Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Marc Luethi, Geschaeftsfuehrer des SC Bern, waehrend einer Medienkonferenz in der PostFinance Arena in Bern am Mittwoch, 18. November 2015. Guy Boucher ist per sofort nicht mehr Trainer des SC Bern. Die Berner gaben die Trennung an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz bekannt. Nachfolger von Boucher wird der bisherige Assistent Lars Leuenberger. (KEYSTONE/Dominic Steinmann)

SCB-Manager Marc Lüthi findet die aktuelle Lage «uncool», aber nicht dramatisch.
Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Die Klimaerwärmung erreicht die NLA: Bei Bern, Kloten und Ambri ist das Klima mild wie selten

SCB-Manager Marc Lüthi lehnt einen erneuten Trainerwechsel ab. Die Spieler dürfen nicht nur in Bern weiterhin mit mildem, freundlichem Krisen-Klima rechnen. Die nächsten Sturmböen sind erst im Oktober zu erwarten.



Der SC Bern ist mit Abstand das wirtschaftlich stärkste Hockey-Unternehmen im Land. Und das einzige Spitzenteam, das ohne betriebsfremde Zuschüsse auskommt. Umsatz rund 50 Millionen Franken. Die höchsten Zuschauerzahlen ausserhalb der NHL. Trotz langanhaltender Krise war die Arena gegen Davos am letzten Samstag ausverkauft.

In Bern wird nächste Saison ein neuer Trainer an der Bande stehen. Oder noch diese Saison? Fragen an Marc Lüthi: Kommt es bald zu einem zweiten Trainerwechsel? Wird Nottrainer Lars Leuenberger abgesetzt?

09.01.2016; Bern; Eishockey NLA - SC Bern - Servette Genf; 
Trainer Lars Leuenberger (Bern)
 (Urs Lindt/freshfocus)

SCB-Nottrainer Lars Leuenberger übt die Denkerpose, muss sich aber vorerst keine Gedanken um einen neuen Job machen.
Bild: freshfocus

Der grosse, sonst überaus schlagfertige SCB-Manager zögert mit der Antwort ungewöhnlich lange. Schliesslich sagt er: «Nein. Ein zweiter Trainerwechsel macht keinen Sinn. Lars Leuenberger macht alles für den Erfolg.» Und auf die Frage, ob ein weiterer Trainerwechsel in dieser Saison also ausgeschlossen werden könne, sagt er: «Diese Frage kann ich nicht beantworten.» Lars Leuenberger hat immerhin in 12 von 17 Partien gepunktet.

Nächste Saison wird alles besser

Marc Lüthi ahnt, dass die Spieler diese Saison zu oft und zu einfach zu wohlfeilen Entschuldigungen gekommen sind: Erst der Trainer, dann der Goalie, dazu die vielen verletzten Leistungsträger – stets gibt es gute Gründe, warum es gerade nicht so läuft, wie es sollte. So gesehen ist es kein Wunder, dass es in dieser Mannschaft längst keine Leitwölfe mehr gibt. Das SCB-Rudel trabt brav dahin. Jeder ist froh, dass von ihm nicht erwartet wird, dass er vorne läuft.

Was getan werden musste, ist ja inzwischen getan. Der Trainer ist ausgewechselt worden, ein ausländischer Torhüter ist da, für nächste Saison ist der neue Goalie schon unter Vertrag (Leonardo Genoni). Sportchef Sven Leuenberger hat sein Amt freiwillig Alex Chatelain überlassen und der neue Sportchef ist noch nicht einmal 100 Tage im Amt und daher auch von der Kritik ausgenommen. Und Ende Saison wird Lars Leuenberger sowieso freiwillig auf eine Weiterbeschäftigung verzichten – auch da ist Polemik nicht mehr nötig. Noch nie war das Krisenklima beim SCB so mild und freundlich. Nächste Saison wird alles besser sein. Und erst, wenn das nicht der Fall sein wird, ist im nächsten Oktober mit Sturmböen zu rechnen.

