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Biels Topscorer Robbie Earl, Mitte links, gratuliert seinem Goalie Jonas Hiller nach dem 6:2 Erfolg im Eishockey National League A Spiel zwischen dem EHC Biel und dem HC Davos, am Dienstag, 13. September 2016 in der Tissot Arena in Biel. (PPR/Alessandro della Valle)

Goalie Jonas Hiller gibt den Bieler Spielern Sicherheit. Bild: PPR

Eismeister Zaugg

Nur wegen den Goalies? Biel plötzlich gefestigt, Davos dagegen mit Spektakelgarantie

Davos war in Biel chancenlos und bezog die erste Saisonniederlage (2:6). Nach wie vor ist ungewiss, ob der HCD ein Spitzenteam sein kann. Sicher ist nur der Unterhaltungswert.



Verkehrte Hockey-Welt. Nominell, auf dem Papier also, hat Biel eine «Operetten-Abwehr». In der Wirklichkeit, auf dem Eis, verlor Davos wegen einer «Operetten-Verteidigung». Ohne Félicien Du Bois (er dürfte am Wochenende zurückkehren), ihren besten Verteidiger, spielten die Davoser in der eigenen Zone naiv wie ein Aufsteiger.

Sie mussten wegen liederlichem Defensivverhalten sogar zwei Penaltys hinnehmen. Beim ersten traf Gaëtan Haas das Tor nicht, den zweiten versenkte Fabian Sutter zum 5:2. Beide Penaltys hatte ein langsamer Beat Forster verursacht. Auch der ausländische Defensiv-Verteidiger Daniel Rahimi war kein Rückhalt (Minus-2-Bilanz).

Davos Spieler Daniel Rahimi nimmt einen Schluck im Eishockey National League A Spiel zwischen dem EHC Biel und dem HC Davos, am Dienstag, 13. September 2016 in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Daniel Rahimi war noch nicht der gewünschte Rückhalt. Bild: KEYSTONE

Die Frage ist natürlich: Hätte der HCD mit einem Torhüter vom Format eines Leonardo Genoni (jetzt beim SCB) in dieser Partie eine Chance gehabt? Nein. Gilles Senn wehrte zwar nur 84,21 Prozent der Schüsse ab (Jonas Hiller auf der Gegenseite 93,55 Prozent) und zwei Treffer waren haltbar. Aber hinter dieser Abwehr hätte ein grosser Goalie höchstens für eine knappere Niederlage sorgen können.

Goalies werden später ins Zentrum rücken

Arno Del Curto war nach dem Spiel in Eile. Er wollte so schnell wie möglich in den Teambus und dort die Videos bearbeiten. Was die Trainer ja heute dank der Technik schon bei der Heimfahrt machen können. Aber beunruhigt war er nicht.

Der HCD hat ja auch vor einem Jahr im September hohe Niederlagen erlitten. 1:5 in Biel und gleich anschliessend 1:5 in Kloten. In Biel ging Leonardo Genoni damals mit einer Fangquote von 87,80 Prozent vom Eis. In Kloten wurde er nach zwei Dritteln und fünf Gegentreffern (Fangquote 77,30 Prozent) im letzten Drittel durch Gilles Senn ersetzt.

Dieser kurze Blick zurück zeigt uns, dass bei den September-Niederlagen der Goalie noch keine Rolle spielt. Die Torhüter werden erst später ins Zentrum der Analyse rücken. Wenn mehrere Partien gegen die Titanen der Liga gespielt sind. Und bevor Arno Del Curto an seinen Torhütern zweifelt, wird er eine weitere Ausländerlizenz einlösen.

Die Schlüsselspieler beim HC Davos

Wie reagieren die Gegner auf das Torhüter-Experiment?

Die HCD-Niederlage bringt immerhin eine erfreuliche Erkenntnis. Arno Del Curto bleibt sich und seinem Stil treu. Es hätte ja sein können, dass er zur Absicherung seines Experimentes mit den beiden jungen Goalies Gilles Senn und Joren van Pottelberghe defensiver spielen lässt. Dass er zu einem «Heinz Ehlers der Berge» wird. Was im Sinne der Unterhaltung natürlich zu bedauern wäre.

