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Wer hat bei der Poker-Partie die stärkeren Nerven?

Eismeister Zaugg

Starke Hand oder doch nur ein Bluff? Eine Poker-Partie mit dem «Hockey-Gott»

Die grosse Frage diese Woche: Kann und will sich Klotens grosser Vorsitzender Hans-Ueli Lehmann Trainer Kevin Schläpfer leisten?



Wenn nur das Hockey-Leben nicht so kompliziert wäre. Es könnte doch so einfach sein. Eine Anstellung, die in ein paar Minuten am Telefon besiegelt werden könnte. Die Ausgangslage ist eigentlich klar. Charismatischer Eishockeytrainer, verehrt als «Hockeygott», sucht per sofort Job auf der grossen Hockeybühne.

Eishockeyclub mit ruhmreicher Geschichte sucht per sofort einen Trainer. Kevin Schläpfer (47) zum EHC Kloten. Eine Hockey-Ehe, die den Hockeygöttern gefallen würde. Kevin Schläpfer hat ja bei seinem Auftritt als Hockey-Experte am letzten Freitag im helvetischen Staatsfernsehen Kloten sozusagen einen Heiratsantrag gemacht.

Biels Head Coach Kevin Schlaepfer, rechts, und Assistent Dino Stecher, links, waehrend dem Meisterschaftsspiel in der NLA zwischen dem EHC Biel und den SCL Tigers, am Freitag, 11. November 2016, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Ist Kevin Schläpfer bald mit dem EHC Kloten «verheiratet»? Bild: KEYSTONE

Aber so einfach ist es eben nicht. Wäre Kevin Schläpfer ein Kanadier, dann hätte er gestern nach der ersten Gesprächsrunde in Kloten blindlings unterschrieben. Hauptsache ein Job. Die Kanadier sind die Wanderarbeiter des Hockeys und ziehen, wie beispielsweise Larry Huras, jahrelang sorglos von Stadt zu Stadt, von Land zu Land. Kanada, USA, Frankreich, die Schweiz, Norwegen, Deutschland, Schweden. Kitchener, Port Huron, Providence, New York, Dallas, Salt Lake City, Grenoble, Gap, Rouen, Zürich, Ambri, wieder Zürich, Lugano, erneut Ambri, Stavanger, Villach, Bern, noch einmal Lugano, München, Örnsköldsvik und zuletzt Fribourg.

Eine solche Odyssee ist für Kevin Schläpfer undenkbar. Erstens hat er als Schweizer gar keinen internationalen Markt und zweitens ist er ein sesshafter Eidgenosse. Soeben hat er in Sissach ein Haus gebaut.

Wird Kevin zum Koala?

Also gilt es, die neue Arbeitsstelle sorgfältig auszuwählen. In Biel war er zehn Jahre lang bis zu seiner Entlassung im vergangenen November ein «Hockeygott». Ein kluger Sportchef, ein schlauer Trainer, ein charismatischer Motivator. Der Mann, der ein ganzes Hockeyunternehmen personifiziert hat.

Scheitert Kevin Schläpfer bei seinem nächsten Job, heisst es, er könne halt ausserhalb Biels so wenig leben wie der Koala ausserhalb des Eukalyptus-Waldes. Und auch dann, wenn er in Kloten arbeiten möchte, gibt es einige Hindernisse zu überwinden.

epa06156049 A handout photo made available by Australia Zoo on 22 August 2017 showing a rare white koala joey at Australia Zoo, Beerwah, on the Sunshine Coast, Australia, 10 August 2017. This little joey does not have albinism where colour is absent from all physical characteristics including skin, fur and eyes however her extremely pale colouration is caused by a recessive gene and thought to be inherited from her mother Tia who has had other pale coloured joeys in the past.  EPA/BEN BEADEN / AUSTRALIA ZOO /HANDOUT  AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Der Koala steht hier symbolisch für Kevin Schläpfer.  Bild: EPA/AAP / AUSTRALIA ZOO

Kevin Schläpfer wird von André Rufener (46) vertreten. Einem der renommiertesten NHL-Agenten, der u. a. Nino Niederreiter, Sven Bärtschi, Luca Sbisa und Sven Andrighetto zu Millionären gemacht hat. Einer, der auf Augenhöhe mit den Bürogenerälen der wichtigsten Liga der Welt verhandelt.

