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Head Coach Kari Jalonen, links, feuert seinen Topscorer Simon Moser an beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und den HC Davos, am Samstag, 12. Oktober 2019 in der Postfinance Arena in Bern. (PPR/Alessandro della Valle)

Kari Jalonen muss die Krise meistern können, sonst verpasst der SCB die Playoffs. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Kann Kari Jalonen Krise? In dieser Frage steckt nun Marc Lüthis letzte Hoffnung

Der SCB befindet sich als Titelverteidiger in der gleichen kritischen Situation wie im Spätherbst 2013. Ein Blick zurück gibt Anlass zu grösster Sorge – und ebenso zu Hoffnung.



Nehmen wir an, im Sommer hätte jemand in vollem Ernst folgendes behauptet: Gottéron wird am 29. Oktober in Bern mit Sportchef Christian Dubé an der Bande und Sean Simpson als Assistent 2:1 gegen einen SCB mit zwei ausländischen Verteidigern gewinnen. Der SCB hat nach dieser Niederlage gleich viele Punkte wie die Lakers und rutscht aus den Playoff-Rängen.

Was wäre die Reaktion gewesen? Die Frage, ob der Chronist getrocknete Pilze geraucht habe. Aber die Wirklichkeit kann in unserer Liga selbst mit einer von gerauchten Pilzen befeuerten Fantasie mithalten.

Gottéron hat soeben mit Christian Dubé an der Bande und Sean Simpson als Assistent einen SCB mit zwei ausländischen Verteidigern besiegt. Punktgleich mit den Lakers sind die Berner auf Platz 9 getaucht.

Der SCB steckt in der gleichen kritischen Lage wie vor sechs Jahren im Spätherbst 2013.

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Die Highlights des Spiels. Video: YouTube/MySports

Der Blick zurück: Die Berner werden 2013 unter dem finnischen Trainer Antti Törmänen (heute Biel) Meister. Im Spätherbst 2013 steht der Titelverteidiger nach 17 Runden mit 21 Punkten auf dem 8. Platz. Am Ende der Saison ist der SCB der erste Titelverteidiger der Geschichte, der die Playoffs verpasst.

Die Lage heute: Der SCB wird 2019 unter dem finnischen Trainer Kari Jalonen Meister. Im Spätherbst 2019 steht der Titelverteidiger nach 17 Runden mit 21 Punkten auf dem 9. Platz.

Kein Polemiker und schon gar kein Schelm, wer fragt: Endet es wieder so wie damals in der Saison 2013/14?

«Der Produktelebenszyklus des Jalonen-SCB scheint in der Grauzone zwischen Sättigung und Verfall angekommen zu sein.»

Thomas Roost

Antti Törmänen wird am 22. November 2013 nach einer 1:4-Heimniederlage gegen Biel gefeuert und erst durch Lars Leuenberger und dann Guy Boucher ersetzt. Der SCB hat zum Zeitpunkt des Trainerwechsels 29 Punkte aus 21 Spielen. Am Ende reichen 70 Punkte nicht für die Playoffs.

ARCHIV - ZUR VERPFLICHTUNG VON ANTTI TOERMAENEN ALS NEUEN TRAINER DES EHC BIELS, AM MONTAG, 11. DEZEMBER 2017, ERHALTEN SIE FOLGENDE ARCHIVBILDER ---- Bern's head coach Antti Toermaenen celebrates with the trophy after the sixth leg of the Playoff-finals game of the National League A Swiss Championship between the SC Bern and the HC Fribourg-Gotteron at the PostFinance Arena in Bern, Switzerland, Tuesday, April 16, 2013. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Antti Törmänen wurde beim SCB nach dem Meistertitel gefeuert. Bild: KEYSTONE

Können wir aus der Geschichte lernen? Wiederholt sich die Geschichte?

Biels international hoch geachteter Chefscout Thomas Roost, kein Mann der Polemik, hat kürzlich geschrieben: «Der Produktelebenszyklus des Jalonen-SCB scheint in der Grauzone zwischen Sättigung und Verfall angekommen zu sein.»

Da ist in einem Satz alles gesagt. Der Chronist würde es nicht wagen, so schmerzhaft Klartext zu reden. Aber er zitiert natürlich diese Aussage gerne. Zumal Thomas Roost einst auch erfolgreich für den SCB gearbeitet hat.

Kari Jalonens Vertrag ist kürzlich bis zum Ende der nächsten Saison verlängert worden. In einem Stadium, in dem seine Amtszeit «in der Grauzone zwischen Sättigung und Verfall angekommen ist».

