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SCB CEO Marc Luethi praesentiert die Bilanz  der SCB-Eishockey AG der vergangenen Meistersaison am Dienstag, 29. August 2017 in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Marc Lüthi «regiert» seit 20 Jahren beim SC Bern. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

SCB-General Marc Lüthi: «Ich habe den geilsten Job, den es gibt»

Marc Lüthi geht in seine 20. Saison als SCB-Manager. Er sagt wie er den Wert von Spielern bemisst, dass in der Liga mindestens einer etwas mehr als 900 000 Franken verdient und warum es ihn reizen würde, Chefredaktor einer Boulevard-Zeitung zu sein.

klaus zaugg, bruno wüthrich



Marc Lüthi, Sie haben schon im August alle Saisonabonnemente verkauft. Wissen Sie, woher Ihre Kunden kommen?
Marc Lüthi: Ja, zu 50 Prozent aus dem SCB-Land, noch ohne Stadt Bern.

Aus dem SCB-Land? Wo liegt das?
Es erstreckt sich vom Oberwallis über das Berner Oberland, dann am Emmental und am Seeland vorbei bis zum Bareggtunnel. Weitere 15 Prozent kommen aus der Stadt Bern und der Rest aus der übrigen Schweiz.

Zwei junge Frauen geniessen den Ausblick von der Grossen Schanze auf die Stadt und umliegenden Berge, am Mittwoch, 8. April 2015, in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Nur 15 Prozent der SCB-Fans kommen aus der Stadt Bern selber. Bild: KEYSTONE

Wie haben Sie dieses Interesse kreiert?
Wir tun sehr viel, damit unsere Spiele zum Begegnungsort werden und wir investieren viel in den Zuschauernachwuchs. Seit 18 Jahren gibt es bei uns für alle bis zum 16 Altersjahr ein Kinder-Saisonabonnement für 100 Franken. Wenn von 100 am Ende zwei oder drei Stammkunden werden, die vielleicht sogar in der VIP-Loge landen, dann hat sich die Investition schon bei weitem bezahlt gemacht.

Es ist halt in Ihrem Hockeytempel wie bei einem normalen Tempel: Da muss Licht rein.
So wird es sein ... (lacht)

… und es zieht!
Zwischen dem Dach und dem obersten Teil der Stehrampe gibt es eine drei Meter grosse Öffnung. So ist ein laufender Luftaustausch möglich und wir brauchen keine Klimaanlage. Sozusagen ein Mikroklima mit eigenem SCB-Wetter.

postfinance arena bern

Die PostFinance Arena verfügt über ein eigenes Mikroklima. Bild: wikimedia

Ist das energiepolitisch verantwortbar?
Kein Problem. Die Kälte sinkt ab, es gibt über dem Eisfeld auch dann einen Kältesee, wenn es warm ist.

Wie kommt es eigentlich, dass die besten Hockey-Manager Quereinsteiger ohne Hockey-Erfahrung sind wie Sie?
So viel ich weiss, hat Peter Zahner (Manager ZSC Lions – die Red.) Hockey gespielt.

Das stimmt, aber Sie sind erfolgreicher.
Das ist Ihre Einschätzung. Ich mag diese Vergleiche nicht. Jeder Klub hat seine ganz spezielle Geschichte und ganz speziellen Anforderungen. Wir haben unseren Weg gefunden, wir machen unser Geschäft nach unseren Regeln und wir dürfen sagen, dass wir vorne dabei sind.

Nicht mehr Geld ausgeben als wir einnehmen.

SCB-Credo

Wie sind diese besonderen Voraussetzungen im Bernbiet?
Wir wissen heute, dass wir im Eishockey alle im gleichen Boot sitzen. Wir wissen, dass wir auf dem Eis hitzig sein, aber neben dem Eis zusammenarbeiten müssen. Mit Langnau haben wir eine spezielle, gute und positive sportliche Rivalität, die aber bei weitem nicht so gross ist wie die mit Biel oder gar mit Gottéron. Auf unternehmerischer Ebene haben wir mit allen eine gute Zusammenarbeit.