Doch das ist nicht der Fall. Das HCD-Spiel ist dynamisch wie eh und je. Wenn es denn Schwierigkeiten geben sollte, dann werden die Davoser versuchen, ihren Mängeln davonzulaufen. Der Wille zur Offensive, zum schnellen, öffnenden ersten Pass ist unverkennbar. Nur kommen diese Pässe jetzt eben nicht immer an.

Der HCD spielt also auch in einer durchaus kritischen Aufbauphase spektakuläres Tempohockey. Spektakel ist also garantiert, unabhängig vom Resultat. Aber noch ist nicht zu erkennen, ob der HCD wieder ein Spitzenteam sein kann. Die zentrale Frage in den nächsten Wochen wird in diesem Zusammenhang sein, wie die Gegner auf das Torhüter-Experiment reagieren werden.

Biels Matthias Rossi, rechts, sieht den Puck seines Mitspielers Maurer zum 2:1 im Davoser Tor, Davos Goalie Gilles Senn, links, und Fabian Heldner koennen nicht eingreifen, im Eishockey National League A Spiel zwischen dem EHC Biel und dem HC Davos, am Dienstag, 13. September 2016 in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Biels Marco Maurer (nicht im Bild) bezwingt Gilles Senn im Davoser Tor zum 2:1. Bild: KEYSTONE

Kritisch kann es werden, wenn die jungen Goalies die Gegner zu frechem Forechecking und Offensivspiel ermutigen. Weil die Erfolgsaussichten gegen Gilles Senn und Joren van Pottelberghe nun mal grösser sind als in der Vergangenheit gegen Leonardo Genoni. Die Frage ist dann nicht so sehr, wie gut die Goalies sind. Sondern ob die HCD-Abwehr tempofest ist und ob die jungen Verteidiger intensive gegnerische Störarbeit aushalten.

Mutiges, dynamisches Hockey

Für den HCD ist die erste Saison-Niederlage vorerst unerheblich. Für Biel (und Trainer Kevin Schläpfer) ist der Sieg hingegen enorm wichtig. Ein seltsames Bild: Kulttrainer Kevin Schläpfer geht wegen einer im Sommer eingefangenen Infektion im Knie noch immer an Krücken. Er humpelt an die Bande und die Trainings leitet er von einem Barhocker aus, den er neben dem Eisfeld aufstellt.

Biels Trainer Kevin Schlaepfer verlaesst enttaeuscht das Spielfeld nach dem Eishockey National League A Spiel zwischen dem EHC Biel und Lausanne HC, am Freitag, 9. September 2016, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/ Peter Schneider)

Kevin Schläpfer benötigt zum Gehen eine Krücke. Bild: KEYSTONE

Der Trainer lahmt, aber Biel rockt. Der Einfluss von Torhüter Jonas Hiller dürfte eine viel grössere Rolle spielen als es auf den ersten Blick scheint. Wahrscheinlich hätten die Bieler dieses Davos auch mit Simon Rytz im Kasten besiegt. Jonas Hiller musste sich nicht auf den Kopf stellen, um den Sieg zu sichern. Aber Biel spielt mit bemerkenswerter Selbstsicherheit und Ruhe ein mutiges, dynamisches Hockey.

Die Mannschaft wirkt stabiler, spielt weniger wild und hektisch als vor einem Jahr. Und das hängt zweifelsfrei mit der Präsenz von Jonas Hiller zusammen. Er verändert von innen heraus die Mannschaft. Ein Aussenseiter, der sich auf einen grossen Torhüter verlassen kann, lässt sich nicht mehr so schnell aus der Ruhe bringen. Und das alles stärkt die Position von Trainer Kevin Schläpfer, der im Laufe der letzten Saison erstmals in die Kritik geraten ist.