In Normalfall ist die Zeit des SCB-Meistertrainers also abgelaufen. Die Frage wäre nicht mehr, ob er entlassen wird, sondern nur noch wann. Wie gesagt: im Normalfall. Dann würde sich die Geschichte tatsächlich wiederholen und so enden wie in der Saison 2013/14: mit dem Verpassen der Playoffs.

So wie der unglücklich Verliebte jede Regung seiner Angebeteten als Zeichen der Liebe deutet, so sucht der Optimist jetzt beim SCB nach Anzeichen, dass die aktuelle Situation nicht so ist wie im Spätherbst 2013.

Wir finden nach der kläglichen 1:2-Heimniederlage gegen Gottéron keine solchen Anzeichen. Es war kein grosses, aber ein tapferes Gottéron. Und Torhüter Reto Berra hatte entschieden, nach dem vermeidbaren Anschlusstreffer zum 1:2 kein Lottergoalie zu sein und keinen Treffer mehr zuzulassen. Das reichte.

Das ausländische SCB-Personal ist heute schwächer als 2013. Hätte der Chronist nicht allergrössten Respekt vor Sportchef Alex Chatelain, dann würde er nach dieser Pleite gegen Gottéron über die zwei famosen ausländischen SCB-Verteidiger Miika Koivisto und Andrew Mac Donald sagen: Lolek und Bolek machen Hockey-Verteidigung.

Berns Andrew MacDonald, Mitte, fotografiert beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Biel und den SC Bern, am Freitag, 25. Oktober 2019, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Andrew MacDonald (Mitte) kann beim SCB bislang auch nicht überzeugen. Bild: KEYSTONE

Niklas Schlegel, die aktuelle Nummer 1, ist weniger erfahren und weniger gut als damals Marco Bührer, der die Saison immerhin mit einer soliden Fangquote von 91,60 Prozent ehrenvoll beendete. Niklas Schlegel steht jetzt bei 90,71 Prozent. Tendenz sinkend.

Der SCB, letzte Saison die defensiv stabilste Mannschaft der Liga (nur 99 Gegentore in der Qualifikation) hat inzwischen die miserabelste Verteidigung überhaupt und ist lange vor «Halbzeit» schon bei 55 Gegentreffern angelangt. Noch nie seit Einführung der Playoffs war der SCB zu einem so späten Zeitpunkt der Saison die defensiv schwächste Mannschaft der Liga.

Und doch gibt einen grossen Unterschied zum Spätherbst 2013. Damals war sich die SCB-Führung der Krise sehr wohl bewusst. Zwar hatten die Berner ein paar Monate zuvor den Titel geholt. Aber die Arroganz und die Selbstüberschätzung hatten bei weitem nicht das gleiche Ausmass wie heute nach drei Qualifikationssiegen und drei Titeln in vier Jahren.

Wieder einmal zeigt sich: Nichts ist im Teamsport so schwierig zu verkraften wie eine langanhaltende Phase des Erfolges.

SCB-Manager und -Mitbesitzer Marc Lüthi und sein Sportchef Sven Leuenberger waren sich damals bewusst, dass sie ein Trainerproblem hatten. Sie brachten den Mut auf, alles zu hinterfragen und den Trainer zu wechseln.

Die schwere Krise der Saison 2013/14 führte schliesslich zu einer tiefgreifenden Reform. Zwar reichte es nicht mehr für die Playoffs. Aber nachdem auch der Irrtum Guy Boucher korrigiert worden war, wurden in diesen turbulenten Zeiten die Steine gelegt für das Fundament des Ruhmes mit den drei Titeln von 2016, 2017 und 2019.

Heute ist der SCB im Inneren erstarrt («Reformstau») und ein schonungsloses Hinterfragen ist unmöglich geworden. Das Wort «Trainerproblem» gibt es nicht. Weil es dieses Wort nicht geben darf. Schliesslich ist der Vertrag mit Kari Jalonen soeben bis zum Ende der nächsten Saison verlängert worden. Anders als vor sechs Jahren ist der SCB nicht mehr reformierbar. Die Zeit steht still.

Portrait vom CEO des SC Bern, Marc Luethi, am Montag, 13. August 2018, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Herrscht bei Marc Lüthi und dem SCB «Reformstau»? Bild: KEYSTONE

Im Spätherbst 2013 waren die SCB-Generäle längst vom hohen Ross gestiegen. Im Spätherbst 2019 haben sie das hohe Ross gerade richtig gesattelt.

