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Filippo Lombardi, CVP-Politiker und Ambri-Praesident, stellt freudig die neuen Spieler des HC Lugano vor, waehrend der offiziellen Praesentation des Teams HC Ambri Piotta 2017-2018, aufgenommen am Sonntag, 30. Juli 2017, in Lugano. (KEYSTONE/TI-PRESS/Pablo Gianinazzi)

Filippo Lombardi in seinem Element (Archivbild). Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

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CVP-Titan Filippo Lombardi abgewählt: Das ist Ambris gefährlichste Niederlage

Nie hatte Ambri einen charismatischeren Präsidenten als Filippo Lombardi (63). Nun ist dieses «Animal Politique» als Ständerat abgewählt worden.



Filippo Lombardi führt Ambri seit 2009. Er wird einmal als einer der ganz grossen Präsidenten in die Klubgeschichte eingehen. Als der Mann, der Ambri in turbulenten Zeiten wirtschaftlich und sportlich stabilisiert, neu justiert und gerettet hat. Und wenn alles nach Plan läuft, wird er auch als der Erbauer des neuen Hockey-Tempels ewigen Ruhm ernten.

Als Ständerat – also als einer der zwei Vertreter des Kantons Tessin in der «kleinen Kammer» – war er 20 Jahre lang für die CVP auch auf nationaler Ebene ein Titan der christlich-konservativen Politik.

Filippo Lombardi, CVP-TI, fotografiert waehrend der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 17. September 2019 im Staenderat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Wurde nicht wieder in den Ständerat gewählt: Filippo Lombardi. Bild: KEYSTONE

Seine Wiederwahl schien am Sonntag so wenig in Gefahr wie der Liga-Erhalt für «sein» Ambri. Und nun das: 46 Stimmen fehlten. In Zahlen: Er verlor die Wahl um den Sitz im Ständerat gegen die Sozialistin Marina Carobbio mit 36'424 zu 36'469 Stimmen. Wie ein Pfostenschuss oder ein Gegentreffer 0,001 Sekunden vor Schluss in der Valascia. Ein Zufall der Geschichte.

Filippo Lombardis Abwahl kommt im Tessin einem politischen Erdbeben gleich. Es ist der Sturz eines politischen Titanen: Der Journalist und Medienunternehmer ist unter anderem Präsident von «KS/CS Kommunikation», Verwaltungsratspräsident von «TeleTicino», «Radio 3i» und «MediaTi» Web sowie Verwaltungsrat von «MediaTi Marketing» und «Radio Fiume Ticino».

Er war seit 1999 Ständerat für den Kanton Tessin und Mitglied der Parlamentarischen Gruppe Medien und kommerzielle Kommunikation. Und natürlich, wie schon erwähnt, seit 2009 Ambris grosser Vorsitzender.

Ironie der Geschichte: Politische Beobachter sehen Filippo Lombardi als Opfer einer Polarisierung der Politik im Tessin. Also der «Zuspitzung» in der politischen Diskussion, in der schärferen Abgrenzung in «rechts» und «links», die gerade den eher auf Ausgleich bedachten Parteien aus der bürgerlichen Mitte wie den christlich-konservativen CVP Mühe bereite.

Dabei ist der streitbare Filippo Lombardi mehr ein Hexenmeister der Polemik als ein auf Ausgleich bedachter Vermittler. Dass ausgerechnet dieser charismatische Kommunikator in einer angeblich aufgeheizten politischen Landschaft abgewählt wird – das ist wahrlich eine Ironie der Geschichte. Es ist, als sei er das Opfer der politischen Geister, die er oft gerufen hat.

Ambri's player Scottie Upshall right fights for the puck with Lausanne's player Joel Genazzi left, during the preliminary round game of National League A (NLA) Swiss Championship 2019/20 between HC Ambri Piotta and HC Lausanne at the ice stadium Valsacia in Ambri, Switzerland, Saturday,  November 16, 2019. (Keystone/Ti-Press/Samuel Golay)

Kommt auch bald der Fall von Ambri? Bild: KEYSTONE/Ti-Press

Ist seine Abwahl ein schlechtes Omen für Ambri? Ein Abstieg ist im nächsten Frühjahr eigentlich so undenkbar wie die Abwahl Filippo Lombardis. Und nun ist es doch passiert.

Die Gefahr ist erheblich, dass Ambri den Playouts nicht mehr entgehen kann. Dort droht gegen die wiedererstarkten Lakers (oder einen anderen Gegner) eine Niederlage und der Gang in die Liga-Qualifikation. Wenn dann einer der zwei aufstiegswilligen Grossen der zweiten Liga der Gegner sein wird (Olten oder Kloten) – dann gerät Ambri tatsächlich in akute Abstiegsgefahr. Ein Abstieg wäre 34 Jahre nach dem Wiederaufstieg (1985) sozusagen die sportliche Abwahl.

Welche Folgen hat also Filippo Lombardis Abwahl für Ambri? Konkret natürlich keine. Er verliert ja dadurch den Vorsitz beim Hockey-Unternehmen nicht. Entscheidend wird sein, ob er auch nach dem Verlust seines hohen nationalen politischen Amtes den Einfluss im Tessin wahren kann.

