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Zuerichs Luca Cunti, links, kaempft um den Puck gegen Servettes Torhueter Robert Mayer, rechts, beim Eishockeyspiel der Nationalleague A ZSC Lions gegen den Geneve-Servette HC im Hallenstadion in Zuerich, aufgenommen am Sonntag, 16. Oktober 2016. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Luca Cunti: Er will Klarheit. Bild: KEYSTONE

Die ZSC Lions überschätzen sich und Luca Cunti will Klarheit

Die ZSC Lions sind so gut, dass sie immer irgendwie einen Weg zum Sieg finden. Wie soeben beim dramatischen 4:3 in Langnau. Aber die Zürcher leisten sich Unstimmigkeiten, die den Titel und das Weiterkommen in der Champions Hockey League kosten können.



Die ganze Dramatik rund um einen Titanen in einer Nussschale. Luca Cunti vollendet kunstvoll zum 4:2. Mit Wilhelm Busch können wir sagen: Lange sass er auf der Bank, jetzt tanzt er wieder, Gott sei Dank. Die Entscheidung. Nein. Noch mehr Drama. Langnaus Trainer Heinz Ehlers verlangt Video-Nachprüfung («Coaches Challenge»). Und siehe da: Offside. Luca Cuntis Schlittschuh hatte im entscheidenden Sekundenbruchteil beim Eindringen in die Langnauer Verteidigungszone keinen Eiskontakt. Mike Künzle hatte ihn mit der Genauigkeit eines Landvermessers angespielt.

Das 2:4 wird auf 2:3 zurückgestellt und kurz darauf steht es gar 3:3. Luca Cunti wird hinterher sagen: «Wenn so viel Negativität in der Luft ist, passieren eben solche Dinge.» Und kurz darauf zeigt ihm Trainer Hans Wallson, dass sein Platz im Löwenrudel nach wie vor noch am spielerischen Katzentisch ist: Er muss Ronalds Kenins' Disziplinarstrafe absitzen.

Lions Mathias Seger, David Rundblad, Patrick Thoresen, Robert Nilsson, von links, jubeln, waehrend dem Eishockey National League A Spiel, zwischen den SCL Tigers und den ZSC Lions, am Freitag 9. Dezember 2016 in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Am Ende siegen die Lions, aber es war knapp. Bild: KEYSTONE

Luca Cunti redet, als ob er sofort gehen möchte

Luca Cunti ist im Niemandsland zwischen Abschied und Neuanfang gestrandet und frustriert. Wäre er also bereit für den sofortigen Transfer zu Lugano, wo er bereits einen Zweijahresvertrag unterschrieben hat? Er sagt nicht «Ja» und nicht «Nein».

Aber er sagt: «Ich wünsche mir Klarheit. Ich versuche mich über die Leistung zu definieren und ich möchte für die Mannschaft alles geben um die Meisterschaft zu gewinnen. Doch das ist schwierig, wenn ich nicht spiele. Ich sehe mich in der Mannschaft, und solange ich spiele, werde ich alles tun, damit sie Erfolg hat. Wenn man mich braucht: gut. Wenn nicht …» So redet einer, der bereit ist, sofort zu gehen.

Der Zuercher Luca Cunti, links,  gegen den Tessiner Jesse Zragggen, rechts, beim Eishockeyspiel der National League A ZSC Lions gegen den HC Ambri-Piotta im Hallenstadion in Zuerich am Freitag, September 2016. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Luca Cunti: Er redet, als ob er sofort gehen wolle. Bild: KEYSTONE

Es war in Langnau eine Partie mit vielen Geschichten. Mit den zwei Penaltyschützen Ero Eelo und Yannick-Lennart Albrecht die beim Stande von 0:1 bzw. 2:3 nicht einmal das Tor treffen. Mit einer Langnauer Achterbahnfahrt vom 0:3 zum 3:3 zum 3:4.

Wer sagt, dass Cunti nicht spielen darf?

Und mit der «Begnadigung» von Luca Cunti. Er ist wieder dabei und beginnt das Spiel als 13. Stürmer. Ryan Shannon stürzt in der achten Minute kopfvoran in die Bande und kehrt nach dem ersten Drittel nicht mehr zurück. Wenn der Amerikaner nicht ausgefallen wäre, hätte Luca Cunti kaum Eiszeit gesehen. Er weiss: Wenn alle fit sind, hat es für ihn keinen Platz mehr.

Zurich's Headcoach Hans Wallson reacts during the Champions Hockey League quarter final ice hockey match between Switzerland's ZSC Zurich and Sweden's Vaxjo Lakers, at the Hallenstadion, in Zurich, Switzerland, Tuesday, December 6, 2016. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Trainer Hans Wallson sagt: «Es gibt viele, die in unserer Organisation entscheiden.» Bild: KEYSTONE

Der Mann, der in der «Causa Cunti» Klarheit schaffen kann, schaffen muss, ist Trainer Hans Walsson. Hat Luca Cunti ein Problem mit dem Trainer? «Nein», sagt der WM-Silberheld. Warum spielt er dann nicht? «Es gibt viele, die in unserer Organisation entscheiden.» Wer entscheidet? Darauf gibt Luca Cunti keine Antwort. Wenn es nicht der Trainer ist, dann muss es der Sportchef sein. Edgar Salis, sagen Sie dem Trainer, ob Luca Cunti spielen darf oder nicht? «Das ist eine interne Angelegenheit.»