Und wie sind die SCB-Geschäftsregeln?
Die kann ich in einem Satz zusammenfassen: Nicht mehr Geld ausgeben als wir einnehmen.

Das tönt gut. Aber entscheidend ist, wie Sie Geld einnehmen können.
Dafür haben wir neue Geschäftsmodelle entwickelt.

Wie die Gastronomie.
Richtig.

Sie haben heute 18 Gastrobetriebe. Gibt es überhaupt noch Ausbaumöglichkeiten?
Marc Lüthi: Ja. Wir haben täglich ein bis zwei Angebote für die Übernahme einer Beiz auf dem Tisch.

«Ich bin weder Gastrogott, noch Hockeygott.»

Marc Lüthi

Welche Beizen suchen Sie?
Solche, die es uns erlauben, schwarze Zahlen zu schreiben. Unser Konzept ist Fleisch, italienische Küche und die Restauration von Sportanlagen. Wir prüfen alles sorgfältig und können durchschnittlich pro Jahr nicht mehr als ein Restaurant eröffnen.

Also ist Marc Lüthi heute nicht nur ein Hockey-, sondern auch ein Gastrogott.
Nein, weder das eine noch das andere. Wir sind auch nicht eine Gastrokette die einfach expandieren kann. Wir müssen grundsätzlich rechnen, rechnen, rechnen.

Der SCB bewegt mehr Menschen als jeder andere Hockeyklub. Warum haben Sie heute keinen Mäzen wie die ZSC Lions mit Walter Frey oder Lugano mit der Familie Mantegazza?
Wir wollen keinen Mäzen.

HC Davos Cheftrainer Arno Del Curto, rechts, im Gespraech mit ZSC Lions Praesident Walter Frey bei der Siegerehrung nach dem fuenften Playoff Finalspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und dem  HC Davos, am Samstag, 11. April 2015, im Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Walter Fray (hier im Gespräch mit Arno Del Curto) finanziert die ZSC Lions. Bild: KEYSTONE

Wie bitte?
Wir wollen keinen Mäzen. Als wir 1998 in die Nachlassstundung mussten, hätten wir gerne einen Mäzen gehabt. Wir mussten uns selber helfen und nun sind wir mit unserem Konzept sehr glücklich. Wir müssen keinem unberechenbaren Geldgeber Rechenschaft ablegen. Wir müssen unsere Kunden zufriedenstellen und uns im freien Markt bewähren. Warum haben wir seinerzeit Larry Huras entlassen? Weil wir feststellten, das pro Spiel im Schnitt 5000 Inhaber von Saisonabonnenten nicht mehr ins Stadion kamen. Ein unhaltbarer Zustand, wir müssen ja im nächsten Jahr wieder Saisonabis verkaufen. Unsere Zuschauer sind unsere Kunden und waren mit unserem Produkt, mit dem Eishockey, das wir unter Larry Huras spielten, nicht mehr zufrieden. Also mussten wir handeln.

Nochmals zurück zu den Mäzen: Sie verfälschen doch den Markt. Sie bringen Geld ins Eishockey, das nicht mit Eishockey erwirtschaftet worden ist und treiben so die Löhne in die Höhe.
Dann muss ich eben phantasievoller und besser sein. Wir erleben immer wieder, dass wir einen Spieler nicht haben können, weil wir mit dem Salär nicht mithalten können. Dann bieten wir eben nicht mit. Doch wir sind froh und dankbar, dass Walter Frey oder Vicky Mantegazza unser Hockey fördern.

Um wie viel sind die Löhne gestiegen seit Sie 1998 beim SCB angefangen haben?
Marc Lüthi: Um 50 Prozent

Wie hoch ist heute der Durchschnittslohn eines Eishockeyspielers in der Schweiz?
Zwischen 150 000 und 200 000 bei den Profis, die Junioren, die noch mit einem Ausbildungsvertrag spielen, nicht eingerechnet.

