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Reto Steinmann hat nach 13 Jahren genug vom Amt des Einzelrichters.
Reto Steinmann hat nach 13 Jahren genug vom Amt des Einzelrichters.
Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

NLA-Einzelrichter Steinmann: «Wurde nie genötigt, ein Urteil gegen meine Überzeugung zu fällen»

Reto Steinmann (57) hat per Saisonende nach 13 Jahren sein Amt als Eishockey-Einzelrichter niedergelegt. In einem Blick zurück ohne Zorn, aber mit Wehmut spricht er diplomatisch über die Macht der Klubmanager, die Gründe für seinen Rücktritt und seine Zukunft im Hockey.
28.04.2016, 11:1428.04.2016, 17:03

Wir erlauben uns eine saloppe Formulierung: Ab sofort kümmern Sie sich nicht mehr um Hockeyspieler, sondern um Parksünder und Mörder.
Reto Steinmann: Das ist in der Tat sehr salopp formuliert. Aber es ist richtig: Ich konzentriere mich in unserer Anwaltskanzlei nun noch mehr auf die Arbeit als Strafverteidiger. Aber Mörder verteidigen? Wir sind hier in Zug, nicht in Zürich und haben pro Jahr im ganzen Kanton vielleicht ein oder zwei Tötungsdelikte.

Also dann doch lieber Parksünder?
Sagen wir es so: Strafsachen aller Art.

Sie haben nach 13 Jahren Ihr Amt als Hockey-Einzelrichter ein Jahr früher als vorgesehen niedergelegt. Ist es ein Abgang im Zorn?
Nein, überhaupt nicht. Ich habe meine Arbeit gerne gemacht – obwohl ja eigentlich gerne Richten und Strafen ein Widerspruch in sich ist. Ich habe versucht, etwas zur Verbesserung des Produktes Schweizer Eishockey beizutragen.

Also ein Rücktritt mit Wehmut?
Das kommt der Wirklichkeit schon näher.

Reto Steinmann im Gespräch mit Ex-Schiedsrichter-Chef Reto Bertolotti. 
Reto Steinmann im Gespräch mit Ex-Schiedsrichter-Chef Reto Bertolotti. 
Bild: KEYSTONE

Wehmut, weil Sie sich zuletzt ein wenig einsam im Amt gefühlt haben?
Ich bin von den Klubs jedes Mal ohne Gegenstimme im Amt bestätigt worden. Aber Sie haben schon recht: Ein wenig habe ich mich zuletzt einsam gefühlt.

Weil Sie zuletzt immer unverblümter kritisiert worden sind?
Das liegt in der Natur dieses Amtes. Es ist ja immer jemand unzufrieden. Und wenn ich als Zuger gegen Zug entschieden habe, so hiess es, ich wolle halt meine Neutralität beweisen und sei deshalb streng gegen Zug. Und wenn ich gegen jemand anderes entschieden habe, so hiess es, ich sei ein Zuger. Das ist ähnlich wie bei Schiedsrichter Danny Kurmann, der ja auch Zuger ist.

Das ist es nicht, was ich meine. Sie hätten sich mehr Unterstützung durch die Verbandsführung erhofft.
Sagen wir es so: Es hätte mich schon gefreut, wenn bei gewissen Kritiken auch mal ein Vertrauensvotum vom Verbandspräsidenten oder vom Liga-Direktor gekommen wäre. Aber das ist nicht der Grund für den Rücktritt. Ich habe nach so vielen Jahren eine gewisse Müdigkeit verspürt. Ich habe seit 13 Jahren Karfreitag und Ostern vorwiegend im Büro verbracht und ich habe seit drei Jahren während der Saison, von September bis April, praktisch jedes Wochenende, vor allem vom Freitag auf den Samstag, Fälle bearbeitet.

Wie viele Urteile haben Sie in dieser Zeit gesprochen?
Ungefähr 800.

Gab es viele Fehlurteile?
Ich war und bin nicht unfehlbar. Es gibt Fälle, die ich im Nachhinein anders beurteilen würde.

Reto Steinmann hat nie ein Urteil gegen seine Überzeugung gefällt.<br data-editable="remove">
Reto Steinmann hat nie ein Urteil gegen seine Überzeugung gefällt.
bild: keystone

Sie haben Spieler zu Unrecht gesperrt?
Es geht eher darum, dass ich in einzelnen Fällen weniger oder mehr Spielsperren aussprechen würde. Die Meinungen gehen ja immer wieder auseinander.

Haben Sie dafür ein konkretes Beispiel?
Hm, da müsste ich überlegen.

Oder eines aus dieser Saison?
Ich würde im Nachhinein die eine Spielsperre gegen Tristan Scherwey vor dem Playoff-Final wahrscheinlich nicht mehr geben.

Der Check von Tristan Scherwey gegen Davos-Verteidiger Fabian Heldner. 
streamable

Waren Sie bei ihrer Urteilsfindung stets frei, oder sind Sie immer wieder von verschiedenen Seiten beeinflusst worden?
Es war mir immer sehr wichtig, der Sache zu dienen und die Fälle unabhängig von der Klubzugehörigkeit und vom Namen des Spielers zu beurteilen. Ich habe nie ein Urteil «contre coeur» gefällt.

Das ist nun aber eine sehr diplomatische Antwort eines Rechtsanwaltes.
Wie viele Jahre befassen Sie sich mit unserem Hockey?

Seit mehr als 30 Jahren.
Deshalb überrascht mich Ihre Frage, ob man versucht hat, mich ein wenig zu beeinflussen.

Also hat man?
Nicht mehr oder weniger, wie das in einer so kleinen Welt, in der jeder jeden kennt, üblich ist. Aber ich bin nie dazu genötigt worden, ein Urteil gegen meine Überzeugung zu fällen. Dass hätte ich nicht verantworten können.

Deshalb sind Sie ein Jahr früher als geplant zurückgetreten.
Nein. Ich habe Ihnen bereits gesagt, dass es einfach eine gewisse Müdigkeit ist. Der Aufwand wird immer grösser, und zudem habe ich eine Aufgabe im OK des Eidgenössischen Schwingfestes von 2019 übernommen (Ressort Sicherheit, Anm.d.Red.).

Welchen Rat geben Sie Ihrem Nachfolger?
Es wäre anmassend, meinem Nachfolger irgendwelche Ratschläge zu erteilen. Er wird seinen eigenen Stil finden.

Werden Sie im Eishockey bleiben?
Ja, natürlich. Dieser Sport fasziniert mich, und ich freue mich schon darauf, nächste Saison einfach Spiele geniessen zu können.

Werden Sie ein Saison-Abo beim EV Zug kaufen?
Das ist sehr gut möglich.

Reto Steinmann wird in der nächsten Saison öfters mal in der Zuger Bossard Arena vorbeischauen.
Reto Steinmann wird in der nächsten Saison öfters mal in der Zuger Bossard Arena vorbeischauen.
Bild: KEYSTONE

Sie könnten aber auch ein neues Amt übernehmen.
Zum Beispiel?

Zum Beispiel jenes eines Verbandspräsidenten.
Wie bitte?

Ja, das wäre doch theoretisch möglich.
Ja, theoretisch, aber sehr, sehr theoretisch.

Oder Sie könnten nun als Rechtsanwalt für die Klubs Rekurse gegen die Urteile des neuen Einzelrichters bearbeiten – sozusagen als neuer Geschäftszweig.
Ich will nicht dem neuen Einzelrichter das Leben schwermachen. Ich weiss ja aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, dieses Amt auszuüben.

Die Strafenkönige in der NLA seit 2001

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