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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Eishockeycrack 17.10.2016 14:42
    Highlight Highlight Ich glaube es liegt nicht an den Goalis, denn die sind noch jung und haben noch nicht so grosse Erfahrung. Jedoch, dass del Curto, seinen Goalis ein so grosses Vertrauen gibt, beweisst doch schon, dass del Curto an seine Nachwuchs-Goalis glaubt. Aber auch die läunische Verteidigung spielt eine Rolle, für den Ausgang des Spieles.
    Ich glaube nicht, dass nur van Pottelberghe grosses Potenzial hat, sondern auch Senn, sonst würde del Curto ja nur auf van Pottelberghe setzten. Jedes Team hat mal ein schlechtes Spiel, aber das wichtige ist, sie dürfen danach nicht den Kopf hängen lassen.
  • Gondeli 14.09.2016 15:19
    Highlight Highlight Ausser dem SCB (Genoni), dem ZSC (Flüeler) und den Tigers (Ciaccio) haben, in meinen Augen, alle NLA Teams ein gewisses Goalieproblem: Entweder sind diese zu alt oder werden Club bald verlassen - oder wie im Falle von Hiller einfach mords-teuer...
    • Zanzibar 14.09.2016 21:01
      Highlight Highlight Tobias Stephan?
    • michiOW 14.09.2016 23:55
      Highlight Highlight Flüeler ist oft verletzt.

      Ciaccio ist nur wegen einer Saison noch kein top Goalie (siehe Nyffeler).

      Was ist mit Stephan und Mayer?


  • Sloping 14.09.2016 14:30
    Highlight Highlight Der Unterschied zwischen Klaus Zaugg und Arno del Curto: Der eine muss kurzfristig Artikel liefern und startet nach wenigen Fehlern eines Spielers oder einer kurzen Niederlagenserie eines Vereins bereits Polemik um beispielsweise Torhüter- oder Trainerwechsel und der andere verfolgt einen langfristigen Plan. Aus meiner Sicht ist eben gerade dieses Vertrauen, das del Curto jungen Spielern auch nach mehreren für ihr Alter verständlichen Fehlern immer wieder schenkt, eines seiner Erfolgsgeheimnisse.
  • Staal 14.09.2016 12:58
    Highlight Highlight Senn agiert schon nicht immer glücklich. Zudem wirkt er manchmal ziemlich nervös. JvP heißt der Mann der Zukunft im HCD Kasten. Ihm fehlt aber ein Jahr Profiliganiveau wie dzumal Leo bei GCK oder Hiller in Lausanne.
    Gestern in Biel war aber die ganze Abwehr desaströs
    • Tikkanen 14.09.2016 18:26
      Highlight Highlight ...herrlich. Staal is back und verteidigt sogleich die Lottergoalies aus dem Murmeliland...😂👍
    • Staal 14.09.2016 21:46
      Highlight Highlight Also wenn man Leo in Bern beobachtet muss man sagen: ohne Kull eine Null 😁
    • michiOW 14.09.2016 23:59
      Highlight Highlight Ein PGS (Jeder Torhüter kennt sie) Coach sagte mal, dass Kull aus einem guten Goalie einen Meisterroalie machen kann, doch seine Bilanz im Nachwuchsbereich ist nicht wirklich beeindruckend...

      Mal schauen, ob die beiden genug alt sind für Kull.

      @Staal
      Vergiss nicht, dass Berra als #1 kam und Genoni als #1 blieb.
  • telli 14.09.2016 12:54
    Highlight Highlight bevor über den Torhüter diskutiert wird, sollte man den Namen der in Frage gestellten Person richtig schreiben können....
  • Schreiberling 14.09.2016 10:17
    Highlight Highlight Das ist doch Unsinn. Letztes Jahr hat Davos mit Spitzentorhüter 0:5 gegen die SCL Tigers verloren. Solche Abende, an denen gar nichts klappt gibt es einfach mal.

    Wenn es nach der Hälfte der Quali immer noch so aussieht, dann können wir über ein "Torhüterproblem" reden.

Eismeister Zaugg

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