22.Nov.2011; Zuerich; Eishockey NLA; ZSC Lions - HC Davos; ZSC Sportchef Edgar Salis (Valeriano Di Domenico/freshfocus)

Edgar Salis will nicht öffentlich sagen, wer über Luca Cuntis Einsatz entscheidet. Bild: Valeriano Di Domenico

Es sind Statements, die den Liebhaber von Verschwörungstheorien erfreuen. Eine ZSC-Verschwörung gegen Luca Cunti? Nein. Zürich ist nicht Lugano. Aber die Situation hat inzwischen eine Eigendynamik entwickelt, die bald einmal weder der Sportchef noch der Trainer noch der Spieler kontrollieren kann. Alle Handlungen und Reden werden inzwischen zum Drama umgedeutet. Fast kommt ein wenig Nostalgie auf. So ging es einst beim ZSC im letzten Jahrhundert selbst in den ruhigsten Zeiten zu und her.

Geht Goalie Schlegel zu Kloten?

Und noch ein Transfer zeichnet sich ab. Niklas Schlegel (22), der an einem guten Abend (wie bei diesem 4:3 in Langnau) ein bisschen an Reto Pavoni mahnt, hat die Möglichkeit, nächste Saison mit Luca Boltshauser (23) Klotens Torhüter-Tandem zu bilden. Martin Gerber (42) würde sich dann möglicherweise in den wohlverdienten Ruhestand ins Emmental zurückziehen, sich stärker der Familie widmen und eine neue Karriere (zum Beispiel Goalietrainer) aufgleisen.

«Wir warten auf seine Antwort», sagt Edgar Salis zur Torhüterfrage. Wenn Niklas Schlegel nach Kloten wolle, werde man keine Gegenofferte machen und die frei gewordene Position der Nummer zwei hinter Lukas Flüeler mit einem Torhüter aus der Organisation der ZSC Lions besetzen. «Wir haben gute Kandidaten.»

Tigers Thomas Nuessli, rechts, erziehlt den Anschluss zum 3:3 gegen Lions Goalie Niklas Schlegel, links, waehrend dem Eishockey National League A Spiel, zwischen den SCL Tigers und den ZSC Lions, am Freitag 9. Dezember 2016 in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Will Niklas Schlegel weg, werden ihm keine Steine in den Weg gelegt. Bild: KEYSTONE

Die ZSC Lions mahnen in diesen Tagen an den SC Bern unter dem antiautoritären finnischen Spielerversteher Antti Törmänen. Sie spielen hin und wieder beeindruckend, ja meisterlich. So viel Talent! Welch exzellente Spielorganisation! Die Herrlichkeit wird allerdings nur in ausgewählten Partien offenbar, und meistens auch dann nicht während des ganzen Spiels. Aber selbst wenn es drunter und drüber geht, finden die Zürcher am Ende doch irgendwie einen Weg zum Sieg. Diesmal war es der Schillerfalter Robert Nilsson, der 95 Sekunden vor Schluss durch Langnaus Abwehr schlüpfte wie der Zaunkönig durch die Buchenhecke und kunstvoll und elegant zum 4:3 traf.

Wie lange dauert die Seifenoper?

So ist es möglich, Meister zu werden. Wie Antti Törmänen im Frühjahr 2013 in Bern. Aber Ordnung, Konzentration und Disziplin sind bei den ZSC Lions nicht strahlende Leuchtfeier. Sondern wie flackerndes Kerzenlicht. Unter solchen Voraussetzungen ist der Trainer auf einmal schneller in Not als er denkt. Wie Antti Törmänen, der im Herbst 2013 in Bern als Meistertrainer gefeuert wurde.

Selbst eine Mannschaft mit dem Talent, der taktischen Intelligenz, der Ausgeglichenheit und der Wasserverdrängung der ZSC Lions kann sich nicht über eine längere Zeit eine Seifenoper um einen der teuersten und besten Spieler leisten. Tut sie es doch, ist es ein Zeichen von Selbstüberschätzung. Wenn Luca Cunti Klarheit will, dann hilft er mit dieser Forderung auch den ZSC Lions.

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    Alle Leser-Kommentare
  • pjj 10.12.2016 13:17
    Highlight Highlight Luca Cunti einer der besten Spieler beim Z??? In den letzten beiden Saisons offensichtlich überhaupt nicht mehr, was allen ausser Klaus Zaugg aufgefallen sein dürfte.
  • MARC AUREL 10.12.2016 12:40
    Highlight Highlight Ich habe es schon lange gesagt.. Der Z hat zu viele Stars und nicht genug Rollen für alle (Egos) Spieler... sogar Seger im NZZ sagte es. Diese Leichtigkeit mit der die Lions oft gewinnen könnte zum verhängnis werden...
  • Yano 10.12.2016 10:04
    Highlight Highlight Wie viele Artikel über Luca Cunti haben wir hier noch zu gewärtigen? Lieber Eismeister, schreib doch wieder mal was über öpper anders. Für die Cunti-Story bewerbe ich mich für die Filmrechte - mit oder ohne Happy End.
    • exeswiss 10.12.2016 11:28
      Highlight Highlight wenn über langnau geschrieben wird ists nicht okay, wenn über bern geschrieben wird ists nicht okay, jetzt ist es sogar nicht mehr okay wenn NICHT über bern oder langnau geschrieben wird? was wollt ihr eigentlich noch? entscheidet euch mal.
    • mukeleven 10.12.2016 13:48
      Highlight Highlight gottseidank haben wir unseren herzallerliebsten tikkanen 😂😜
    • marak 10.12.2016 14:03
      Highlight Highlight @exeswiss: Das sind immer andere Enttäuschte Seelen, die ihren Schmerz in die Welt verkünden. Es gibt eben viel empfindsame Leute, die über die Nichtberücksichtiung ihres Lieblingsklubs ins Sinnieren verfallen. Leider behalten sie ihre Sorgen nicht für sich.
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Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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