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Ambri's Dominik Zwerger and the team after winning the game between HC Ambri-Piotta and TPS Turku, at the 93th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Saturday, December 28, 2019. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Ambri am Spengler Cup: Das hat für Gänsehautmomente gesorgt. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Grande Ambri, der Sieger der Herzen

Besiegt, aber nicht bezwungen. Ambri ist der Sieger der Herzen des Spengler Cups 2019. Ob Trinec oder Team Canada den Final gewinnen, ist eigentlich unerheblich.



Ambri hat die grosse Bühne besiegt, aber nicht bezwungen und erhobenen Hauptes und mit ungebrochenem Stolz verlassen. Nichts passt besser zum Mythos Ambri als diese Niederlage nach dem einzigen Drama, nach der ersten Verlängerung an diesem Turnier.

Alle Tore des Halbfinals im Video. Video: SRF

Trinec zieht zwar mit dem Verlängerungssieg (3:2 n.V) in den Final gegen Team Canada ein. Aber eben: wer den Spengler Cup 2019 heute gewinnt, ist bereits unerheblich geworden. Der Sieger der Herzen steht nämlich fest. Es ist der HC Ambri-Piotta.

Natürlich wäre es wunderbar gewesen, wenn die Siegeshymne «La Montanara», die einzige Siegeshymne, in der immer auch ein Hauch von leiser Melancholie mitschwingt, zum dritten Mal intoniert, zelebriert worden wäre. Aber der Mythos Ambri wird seit Anbeginn der Zeiten viel stärker durch dramatische Niederlagen als durch grandiose Siege geprägt.

Es ist eine Ironie der Geschichte, dass Ambri die DNA des Spengler Cups begriffen und dass der HC Davos, der Organisator des Turniers, diese DNA vergessen hat. Ja, schlimmer noch: Der HCD hat die Seele des Spengler Cups verleugnet und verraten. Ausgerechnet am einzigen wahren Spektakelturnier des Welteishockeys inszenieren HCD-Sportdirektor Raeto Raffainer und sein Trainer Christian Wohlwend mit der absichtlich verlorenen Partie gegen Team Canada (1:5) ein taktisches Pokerspiel, das dem Sport unwürdig ist und die Hockey-Götter nur verzeihen, wenn es darum geht, mit einer Schlaumeierei eine Meisterschaft zu gewinnen oder einen Abstieg zu vermeiden. Die mit 30 Titeln ruhmbekränzten Schlaumeier der Berge haben sich überschätzt und blamiert.

Ambri aber rockt das Turnier wie noch nie ein Gast-Team aus der Schweiz. Die Tapferen der Leventina, deren Hockey-Alltag geprägt ist von Mühsal, Schweiss und Tränen wissen es zu schätzen, dass sie auch einmal auf der ganz grossen Bühne tanzen dürfen. So wie es das hart arbeitende Vreneli einst genossen hat, wenn es einmal im Jahr mit seinem Ueli zum übermütigen Brummen der Bassgeigen an der Lüderen-Chilbi tanzen durfte.

Ambri hat im Halbfinal seine beste Partie gezeigt – und verloren. So wie es eben zum Mythos Ambri passt. Ja, es ist wieder Energiehockey wie in den ersten beiden Partien und gar noch besser strukturiert. Nicht oft erreicht eine Mannschaft diese Balance aus Tempo und Ordnung, aus Leidenschaft und Disziplin.

Die grossartige Stimmung bei Ambris erstem Spengler-Cup-Sieg. Video: SRF

Aber Ambri muss «beissen», leiden wie nie in den beiden ersten Spielen. Die Räume werden enger. Die «Dogfights» rund um beide Tore und entlang der Bande härter. Der tschechische Meister ist taktisch auf Augenhöhe.

An ein schnelles «Zerlegen» mit Tempogegenstössen ist gegen die schlauen Tschechen nicht mehr zu denken. Es ist die erste Partie beim Spengler Cup 2019 mit Playoff-Intensität.

Ambri`s team after the game between HC Ambri-Piotta and HC Ocelari Trinec at the 93th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Monday, December 30, 2019. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Ambri hat verloren und doch gewonnen. Bild: KEYSTONE

Ambri verliert nie den Mut, nie die Leidenschaft – aber die Kraft. Diesmal reicht die Energie, die aus dem Publikum fliesst, nicht mehr. Eigentlich erklären die paar Sekunden des Treffers zum 1:2 die Niederlage. Vladimir Dravecky trifft mit einem Backhandschuss in die hohe Ecke – ein Treffer mit einer geradezu magischen Kombination aus zäher Kampfracht und höchster Kunst. Das ist es, was schliesslich die Differenz macht: Trinec ist um den entscheidenden Hauch talentierter.

Der Abschied nach der Niederlage ist magisch, provoziert wieder Hühnerhaut. Die Helden, die Verlierer dieses Dramas werden gefeiert. Eines der schönsten Kapitel in der Historie dieses Klubs ist zu Ende. Während ein paar Tagen haben wir einen tiefen Einblick in den Mythos Ambri bekommen. Wir haben erlebt, was Leidenschaft und Mut im Sport bewegen können. Auf dem Eis, aber auch im Publikum.

Oder um es eben in einem einzigen Satz zu sagen: Ambri, der Spengler Cup-Sieger der Herzen.

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