Was passiert, wenn nun jemand behauptet, es gebe gar keine Krise? Der SCB werde mit Kari Jalonen gerade noch auf Rang 8 die Playoffs erreichen, in der ersten Runde die ZSC Lions eliminieren und schliesslich unter der Regie des überragenden Verteidigungsministers Andrew Mac Donald den Titel verteidigen?

Dann wird gefragt, ob getrocknete Pilze in der Tabakpfeife waren.

Alle Hoffnungen ruhen nun auf Kari Jalonen. Dass er Qualifikationssieger und Meister kann, hat er in Bern eindrücklich bewiesen.

Im Normalfall würde er scheitern wie Antti Törmänen 2013. Aber Kari Jalonen ist, wie schon gesagt, kein Normalfall. Kari kann Krise und die Wirklichkeit übertrifft nicht nur in diesen Tagen, sondern auch im nächsten Frühjahr die Fantasie – das ist die letzte Hoffnung von Marc Lüthi.

Vielleicht gibt es ja schon am nächsten Samstag mit einem Sieg gegen Zug einen ersten Lichtblick. Aber nur vielleicht.

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    Alle Leser-Kommentare
  • runthehuber 30.10.2019 15:36
    Highlight Highlight Ja, Zaugg. Jalonen kann Krise. Aber kann Zaugg Hockey? Oder kann Zaugg eher Windfahne. Bestimmt. Oder eher sehr vergesslich?
  • O.Brady 30.10.2019 13:21
    Highlight Highlight Und noch schlimmer der SCB ist bereit 800k für Andersson zu zahlen. Bin seit 40 Jahren SCB fan und muss endlich realisieren dass Bern nicht mehr die Adresse 1 für gute Spieler ist. Finanziell auch nicht mehr. Also bitte lassen jungen Spielern eine Chance wie damals mit Howald Leuenberger und Hotz
    • Nummelin 30.10.2019 16:46
      Highlight Highlight Jedes Team das für den 800k hinlegen möchte, ist von alle guten Geister verlassen. Wahnsinn dieser Markt!!!
    • MARC AUREL 30.10.2019 17:02
      Highlight Highlight Leider sind gute Verteidiger mangelware Nummelin.. deswegen sind solche Preise möglich... was verdient wohl Arco?
    • KönigHockey 30.10.2019 20:39
      Highlight Highlight @marc aurel arco wird nicht so viel verdienen als ausländer bist du leicht ersetzbar
    Weitere Antworten anzeigen
  • BeatBox 30.10.2019 12:47
    Highlight Highlight "Hätte der Chronist nicht allergrössten Respekt vor Sportchef Alex Chatelain"

