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Tigers Topscorer Jesper Olofsson, links, im Kampf um den Puck gegen Zugs Jan Kovar, rechts.
Tigers Topscorer Jesper Olofsson, links, im Kampf um den Puck gegen Zugs Jan Kovar, rechts.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Langnau gegen Zug – wie eine taktische Meisterleistung zu einem Drama wird

Meister Zug gewinnt in Langnau 5:0. Das Spiel hätte auch ganz anders enden können. Eine falsche und eine richtige Entscheidung der Schiedsrichter werden Langnau zum Verhängnis und erregen den Zorn des Publikums. Ein Skandal? Nein. Es ist alles mit rechten Dingen zu und hergegangen.
05.12.2021, 04:4605.12.2021, 13:05

Am Anfang steht ein Problem, auf das Zugs Trainer Dan Tangnes eine Antwort finden muss: Wie kann Langnaus Liga-Topskorer Jesper Olofsson gestoppt werden?« Darüber nachzudenken ist mein Job», sagt Dan Tangnes. Die Lösung, die er findet, ist so einfach wie wirksam. «Eine Manndeckung ist eigentlich nicht möglich. Weil ja Langnau als Heimteam den letzten Wechsel hat. Wir haben einfach darauf geachtet, ihm keinen Spielraum zu lassen und möglichst von der Strafbank fernzubleiben. Um Langnau keine Powerplay-Gelegenheit zu geben.»

So einfach, so wirksam. Jesper Olofsson bleibt erstmals seit dem 31. Oktober oder 8 Spielen ohne Skorerpunkt. Ja, erst zum zweiten Mal in dieser Saison (nach dem 1:8 am 17. September in Bern) bleiben Langnaus Ausländer bei dieser ersten «Zu-Null-Niederlage» ohne Skorerpunkt. Das will wahrlich etwas heissen. Bisher haben Langnaus Ausländer 131 Punkte (55 Tore) gesammelt. Die Statistik der Spieler mit ausländischer Lizenz bei Meister: 102 Punkte (32 Tore).

Tigers Goalie Robert Mayer, hinten, Alexandre Grenier, Mitte, und Yannick Blaser, rechts, geschlagen von Zugs Lino Martschini.
Tigers Goalie Robert Mayer, hinten, Alexandre Grenier, Mitte, und Yannick Blaser, rechts, geschlagen von Zugs Lino Martschini.Bild: keystone

Die Zuger brennen für einmal kein spielerisches Feuerwerk ab. Sie haben ihr Spiel vereinfacht. Sie «arbeiten» Hockey. Sie zelebrieren es nicht. Sie gehen keinerlei Risiken ein. Sie achten darauf, keine Fehler zu machen. Wer mit so viel Talent so diszipliniert defensiv spielt, ist fast nicht zu besiegen. Gute Mannschaften sind dazu in der Lage, ihren Stil zu ändern und der Situation anzupassen. Nach 8 Gegentoren und einer Niederlage in den zwei Partien gegen Ambri (6:4 und 3:4) war es Zeit, die Defensive wieder zu justieren. Und genau das ist Zug gelungen.

Aber ohne Drama geht es nicht. Zwei Entscheidungen der Schiedsrichter haben aus einem taktisch interessanten Spiel ein Drama gemacht und den Zorn des Publikums erregt.

Erste Szene: Beim Stand von 0:2 fährt Zugs Carl Klingberg Langnaus Torhüter Ivars Punnenovs über den Haufen (33:16 Min.). Konkret: Er nimmt eine Kollision mit dem Goalie in Kauf, der sich im Torraum befindet. Dafür wird er mit 2 Minuten bestraft (Torhüterbehinderung).

Ivars Punnenovs bleibt nach diesem Zusammenprall liegen und muss schliesslich das Spielfeld verlassen. Gehirnerschütterung. Robert Mayer ersetzt ihn. Am Sonntag werden weitere Abklärungen zeigen, wie lange der Lette mit Schweizer Lizenz und Vertrag in Lausanne ab nächster Saison ausfallen wird.

Tigers Goalie Ivars Punnenovs wird verletzt vom Spielfeld geführt.
Tigers Goalie Ivars Punnenovs wird verletzt vom Spielfeld geführt.Bild: keystone

Eine Torhüterbehinderung, die zu einer Gehirnerschütterung und zum Spielende für den gefoulten Schlussmann führt, wird mit 2 Minuten bestraft. Ein Fehlentscheid. Am Dienstag hatte eine Torhüterbehinderung ohne Verletzungsfolge gegen Langnaus Robert Mayer HCD-Stürmer Enzo Corvi eine 5-Minuten-Strafe plus Restausschluss beschert. Die Langnauer nützten die Strafe im Mitteldrittel um aus einem 0:2 ein 0:5 zu machen (Schlussresultat 1:6).

