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Biels Gaetan Haas, rechts, im Duell mit Ambri-Piottas Torhueter Damiano Ciaccio im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Biel und dem HC Ambri Piotta, am Sonntag, 9. Januar 2022.
Biels Gaetan Haas, rechts, im Duell mit Ambri-Piottas Torhueter Damiano Ciaccio im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Biel und dem HC Ambri Piotta, am Sonntag, 9. Januar 2022.Bild: keystone
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«Langbri» oder «Amnau» – eine Utopie als Spitzenteam

Mit guten Ausländern wäre Ambri in der oberen Tabellenhälfte und mit Ambris Trainer wäre Langnau auch dort. Unpolemische Betrachtungen zu Beginn des Hockeyjahres 2022.
10.01.2022, 05:4710.01.2022, 12:19

Fast keine Polemik. Lediglich eine weitgehend staubtrockene und unliterarische Aneinanderreihung von Zahlen und Fakten. Ambris Ausländer sind mit Abstand die miserabelsten der Liga. Die vier ausländischen Stürmer haben bisher zusammen 15 Tore erzielt. Selbst Ajoies ausländische Dienstboten haben doppelt so viele Treffer (30) auf dem Konto. So ist es logisch, dass Ambri offensiv das zweitschwächste Team der Liga ist.

Aber defensiv gehört Ambri zu den Spitzenteams: Bloss 98 Gegentreffer. Gleich viele wie Lugano und nur zwei mehr als die mächtigen ZSC Lions mit Yannick Weber, Patrick Geering, Christian Marti, Phil Baltisberger oder Maxim Noreau in der Verteidigung. Nehmen wir einmal an, Ambris ausländische Stürmer hätten bisher 59 statt bloss 15 Tore erzielt. Wo wäre Ambri dann? Richtig: höchstwahrscheinlich in den Playoff-Rängen.

Ist es denn überhaupt realistisch, dass ein Hockeyunternehmen mit einer beschränkten Finanzkraft wie Ambri vier ausländische Stürmer löhnen kann, die diese 59 Tore erzielen können? Ja, das ist realistisch. Langnaus Jesper Olofsson (23 Tore), Harri Pesonen (16), Alexandre Grenier (12) und Aleksi Saarela (8) haben bisher exakt 59 Mal getroffen. Sie sind nicht viel teurer als Ambris Peter Regin (2 Tore), Brandon McMillan (7), Brandon Kozun (3, inzwischen ausgemustert) und Matt D’Agostini (3).

Aber Langnau ist trotz seiner offensiven Herrlichkeit (101 Tore, nur ein Treffer weniger als Zug) noch sieben Punkte hinter Ambri auf dem zweitletzten Platz klassiert. Weil Langnau defensiv miserabel ist: 127 Gegentreffer. Nur Ajoies Abwehr ist noch durchlässiger (148).

Was lernen wir daraus? Richtig: Mit einer funktionierenden Defensivorganisation wäre Langnau mit ziemlicher Sicherheit ein Team der oberen Tabellenhälfte. Wir können es polemisch auch so sagen: Mit Langnaus Ausländern wäre Ambri fast ein Spitzenteam. Und Langnau wäre es mit Ambris Trainer.

Ambris Trainer Luca Cereda.
Ambris Trainer Luca Cereda.Bild: keystone

Was zeichnet Ambris Luca Cereda aus? Er versteht es, aus wenig Talent ein defensives Maximum herauszuholen. Aus offensivem Blech defensives Gold zu schmieden. Noch einfacher erklärt: Er gehört zu jenen Trainern, die den Spielern beibringen, was sie ohne Scheibe zu tun haben. Heinz Ehlers war auch so ein Hexenmeister. Und Oltens Lars Leuenberger ist es auch. Wenn sich die Untalentierten, die offensiv Unfähigen defensiv ohne Puck richtig verhalten, dann haben sie gegen die Talentierten mit dem Puck eine Chance.

Die Partie Biel gegen Ambri lieferte trotz des klaren Resultates (4:0) wieder einmal den Beweis für diese These. Die Entscheidung (3:0) fällt erst tief im Schlussdrittel. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ein defensiv sehr gut organisiertes, diszipliniertes, mutiges und tapferes Ambri mit dem viel, viel talentierteren Titanen auf Augenhöhe gespielt und genug Torchancen für eine Wende gehabt. Aber keine ausländischen Stürmer, die das Tor treffen.

