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Biels Head Coach Kevin Schlaepfer waehrend der Mannschaftspraesentation, vor dem 1. Spiel in der neuen Tissot Arena, zwischen dem EHC Biel und dem HC Lausanne, am Dienstag, 1. September 2015, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Das neue Stadion ist in Biel der Star – gemeinsam mit dem kultigen Trainer Kevin Schläpfer.
Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Leidenschaft und Hockey-Voodoo gegen die raue Realität – so wollen Ambri, Fribourg und Biel die Liga aufmischen

Ambri-Piotta, Fribourg-Gottéron und Biel haben nicht die taktischen und spielerischen Mittel für eine sichere Playoff-Qualifikation. Erst die Emotionen machen die spielerischen Bettler konkurrenzfähig. Teil 4 unserer Vorschau auf die neue Saison.



In Ambri, Fribourg und Biel werden Spiel und Kultur stärker durch Leidenschaft, Emotionen und «Hockey-Voodoo» geprägt als bei der Konkurrenz. Nominell sind die drei Teams nicht gut genug für die Playoffs. Und doch kann mit Leidenschaft und Voodoo die raue spielerische Realität überwunden werden und die Überraschung gelingen. Gerade weil die Emotionen auf dem Eis, im Stadion und in der Chefetage so sehr zur Kultur dieser Unternehmen gehören, haben die Trainer einen schweren Stand. Aber nur Biel hat mit dem Feuerkopf Kevin Schläpfer den perfekten Trainer für ein emotionales Hockey-Unternehmen.

HC Fribourg-Gottéron

Stärken und Schwächen

Benjamin Plüss, Andrej Bykow und Julien Sprunger bilden, wenn alle drei gesund sind, noch immer eine der besten Linien der Liga.

Zu starke Abhängigkeit von der Feuerkraft des ersten Sturmes.

Goalie Benjamin Conz war als Junior einer der Weltbesten seines Jahrganges und hat Langnau 2011 in die Playoffs gehext.

Conz bleibt ein unzuverlässiger Spektakelgoalie. Und es gibt keinen zweiten Torhüter, der ihn für mehrere Spiele entlasten, ersetzen oder durch Konkurrenzkampf zu besseren Leistungen provozieren kann.

Yannick Rathgeb übernimmt die gleiche Rolle wie zuvor in der U20-Nationalmannschaft. Er kann der beste Verteidiger-Neuling der Liga werden.

Der Abwehr fehlt ein charismatischer, böser Leitwolf wie es bis 2013 Shawn Heins war.

Der neue ausländische Stürmer Sakari Salminen ist ein finnischer Zauberflügel mit dem Potenzial für mehr als 50 Punkte.

Die Mittelachse ist defensiv zu wenig stabil.

Vom SC Bern verstossen, zeigt Ryan Gardner bei Gottéron noch einmal sein bestes Hockey.

Der neue Sportchef Christian Dubé weiss viel über Eishockey – trotzdem hat Gottéron das schwächste Management seit dem Aufstieg in die NLA.

Sébastien Schilt, Alexandre Piccard, John Fritsche, Yannick Rathgeb, Ryan Gardner und Greg Mauldin sorgen dafür, dass niemand herumgeschubst wird.

Mit Jérémie Kamerzin ist nur ein Verteidiger in der Lage, den Verteidigern Assists zu machen und das Powerplay zu steuern.

Die Spieler löhnen den sanften Führungsstil von Trainer Gerd Zenhäusern mit Loyalität, Fleiss, Leidenschaft und Disziplin.

Der sanfte Führungsstil von Gerd Zenhäusern führt zu spielerischem und taktischem Schlendrian, Einmischung von oben und mündet in einen Trainerwechsel.

Der «heilige Zorn», die legendäre Leidenschaft Gottérons, ist immer stärker als jede Krise.

Nach wie vor zu wenig Einschüchterungspotenzial. Selbst beseelt vom «heiligen Zorn» ist Gottéron inzwischen zu wenig böse.

31.03.2015; Basel; Eishockey NLA - HC Fribourg Gotteron;
Sportchef Christian Dube
(Pius Koller/freshfocus)

Christian Dubé: Aus dem Skorer wurde ein Sportchef.
Bild: Pius Koller

Die Schwiegermutter im Schlafzimmer

Gottéron sucht auf und neben dem Eis eine neue Ordnung. Es braucht wieder einmal den «heiligen Zorn».

Gottérons sportliche Herrlichkeit ist fast so rasch und unerwartet zerfallen wie einst die Sowjetunion. 2013 Qualifikationssieger und Finalist. 2014 auf Platz 2 und Halbfinalist. Letzte Saison bloss noch Rang 9 und keine Playoffs.