Und wie hoch sind die höchsten Saläre der Liga?
Es gibt in der Liga mindestens einen Spieler, der etwas mehr 900'000 Franken brutto verdient.

Wer?
Wir reden nicht über Löhne.

«Spieler der dritten und vierten Linie sind zu teuer geworden.»

Marc Lüthi

Doch, das tun wir gerade.
Sie kennen die Löhne sowieso. Was fragen Sie also?

Wir haben keine Ahnung. Verdient Luganos Damien Brunner über 900 000 Franken brutto?
Wir reden nicht über Zahlen und Namen.

Eine andere Frage: Verdienen die Spieler zu viel?
Ja, die Spieler der dritten und vierten Linie sind zu teuer geworden. Aber Spieler, die ihr Geld wert sind, verdienen nie zu viel.

Wann ist ein Spieler das Geld wert, das er verdient?
Der Wert eines Spielers lässt sich nicht in Toren und Assists messen und setzt sich aus vielen Faktoren zusammen. Welche Wirkung hat er auf die Fans? Welchen Wert hat er in der Garderobe? Was kann er für unser Unternehmen tun?Wie misst man diesen Wert eines Spielers? Wir sehen beispielsweise, wie die Leute im Stadion oder bei Autogrammstunden auf einen Spieler reagieren. Es sind emotionale Werte.

Können Sie das näher ausführen?
Wir betreiben einen Mannschaftssport. Da möchte ich nicht einzelne Spieler herausheben.

Es geht ja nicht um eine Wertung, sondern um das Verständnis.
Nehmen wir zum Beispiel Beat Gerber und Tristan Scherwey. Beat Gerber spielt unspektakulär und macht nie grosse Sprüche, aber er ist ein Arbeiter par excellence, hält seine Knochen hin und ist so für die Mannschaft von unschätzbarem Wert. Oder Tristan Scherwey: Er fährt in die Gegenspieler hinein und weckt Emotionen, bringt so zusammen mit Thomas Rüfenacht etwas diabolisches in die Mannschaft. Fans lieben ja nicht nur die Götter, sondern auch deren Gegenparts. Scherwey ist jedoch neben dem Eis der netteste Kerl, den es gibt. Wenn er beim Einkaufen sieht, dass eine Frau zwei schwere Taschen schleppen muss, dann geht er spontan hin und trägt ihr eine davon zum Auto. So ist der gestrickt.

Bern-Stuermer Tristan Scherwey, vorne, jubelt zusammen mit Martin Pluess ueber sein Tor zum 1:0, im zweiten Playoff-Halbfinalspiel der National League A zwischen dem SC Bern und dem HC Davos am Samstag, 19. Maerz 2016, in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Tristan Scherwey: Ein harter Kerl mit weichem Kern. Bild: KEYSTONE

Er ist eben einer von Gottéron.
Schon lange nicht mehr. Er ist einer vom SCB! Aber bei der Bemessung des Werts spielt eben auch eine Rolle, welchen Wert ein Spieler für das Unternehmen, und nicht nur für die Mannschaft hat. Spieler mit Charisma lassen sich besser verkaufen.

Showbusiness halt.
Wir sind Showbusiness! Showbusiness, Untergruppe Sport, Abteilung Eishockey. Das dürfen wir nicht vergessen.

«Ich werde nicht mit dem Rollator ins Stadion kommen.»

Marc Lüthi

Dazu gehört Polemik in den Medien.
Aber sicher. So lange Kritik nicht unter die Gürtellinie geht, habe ich nie ein Problem mit Kritik. Das gehört dazu.