Luca Cereda wird nach dem Spiel gefragt, wo sein Team mit Langnaus Ausländern stehen würde. Natürlich ist er zu klug, um auf eine solch provokative Frage hereinzufallen. Er sagt zwar, das sei eine gute Frage. Aber dann bleibt er diplomatisch und führt aus, jede Mannschaft brauche Spieler, die für Tore sorgen. «Aber manchmal läuft es nicht und es gelingt kein Tor und manchmal läuft es und die Tore fallen wie von selbst …» Und er lobt die Arbeitseinstellung seiner Spieler. Die ist tatsächlich vorzüglich. Aber eben: Was nützen Fleiss, Mühe, Disziplin, Mut und Leidenschaft, wenn die ausländischen Stürmer keine Tore erzielen? Sie sind ja in allererster Linie fürs Toremachen engagiert worden.

Noch etwas: Was war die Besonderheit an Ambris bester Saison der Neuzeit (2018/19/5. Platz)? Richtig: Der tschechische Flügel Dominik Kubalik war Liga-Topskorer und heute ist der Dollar-Millionär in der NHL. Ambris ausländische Stürmer dieser Saison sind von der NHL weiter entfernt als eine 1. August-Rakete vom Saturn.

Wir können auch die Frage stellen: Wo wäre Langnau mit einem Trainer wie Luca Cereda? Also einem Trainer, der es versteht, den Untalentierten defensive Ordnung beizubringen? Die polemische Antwort: mit ziemlicher Sicherheit auf einem Playoffplatz. Davon ist Langnau weiter entfernt als von einer Aufnahme in die NHL. Nun wissen wir also, warum Langnaus Trainer Jason O`Leary intern und extern in der Kritik steht.

Trainer Luca Cereda, Sportchef Paolo Duca und Pauli Jaks.
Trainer Luca Cereda, Sportchef Paolo Duca und Pauli Jaks.Bild: keystone

Wird sich an dieser Ausgangslage für nächste Saison etwas ändern? Immerhin hat Ambris Sportchef Paolo Duca soeben die Verpflichtung von Filip Chlapik (24) für die nächsten zwei Jahre verkündet. Des Topskorers der höchsten tschechischen Liga. Der nächste Dominik Kubalik? In seiner letzten ganzen Saison in Tschechien vor dem Wechsel zu Ambri hatte Dominik Kubalik in 51 Partien 29 Tore erzielt. Filip Chlapik steht diese Saison bei 22 Toren aus 34 Spielen und er hat praktisch die gleiche Postur wie Ambris ehemaliger Liga-Topskorer. Die Hoffnung auf eine offensive Besserung ist berechtigt.

Zumal Dominic Zwerger sagt, Ambri sei sein Herzensclub und es spreche eigentlich nichts gegen eine Vertragsverlängerung. Hätte dieser geniale Vorbereiter (Leventina-Gretzky) endlich wieder einen coolen Vollstrecker neben sich wie damals Dominik Kubalik, dann könnte er seine Punkteproduktion wieder glatt verdoppeln. Gelingt es Sportchef Paolo Duca tatsächlich, Dominic Zwerger zu halten, wird ihm fast alles vergeben, was er bei der Verpflichtung der Ausländer in den letzten zwei Jahren gesündigt hat. Defensiv wird Ambri nächste Saison sowieso wieder stabil sein. Trainer Luca Cereda bleibt ja.

Wird Langnau nächste Saison defensiv stabiler sein? Jason O`Leary hat die Chance, in den nächsten Wochen zu beweisen, dass er doch defensiv kann. Ist er dazu nicht in der Lage, dann hat Sportchef Marc Eichmann die allerdings kostenpflichtige Option, den richtigen Trainer zu finden. Offensiv wird Langnau nächste Saison sowieso wieder recht gut sein: Harri Pesonen, Alexandre Grenier und Aleksi Saarela bleiben ja.

«Langbri» oder «Amnau», eine Kombination von Ambri und Langnau wäre ein Spitzenteam. Aber eben: Das ist eine Utopie. Beide Teams müssen ihren Weg alleine gehen.

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