DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Geneve-Servette's Head coach Craig Woodcroft instructs his players, during a training session of Geneve-Servette HC, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Wednesday, September 6, 2017. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Servette spricht Trainer Woodcroft das Vertrauen aus – aber für wie lange? Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Das Trainer-Theater, das Langnau doch noch die Playoffs bescheren kann

Es rockt in Genf. Servette wendet sich wegen einer Polemik gegen Trainer Craig Woodcroft an den Presserat. Das Theater kann Langnau die Playoffs bescheren.



Es ist eine der schönsten Theater-Szenen, die uns das Hockey in den letzten Jahren auf der grossen Bühne der höchsten Schweizer Liga geboten hat.

Dienstag, 30. Januar im Jahre des Herrn 2018. Die zwei Klubs, die den achten und letzten Playoff-Platz unter sich ausmachen werden, vermelden in den Abendstunden fast zeitgleich interessante Neuigkeiten zu ihren Trainern. Langnau verlängert offiziell mit Heinz Ehlers. Servette spricht offiziell Craig Woodcroft das Vertrauen aus und kündigt den Gang vor den Presserat an.

Geneve-Servette's Head coach Craig Woodcroft gestures, during a National League regular season game of the Swiss Championship between Geneve-Servette HC and EHC Kloten, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Thursday, December 21, 2017. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Craig Woodcroft sitzt scheinbar fest im Sattel. Bild: KEYSTONE

Presserat und Hockey? Ja, so ist es. Der Presserat ist kein Hockey-Gremium. Sondern eine aussergerichtliche Selbstregulierungs-Instanz der helvetischen Medien. Sie untersucht, ob der «Journalisten-Kodex» verletzt worden ist. Sie kann den Medienschaffenden jedoch keine Sanktionen auferlegen und nur Empfehlungen abgeben. Dazu später mehr.

Die Lage am Strich:

Bild

bild: screenshot srf

Sieben gefeuert, Ehlers darf bleiben

Nicht nur das Restprogramm spricht im Strichkampf für Langnau. Auch der Trainer und die Klugheit des Managements. Die Langnauer melden eine Prolongation um ein Jahr. Tatsächlich ist es eine Verlängerung um ein Jahr plus Option. Beide Seiten können während der ersten Saison eine Option um eine einjährige Verlängerung einlösen.

Es ist also in Tat und Wahrheit eine Verlängerung um zwei Jahre – in Langnau darf eine Vertragsverlängerung mit einem Trainer um zwei Jahre ein Vertrauensausweis von nahezu biblischen Dimensionen gewertet werden. Sportchef Jörg Reber bestätigt den Zusatz «plus Option» und begründet ihn mit Sinn für Selbstironie: «Die Vergangenheit lehrt uns in Langnau, dass wir den Vertrag mit dem Trainer nicht zu lang machen sollten ...».

Tigers Head Coach Heinz Ehlers gestikuliert waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem HC Fribourg-Gotteron, am Freitag, 26. Januar 2018, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Heinz Ehlers macht in Langnau einen hervorragenden Job. Bild: KEYSTONE

Wohl wahr: Heinz Ehlers ist der achte Trainer der letzten sieben Jahre. Die Bandengeneräle seit den ersten NLA-Playoffs von 2011: John Fust (gefeuert), Alex Reinhard (gefeuert), Jakob Kölliker (gefeuert), Tomas Tamfal (gefeuert), Bengt-Ake Gustafsson (Vertrag nach Aufstieg nicht verlängert), Benoit Laporte (gefeuert), Scott Beattie (gefeuert) und Heinz Ehlers (Vertrag verlängert).

Unfaire Kritik am «Holzhacker»?

Servette hat am Dienstagabend kurz vor den Langnauern auch Neuigkeiten über seinen Trainer verbreitet. In einer offiziellen Mitteilung wird erklärt, der Verwaltungsrat stehe geschlossen hinter Trainer Craig Woodcroft.

Der Grund für den Zeitpunkt der Durchhalteparole wird auch gleich genannt: Die Tageszeitung «Le Matin» habe in ihrer Ausgabe vom Dienstag den tüchtigen Trainer unfair kritisiert. Die Kritik lässt sich polemisch so zusammenfassen: Craig Woodcrofts Umgang mit den Spielern und Mitarbeitern entspreche seinem Namen. Woodcroft heisst Holzhacker.