So wie reiche Rechtsanwälte manchmal mittellose Klienten «pro bono» kostenlos vor Gericht vertreten, so kümmert er sich neben dem «Big Business» in der NHL auch um ein paar Freunde in der der Schweiz. André Rufener hat im «Fall Schläpfer» klare Vorstellungen: «Ein Vertrag bis Ende der nächsten Saison und mindestens so viel Lohn wie in Biel – oder eher noch mehr.»

Kevin Schläpfer wird bekanntlich noch bis Saisonende von Biel bezahlt. Einen Billig-Deal – Biel übernimmt einen schönen Teil des Salärs bis Ende Saison – wird es für Klotens Präsidenten Hans-Ueli Lehmann nicht geben. Biels Manager Daniel Villard stellt klar: «Wenn Kloten Kevin Schläpfer übernehmen will, dann wird der Vertrag mit uns aufgelöst und Kloten muss einen neuen aushandeln.» Bis am Sonntagabend hatte Daniel Villard in der Sache noch keine Anfrage der Klotener auf dem Schreibtisch.

Daniel Villard, Geschaeftsfuehrer EHC Biel, waehrend der Vorsaison-MK des EHC Biel, am Montag, 24. August 2015, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Biel-Manager Daniel Villard bleibt hart. Bild: KEYSTONE

Das Gehalt als Knackpunkt

André Rufener freut sich auf diese Vertragsgespräche. Er habe als Klotener grossen Respekt für das, was Hans-Ueli Lehmann für den EHC leiste. «Aber er hat das Gefühl, dass alles immer so zu laufen habe, wie er will. In diesem Fall geht das nicht.» Er weilt noch bis Ende Woche bei seinen NHL-Klienten in Nordamerika. Kein Problem im Zeitalter der Hosentelefone. Kevin Schläpfer wird keinen Kontrakt ohne den Segen seines Agenten unterschreiben.

Der neue Besitzer des EHC Kloten Hans-Ulrich Lehmann an der Medienkonferenz, aufgenommen am Montag, 2. Mai 2016, in Glattfelden. Der Zuercher Unternehmer Hans-Ulrich Lehmann hat sich mit den bisherigen Eigentuemern des Traditionsklubs, der nordamerikanischen Gruppe

Ein Präsident, der überall sparen möchte: Hans-Ueli Lehmann. Bild: KEYSTONE

Zum Knackpunkt wird das Salär. Wie viel Kevin Schläpfer in Biel verdient hat, verrät Daniel Villard nicht. Er sagt lediglich: «Kevin hat sein Einkommen bei uns im Laufe der Zeit stetig verbessert …»
Hans-Ueli Lehmann, der Präsident, der immer und überall sparen möchte, den das Geld für vier Ausländer reut, müsste Kevin Schläpfer wohl einen Bruttolohn von gut und gerne 300'000 Franken offerieren. Das wird ihm so leichtfallen wie dem Veganer der Besuch einer Metzgete.

Es geht bei der «Causa Schläpfer» für Hans-Ueli Lehmann nicht nur um Geld. Es geht auch um Eitelkeiten, Prinzipien und Glaubwürdigkeit. Immer wenn es unter Männern um Geld, Eitelkeiten, Prinzipien und Glaubwürdigkeit geht, ist die Unterhaltung gross.

ALS VORSCHAU AUF DIE AM MITTWOCH, 7. SEPTEMBER 2016, BEGINNENDE EISHOCKEY NATIONAL LEAGUE A SAISON, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Der Eishockey Trainer des EHC Biel, Kevin Schlaepfer, spricht am Donnerstag, 15. Oktober 2015, in einer Medienkonferenz in der Tissot Arena in Biel ueber seine berufliche Zukunft. Der Schweizer Eishockeyverband Swiss Ice Hockey hat in den letzten Tagen mit Schlaepfer Gespraeche ueber den Posten als Nationaltrainer gefuehrt, obwohl er noch in einem bis 2018 laufenden Vertrag mit dem EHC Biel gebunden ist. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Kevin Schläpfer muss gar nicht erst überlegen, ob er einen Vertrag mit weniger Geld unterschreibt. Bild: KEYSTONE

Kevin Schläpfer hat kürzlich seine Situation so zusammengefasst: «Ich kann es mir nicht leisten, nächstes Jahr ohne Job und Einkommen zu sein. Aber andererseits werde ich diese Saison keinen Job annehmen, bei dem ich weniger verdiene als Biel mir bis Saisonende zahlt.»