    Spricht Klaus hier vom gleichen Sportchef, den vor kurzem gerade als Esel bezeichnet hat?
    • länzu 30.10.2019 13:10
      Highlight Highlight Du kennst die Geheimcodes des Eismeisters nicht. Er findet, dass Chatelain nicht mehr tragbar ist.
  • CuJo 30.10.2019 12:25
    Highlight Highlight Ich mag den SCB-Fans dieses Tief so richtig gönnen ! Wenn die Stimmung im Stadion schlechter als an einem Familiengottesdienst ist und nach dem Anschlusstreffer als Erstes wieder "Hurensöhne Gottéron" gesungen werden muss, finde ich das einfach nur noch peinlich.
    • Quilker 30.10.2019 19:31
      Highlight Highlight Wie recht du hast!
  • CuJo 30.10.2019 12:22
    Highlight Highlight Gottéron hat ohne Bykov und Sprunger gespielt, also nicht so tun als wäre der SCB der einzige Verein, der verletzte Spieler zu beklagen hat.
  • Ordo Malleus 30.10.2019 11:25
    Highlight Highlight Kann dem Eismeister nur beipflichten. Ich hoffe, Lüthi führt sich diese treffende Analyse ebenfalls zu Gemüte. Als erstes würde ich den GM feuern...
  • Heini Hemmi 30.10.2019 10:53
    Highlight Highlight Lieber Chloisu, du bist ein ausgewiesener Eishockey-Experte, aber was Psylos betrifft, liegt noch einiges im Argen. Darum hier eine Aufklärung: Die Pilze werden roh gegessen oder als Sud gepresst. Manchmal werden die Pilze auch in Alkohol eingelegt oder in Öl gebraten verzehrt. Berichte über das Rauchen psilocybinhaltiger Pilze sind zwiespältig; einige berichten von einem schnellen Wirkungseintritt, während andere keinerlei Rauchwirkung feststellen konnte. Ein Pilztripp dauert ca. zwei bis vier (bei hohen Dosen vier bis acht) Stunden und bricht danach meistens abrupt ab.
    • runthehuber 30.10.2019 15:41
      Highlight Highlight "Du bist ein ausgewiesner Eishokey-Experte".
      Öhm.... geht es hier um den - wie wr zu sagen pflegt - Hofchronisten aus dem Emmental?
      Ich lach mir einen ab....
  • greenfields 30.10.2019 10:43
    Highlight Highlight Man könnte ja auch die Saison 2015/2016 als Vergleich nehmen. Der SCB unter Guy Boucher unterirdisch, dann der Trainerwechsel zu Lars Leuenberger, welcher einige falsch laufende Dinge wieder zurecht rückte, dem Team wieder Feuer unter dem Allerwertesten machte, das Team zog voll mit, auf den letzten Drücker und dank besserer Bilanz gegenüber Lausanne holte das Team Rang 8. Die Fortsetzung kennen wir alle, Ende dieser Saison hievten die Berner den Chübu in die Höhe. Aber Parallelen von dieser zur damaligen erwähnten Saison sind nicht möglich, dafür hat man beim SCB bereits vorgesorgt.
  • Jüre51 30.10.2019 09:29
    Highlight Highlight Lolek und Bolek… nicht schlecht Chlöisu…😂
  • Eifach öpis 30.10.2019 09:15
    Highlight Highlight Ich verstehe nicht, warum man den Vertrag mit Jalonen nicht einfach laufen lässt und abwartet was passiert. Bei einem Spieler, welcher die Leistung aktuell nicht abrufen kann(Bsp. Rüfenacht) verlängert man den Vertrag ja auch nicht ohne Not. Zudem wäre ein Trainierwechsel im Somme nach so erfolgreichen Jahren vielleicht gar nicht schlecht. So kann man der Sättigung ein wenig vorbeugen.
    Allerdings kann ich als Freiburger die Situation ja mit mindestens einem lachenden Auge beobachten und hoffen, dass Simpson und Dube weiterhin einen tollen Job machen.
  • Tikkanen 30.10.2019 09:12
    Highlight Highlight ...Chlöisu, tatsächlich läuft's momentan in Bern suboptimal. Gottseidank war ich gestern nicht im Tempel, üsereim mag Niederlagen gegen die Titellosen nicht. Die Defensive ist aufgrund der Abwesenheiten von Bidu und Justin seit längerem instabil, derartige Ausfälle verträgt kein System. Auch der Schlegu zeigt sich wie erwartet als Unsicherheitsfaktor. Aber Panik ist nicht angebracht, Eishockey ist ein volatiler Sport, abgerechnet wird im Frühling. Mit der Genesung der Verletzten und der baldigen Verpflichtung eines ausländischen Top Goalies kommt auch der Erfolg zurück.

    Item, Schweizermeister
    • IKEA Kundendienst 30.10.2019 10:11
      Highlight Highlight Ich nehme an Du hast gestern am "Drink for the future" teilgenommen.
      Bitte Grüsse Marc Aurel zwischen zwei Stangen von mir. Ich gehe nicht davon aus, dass er sich meldet bevor SCB wieder auf dem 4. Platz ist........
    • manolo 30.10.2019 11:22
      Highlight Highlight Nein, die 2 sind im Sanatorium in Davos und geniessen die gute „Höhenluft“!
    • MARC AUREL 30.10.2019 13:01
      Highlight Highlight IKEA Kundendienst, so lange musst du nicht warten! GRANDE BERN!!!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Amboss 30.10.2019 08:52
    Highlight Highlight Bin alles andere als ein SCB-Fan, aber dieser Artikel ist doch sowas von überflüssig.

    Wie war das Anfang 2016?
    Da hatte der Eismeister Mitleid mit dem SCB. Und kurz darauf hat man den ZSC rausgeworfen und ist Meister geworden.

    https://www.watson.ch/sport/eismeister%20zaugg/453859526-mitleid-mit-dem-grossen-sc-bern-zum-ersten-mal-seit-dem-wiederaufstieg


    Das kann doch auch ohne Trainerwechsel klappen. Lasst doch den SCB mal durch diese Krise gehen. Es ist erst ein Drittel der Quali gespielt und noch alles möglich.

Eismeister Zaugg

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