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Biel oder Kloten?

Eismeister Zaugg

Warum Kloten trotz allem ein Playoff-Kandidat bleibt und Biel auf der Strecke bleibt

Ausgerechnet Biel ist jetzt Klotens Gegner im Kampf um den letzten Playoff-Platz. Nach wie vor ist Kloten klarer Favorit. Weil am Ende ausgerechnet die Lakers alles entscheiden werden.



Der Gegensatz zwischen den Kloten Flyers und Biel könnte in dieser Saison grösser nicht sein. Biel ist das NLA-Unternehmen, das aus seinen beschränkten finanziellen Mitteln ein Maximum herausholt. Die ungeschriebenen Gesetze des Mannschaftsportes werden weitgehend eingehalten. Die Personalpolitik ist vernünftig und sorgt für Verlässlichkeit, Kontinuität und Stabilität. Ein Klassiker für wenig Geld und viel (Sport-)Geist.

Kloten ist in den letzten Monaten das NLA-Unternehmen geworden, das aus seinem Potenzial am wenigsten herausholt. Noch selten ist in der Geschichte der NLA so viel Geld so unglücklich gemanagt worden wie diese Saison in Kloten. Kaum ein ungeschriebenes Gesetz des Mannschaftsportes, das nicht missachtet wird. Die sprunghafte Personalpolitik und die Einmischung von oben ins Tagesgeschäft sorgen für Unsicherheit und wirken leistungshemmend. Wenn es ganz dumm läuft, dann wird der Betriebsverlust der Kloten Flyers Ende Saison ungefähr so hoch sein wie das Budget für die erste Mannschaft beim EHC Biel.

Biels Paer Albrandt, links, im Duell mit Klotens Robin Leone im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EHC Biel und den Kloten Flyers, am Montag, 22. Dezember 2014, in der Eishalle in Biel. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Ungleicher könnte die Ausgangslage im Kampf um den Playoff-Platz kaum sein. Bild: KEYSTONE

Die laufende Strafe für die Tüchtigkeit

Trainer Kevin Schläpfer wird in Biel laufend für seine Tüchtigkeit bestraft. Er hat in seiner Amtszeit mehr Spieler an die besser zahlende Konkurrenz verloren als jeder andere NLA-Trainer. Unter anderem Reto Berra, Kevin Lötscher, Steve Kellenberger, Marc Wieser, Anthony Huguenin, Clarence Kparghai, Adrien Lauper, Alain Mieville und Noah Schneeberger. Eine halbe Mannschaft. Die Leistungskultur ist indes so gut, dass diese Wechsel das Leistungsvermögen des Teams kaum beeinträchtigt haben. Unter Kevin Schläpfer hat Biel nacheinander die Ränge 9., 8., 8. und 11. erreicht. Und jetzt wird Weihnachten mit fünf Punkten Vorsprung auf Kloten auf dem letzten Playoff-Platz (8.) gefeiert.

Das Schicksal der Bieler ist die knappe Niederlage. Der Mangel an Geld führt zu Mangel an Talent, und deshalb ist es oft nicht möglich, die harte Arbeit und kluge Taktik mit einem Sieg zu krönen. Talent macht Tore und von diesem Talent hat Biel nach wie vor zu wenig. Die notorische Offensivschwäche ist diese Saison durch vier ausländische Stürmer etwas korrigiert worden.

Wer holt sich den letzten Playoff-Platz?

Auch Flyers haben wichtige Spieler verloren – sind aber selber schuld

Die Kloten Flyers haben seit der Übernahme durch Philippe Gaydoul im Sommer 2012 auch wichtige Spieler verloren. Zum Beispiel Kultgoalie Ronnie Rüeger (Rücktritt), die Nationalverteidiger Eric Blum und Felicien Du Bois sowie die Nationalstürmer Roman Wick und Samuel Walser. Einige Abgänge sind durch ungeschickte Verhandlungstaktik provoziert worden. Eric Blum und Felicien Du Bois wollten eigentlich bleiben, wurden aber durch Sportchef André Rötheli so verärgert, dass sie gingen. Und Martin Plüss weiss wahrscheinlich schon, warum er in Bern verlängert hat und nicht nach Kloten zurückgekehrt ist.

Das Hüst und Hott in der Unternehmensstrategie und auf den zentralen Führungspositionen hat die Leistungskultur empfindlich gestört. Erst sollte gespart und die Saison nur mit drei Ausländern bestritten werden. Inzwischen sind es doch vier Ausländer (und wohl bald fünf), und mit Sean Simpson ist der teuerste Trainer ausserhalb der NHL und KHL engagiert worden. Trainer Felix Hollenstein ist entlassen, wieder eingestellt und erneut entlassen worden. Der umstrittene Sportchef André Rötheli ist auf eine Führungsposition im Nachwuchs abgeschoben worden. Ob er dort der richtige Mann ist? Müssten nicht gerade die Klotener mit ihrer Ausbildungskultur sorgfältig darauf achten, in der Nachwuchsabteilung nur die Besten zu beschäftigen?