Dieser Untergang ist nicht in erster Linie die Folge eines dramatischen Substanzverlustes. Zehn Finalisten von 2013 sind immer noch dabei. Aber es passte letzte Saison zu vieles nicht mehr zusammen. Passt künftig wieder alles zusammen? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

Die Jahre der Harmonie, in denen alles passt und alles seine Ordnung hat, sind bei Gottéron ja sowieso die Ausnahme. Dieses Hockeyunternehmen war seit seinem Aufstieg in die höchste Spielklasse (1980) schon immer mehr Aussenseiter als Spitzenreiter, und in seinen bisherigen 35 NLA-Saisons 17 Mal auf Rang 7 oder schlechter klassiert.

Die beiden sowjetischen Spieler Wjatscheslaw Bykow, rechts, und Andrej Chomutow, links, posieren im Mai 1990 im Eisstadion Allmend in  Bern bei einem Spiel der Eishockey-Weltmeisterschaft. (KEYSTONE/Str)

Auf ewig die grössten Fribourger Helden: Andrei Chomutow (links) und Slawa Bykow.
Bild: KEYSTONE

Der Absturz auf Rang 9 ist also eher eine Rückkehr zu den Ursprüngen als ein Schock. Das wahre Gottéron kämpft und leidet, bangt und hofft, schreibt sportliche Dramen und Tragödien. Das wahre Gottéron ist emotional und leidenschaftlich und nicht rational und berechnend. Das wahre Gottéron badet im Wechselbad der Gefühle und nicht im Champagner.

Trotz aller Wirrungen und Irrungen auf und neben dem Eis haben sich noch immer alle rechtzeitig zusammengerauft und einen Weg aus der sportlichen oder wirtschaftlichen Krise gefunden. Das wahre, das leidenschaftliche, vom «heiligen Zorn» beseelte Gottéron kann sogar für eine positive Überraschung sorgen. Aber hat Gottéron den Trainer, um den «heiligen Zorn» zu entfachen? Wahrscheinlich nicht.

Am 12. Oktober 2014 hat Gerd Zenhäusern das Amt von Hans Kossmann übernommen. Der Gegensatz zwischen dem alten und dem neuen Trainer könnte extremer nicht sein. Hans Kossmann war der autoritäre, charismatische Bandengeneral, der bisweilen die verbalen Schmerzgrenzen überschritt. Der freundliche Gerd Zenhäusern hat hingegen kaum Charisma und in seiner Aussenwirkung nichts Autoritäres. Eher etwas Pastorales. Er ist ein «Spielerflüsterer». Kein Poltergeist.

20.10.2014; Freiburg; Eishockey NLA - HC Fribourg Gotteron - Gerd Zenhaeusern; 
Gerd Zenhaeusern neuer Trainer von Fribourg Gotteron beim Training
(Urs Lindt/freshfocus)

Tanzen Fribourgs Spieler nach Gerd Zenhäuserns Pfeife oder pfeifen sie darauf?
Bild: Urs Lindt/freshfocus

Ohne jede Boshaftigkeit dürfen wir sagen: Wenn schon Hans Kossmann seines Amtes nicht sicher war, so ist es Gerd Zenhäusern erst recht nicht. Eigentlich befindet sich Lausannes Aufstiegstrainer von 2013 (er hatte als Nothelfer für John van Boxmeer das Team übernommen) in einer fast unmöglichen, kafkaesken Situation. Sein letztjähriger Spieler Christian Dubé ist nun als Sportchef sein Herr und Meister, und im Verwaltungsrat sitzt mit dem ehemaligen Gottéron-Kultstürmer Slawa Bykow einer der weltbesten Trainer, der soeben in Russland den Titel holte, sich eine Denkpause gönnt und viel Freizeit hat.

Das ist, etwas frivol gesagt, ungefähr so, wie wenn einer dabei ist, nach bestem Wissen und Gewissen seine ehelichen Pflichten zu erfüllen, aber abwechselnd die Schwiegermutter und die Schwägerin ins Schlafzimmer kommen und fragen, ob auch alles in Ordnung sei oder ob man etwas helfen oder bringen könne.

Es wäre respektlos zu sagen, Gerd Zenhäusern werde im Laufe der Saison gefeuert. Deshalb sagen wir es nicht und auch Christian Dubé und Slawa Bykow sagen es nicht. Aber zu viele andere sagen es.