Der Baselbieter kann es sich durchaus erlauben, noch bis im nächsten Frühjahr auf Offerten zu warten. Im Eishockey ist es wie im richtigen Leben: Es geht immer irgendwo eine Tür auf. Man muss nur bereit sein, dann durch diese Türe zu gehen. Allerdings besteht das Risiko, dass Heinz Ehlers in Langnau verlängert und schliesslich kein anderes NLA-Angebot als das aus Kloten kommt.

Langnaus Cheftrainer Heinz Ehlers beim Eishockeyspiel der National League zwischen dem EV Zug und den SCL Tigers, am Freitag, 20. Oktober 2017, in der Bossard Arena in Zug. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Ob Heinz Ehlers in Langnau verlängert? Bild: KEYSTONE

Hans-Ueli Lehmann ist wiederum nicht auf Kevin Schläpfer angewiesen. Auch er kann es sich leisten, noch ein wenig zu warten. Um die sportliche Existenz geht es erst im nächsten März und April. Bis dahin werden noch viele Trainer Arbeit suchen. Und er kann jederzeit irgendeinen Trainer anstellen. Er mag es sowieso nicht, wenn in den Medien steht, was er im Hockeygeschäft tun und lassen sollte.

Klotens grosser Vorsitzender pokert mit dem Hockeygott. Mit einem klugen Agenten als Croupier. Die Karten werden schon bald auf den Tisch gelegt.

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22Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • manolo 24.10.2017 08:20
    Highlight Highlight Schläpfer hat einfach Schiss,, Kloten zu trainieren!
  • Chloote 23.10.2017 21:15
    Highlight Highlight Das mit Lehmann und Schläpfer kann unter Umständen sehr gut zueinander passen.
    Weil halt beide ein loses Mundwerk haben und manchmal etwas voreilig überspitzt aussprechen wo sie im nachhinein mit etwas Abstand ganz anderst formulieren würden.
    Ich denke Lehmann wird den Deal mit Schläpfer eingehen.
    Weil er genau spürt das es jetzt nach Tirkkonen so einen Mann an der Bande von Kloten braucht, um mit seinem Team aus dem "Sumpf" zu kommen.
    Es braucht jetzt Dringend in Kloten ein "Hallo Wach Trainer" der die Jungs auf dem Eis wieder auwecken kann!
    • Sensei 23.10.2017 22:36
      Highlight Highlight Haha der hat kein bisschen Gespür für den Sport.
  • Lumina 23.10.2017 16:37
    Highlight Highlight Wie man im Zusammenhang mit Kevin Schläpfer die Worte Hockeygott in den Mund nehmen kann, war mir schon immer absolut schleierhaft.

    Zugegeben, er bringt viel Erfahrung mit und versteht sein Handwerk, aber 11 mehr oder minder erfolgreiche Jahre im Amt bei einem Klub, machen ihn noch lange nicht zu einem Hockeygott, ja noch nicht mal Hockeyjesus.

    Wenn dem so wäre, dann müsste man Arno del Curto schon längst als Zeus - den Übervater aller Götter bezeichnen, denn der ist schon mehr als doppelt so lange im Amt wie Kevin.

    Soviel dazu.
  • Bruno Wüthrich 23.10.2017 15:30
    Highlight Highlight Kevin Schläpfer sollte den Job in Kloten sausen zu lassen. Er kann dabei nur verlieren. Ich glaube nicht, dass eine Aera Schläpfer in Kloten zur Erfolgsgeschichte werden kann. Wenn er Geduld hat, werden sich andere Möglichkeiten auftun. Aber Kloten und Schläpfer, das passt unter der Präsidentschaft von HU Lehmann einfach nicht!

    KS riskiert, mit "Spar- und Krisen-Kloten" die Ligaquali im kommenden Frühjahr gegen Biel hochkant zu verlieren. Und für die Saison 18/19 werden Denis Hollenstein, Vincent Praplan und Patrick von Gunten kaum zu halten sein. Nix da mit besseren Zukunftsperspektiven.
    • Against all odds 23.10.2017 16:13
      Highlight Highlight Ach, und du weisst schon, dass Biel in die Ligaquali muss? Wenn's nur nicht deine Langnauer trifft...
    • Bruno Wüthrich 23.10.2017 16:49
      Highlight Highlight @ Against all odds

      Selbstverständlich weiss ich dies bereits. Wer das nicht sieht, muss mit Blindheit geschlagen sein.