Geneve-Servette's Head coach Craig Woodcroft gestures, during a National League regular season game of the Swiss Championship between Geneve-Servette HC and EHC Kloten, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Thursday, December 21, 2017. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Craig Woodcroft wird von den Westschweizer Medien nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst. Bild: KEYSTONE

Die Kritik an der Übungsleitung wird nicht nur zurückgewiesen. Es folgt auch gleich eine harsche Medienkritik. Der Trainer habe keine Gelegenheit bekommen, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Man respektiere die Pressefreiheit, werde aber in diesem Falle den Presserat anrufen.

Nun, der Presserat ist eine Selbstregulierungsinstanz der helvetischen Medienwelt. Das 21-köpfige Gremium untersucht, ob in einzelnen Fällen der Journalistenkodex verletzt worden ist. Dieser Kodex umfasst rund 40 vom Presserat erlassenen Richtlinien für fairen Journalismus. Der Presserat kann jedoch den Medienschaffenden keine Sanktionen auferlegen und nur Empfehlungen abgeben.

Wenn einem Trainer das Vertrauen ausgesprochen und zugleich der Presserat angerufen wird, dann folgt bald ein Trainerwechsel.

Sportchef McSorley muss schweigen

Craig Woodcroft hat im letzten Frühjahr in Genf für drei Jahre bis 2020 unterschrieben. Wenig riskiert, wer wettet, dass die Mannschaft spätestens nach der olympischen Pause vom aktuellen Assistenten Jason O’Leary (Langenthals Meistertrainer von 2017) übernommen wird. Und voraussichtlich werden die Verwaltungsräte, die jetzt ihren Trainer stützen und die Medien schelten, dann auch nicht mehr alle im Amt sein.

Es sind stürmische Zeiten in Genf. Auf dem Eis geht es um den letzten Playoffplatz. In den Kulissen um die Macht und das wirtschaftliche Überleben. Hockey-Hollywood.

Chris McSorley, le nouveau directeur sportif, s'exprime lors d’une conference de presse sur la reorganisation du club de hockey Geneve Servette HC (GSHC), ce mercredi 22 mars 2017 a Geneve. (KEYSTONE/Martial Trezzini)

Zieht Chris McSorley im Hintergrund heimlich die Fäden? Bild: KEYSTONE

Chris McSorley, der Architekt des modernen Servette, ist im letzten Frühjahr als Trainer abgesetzt worden. Aber der charismatische Kanadier, der von den Medien als «Jesus Chris» gefeiert wird, ist in der Stadt so gut vernetzt und beliebt, dass sich die neuen nordamerikanischen Besitzer seine Entlassung nicht leisten können. Sie haben ihn deshalb als «Frühstücks-Direktor» behalten. Als Sportchef ohne Vollmachten. Craig Woodcroft ist von den Teambesitzern über den Kopf des Sportchefs hinweg als Trainer engagiert worden.

Chris McSorley darf offiziell nicht einmal mit den Chronistinnen und Chronisten sprechen. Ja, er gibt nicht einmal TV-Interviews. Das haben die Besitzer so angeordnet. Dieser Zustand wird sich zwar nach dem Rücktritt von Präsident Hugh Quennec bald ändern. Aber vorerst ist es, wie es ist.

Somit gibt es keine Zitate von Chris McSorley zum grossen Trainer-Theater. Er ist theoretisch der Chef des Trainers und müsste sich zur Sache eigentlich äussern. Was er weisungsgemäss nicht tut. Er wagt es nicht einmal, am Natel mit Chronistinnen und Chronisten zu plaudern. Aus Angst, er werde überwacht.

Langnau in den Playoffs? Logisch!

Aber seit Wochen gelangen präzise Informationen über die Missstände im Inneren von Servette in regelmässigen Abständen in die Medien. Auch in die Redaktionsstuben von «Le Matin». Beispielsweise über nicht bezahlte Sozialversicherungsbeiträge oder Stadionmieten.

Diese Enthüllungen haben letztlich zum Rücktritt des Präsidenten geführt. Er war der Erzfeind von Chris McSorley. Kein Schelm, wer eine der Quelle der Indiskretionen auch im Büro des Servette-Sportchefs vermutet.

Und nun sind also die Probleme rund um Trainer Craig Woodcroft publik geworden, die es gemäss offizieller Mitteilung des Verwaltungsrates nicht gibt.

Tigers Yannick Blaser, und Torschuetze zum 2:1 und Topscorer Eero Elo rechts, jubeln, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem HC Fribourg-Gotteron, am Freitag, 26. Januar 2018, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Die SCL Tigers wollen die Profiteure vom Genfer Trainer-Theater werden. Bild: KEYSTONE

Die Langnauer scharren sich um ihren Trainer und kämpfen vereint um die zweiten NLA-Playoffs seit 2011. Die Genfer taumeln zerstritten mit einem Bandengeneral, dessen Tage im Amt gezählt sind, durch die Schlussphase der Qualifikation und rufen in der Not den Presserat an.