So droht Gottéron erstmals der 12. und letzte Platz. Aber es wird ein Happy-End geben. Mit den Tugenden der Vergangenheit wird es erneut gelingen, die Gegenwart zu überstehen.

Tipp für die neue Saison

Alles spricht für eine Saison voller Irrungen und Wirrungen auf und neben dem Eis und ohne Playoffs im Frühjahr Wendet sich der «heilige Zorn» nach innen, gegen den Trainer, den Sportchef und den Präsidenten oder nach aussen, gegen die Konkurrenz? Das ist die alles entscheidende Frage. Im Vergleich zum Vorjahr ist Fribourg nominell ungefähr gleich stark.

HC Ambri-Piotta

Stärken und Schwächen

Thibaut Monnet bekommt eine letzte Chance und kann mehr als 25 Punkte buchen.

Thibaut Monnet findet in Ambri die Magie seines Offensivspiels so wenig wie zuvor in Fribourg.

Mikko Mäenpää mahnt in lichten Momenten ein wenig an seinen Landsmann Rexi Ruotsalainen und ist viel besser als seine Vorgänger Ryan O'Byrne und Francis Bouillon.

Der ausländische Verteidiger muss so stark belastet werden, dass Mäenpääs Überforderung programmiert ist. Nur einer, der gut genug für die NHL ist, ist gut genug, um in Ambri Verteidigungsminister zu sein.

Die jungen Wilden (Zgraggen, Fuchs, Lhotak, Fora, Grassi) sind ein wichtiger Teil der Mannschaft geworden.

Adam Hall, Cory Emmerton und Alexandre Giroux sind die drei langsamsten ausländischen Stürmer unserer Lauf- und Tempoliga.

Der offensive Impresario Oliver Kamber ist besser als der eigenwillige Vollstrecker Daniel Steiner. Weil er seine Mitspieler besser macht.

Trainer Serge Pelletier kann dem sensiblen Oliver Kamber nicht so gut «chüderlen» wie Kevin Schläpfer in Biel.

Alexandre Giroux kann mit Oliver Kambers Hilfe mehr als 30 Treffer erzielen und zum zweiten Mal NLA-Torschützenkönig werden.

Die Gefahr ist gross, dass vor der Zeit bekannt wird, dass Inti Pestoni Ambri verlässen wird – und dann gehen in der Garderobe, im Stadion und in der Leventina die Lichter aus.

Der Heimvorteil ist dank den leidenschaftlichsten Fans im Land in der kultigsten Arena Europas mehr als 10 Punkte wert.

Die bunte Medienszene im Tessin macht aus jedem Wetterleuchten einen Gewittersturm und erschüttert die Position von Trainer Serge Pelletier. Unternimmt der neue Sportchef Ivano Zanatta alles menschenmögliche, um dessen Position zu stärken?

Ambri Fans, verkleidet als Asterix und Obelix, feuern die Ambrispielern an, vor dem NLA Eishockey Meisterschaftsderby zwischen dem HC Ambri-Piotta und dem HC Lugano, in der Valascia Halle in Ambri, am Dienstag, 29. Oktober 2013. (KEYSTONE/Karl Mathis)

In der Valascia will «Asterix» Ambri die Obelixe der Liga ärgern.
Bild: KEYSTONE

Trainerdiskussionen schon vor dem Saisonstart

Die Polemik ums Personal gehört in Ambri seit Anbeginn der Zeiten zur Kultur dieses einzigartigen Hockeyunternehmens. Vielleicht braucht Trainer Serge Pelletier doch einen Wintermantel.

Wäre Ambri ein gewöhnliches Eishockey-Unternehmen, dann wäre es schon im letzten Jahrhundert von der Landkarte verschwunden. Starke, eigenwillige, oft charismatische Persönlichkeiten entfachen immer wieder die Leidenschaft und sorgen auf und neben dem Eis dafür, dass Ambri nicht untergeht.

Bei der Selbstdarstellung wird gerne auf die Comic-Reihe «Asterix» verwiesen. So wie sich das winzige gallische Dorf erfolgreich gegen die allmächtigen Römer behauptet, so lässt sich Ambri im helvetischen Hockey- Imperium nicht unterkriegen, und kuscht schon gar nicht vor Lugano.

Als Fremder König (Trainer) zu sein, ist eher noch schwieriger, als das Dorf der Gallier zu regieren. Deshalb haben es in Ambri die Trainer und die Sportchefs noch nie leicht gehabt. Polemik um das sportliche Führungspersonal gehört zur Unternehmenskultur.

