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Stefan Ulmer und Thomas Rüfenacht geben sich Saures: Der SCB hat den ersten Playoff-Kampf gegen Lugano verloren.
Stefan Ulmer und Thomas Rüfenacht geben sich Saures: Der SCB hat den ersten Playoff-Kampf gegen Lugano verloren.Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

Haarrisse im SCB-Fundament und der späte Schrei der Eule

Im Vergleich zu dem, was nun dem SC Bern gegen Lugano blüht, war das Viertelfinale gegen Biel ein Kindergeburtstag mit ein paar emotionalen Tischbomben.
22.03.2017, 05:2022.03.2017, 07:08

Der SC Bern verliert den Halbfinal-Auftakt gegen Lugano 2:4 (1:0, 0:1, 1:3). Es ist nicht die erste SCB-Niederlage in dieser Saison. Bei weitem nicht. Sogar in Langnau ist der Meister gebodigt worden. Und am 19. November gar auf eigenem Eis von Kloten mit 1:8. Der SCB hat auch im Viertelfinale gegen Biel im eigenen Tempel verloren (3:6). Aber das war im dritten Spiel, als der SCB in der Serie schon 2:0 führte und allen klar war, wer ins Halbfinale einziehen wird. Es war bloss ein Betriebsunfall. Kein Grund zur Beunruhigung.

Jetzt gibt es hingegen Grund zur Beunruhigung. Der SCB hat gegen Lugano die erste richtige Niederlage in dieser Saison erlitten. Die erste grosse, wirklich bittere Niederlage. Der grosse SCB-Bandengeneral Kari Jalonen sieht es zwar nicht so. Er sagt: «Wir haben noch gar nichts verloren. Es war bloss ein Spiel.» Er moniert schwache Szenen im zweiten Drittel und die verpasste Chance zum 3:3 von Simon Bodenmann (alleine vor Luganos Goalie) im Schlussdrittel. Alles in allem scheint diese Pleite den Finnen nicht gross zu beunruhigen.

Geschlagene Hauptstädter: In Bern hat man guten Grund zur Sorge.
Geschlagene Hauptstädter: In Bern hat man guten Grund zur Sorge.Bild: KEYSTONE

Die optimistische Gelassenheit hält der nüchternen Beurteilung allerdings nicht ganz stand. Der Qualifikationssieger ist auf der Gratwanderung zwischen Realismus und Arroganz abgestürzt. Zu lange ist wieder alles nach Drehbuch gelaufen. Die schnelle Führung nach 35 Sekunden und nach dem 1:2 gelingt zügig nach 93 Sekunden der Ausgleich. Alles im Griff. Kein Problem.

Die Arroganz, ein Spiel gegen dieses Lugano so berechnen und verwalten zu können wie gegen Biel, ist bestraft worden. Die optische Überlegenheit war weitgehend nur spielerischer Tingel-Tangel. Billiger Tanz. Ab dem zweiten Drittel hatte Lugano die besseren Chancen und hätte mit einer 5:2-Führung ins letzte Drittel gehen können.

Die optische Überlegenheit (40:26 Torschüsse) hat die Berner zu falschen Schlüssen verleitet. Zu ruhigem, arrogantem, emotionslosem Realismus, der sich von der Mannschaft aufs Publikum zu übertragen schien. Die grösste Zuschauerkulisse Europas rockte nicht. Ein bisschen Stimmung nach dem Strohfeuer der ersten fünf Minuten und dem 1:0, ordentlich Jubel beim 2:2 – aber alles in allem spürten Spieler und Publikum viel zu spät, wie gefährlich dieses Lugano geworden ist.

Luganos Wandel

Eigentlich ist Lugano ja ein spielstarkes, «fliegendes» Team, das am Ende spektakulär untergeht. So war es jedenfalls während der Qualifikation über Monate. «Aber wir sind im Laufe der Viertelfinals zu einer verschworenen Einheit zusammengewachsen» sagt Verteidigungsminister Philippe Furrer. «Wir haben gegen ein starkes Zürich gelernt, auch bei gegnerischer Dominanz ruhig zu bleiben und auf unsere Chance zu warten.»

Der Wandel ist offensichtlich. Lugano ist inzwischen dazu in der Lage, solides, geduldiges Defensivhockey mit tiefer Fehlerquote zu spielen und die Chancen in schnellen Gegenstössen zu nutzen. Dabei spielte Topskorer Linus Klasen eine interessante Rolle. Der schwedische Schillerfalter ist nicht in Form. Deshalb unterlässt er spektakuläre Rushes und beschränkt sich weitgehend darauf, seine Mitspieler besser zu machen. Er hat das zweite und dritte Tor mit «Zuckerpässen» eingefädelt. «Hockey unter Palmen?». Nein, «Grande Lugano». Eine Nummer grösser als Biel. Und mit Goalie. Elvis Merzlikins war ein grosser Torhüter (95 % Fangquote).

Linus Klasen: Luganos Schillerfalter stellt sich ganz in den Dienst des Teams. 
Linus Klasen: Luganos Schillerfalter stellt sich ganz in den Dienst des Teams. Bild: PPR

Diese erste Niederlage hat den SCB noch nicht in den Grundfesten erschüttert. Allen ist klar, dass die Mannschaft nicht ihr bestes Hockey gespielt hat und die Leidenschaft bloss ein kaum hörbares Seufzen war. Zu gross ist das Selbstvertrauen nach dem problemlosen Qualifikationssieg. Und es bleibt ja noch genug Zeit zur Korrektur.

Aber erste Haarrisse im scheinbar erdbebensicheren SCB-Fundament der Zuversicht haben sich halt doch gezeigt. Kari Jalonen holt Leonardo Genoni schon 2:06 Minuten vor Schluss vom Eis. Ungewöhnlich früh. Zu früh. Ein bisschen Nervenflattern? Er sieht das nicht so. «Der Moment war richtig, die Zeit läuft schnell ab.»

Mosers Check gegen Vauclair

Kurz vor Schluss, es steht 2:4, alles ist vorbei, rumpelte Simon Moser Luganos Verteidiger-Saurier Julien Vauclair in die Bande und kassierte einen Restausschluss. Eindeutig ein Frustfoul. Simon Moser stand mit seinem Linienpartner (und Topskorer) Mark Arcobello bei allen vier Gegentreffern auf dem Eis. War es ein Check gegen den Kopf, der mehrere Sperren nach sich ziehen könnte?

Mosers Check gegen Vauclair.Video: streamable

Kari Jalonen sagt, er habe die Szene auf dem Video bereits analysiert. Sozusagen als «Vorarbeit» für den Einzelrichter. Das Urteil des SCB-Trainers: «Nichts, rein gar nichts. Ein ganz normaler Check». Kein Schelm, wer sich die Anmerkung erlaubt, dass Kari Jalonen in dieser Sache Partei ist. Allerdings neigt auch der neutrale Beobachter zu dieser Beurteilung.

Als die riesige Arena leer ist – die Zeiger rücken nach 23.00 Uhr bereits der Geisterstunde entgegen – hallt auf einmal der Ruf eines einsamen, frustrierten Fans durch den Berner Hockeytempel wie der späte Schrei einer Eule: «Hopp YB!».

Ein Warnruf. Die Eule verkörpert seit mindestens zweieinhalb Jahrtausenden Weisheit.

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