      @ Yotanke

      Ich gehe davon aus, dass diese Verträge aufgelöst werden (naja, möglicherweise der von Praplan nicht), selbst wenn Kloten in der NLA verbleiben sollte. Weder Hollenstein noch von Gunten haben genügend Wirkung, um solch horrende Lohnkosten (in Kloten !!!) zu rechtfertigen. Aber sie sind zu gut, um in einem Verliererteam abzuhängen.

      Die grossen Lohnunterschiede werden irgendwann zu Unstimmigkeiten in der Mannschaft führen. Und dies ist extrem gefährlich.
    • Dynamischer-Muzzi 23.10.2017 17:02
      Highlight Highlight Bruno vielleicht solltest Du wieder mal zum Optiker gehen, ich glaube die Stärke Deiner Brille ist nicht mehr richtig.
      Oder ist einer der beiden von dir genannten Clubs in der Nati B, weil Du eine Liga Quali der beiden (Kloten, Biel) prognostizierst?
      Meines Wissens nach könnten diese beiden Clubs im nächsten Frühjahr maximal den Playout Final spielen, sollten es beide nicht in die Playoffs schaffen.

      So viel zu Deinem "Fachwissen" Du "Experte".
    Weitere Antworten anzeigen
  • Mia_san_mia 23.10.2017 14:56
    Highlight Highlight Der soll das Angebot von Kloten annehmen. Wenn er auf Langnau spekuliert ist er nicht intelligent, dort zu arbeiten ist wäre sogar für ihn ein Absturz.
  • winglet55 23.10.2017 14:49
    Highlight Highlight HUL kann sich KSCH leisten, die Frage ist eher, will er in sich leisten.
    Und KSCH als Hockeygott zu bezeichnen entspricht wohl einer Spätpupertären Fantasie von K.Z., denn dem realen Leben.
  • N. Y. P. D. 23.10.2017 14:24
    Highlight Highlight Kevin,
    Du hast zwar eine starke Hand.
    Aber auch mit 2 Assen gewinnt man nicht zwangsläufig im Pokern.
    Pokerst Du zu hoch, stehst Du am Schluss mit leeren Händen da.
    Benutzer Bild
  • Against all odds 23.10.2017 14:06
    Highlight Highlight Sooo sehr fehlt Schläpfer das Hockey- und Arbeitsleben offenbar irgendwie doch nicht. Irgend eine Mischung aus Selbstüberschätzung, realitätsfremde Wahrnehmung und schlechtem pokern.
  • Sensei 23.10.2017 14:03
    Highlight Highlight Dass der unternehmer lehmann nicht versteht, dass man investiert um daraus Gewinn zu schlagen? Diese 100k die ein guter trainer wohl mehr kosten, könnten über die (nla-)existenz des klubs entscheiden. Und mit einem sieg ab und zu gibts vllt auch wieder n paar zuschauer mehr. Ich würde bei dieser personalie nicht sparen.
    • Ass 23.10.2017 17:21
      Highlight Highlight Nur ist die Frage ob Schläpfer dieser gute Trainer ist? Aus meiner Sicht nein!

Nächste Runde im Zoff: Jetzt ist der Puck im Klotener Kreisel abgedeckt

Kloten steht in der ganzen Schweiz für zwei Sachen: Für den internationalen Flughafen und für seinen Eishockeyklub. Beide Institutionen sind in der Stadt auf Kreiseln verewigt. Doch einem geht es nach dem Willen der Zürcher Baudirektion an den Kragen: Jenem mit dem Puck samt Logo des EHC Kloten.

Einen Kilometer sind zwei Kreisel voneinander entfernt, in deren beider Mitte ein Symbol Klotens präsentiert wird. Wer von Bassersdorf her kommt, passiert die Heckflosse eines Swiss-Flugzeugs. Und in einem Kreisel unweit des Bahnhofs steht seit fünf Jahren unübersehbar ein Puck mit dem Logo des EHC Kloten, rund fünf Meter hoch und über drei Tonnen schwer.

Geht es nach dem Willen des Kantons, dann muss der Puck weg. Oder zumindest das Logo darauf. Denn im Gegensatz zum Schweizer Kreuz auf dem …

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