ZUM START DER NATIONAL LEAGUE A EISHOCKEY-SAISON 2015/16 AM MITTWOCH, 9. SEPTEMBER 2015, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL DER TRAINER ZUR VERFUEGUNG – L'entraineur tessinois Serge Pelletier donne des conseils a ses joueurs lors du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League A, entre le Lausanne Hockey Club, LHC, et HC Ambri-Piotta, ce samedi 20 septembre 2014 a la patinoire de Malley a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Da geht's durch: Serge Pelletier gibt in der Leventina den Weg vor.
Bild: KEYSTONE

Und so wundert es uns nicht, dass in diesen schwierigen sportlichen Zeiten der Meinungsstreit rund um Trainer Serge Pelletier schon lange vor dem Saisonstart begonnen hat und nicht verebben will. Die Frage ist scheinbar nicht ob, sondern wann er entlassen wird. Wieder einmal sind sich die meisten einig, dass der Trainer keinen Wintermantel braucht. Aber es wäre nicht das erste Mal, dass in Ambri eine Geschichte ganz anders endet, als alle erwartet haben.

Serge Pelletier hat Ambri im Frühjahr 2014 nach einer siebenjährigen Playout-Depression wieder in die Playoffs geführt. Zu Recht ist diese Leistung mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung bis 2016 honoriert worden. Das Problem ist nur: Inzwischen hat der eingebürgerte Kanadier die Magie des Erfolges verloren. Letzte Saison musste Ambri schon früh alle Hoffnungen auf erneute Playoffs fahren lassen, kam nur noch auf Rang 11 und musste am Ende gar gegen die Lakers playouten.

Im April ist Serge Pelletier als Sportchef abgesetzt worden und diese Position bekleidet nun der schlaue Netzwerker, Machiavellist und ehemalige Lugano-Trainer (!) Ivano Zanatta. Er steht natürlich hinter seinem Trainer. Wie es sich für einen seriösen Sportchef im Tessin gehört. Aber niemand weiss, ob mit oder ohne Messer. Wir sind ja im Tessin.

Ambris Torhueter Michael Flueckiger im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem SC Bern und dem HC Ambri-Piotta am Freitag, 17. Oktober 2014, in der PostFinance-Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Michael Flückiger: Einer von drei Ambri-Goalies mit Potenzial.
Bild: KEYSTONE

Dabei sind die Aussichten ja gar nicht so schlecht. Die erfreuliche Nachricht: Zum ersten Mal in seiner Geschichte hat Ambri gleich drei Torhüter unter Vertrag, die in den letzten zwei Jahren zu Aufgeboten ins Nationalteam gekommen sind. Die etwas weniger gute Nachricht: Es handelt sich lediglich um Sandro Zurkirchen, Tim Wolf und Michael Flückiger. Aber immerhin. Das Goalie-Problem, das letzte Saison eine der Ursachen für die Krise war, sollte gelöst sein.

Tipp für die neue Saison

Wenn ein guter Saisonstart gelingt, die Position von Trainer Serge Pelletier nicht erschüttert wird und die Torhüter von Verletzungen verschont bleiben, dann kann Ambri mit dem Wind der positiven Emotionen schon vor den Playouts in den sicheren Hafen des Liga-Erhalts segeln. Ist Trainer Serge Pelletier im Januar noch im Amt, dann spielt Ambri bis zum Schluss um die Playoffs. Im Gegenwind der Polemik droht hingegen schon im November der Untergang in der See der Hoffnungslosigkeit. Im Vergleich zum Vorjahr präsentiert sich Ambri auf allen Positionen (Tor, Abwehr, Sturm, Ausländer) leicht verbessert.

EHC Biel

Stärken und Schwächen

Trainer Kevin Schläpfer versteht es, auch aus schwierigen Spielern ein Maximum herauszuholen.

Goalie Simon Rytz kann die Playoff-Form nicht während einer ganzen Saison halten und Lukas Meili hat nach wie vor nicht Charisma und Selbstvertrauen einer Nummer 1. Niveau.

Niklas Olausson, Gaëtan Haas und Fabian Sutter bilden die beste Mittelachse seit dem Wiederaufstieg.

Das Powerplay ist zu schwach, weil nach wie vor ein Verteidiger fehlt, der das Überzahlspiel an der blauen Linie organisiert.

Tim Stapleton und Daniel Steiner machen Biels Offensive unberechenbarer und feuerkräftiger. Stapleton ist Biels bester Ausländer seit Normand Dupont.

Die vielen eigenwilligen Neulinge, Schillerfalter und Desperados (Fabian und Dave Sutter, Stapelton, Steiner, Lüthi, Maurer, Dufner, Huguenin) gefährden die taktische Disziplin.

