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Gaben Anlass fuer viel Unmut Linienrichter Roger Buergi, von links, Schiedsrichter Nadir Mandioni, Schiedsrichter Marc Wiegand und Linienrichter Michael Rohrer nach dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen den Kloten Flyers und dem HC Lugano am Samstag, 29. November 2014, in der Kolping Arena in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Viel Verantwortung für die Männer in Schwarz-Weiss. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Unsere Schiedsrichter sind nicht schlechter als die NHL-Refs

Es ist wieder Mode geworden, die Schiedsrichter öffentlich zu kritisieren. Das muss sofort aufhören.



Der theatralische Auftritt von SCB-Trainer Guy Boucher nach der Heimniederlage (2:3 n.V) gegen Davos steht für eine Unsitte, die unserer hoch entwickelten Hockeykultur unwürdig ist: Schiedsrichterkritik in den Zeiten der Playoffs.

Mit nichts kann ein Chronist so viel Zustimmung einheimsen wie mit einer kernigen Schiedsrichterkritik. Es ist die billigste Form der Polemik. Weil im Hockey-Volk grundsätzlich alle gegen die Schiedsrichter sind.

SCB-Coach hat sich schnell an die Schweizer Unsitte angepasst

Sind unsere Schiedsrichter so schlecht wie man nach dem Rundumschlag von Guy Boucher vermuten könnte? Nein. Sie sind sogar sehr gut. Wer sich einmal die Mühe nimmt, nach Nordamerika zu reisen und die hochgelobte NHL vor Ort und ganz nüchtern zu beobachten, reibt sich nämlich die Augen: Unsere Schiedsrichter sind mindestens so gut wie jene in der NHL. Aber in Nordamerika ist öffentliche Schiedsrichterkritik tabu. Das gehört zu einer starken Hockeykultur. Und ist für das Funktionieren eines Spielbetriebes und für das Ansehen eines Sportes wichtig.

30.01.2015; Zuerich; Eishockey ZSC Lions -  Rupperswil-Jona Lakers; Schiedsrichter Michael Rohrer und Didier Massy (Daniela Frutiger/Freshfocus)

Didier Massy (r.) zog sich den Zorn vom SCB-Trainer Boucher zu. Bild: Daniela Frutiger/freshfocus

In der NHL kommt ein Coach nicht einmal auf 50 Meter an eine Schiedsrichtergarderobe heran. Wenn sich Guy Boucher in der NHL einen Auftritt leisten würde wie am Dienstag, dann würde er eine Busse zwischen 20 000 und 50 000 Dollar kassieren und müsste froh sein, wenn er nicht auch noch gesperrt würde.

Bei uns haben es sich die Coaches längst angewöhnt, in kritischen Phasen (wie eben den Playorffs) die Schiedsrichterbeeinflussung in ihre Strategie einzubinden. Der TV-Zuschauer sieht die abschätzigen Gesten der Coaches gegen die Unparteiischen, hört aber zum Glück nicht, was sich die Schiedsrichter noch alles anhören müssen. Und geschickt heizen die Bandengeneräle die Stimmung mit öffentlicher Schiri-Kritik an. So geraten sie aus dem Schussfeld. Willfährige Medien transportieren und befeuern diese Kritik.

Schiedsrichter können es nicht allen recht machen 

Natürlich ist Kritik an der Spielleitung populär – und sachlich durchaus berechtigt. Schiedsrichter machen Fehler. Gerade in Zeiten der Playoffs. Wie die Spieler auch. Wenn sich allerdings alle Manager und Sportchefs bei den Lohnverhandlungen so gut an die Fehler ihrer Stars erinnern würden wie an die Fehlentscheide der Schiedsrichter, dann könnten sie bei Vertragsverhandlungen die Saläre halbieren.

In der Schweiz kommt noch eine Besonderheit dazu: Unser starker Föderalismus führt immer wieder zu amüsanten Verschwörungstheorien. Mal wird von einer Mafia der Deutschschweizer fabuliert, dann wieder ist ein Schiri aus Gründen seiner Herkunft, seines Wohnortes, seiner Freundin oder seiner kantonalethnischen Zugehörigkeit natürlich für oder gegen diesen Klub. Das wisse man ja.

Und das ständige Jammern über das Fehlen einer klaren Linie ist global. Wer einmal nach Schweden oder Finnland oder eben nach Nordamerika reist, hört die exakt genau gleichen Kritiken wie hier. Spiele einer Sportart zu leiten, die eine Einschüchterung durch Körperangriffe erlaubt, eben extrem schwierig ist. Erst recht, wenn alle an die Limiten gehen. 

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Video: Ein Tag im Leben eines NLA-Schiedsrichters Video: YouTube/Sportscentral1000

Wenn denn ein Schiedsrichter eine klare Linie durchzieht (wie ständig gefordert wird), geht das Gejammer los, in den Playoffs müsse man doch mehr Fingerspitzengefühl haben, nicht gleich alles verpfeiffen und laufen lassen. So lerne man doch nie internationale Härte.