Flyers Sportchef Andre Roetheli beim Eishockey National League A Spiel zwischen dem EV Zug und den Kloten Flyers am Freitag, 3. Oktober 2014, in der Bussard Arena in Zug. (KEYSTONE/Sigi Tischler)

André Rötheli: Als Sportchef einige Spieler vergrault und jetzt im Nachwuchs tätig. Bild: KEYSTONE

Kloten auf dem absteigenden Ast

Dabei hatte es der neue Besitzer eines Hockeyunternehmens noch selten so einfach wie Philippe Gaydoul. Er übernahm im Sommer 2012 ein sportlich intaktes Hockeyunternehmen. Das Problem war bloss, dass dem Besitzer (Jörg Bircher) das Geld ausgegangen war. Die Infrastruktur (Stadion) limitiert halt die Ertragsseite und wie man auch managt – die Kloten Flyers bleiben ein Zuschussgeschäft. Aber Leistungskultur, Salär-Hierarchie und Chemie waren intakt, trotz der wirtschaftlichen Turbulenzen blieben fast alle Spieler. 

Gaydoul hätte einfach die bestehende Crew übernehmen können. Dann wären die Kloten Flyers immer noch ein Spitzenteam, gut im Dorf verankert, im ganzen Land populär und sie würden höchstens ein bis zwei Millionen pro Saison verlieren. Ein geduldiges, schlaues und politisch sensibles Management könnte die Kloten Flyers als sympathischen Ausbildungsklub positionieren und die Verluste weiter reduzieren. Und Philippe Gaydoul stünde in der Hockeywelt im Ansehen fast auf Augenhöhe mit Walter Frey.

Aber ein funktionierendes Hockeyunternehmen ist durch den neuen Besitzer in den Grundfesten erschüttert worden. Die Zuschauerzahlen sind inzwischen rückläufig, die Unterstützung durch die lokale Wirtschaft könnte besser sein, die Vermarktung auch, und Administration und Mannschaft sind teurer geworden. Die Kloten Flyers haben einen Imageverlust erlitten und wecken da und dort eher Schadenfreude als Begeisterung. Der Betriebsverlust betrug letzte Saison mindestens sechs Millionen und könnte am Ende dieser Saison noch höher sein. Zum zweiten Mal in drei Jahren droht das Verpassen der Playoffs.

Biels Claudio Cadonau, Niklas Olausson, Kevin Fey und Paer Albrandt, von links, feiern den Treffer zum 4:2, im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EHC Biel und den Kloten Flyers, am Montag, 22. Dezember 2014, in der Eishalle in Biel. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Schafft Biel erneut die Überraschung und den Playoff-Platz? Bild: KEYSTONE

Es wäre eine der bittersten Niederlagen der Vereinsgeschichte

Nun soll es Sean Simpson als Trainer und Sportchef richten. Er kann die Kloten Flyers trotz allem noch in die Playoffs führen. Für diese Aufgabe ist er der richtige Trainer. Weil er es versteht, eine Mannschaft defensiv zu organisieren. Die entscheidende Frage ist allerdings, ob es ihm gelingt, dem zutiefst verunsicherten Personal Selbstvertrauen und Spielfreude zurückzugeben. Es liegt viel im Argen, wenn nach einem Trainerwechsel jegliche Reaktion ausbleibt und gleich die ersten zwei Spiele (2:4 Biel, 0:2 Lausanne) verloren gehen.

Es wäre eine der bittersten Niederlagen der 80-jährigen Vereinsgeschichte, wenn ausgerechnet gegen Biel das Rennen um den letzten Playoffplatz verloren ginge. Denn die Kloten Flyers sind, wenn es denn tatsächlich auf einen Zweikampf mit Biel hinausläuft, dank dem Spielplan in einer besseren Ausgangslage. Die letzten sieben Partien der Kloten Flyers: Fribourg (a), Biel (h), Lausanne (a), Lakers (h), Lakers (a), Davos (h), Fribourg (a). 

Die Rapperswiler Cedric Haechler, Lukas Sieber und Nicklas Danielsson, von links, bejubeln das 1-0, im Eishockeyspiel der National League A zwischen den Rapperswil Jona Lakers und dem HC Ambri Piotta, am Montag, 22. Dezember 2014, in der Diners Club Arena in Rapperswil. (PHOTOPRESS/Steffen Schmidt)

Die Lakers: Helfen sie Kloten im Kampf um die Playoff-Quali? Bild: PHOTOPRESS

Ein Spitzenteam (Davos), aber zweimal die Lakers. Zudem dürften die Kloten Flyers als Anschubhilfe ins neue Jahr auch noch am 4. Januar gegen die Lakers antreten. Also noch dreimal die Lakers! Besser könnte der Spielplan nicht sein, Biel darf in der Qualifikation nur noch einmal gegen das Schlusslicht spielen. Am Ende könnten die Lakers also alles entscheiden. Ein boshafter Spruch sagt: Wer dann, wenn es zählt, die Lakers nicht schlägt, ist die Playoffs nicht wärt.

Biel hat es in den letzten sieben Partien schwerer: ZSC (a), Kloten (a), Servette (h), Zug (a), Lausanne (a), Lausanne (h), Bern (h). 

Jede Partie muss erst mal gespielt werden. Aber zumindest auf dem Papier spricht alles dafür, dass es die Kloten Flyers doch noch schaffen. Aber vielleicht kehren ja Fribourg-Gottéron oder Ambri noch einmal ins Rennen um die letzten Playoff-Plätze zurück – und dann ist alles wieder ganz anders und wir schreiben halt die Hockeygeschichte neu.

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