Der Davoser Torhueter Leonardo Genoni im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen den Kloten Flyers und dem HC Davos, im Stadion Swiss Arena in Kloten, am Freitag, 8. Januar 2016. (KEYSTONE/Nick Soland)

Mit Leonardo Genoni im Tor soll beim SCB in der kommenden Saison alles besser werden.
Bild: KEYSTONE

Daher bleibt beim SCB alles so wie es ist. Wirtschaftlich spielt es sowieso keine Rolle, wenn die Playoffs verpasst werden. Marc Lüthi sagt: «Ja, wir würden das Verpassen der Playoffs überstehen.» Aber er findet darin keinen Trost. Marc Lüthi mag ein Zahlenmensch sein («Chole-Marc») – aber er ist im Herzen ein SCB-Fan geblieben. Will heissen: sportlicher Misserfolg wird ihm nie egal sein. Auch wenn die Kasse stimmt. Er sagt: «Die unbefriedigende sportliche Situation ist sehr frustrierend und unangenehm. Wir leiden alle und vor allem leiden unsere Fans. Das ist uncool». Uncool. Aber eben nicht soooooooo dramatisch.

Der SC Bern kann die Playoffs nach wie vor erreichen. Die Mannschaft taumelt zwar von Spiel zu Spiel. Aber die berechtigte Hoffnung der Berner ist die Schwäche der direkten Gegner.

Auch bei Kloten und Ambri ist das Klima milde

Die Kloten Flyers kommen einfach nicht aus der Krise heraus. Sie spielen das bessere Hockey als der SCB. Sie haben so viel Talent wie der SCB. Sie haben im Vergleich zum SCB kaum Verletzungspech und kein grosses Goalie-Problem. Am Trainer zu zweifeln, ist in Kloten fast so etwas wie «hockeytechnische Gotteslästerung»: An der Bande steht Sean Simpson. WM-Silberschmied, Sieger der Champions Hockey League und Triumphator über die Chicago Black Hawks. Auch in Kloten ist das Krisenklima ungewöhnlich milde und freundlich.

Die letzte, grosse Hoffnung der Kloten Flyers: Noch drei Partien gegen Langnau. Neun «Gratispunkte.» Aber es ist auch möglich, dass diese drei Partien zur Mutter aller Pleiten werden und in die blamabelsten Punktverluste der neueren Klubgeschichte münden. Aber auch in diesem Falle würde es windstill bleiben.

Kloten Flyers Stuermer Corsin Casutt, von links, gegen SCL Tigers Verteidiger Miro Zryd und Torhueter Damiano Ciaccio waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen den Kloten Flyers und den SCL Tigers am Freitag, 18. September 2015, in der SWISS Arena in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Gegen die SCL Tigers hat Kloten im Strichkampf neun Gratispunkte budgetiert.
Bild: KEYSTONE

Bleibt noch das tapfere Ambri. Hans Kossmann hat die Hoffnung auf die Playoffs zurückgebracht. Aber die Punkte, die sein Vorgänger Serge Pelletier im Herbst verspielt hat, könnten am Ende fehlen und dem SCB die Playoffs bescheren. Die Mannschaft spielt seit Wochen am Limit und war daher gestern im Hallenstadion gegen die ZSC Lions nicht ganz unerwartet chancenlos (2:7). Ambri hat bei weitem nicht so viel Talent wie der SCB, ist mit den ausländischen Stürmern nicht zufrieden, hat aber, anders als der SCB, weder ein Goalie- noch ein Trainerproblem.

Am 29. Januar muss der SCB nach Ambri reisen. Dieses Spiel könnte entscheidend werden – und bleibt doch ohne Folgen. Denn auch in Ambri gibt es keine Polemik gegen den Trainer. Auch in Ambri ist das Krisenklima seit der Ankunft von Hans Kossmann freundlich und milde geworden. Wir erleben im Januar 2016 sozusagen eine krisentechnische Klimaerwärmung.

Egal-Memes Schweizer Eishockey

Du hast watson gern?
Sag das doch deinen Freunden!
Mit Whatsapp empfehlen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

Ambri und die Valascia – des Eismeisters Abschied von der steinernen Seele unseres Hockeys

Nach dieser Saison wird mit der Valascia ein Kraftort des Schweizer Eishockeys für immer von der Landkarte verschwinden. Ein letzter Rundgang durchs mythischste Stadion unseres Hockeys.

Beginnen wir unsere letzte Geschichte über die Valascia mit ein wenig Pathos. Gustave Flaubert ist ein französischer Dichter aus dem 19. Jahrhundert. Er hat einmal geschrieben: «Es gibt Orte auf der Welt, die so schön sind, dass man sie an sein Herz pressen möchte.» Wäre er ein Hockey-Chronist gewesen, dann hätte er mit diesem Satz die Valascia gemeint.

Soweit die Romantik. Aber Polemik gehört auch dazu. Es gibt ein Buch über Ambri, zusammengestellt von Ruedi Ingold. Darin gibt es eine …

Artikel lesen
Link zum Artikel