Ambri als reine Hockey-Firma?

Ambri braucht einen Präsidenten, dessen Beziehungen in der lokalen Wirtschaft und Politik so weitverzweigt sind wie das Wurzelwerk eines tausendjährigen Eichenbaumes.

Ambri kann als reine Hockey-Firma nicht existieren. Die Einnahmen aus dem klassischen Hockey-Business sind zu gering. Ambri hat nur als kulturelle Einrichtung eine Chance. Die finanziellen Zuwendungen haben also mehr mit Kulturförderung als mit profitorientiertem Business zu tun. Damit dieses Geld fliesst, braucht Ambri zur Pflege der «gesellschaftlichen Gärten» im Tessin einen Präsidenten wie Filippo Lombardi.

Zu dieser Pflege braucht es guten «Dünger». Der beste «Dünger» ist ein Beziehungsnetz auf nationaler Ebene bis ins Bundeshaus hinein. Es ermöglicht das Öffnen vieler Türen und allerlei mit öffentlichen Geldern gefüllte Kassen. Wer den Schlüssel dazu hat – beispielsweise als langjähriger Ständerat – dem wird hofiert. Nach dem Motto: Gebe ich Ambri, hilft mir bei Bedarf der Lombardi.

Nun ist Filippo Lombardi nach 20 Jahren nicht mehr Ständerat. Aber immer noch Filippo Lombardi. Im Wesen und Wirken immer noch ein «Animal Politique». Das ist Ambris Hoffnung.

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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Bruno Wüthrich 18.11.2019 13:14
    Highlight Highlight Es ist nicht dasselbe, ob jemand abgewählt wird oder ohne jeden Druck freiwillig zurücktritt. Selbst nach 20 Jahren Amtstätigkeit. Diese Abwahl kann deshalb dem Charisma vom Philippo Lombardi nicht zuträglich sein!
    Sein Netzwerk wird zwar im Gegensatz zu seiner Wirkung vorerst nicht kleiner. Die Präsenz, die er dank seiner Medien hat, ist nachwievor nicht zu unterschätzen. Doch sollte er von seinem Charisma wegen dieser Abwahl zu viel einbüssen, kann dies nicht positiv für den HC Ambri-Piotta sein.
    Hoffen wir das Beste für unsere Freunde aus der Leventina.
  • Cello Pfischterer 18.11.2019 12:22
    Highlight Highlight Für mich ist Herr Lombardi ein typischer Vertreter des CVP-Filzes in Bern (siehe auch Leuthard mit Postauto-Geschichte, etc.). Sein Fahren in angetrunkenem Zustand vor 11 Jahren und die Uneinsichtigkeit, seine Vorbildwirkung vertan zu haben und seinen Posten zu räumen, habe ich ihm nie verziehen. Da interessieren mich auch seine Verdienste um Ambri Piotta dann eigentlich nicht mehr. Für mich ein beschämender Sesselkleber.
  • Faceoff 18.11.2019 08:59
    Highlight Highlight Es kann auch ein Vorteil sein. Innerhalb des Tessins ist Bern nicht so wichtig, wie uns Deutschschweizern das manchmal scheinen mag. Ein Lombardi, der im ganzen Tessin und vielleicht noch im Urnerland leidenschaftlich netzwerken kann, ohne den Klotz namens Bundeshaus am Bein, kann sehr wertvoll sein.
  • c_meier 18.11.2019 08:52
    Highlight Highlight naja 20 Jahre Ständerat sind doch eine beachtliche Zeitspanne, dass das Risiko einer Abwahl nach einer so langen Zeit steigt sollte klar sein...
    Als Verwaltungsrat bei so vielen Tessiner Medien wird er im Tessin sicher wichtig bleiben und seine Kontakte in Bern versiegen sicher nicht von heute auf morgen.
    und... das Stadion im Ambri ist ja mehr oder weniger aufgegleist mit Bewilligungen und hoffentlich auch finanziell
  • Max Dick 18.11.2019 08:35
    Highlight Highlight Lombardi hatte so oder so mit einem Verzicht auf eine erneute Kandidatur geliebäugelt, er hat sich dann nur semimotiviert dazu entschieden, erneut anzutreten. Von demher ist jetzt dieser schlussendlich unfreiwillige Verzicht kein grosses ungeplantes Desaster, weder für ihn noch für Ambri.
  • Ig nid är 18.11.2019 08:12
    Highlight Highlight Olten müsste zuerst einmal die Playoffs gewinnen um aufzusteigen 😂
  • chandler 18.11.2019 08:06
    Highlight Highlight Was will er uns damit sagen? Verstehe den Artikel nicht wirklich.
    • maylander 18.11.2019 08:33
      Highlight Highlight Das ein Sportklub als Imageaufbesserer für Politiker dient und dafür finanzielle und andere Unterstütztung erhält.
      Gestern hat es sich nicht ausbezahlt.
    • Coffey 18.11.2019 10:00
      Highlight Highlight Was heisst „nicht wirklich“? Dass du ihn ein bisschen verstehst? Welchen Teil?
    • runthehuber 18.11.2019 17:44
      Highlight Highlight Ähm, Zaugg versucht sich in Politik.

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