Definitiv spielentscheidend wirkt sich allerdings später ein richtiger Entscheid der Unparteiischen aus. In der 45. Minute gelingt Alexandre Grenier der Anschlusstreffer zum 1:2. Die Headschiedsrichter geben den Treffer. Auf der Anzeigentafel erscheint «1:2». Über die Soundanlage ertönt die «Tormelodie». Nun kann das Spiel kippen.

Aber dann versammeln sich die beiden Headschiedsrichter und die zwei Linienrichter vor dem Zeitnehmerhäuschen zur Beratung. Nach kurzer Diskussion wird der Treffer annulliert, auf der Anzeigetafel erscheint wieder «0:2» und Langnaus Harri Pesonen muss zum ersten Mal in dieser Saison (und zum ersten Mal überhaupt in 133 Partien im Dress der SCL Tigers) vorzeitig in die Kabine. Fünf Minuten und Restausschluss. Aber der Finne ist definitiv alles andere als ein «Bösewicht» oder «Rumpelstürmer».

Für einmal ist Langnaus fachkundiges Publikum aufgebracht. Allerlei ungefährliche Gegenstände fliegen auf das Eis. Unter anderem auch eine Zigarre. Die landesübliche Empörungs-Folklore halt. Helfer rücken mehrmals aus, um mit tapsigen Bewegungen übers Eis zu schreiten und die verschiedenen Gegenstände aufzusammeln. Den SCL Tigers wird es eine saftige Ordnungs-Busse der Liga ins Büro schneien.

Was ist passiert? Was hat den Zorn des eigentlich schwerblütigen Publikums erregt? Unmittelbar nachdem Bachofner die Scheibe abgespielt hat, wird er von Harry Pesonen gecheckt. Der Zuger darf zu diesem Zeitpunkt so kurz nach der Puckabgabe noch gecheckt werden. An und für sich noch kein strafwürdiges Vergehen. Die Nummer 10 der Zuger kann das Spiel fortsetzen und wird nach dem Spiel sagen, er sei soweit okay und habe nur ein wenig Nackenschmerzen.

Aber ist es ein Check, ein Angriff gegen den Kopf? Das ist die alles entscheidende Frage. Langnaus Trainer Jason O’Leary sagt nach dem Spiel: «Ich habe das Video angeschaut. Es war kein Check gegen den Kopf». Jérôme Bachofner, der Zug Ende Saison definitiv und unwiderruflich verlassen wird, sieht es anders: «Pesonen hat mich direkt am Kopf getroffen». Aussage gegen Aussage.

Und was sagen die unbestechlichen TV-Bilder? Mit allerletzter, hundertprozentiger Sicherheit lässt sich nicht sagen, ob die Schulter von Harri Pesonen direkt den Kopf des Zugers trifft. Im Zweifel fällt in diesem Fall das Urteil gegen den Angeklagten. Aber: Die Schiedsrichter können nicht zehnmal die Zeitlupe laufen lassen. Sie dürfen die TV-Bilder überhaupt nicht zu Rate ziehen. Checks gegen den Kopf sind die gefährlichsten Aktionen im Eishockey. Ein sensibles Thema. Dass die Linienrichter diese Aktion als Check gegen den Kopf sehen, ist verständlich. Es ist kein Fehlentscheid.

Eines ist klar: Dieser annullierte Treffer in Kombination mit dem Fünfminutenausschluss bedeuten Lichterlöschen für Langnau. Zug nützt den Ausschluss von Harri Pesonen, um aus dem 0:2 ein 0:4 zu machen. Am Ende steht es 0:5.

Bleibt noch die Frage, ob regeltechnisch alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Die Antwort ist eindeutig «Ja». Die Linienrichter dürfen die Headschiedsrichter beim nächsten Spielunterbruch nur auf ein übersehenes Foul aufmerksam machen, das einen Restausschluss (5 Minuten) nach sich zieht. Genau das haben sie in diesem Fall gemacht. Und dieses Foul ist vor dem Treffer zum 1:2 passiert. Also wird das Tor annulliert.

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