Und wenn Schiedsrichter genau dieses Fingerspitzengefühl haben und in den letzten Minuten einer Verlängerung etwas mehr durchgehen lassen, dann geht auch ein Geschrei los: Das Regelbuch unterscheide doch nicht zwischen einem ersten Drittel und der Schlussphase oder gar einer Verlängerung. Offsides werden in der NHL genau so übersehen wie bei uns – nur merken das die Zuschauer kaum oder reagieren gar nicht darauf. 

Das grösste Manko haben unsere Schiedsrichter in der Körpersprache. In diesem Bereich sind die NHL-Refs klar besser. Sie treten selbstsicher und bisweilen arrogant auf und verkaufen ihre Entscheide durch ihre Körpersprache so überzeugend, dass auch das Publikum denkt: Ja, es wird wohl seine Richtigkeit haben. Und das Selbstvertrauen der NHL-Schiedsrichter kommt auch aus dem Wissen um die Rückendeckung durch die Liga.

Feb 24, 2015; Boston, MA, USA; Boston Bruins left wing Brad Marchand (63) and Vancouver Canucks center Henrik Sedin (33) are broken up by a referee during the first period at TD Garden. Mandatory Credit: Winslow Townson-USA TODAY Sports

Mit den NHL-Refs ist nicht zu spassen. Bild: keystone

Strafe für Boucher 

Guy Boucher müsste für seine öffentliche Schiri-Schelte bestraft werden. So wie der Staat seine Ordnungskräfte, so hat eine Liga ihre Schiedsrichter zu schützen. Das öffentliche Heruntermachen der Schiedsrichter durch Autoritäten wie Trainer oder Sportchefs untergräbt das Ansehen der Schiedsrichter auf allen Ebenen.

Kritik gehört nicht in die Öffentlichkeit. Die Trainer hüten sich ja auch, ihre Schlüsselspieler nach Fehlern öffentlich zu kritisieren oder gar für eine Niederlage verantwortlich zu machen.

L'entraineur bernois Guy Boucher reagit, lors du 2e match du quart de finale de play off de National League A du championnat suisse de hockey sur glace, saison 2014-2015, entre le Lausanne Hockey Club, LHC, et le SC Bern ce mardi 3 mars 2015 a la patinoire de Malley a Lausanne. (KEYSTONE/Valentin Flauraud)

Guy Boucher hat sein Maul zu weit aufgerissen.  Bild: KEYSTONE

Kritik gehört in die Sitzungszimmer, und dort dürfen, ja müssen die Auseinandersetzungen hart sein. Aber wenn zu Sitzungen und Tagungen geladen wird, um über diese Probleme konstruktiv zu debattieren und nach Lösungen zu suchen, dann haben die grossen Manager und Coaches kaum Zeit. Es ist ja bequemer und populärer, in den Medien über die ach so unfähigen Schiedsrichter zu poltern. 

Es ist an der Zeit, dass aus dem «Freiwild Schiedsrichter» wieder eine geschützte Art wird. Und noch etwas. Nur Verlierer jammern über Schiedsrichter.  