Es wäre logisch, wenn die Langnauer die Playoffs schaffen. Aber was ist im grossen helvetischen Hockey-Theater schon logisch?

Alle NL-Topskorer der Qualifikation seit 2002/2003

1 / 21
Alle NL-Topskorer der Qualifikation seit 2002/2003
quelle: keystone / urs flueeler
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Unvergessene Eishockey-Geschichten

Bobby Orr entscheidet mit dem «Flying Goal» den Stanley-Cup-Final

Link zum Artikel

Ralph Krueger schreibt das wichtigste SMS der Schweizer Hockey-Geschichte

Link zum Artikel

Deutschland verpasst die grosse Sensation, weil der Puck auf der Linie kleben bleibt

Link zum Artikel

NHL-Star Darryl Sittler stellt einen Rekord für die Ewigkeit auf

Link zum Artikel

04.01.1987: Als nach der grössten Prügelei aller Zeiten die Lichter ausgingen und ein Spiel die Eishockey-Welt veränderte

Link zum Artikel

16.01.1905: Nach 23 Tagen Anreise werden die Dawson City Nuggets im Stanley-Cup-Final mit 2:23 vermöbelt

Link zum Artikel

19.10.1996: Del Curto klärt seine Spieler auf: «Zum Schiri nüma ‹Fuck you› sägä, äs git zwei Minuta, hä!»

Link zum Artikel

24.02.2006: Neunmal das F-Wort in einer Minute – Greg Holst macht sich mit legendärem Ausraster-Interview unsterblich

Link zum Artikel

14.05.2008: Philippe Furrer schiesst das kurioseste Eigentor der Schweizer Hockey-Geschichte

Link zum Artikel

10.10.1979: Ein gewisser Wayne Gretzky bestreitet sein erstes Spiel in der NHL – er wird sämtliche Rekorde pulverisieren

Link zum Artikel

18.02.2006: Die «Eisgenossen» spielen kanadischer als die Kanadier und rächen sich für eine uralte Schmach

Link zum Artikel

11.03.1979: NHL-Haudegen Randy Holt prügelt sich zu einem bis heute gültigen Rekord – 67 Strafminuten in einem einzigen Spiel

Link zum Artikel

08.04.1980: Sie wissen nicht, was sie tun, als sich zwei Schweden als erste Hockeyspieler einen Playoff-Bart wachsen lassen

Link zum Artikel

28.01.2009: Die Zürcher Löwen krönen sich zu Europas Eishockey-Königen

Link zum Artikel

24.03.1936: Im längsten Hockey-Spiel aller Zeiten fällt das goldene Tor erst im 9. Drittel – um 2.35 Uhr nachts

Link zum Artikel

28.12.1999: «La Montanara» erklingt in Berlin – Ambri krönt sich zum europäischen Champion

Link zum Artikel

Nie haben wir uns mehr über ein Tor gegen die Schweiz gefreut als bei Omarks Penalty-Trick

Link zum Artikel

22.09.2012: Rick Nash meldet sich mit einem Blitz-Hattrick in der Schweiz zurück

Link zum Artikel

30.12.1981: Wayne Gretzky schafft den verrücktesten seiner Rekorde: 50 Tore in 39 NHL-Spielen

Link zum Artikel

26.12.1993: Dank Chomutow und Bykow träumt Aufsteiger Davos vom ersten Spengler-Cup-Titel seit 35 Jahren

Link zum Artikel

Amerikas College-Boys erlegen den russischen Bären

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

«Allein gegen die Mafia» – Ajoie ist die Mannschaft des Jahres

Ajoie besiegt Kloten nach Verlängerung 5:4 und kehrt nach 28 Jahren in die höchste Liga zurück. Ein hochverdienter Aufstieg gegen alle Widerstände für das «Gallische Dorf» unseres Hockeys.

Mathias Joggi, dem rauen Powerstürmer und ehemaligen Nationalspieler, gelingt das historische Tor zum 5:4 nach 11 Minuten und 17 Sekunden in der Verlängerung. Das Tor, das Ajoie in die höchste Liga bringt.

Was für eine späte Krönung der Karriere des 35-jährigen Bielers, der nach einem Umweg über Davos und Langnau 2018 bei Ajoie am Ort seiner Bestimmung angekommen ist.

Nach dem Meistertitel von 2016 und dem Cupsieg von 2020 ein weiterer Triumph für Gary Sheehan, seit Jahren der meistunterschätzte …

Artikel lesen
Link zum Artikel