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Patrick Fischer umringt von der Schweizer Nationalmannschaft. Wer von ihnen fährt nach Peking?
Patrick Fischer umringt von der Schweizer Nationalmannschaft. Wer von ihnen fährt nach Peking?Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Patrick Fischer sollte die Schraube etwas anziehen

Die Schweizer haben die Olympia-Vorbereitung mit zwei Siegen gegen Lettland (2:1) und die Slowakei (3:2) abgeschlossen. Am 15. Januar wird Nationaltrainer Patrick Fischer die Tickets für Peking 2022 verteilen. Wie gut sind die Schweizer?
18.12.2021, 08:1618.12.2021, 12:27

Blamage wie 2018 in Südkorea (im Achtelfinal gegen Deutschland)? Ehrenvolles Scheitern wie bei der WM 2019 (im Viertelfinal gegen Kanada)? Ärgerliches Ausscheiden wie bei der WM 2021 (gegen Deutschland) oder Finalruhm wie bei der WM 2018? Nach Abschluss der Vorbereitungen für Peking findet der Pessimist Gründe, um eine Blamage zu befürchten.

Die Resultate sind durchzogen: 1:7 gegen die Slowakei, 0:3 gegen Deutschland und ein 3:2 gegen eine drittklassige russische Auswahl im November beim Deutschland Cup in Krefeld. Und nun in Visp Siege gegen ein schwaches Lettland (2:1) und im bisher besten Saisonspiel gegen die Slowakei (3:2).

In normalen Zeiten hätten wir nach der Partie gegen die Slowaken am Freitagabend die Mannschaftsaufstellung für das erste Spiel beim olympischen Turnier am 9. Februar gegen Russland machen können. Wechsel hätte es höchstens noch auf zwei oder drei Positionen gegeben. Aber die Zeiten sind eben nicht normal.

Nach wie vor ist offen, ob die NHL ihre Stars nach Peking reisen lässt. Auch am 10. Januar werden wir noch nicht definitiv wissen, ob die NHL-Stars dabei sein werden. Fest steht lediglich: sagt die NHL nach dem 10. Januar die Teilnahme doch noch ab, muss sie für die bereits aufgelaufenen Kosten aufkommen. Unter anderem für rund 6 Millionen Dollar für die gebuchten Charterflüge. Zurzeit gibt es in der NHL 54 Covid-Fälle in 12 Teams. Die Chancen auf eine NHL-Teilnahme stehen nicht besser als 60 Prozent.

Das bedeutet für Nationaltrainer Patrick Fischer: Plan A ist eine Mannschaft mit zehn bis elf NHL-Profis. Plan B ist eine Mannschaft ohne NHL-Profi und nur mit Spielern aus der National League (NL). Das ist der Grund, warum er mit zwei verschiedenen Mannschaften die November-Spiele und nun die beiden Partien in Visp bestritten und mehr als 40 NL-Spieler getestet hat.

Die zwei Siege in zwei Tagen in Visp gegen Lettland (2:1) und die Slowakei (3:2) geben durchaus Anlass zur Hoffnung. Natürlich haben wir zeitweise in beunruhigender Art und Weise die ganze Bandbreite von «Pausenplatzhockey» bis zu finaltauglichen taktischen Schablonen gesehen. Exzellentes Boxplay einerseits (kein Tor in Unterzahl), Unordnung andererseits in der eigenen Zone (zwei Eigentore gegen die Slowakei).

Strategiebesprechung mit Patrick Fischer.
Strategiebesprechung mit Patrick Fischer. Bild: keystone

Hübsche Kombinationen einerseits, fehlende Geradlinigkeit andererseits. In den fünf Partien im November und Dezember bloss neun Tore. Zu wenig. Die Leistungsschwankungen sind eigentlich zu gross. Aber eben auch logisch: Nur die Hälfte der Spieler, die in Visp angetreten sind, haben eine realistische olympische Chance.

Wären die Schweizer im November und jetzt in Visp mit dem bestmöglichen Team angetreten, dann hätten sie wahrscheinlich alle fünf Partien dieser Saison gewonnen. So gesehen ist die fehlende Konstanz eben auch ein Zeichen für die Klasse der Mannschaft: Sie ist dazu in der Lage, im Laufe einer Partie zu reagieren, das Spiel zu justieren und anzupassen. Die Steigerung in der Partie gegen die Slowakei war beeindruckend. Aber warum das beste Hockey in Visp erst ab dem zweiten Drittel des zweiten Spiels?

Mag sein, dass Patrick Fischer im Pulverdampf einer hektischen Partie gelegentlich ein wenig die Übersicht verliert und weder Taktiklehrer noch Poltergeist ist. Aber was gerade bei der so schwierigen Vorbereitung für Peking mindestens so viel zählt wie ein Time-Out zum richtigen Zeitpunkt: das richtige Aufgebot.

Patrick Fischer, mehr Philosoph, Psychologe und Spielerversteher als Bandengeneral, hat ein Gespür für seine Männer. Er wird am 15. Januar intuitiv die richtigen für Peking nominieren.

Wenn unsere NHL-Stars dabei sind, dann haben von den Spielern aus der National League nur Leonardo Genoni, Reto Berra (gestern in seinem 100. Länderspiel überragend!), Ramon Untersander, Patrick Geering, Andres Ambühl, Simon Moser, Gaëtan Haas und Christoph Bertschy (obwohl er gestern mit Penalty beim Stand von 0:1 an Rybar scheiterte) ihren Platz auf sicher. Die restlichen Peking-Tickets werden an jene vergeben, die zu Beginn des neuen Jahres am besten «zwäg» sind.

Patrick Fischer achtet mehr noch als vor früheren Turnieren darauf, dass nur aufgeboten wird, wer in Form ist. Muss er die Mannschaft mit Spielern aus der heimischen Liga zusammenstellen, wird es überraschende Aufgebote geben. Vielleicht sogar für Andrea Glauser, Sven Senteler, Samuel Walser oder Killian Mottet. Und womöglich überraschende Nicht-Aufgebote. Selbst Titanen wie Sven Andrighetto oder Tristan Scherwey haben ihr Olympia-Berufung noch nicht auf sicher.

Und einer war in Visp dabei, der noch nicht geimpft ist. Für ihn naht die Stunde der Entscheidung. Nicht nur für Peking. Eine Impfpflicht ist auch für die WM in Vorbereitung.

Patrick Fischer ist im Amt gewachsen wie nur wenige Coaches und sein Charisma wirkt. Aber Turnier-Erfolg im Hockey ist immer auch das Produkt von taktischer Disziplin, Konzentration, Taktik und Ordnung in jedem Spiel von der ersten bis zur letzten Minute. Es wäre nicht zu seinem Nachteil, wenn der WM-Silberheld von 2018 die Schraube wieder etwas anziehen würde.

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quelle: keystone / urs flueeler
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