Dave Sutter ist der spektakulärste Verteidiger-Neuling der Liga.

Die neuen Verteidiger brauchen viel Zeit, um sich ins Defensivsystem zu integrieren.

Gaëtan Haas legt auf seinem Weg zum besten Schweizer Center eine weitere Etappe zurück.

Die Transfergerüchte um Gaëtan Haas (zum SC Bern?) können Unruhe in die Mannschaft bringen.

Die kühlen Verstandesmenschen Daniel Villard (Manager) und Sportchef Martin Steinegger (Sportchef) auf der einen und der Feuerkopf Kevin Schläpfer auf der anderen Seite – die perfekte Mischung zur Führung eines emotionalen Sportunternehmens.

Niklas Olausson vergibt zu viele Torchancen. Und niemand mit Schweizer Pass kann den Passgeber Oliver Kamber (28 Assists) ersetzen.

Was Zürich nicht schafft, hat Biel gebaut: Eine neue Fussball- und Hockeyarena

Aschenputtel im Märchenschloss

Biel hat das modernste Stadion der Schweiz. Aber ist das spielerische Aschenputtel nach dem Umzug ins Hockey-Märchenschloss noch immer von der gleichen Leidenschaft beseelt?

Neue Stadien markieren den Beginn einer neuen Ära. Die Bieler sind seit dem Wiederaufstieg von 2008 mit den für einen Aussenseiter typischen Qualitäten wie Stolz, Leidenschaft, Disziplin und Schlauheit weit über sich hinaus gewachsen. Und das Management hat mit Bescheidenheit, Sparsamkeit und Kostenkontrolle die wirtschaftliche Basis gelegt und dafür gesorgt, dass die Emotionen nie über die Ufer der Vernunft getreten sind. Die perfekte Mischung aus der Begeisterungsfähigkeit des Trainers, der Leidenschaft der Spieler und dem Realismus des Managements haben ein Hockeywunder möglich gemacht.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Bewahrung dieser alten Tugenden im neuen Stadion. Dann ist Schritt für Schritt die Entwicklung hin zu einem Spitzenteam möglich. Kann Kulttrainer Kevin Schläpfer die Emotionen auch im fünften Amtsjahr und in einem neuen Stadion entfachen, das so modern ist, dass die Romantik des alten Tempels ganz verloren gegangen ist? Mit der dritten Playoff-Qualifikation in vier Jahren hat er solche Zweifel eigentlich zerstreut. Seine dritten Playoffs 2015 sind fast so hoch zu werten wie Arno Del Curtos Meistertitel 2015.

Kevin Schlaepfer, Head Coach, und Martin Steinegger Sportchef, von links, waehrend der Vorsaison-MK des EHC Biel, am Montag, 24. August 2015, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Der impulsive Trainer Schläpfer und der besonnene Sportchef Steinegger.
Bild: KEYSTONE

Kevin Schläpfer ist, wie HCD-Trainer Del Curto, authentisch. Er kann eine Gruppe junger Männer zu ausserordentlichen Leistungen inspirieren und befeuern. Er hat in Biel zusammen mit Geschäftsführer Daniel Villard und Sportchef Martin Steinegger eine ganz besondere Kultur aufgebaut und zieht als Held in den neuen Bieler Eishockey-Tempel ein.

Aber noch nie seit der Einführung der Playoffs hat sich der äussere Rahmen für eine Mannschaft so dramatisch verändert wie in Biel. Aus einem engen Treibhaus der Emotionen, von dessen Dach im besten Wortsinne die Geschichte in Form von Kondenswasser tropfte ins modernste Stadion der Schweiz mit riesigen Kabinen und Gängen – die Bieler sind von der Stadioneiszeit ins 21. Jahrhundert katapultiert worden.

Der Einfluss eines solchen Kulturschockes sollte gerade bei einem Team nicht unterschätzt werden, das so sehr auch von seiner Leidenschaft lebt. Verkraften der Trainer und die Spieler diesen Kulturschock, dann kann Biel bis in drei Jahren ein Team der vorderen Tabellenhälfte werden.

Tipp für die neue Saison

Viele Partien bleiben unvollendete Sinfonien und enden mit knappen Niederlagen. Diesmal reicht die Leidenschaft nicht aus, um so oft besser zu spielen, als es das Talent erlaubt, bis die Playoffs gesichert sind. Aber die Playouts bleiben Biel erspart. Nominell scheint Biel leicht besser besetzt zu sein als im Vorjahr.

So sieht die National League A im «NHL 16» aus

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