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Der Genfer Kevin Romy, rechts, bezwingt den Lakers Torhueter Tim Wolf, links, zum 0-1 fuer Servette, im Eishockeyspiel der National League A Rapperswil-Jona Lakers gegen Genf Servette HC in Rapperswil, am Freitag, 14. November 2014. (KEYSTONE/Walter Bieri )

Jänu, schon wieder ein Gegentor: Servettes Romy bezwingt Lakers-Goalie Wolf. Bild: KEYSTONE

Fröhliche Kultur des Verlierens

Eismeister Zaugg

Die kuriosen Lakers – wenn ein Team ausser Konkurrenz spielt

Seit bald sieben Jahren spielen die Rapperswil-Jona Lakers ausser Konkurrenz in der NLA – und trotzdem spielen sie im Kampf um die Playoffs eine entscheidende Rolle. Die Lakers sind das kurioseste Hockey-Unternehmen Europas.



Im nächsten Frühling werden die Lakers zum 7. Mal in Serie die Qualifikation nicht besser als auf Rang 10 beenden. Mehr noch. Sie werden zum dritten Mal in vier Jahren auf dem letzten Platz landen. Jedes Jahr stehen schon im Oktober drei Dinge fest: Am 25. Dezember feiern wir Weihnachten, wir müssen Steuern zahlen und die Lakers werden sich nicht für die Playoffs qualifizieren, aber spätestens in den Playouts retten. Die St.Galler spielen sozusagen von Oktober bis Februar, während gut drei Monaten, ausser Konkurrenz in der höchsten Spielklasse mit.

Die notorische Erfolglosigkeit gibt diesem Hockeyunternehmen einen ganz besonderen Charme. Inzwischen dürften die Lakers die höchstentwickelte Kultur des Verlierens im globalen Mannschaftsport haben. Längst spielt es keine Rolle mehr, ob Gaukler, Clowns, Kultfiguren oder gewiefte Taktiker an der Bande stehen, ob die Ausländerlizenzen für Paradiesvögel oder Weltmeister eingelöst werden oder ob ein Stanley-Cup-Sieger oder ein Junioren-Internationaler im Tor steht.

Die Lakers verlieren so oder so regelmässig froh, fröhlich, friedlich und freundlich. Keine Verschwörungstheorien gegen die Schiedsrichter, die Liga und den Verband und keine Kritik am Trainer. Lieber Harmonie in der Niederlage, als siegreich streiten.

Der Laker Samuel Friedli, rechts, wird vom Klotener Rene Back, links, gestoppt, beim Eishockeyspiel der National League Rapperswil Jona-Lakers gegen die Kloten Flyers in Rapperswil am Samstag, 1. November 2014. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Bauchlandung: Laker-Spieler Friedli knallt aufs Eis. Bild: KEYSTONE

«Wer die Lakers nicht schlägt, ist der Playoffs nicht wert»

Wir können nun spotten und sagen: Die Lakers sind bloss noch ein NLB-Team, das von guten Ausländern verstärkt wird. Aber wer die Lakers schmäht oder die Mannschaft unterschätzt, den bestrafen die Hockeygötter. Denn die Lakers geben auch in hoffnungsloser Lage nie auf und tun so, als gehe es in jeder Partie um die letzte Playoffchance. Deshalb beeinflussen sie den Kampf um die Playoffs.

Wer nicht zur Spitzengruppe der Liga gehört und um die Playoffs kämpfen muss, darf gegen die Lakers einfach keine Punkte abgeben. Punktverluste gegen die Lakers sind ganz besonders schmerzhaft. Sehen wir nach, wen es diese Saison schon erwischt hat, wer von den Zitterteams gegen die Lakers schon Punkte abgegeben hat:

1. Ambri 6 Punkte
2. Lausanne 3 Punkte
3. Biel 2 Punkte
4. Fribourg 2 Punkte
5. Kloten 1 Punkt

Mit ziemlicher Sicherheit werden Ambri im nächsten Frühjahr unter anderem genau diese sechs Punkte für die Playoffs fehlen. Nach dem Motto: «Wer die Lakers nicht schlägt, ist der Playoffs nicht wert.»

Mauro Joerg von Rapperswil, links, checkt Daniele Grassi von Ambri, Mauro Joerg von Rapperswil, links, checkt Daniele Grassi von Ambri, beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Ambri-Piotta und den Rapperswil-Jona Lakers, am Samstag, 1. Februar 2014, in der Valascia Eishalle in Ambri. (KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)

«Weg mit dir»: Rapperswil Jörg checkt Ambri-Grassi. Bild: TI-PRESS

Hollenstein muss aufpassen …

Die Lakers spielen nun sogar Schicksal. Wenn die Kloten Flyers morgen zu Hause gegen die ausser Konkurrenz spielenden Lakers verlieren, dann wird das Undenkbare denkbar: die Entlassung von Felix Hollenstein. Von den Lakers um den Job gebracht – das wäre wahrlich eine unverdiente Schmach für eine der grössten Persönlichkeiten unseres Hockeys.

Aber ein klarer Sieg darf, ja muss erwartet werden. Am 16. Februar 2013 feierten die Kloten Flyers nämlich unter Trainer Tomas Tamfal in einem ihrer besten Spiele dieses Jahrhunderts den bisher glanzvollsten Sieg der «Ära Gaydoul»: 12:0 (in Worten: zwölf zu null) gegen die Lakers!

Trotzdem wurde Tamfal später gefeuert und durch Felix Hollenstein ersetzt. Dieses 12:0 muss für ein Hockeyunternehmen wie Kloten, das noch nicht die Kultur des Verlierens der Lakers entwickelt hat, die Messlatte für den Trainer sein.

Kloten Flyers Cheftrainer Felix (Fige) Hollenstein, links, und Stuermer Michael Liniger waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen den Kloten Flyers und dem EHC Biel-Bienne am Freitag, 24. Oktober 2014, in der Kolping Arena in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Wie lange noch? Trainer Hollenstein sass in Kloten auch schon fester im Sattel. Bild: KEYSTONE

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