Sie ärgern sich nicht über das, was über den SCB oder über Sie geschrieben wird?
Nein. Über mich darf man schreiben, was man will, wenn es nicht persönlich und unter die Gürtellinie geht. Wir leben im Showgeschäft Eishockey in der Öffentlichkeit und von der Öffentlichkeit.  Wenn etwas über den SCB geschrieben, gesagt oder gefilmt wird, ist das Werbung für das nächste Spiel. Wenn man damit nicht leben kann, hat man in unserem Business nichts verloren. Es ist doch nichts älter als die Zeitung von gestern und auch negative Emotionen nach Niederlagen sind Emotionen.

Gibt es einen Marc Lüthi ohne Eishockey?
Irgendeinmal schon. Ich werde nicht mit dem Rollator ins Stadion kommen.

Hatten Sie schon Angebote aus anderen Branchen?
Früher schon. Doch das ist lange her.

Wann das letzte Mal?
Vor fünf Jahren.

Vom wem?
Das weiss ich nicht mehr und wenn ich es wüsste, würde ich es nicht sagen. Ich will ja nicht wechseln. Ich habe den geilsten Job, den es gibt. Mit allen Facetten und Herausforderungen: Showbusiness, Emotionen, aber auch anspruchsvolles Management. Wir müssen kalkulieren und rechnen.

Gibt es etwas, was Sie noch herausfordern könnte?
Nur eines hätte mich gereizt: Einmal Chefredaktor einer Boulevardzeitung zu sein. Weil ich nach wie vor der Meinung bin, dass geiler Boulevard das Beste ist, was es in der Medienwelt gibt.

Was verstehen Sie unter gutem Boulevard?
Guter Boulevard muss nicht die Politik verändern wollen, sondern unterhalten. Und zwar so, dass die Leute am Morgen, wenn sie die Zeitung lesen, ein Lächeln auf den Lippen haben und sagen: das ist cool.

Und wie würden sie dies machen?
Indem ich in allen wichtigen Ressorts, im Bundeshaus, im People-Ressort, in der Wirtschaft, im Eishockey, im Fussball und vielleicht noch im Ski, die besten Journalisten beschäftige. Journalisten, die nicht nur schreiben können, sondern auch über die Nasenspitze hinaus denken können und zudem ein unternehmerisches Denken haben.

Das ist nicht zu finanzieren.
Doch, das geht. Sie brauchen in jedem Ressort nur den jeweils Besten. Der braucht nicht pflegeleicht zu sein. Um ihn herum bauen Sie mit Volontären, die es cool finden, mit den Besten zu arbeiten und von den Besten zu lernen, ein Team auf. Ich bin überzeugt, dass heute mit einem Kernteam aus den besten Journalisten, unterstützt von Volontären, sehr guter Boulevard gemacht werden könnte. Es ist ja nicht wie bei der NZZ, wo einer fast Schriftsteller sein muss, um eine Einschätzung der politischen Lage in Südostasien schreiben zu dürfen. Meldungen über Kim kann ich von der Agentur übernehmen. Ob dies so funktionieren würde? Es ist einfach meine Meinung.

Wie ist denn Ihr Verhältnis zum Schweizer Fernsehen?
Ich hätte mir die Fernsehrechte für Fussball und Eishockey nicht entgehen lassen. Dies hätte mich zwar ein Vermögen gekostet. Aber die No-Billag-Initiative wäre vom Tisch gewesen, bzw. würde vermutlich mit 80 Prozent Stimmanteilen abgelehnt.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
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    Alle Leser-Kommentare
  • Al Paka (#HockeyFightsCancer) 07.09.2017 19:56
    Highlight Highlight Dem Herr Lüthi kann man nicht genug dankbar sein, was er in diesen knapp 20 Jahren aus dem SCB gemacht hat.
    Natürlich sind auch noch andere daran beteiligt gewesen, halt mehr im Hintergrund.

    Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, als meine Mutter mir (9 jährig) erklären musste, was ein möglicher Konkurs ist. Und vorallem wieso mein absoluter Lieblingsspieler nicht mehr bleiben konnte. # 17

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