Zetterberg, Diaz und Brunner

YouTube/EVZcockroach

Der neue Sportchef Reto Kläy (35) passt perfekt zu Zug. Der Sohn eines wohlhabenden und politisch einflussreichen Langnauer Architekten brachte es als Verteidiger bis in die NLB. Verletzungspech und fehlendes Talent standen vor der grossen Karriere. In Langenthal ist aus dem Zauberlehrling ein smarter Sportchef geworden: Er hat den besten SC Langenthal aller Zeiten (NLB-Meister 2012) aufgebaut. 

Er ist freundlich und wer mit ihm verhandelt, neigt eher dazu, Zugs neuen Sportchef zu unterschätzen. Das aber ist fatal: Reto Kläy weiss sehr genau, was er will. Er hat den Mut zu unpopulären Entscheidungen und lässt sich durch Theaterdonner in den Medien nicht aus der Ruhe bringen. 

Letztlich kosteten Fehleinschätzungen bei den Torhütern und den Ausländern Doug Shedden und seinem Sportchef den Job. Mit einem erstklassigen ausländischen Goalie und drei erstklassigen ausländischen Feldspielern hätten die Zuger diese Saison um den Titel gespielt. Aber ein Team steht und fällt nun mal mit seinen Goalies und seinen Ausländern. 

Shedden als Nachfolger von Simpson?

Doug Shedden wird noch nicht von der helvetischen Bühne abtreten. Er möchte gerne Nationaltrainer werden und sein Agent Daniel Giger kennt sich im Fuchsbau des Verbandes aus: Giger ist ja auch Sean Simpsons Agent. Zugs Manager Patrick Lengwiler weiss schon, warum er seinen Coach jetzt schon gefeuert hat. Erstens gibt es ja nie einen idealen Zeitpunkt für die Entlassung. 

ZUR NICHT-VERLAENGERUNG DES VERTRAGES ALS EISHOCKEY-NATIONALTRAINER DURCH SEAN SIMPSON AM MONTAG, 3. MÄRZ 2014, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Sean Simpson, trainer of the Swiss national ice hockey team in Winterthur after a training session, pictured on November 5, 2013. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

ZUR NICHT-VERLAENGERUNG DES VERTRAGES ALS EISHOCKEY-NATIONALTRAINER DURCH SEAN SIMPSON AM MONTAG, 3. MÄRZ 2014, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Sean Simpson, trainer of the Swiss national ice hockey team in Winterthur after a training session, pictured on November 5, 2013. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

ZUR NICHT-VERLAENGERUNG DES VERTRAGES ALS EISHOCKEY-NATIONALTRAINER DURCH SEAN SIMPSON AM MONTAG, 3. MÄRZ 2014, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Sean Simpson, trainer of the Swiss national ice hockey team in Winterthur after a training session, pictured on November 5, 2013. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

ZUR NICHT-VERLAENGERUNG DES VERTRAGES ALS EISHOCKEY-NATIONALTRAINER DURCH SEAN SIMPSON AM MONTAG, 3. MÄRZ 2014, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Sean Simpson, trainer of the Swiss national ice hockey team in Winterthur after a training session, pictured on November 5, 2013. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Nationaltrainer Simspon geht nach der WM von Bord. Bild: KEYSTONE

Wenn klar ist, dass ein Trainer keine Zukunft mehr hat, ist es besser, den Entscheid sofort zu fällen. Und je früher Doug Shedden weiss, dass er einen neuen Job braucht, desto höher die Chance, dass er einen neuen Job bekommt und damit die Bezahlung des letzten Vertragsjahres nicht mehr nötig ist. Seit dem letzten Sonntag wissen wir, dass wir einen neuen Nationaltrainer brauchen. 

Zugs Manager Patrick Lengwiler weiss noch nicht, wer neuer Trainer wird. Das Anforderungsprofil für den neuen EVZ-Coach ist aber bekannt: Ein bisschen mehr Bandengeneral und ein bisschen weniger Clown als Doug Shedden.

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