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Wayne99 19.03.2015 18:10
    Highlight Highlight Wer ist hier Freiwild, am Samstag war es ja offensichtlich der SCB!
    Schiedsrichter sollte man auch Thematisieren und Sanktionieren wenn sie ihren Job nicht gut machen!
    Massy gehört ab sofort in den 1.Liga Final
  • manolo 19.03.2015 12:03
    Highlight Highlight kann dem "klausi" nur recht geben! was er hier schreibt, kann ich 100% unterstützen! leider ist der Unsinn in der schweiz weit fortgeschritten, immer die schiris zu kritisieren! alle machen fehler, nicht nur die schiris!
  • Der Siebner 18.03.2015 23:09
    Highlight Highlight Hatten wir den Schiri Artikel nicht schon während den Playoffs 2014?
    • subreena 19.03.2015 10:39
      Highlight Highlight Irgendwie ist mir der Artikel auch bekannt vorgekommen... den hatten wir doch schon mal...
  • Ice66 18.03.2015 23:09
    Highlight Highlight ich wäre dafür dass niemand mehr fehler machen sollte oder noch besser, gar nicht mehr machen dürfte .... und das ungestraft unter den augen von so vielen fehlerlosen.
    • Bobo B. 19.03.2015 11:05
      Highlight Highlight Geht es wirklich "nur" darum, dass man keine Fehler machen darf? Es geht vielmehr darum, dass die Schiedsrichter keine einigermassen konsequente Linie, zumindest während einem Spiel, verfolgen! Da hat KZ nun mal nicht recht. Einen Massstab während eines Spiels anzuwenden, sollte für einen NLA Schiri möglich sein. Aber vielleicht setze ich hier zu hohe Erwartungen...
  • MrMark 18.03.2015 23:06
    Highlight Highlight Ich liebe die Berichte von KZ und mag auch die erzeugte Polemik... Nun hat da aber jemand deutlich überschossen.
    Seit dem SpenglerCup ist Boucher bei KZ auf dem Zeiger. Das ungeahndete Foul in der Verlängerung von Davos intressiert genau so wenig wie AdCs Diskussionen mit den Schiris. Schon sehr anti Boucher lastig dieser Artikel. Wenn KZ denkt Boucher aus der Liga schreiben zu können, hoffe ich er erinnert sich auch nach Saisonschluss noch daran...
    Aber das war ja beim Zauberlehrling plötzlich auch alles anders...
  • Dr. Acula 18.03.2015 23:02
    Highlight Highlight Da sitzt ein Stachel aber ganz tief drin bei KZ. Schön hat man eine solche Platform um das auszuleben. :-)
    Ich verstehe aber nicht, dass KZ der so viele Eishockeyspiele gesehen hat, hier nicht attestieren kann dass die SR halt eben doch auf den Spielausgang massiv Einfluss genommen haben. War doch so, oder? Ist das den gut unter dem Deckmantel des Regelwerks und den unfehlbarkeit der SR? Ich glaube kaum. Wenn man eine persönliche Abrechnung reiten will, miraa... Aber wer glaubt, ein anderer Trainer, egal welcher Mannschaft, NLA oder NHL würde dies kalt lassen, der täuscht sich.
  • länzu 18.03.2015 22:58
    Highlight Highlight Ist wieder einmal der SCB an der Reihe, vom Eismeister gebeutelt zu werden? Es scheint so. Wenn delCurto, Crawford, McSorley oder Erler das Gleiche machen wie Boucher, regt sich der Eismeister nicht so auf, resp.lobt noch deren einsatz für das Team und spricht von "Zeichen setzen".. Ich bin sonst ähnlicher Meionung, dass unsere Schiris nicht schlechter sind als die in der NHL. Aber Wiegand/Massy haben jetzt zum 2. Mal nacheinadner ein Spiel gegen den SCB entschieden und zwar mit mehr als nur fragwürdigen Entscheidungen. Und das darf auch mal gesagt werden.
  • Darkside 18.03.2015 22:21
    Highlight Highlight Top Text. Das ewige Gejammer der Bern-Paranoiker weiter unten ist schlicht lächerlich und bestätigt zudem den Text.
  • navigator 18.03.2015 21:06
    Highlight Highlight Bravo Chlöisu ! Wahre Worte einmal mehr. Interessant der NHL-Vergleich
  • subreena 18.03.2015 18:54
    Highlight Highlight Dann lieber Herr Zaugg muss man aber auch den Code of Conduct durchsetzen, den sich die Liga auferlegt hat.
    Es kann nicht sein, dass ein Arno del Curto während der Drittelspause mit den Schiedsrichtern diskutiert, obwohl dies als klares NoGo aufgeführt ist.
    Aber die Aussicht auf eine Woche Gratisferien in den Bündner Bergen hat wohl schon manchem Funktionär die Sinne vernebelt.

    Bezüglich Linie sollten die Schiris den Spielfluss nicht zu sehr hemmen, aber auch klare Grenzen setzen. Gesundheitsgefährdende Aktionen sollen und müssen sanktioniert werden, Dutzendfouls kann man laufen lassen.
    • länzu 18.03.2015 23:01
      Highlight Highlight Danke. Diese Plaudereien mit den Schiris finde ich so oder so zum Kotzen. Sieht man in der NHL praktisch nie. Entscheid ist Entscheid und sollte nicht noch persönlich jedem Coach mitgeteilt werden müssen. Ob während des Spiles oder in den Pausen spielt keine Rolle.
  • Brian 18.03.2015 18:42
    Highlight Highlight Eben wie schon erwähnt die Schiedsrichter gehören zum Freundeskreis von KZ. Sorry KZ, doch dieser Artikel betrifft gar nicht die Schiedsrichter sondern ein weiteres Mal mehr gegen Guy Boucher. Und findest Du das richtig, dass Arno del Curto in der Pause längere Zeit mit den Schiris spricht?? Das wird natürlich nicht erwähnt AdC gehört bekanntlich auch zu Deinem Freundeskreis. Und wie hat gestern McSorley reagiert? Auch das wird von Dir nicht erwähnt, gehört ja auch zu Deinem Freundeskreis. Was Du in diesem Artikel über Polemik usw. schreibst, ja das trifft zu 100% auf KZ = Polemik pur!!!
    • Tuni 18.03.2015 19:05
      Highlight Highlight KZ hat immer noch nicht überwunden, dass seine Lieblingsplaudertaschen beim SCB entlassen wurde. Nun wird gebasht gegen Boucher ohne Ende, auch weil er KZ leicht der Lächerlichkeit zugeführt hatte, als KZ plötzlich behauptete, der SCB hätte sein System geändert. Bouchers Antwort darauf: Wer das schreibt, hat echt keine Ahnung von Hockey. Der sass wohl tief. Esmeisters Artikel sind was für Verlierer.
    • MM 18.03.2015 22:15
      Highlight Highlight "Eismeisters Artikel sind was für Verlierer."

      Darum liest du sie ja auch.
    • HCD Fanatic 69 23.03.2015 09:06
      Highlight Highlight Habe den Artikel auch gelesen und ich fühle mich gar nicht wie ein Verlierer...

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