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Der Berner Trainer Guy Boucher gibt seinen Spielern Anweisungen, im Eishockeyspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und dem SC Bern, am Freitag, 26. September 2014, im Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Guy Boucher und sein SC Bern kommen immer mehr in Fahrt. Bild: KEYSTONE

Taktik endlich umgestellt

Eismeister Zaugg

Guten Tag, Guy Boucher! Schön, dass Sie endlich in Bern angekommen sind

Der SC Bern ist wieder Spitzenteam und Titelkandidat. Weil Trainer Guy Boucher endlich, endlich von seinem defensiven Wahnsinn abgekommen ist.



Der Name Guy Boucher steht in der NHL für fürchterliches Defensiv-Hockey. Seine 1-3-1-System-Falle, die er bei Tampa zwischen 2010 bis zu seiner Entlassung in zweieinhalb Jahren installiert hatte, galt als die Verneinung des Hockey. Als das Ende des Spektakels. Seine taktische Ausrichtung beunruhigte zeitweise sogar die Ligaführung. Die angesehene kanadische Zeitung «The Globe and Mail» brachte dieses destruktive Hockey einmal auf den Punkt: «Todesfalle für das Eishockey

L'entraineur bernois Guy Boucher, lors du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League A, entre le Lausanne Hockey Club, LHC, et le SC Bern, ce vendredi 3 octobre 2014 a la patinoire de Malley a Lausanne. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Guy Bouchers Defensiv-Taktik war in der NHL nicht sehr beliebt. Bild: KEYSTONE

Als Guy Boucher den SCB im letzten Januar übernahm, hatte er dieser defensiven Irrlehre noch lange nicht abgeschworen. Was auf dem kleineren nordamerikanischen Eisfeld funktionieren kann, ist auf der grossen Eisfläche bei uns nicht umsetzbar.

Aber auch mit dem SCB versuchte Guy Boucher dieses fürchterliche Hockey zu spielen und versenkte eine Mannschaft, die gut genug für ein Finale war, in der Abstiegsrunde. Als der SCB nun im Spätsommer in die Operetten-Euroliga startete, war immer noch keine Verbesserung in Sicht. Das Scheitern war kläglich, die Resultate grösstenteils eine Blamage.

«Wir haben einen neuen SCB gesehen»

Seither sind gut zwei Monate vergangen. Nach einer hektischen dreiwöchigen Übergangsphase sehen wir nun endlich in Bern wieder richtiges Eishockey. Lausannes Coach Heinz Ehlers sagte es am Freitagabend nach der 1:5-Niederlage so: «Wir haben einen neuen SCB gesehen. Dieser SCB war nicht mehr vergleichbar mit jener Mannschaft, die zuvor bei uns noch chancenlos war.» Der SCB hatte sich vor vier Wochen am 3. Oktober in Lausanne mit einer 1:4-Pleite blamiert und SCB-General Marc Lüthi war in Panik geraten.

31.10.2014; Bern; Eishockey NLA - SC Bern - Lausanne HC; 
Uebersicht Postfinance-Arena
(Urs Lindt/freshfocus)

Der SCB hat vor heimischem Publikum gegen Lausanne alles im Griff. Bild: Urs Lindt/freshfocus

Wie ist die Wende in so kurzer Zeit möglich geworden? Ganz einfach: Guy Boucher ist in Bern angekommen. Er hat den Versuch, das Tampa-System auch in der NLA einzuführen und in Bern sozusagen eine taktische NHL-Filiale zu eröffnen, gerade noch rechtzeitig abgebrochen. Er hat eingesehen, dass völlig destruktives Hockey auf den grösseren Eisfeldern nicht möglich ist.

Wir können es stark vereinfacht so erklären. Die Spieler standen anfänglich unter Guy Boucher auf den Fersen. Viel zu passiv. Der Gegner diktierte das Spiel. Inzwischen stehen die Berner auf den Zehen. Immer bereit, vorwärts zu stürmen. Aktiv zu sein. Zu dominieren. Und schon ist der SCB ein Spitzenteam.

Nur noch den Schalter umlegen

Der Wechsel ist verhältnismässig schnell geglückt. Denn eines hat Guy Boucher von allem Anfang an richtig gemacht. Er hat Antti Törmänens Hockey-Selbsterfahrungsgruppe unverzüglich aufgelöst, den Larifari- Betrieb eingestellt, eine Leistungskultur eingeführt und taktisch für Disziplin, Recht und Ordnung gesorgt. Das war ja die Voraussetzung für die Einführung eines Defensivsystems.

Aber eben: Dieses Defensivsystem ist anfänglich viel zu passiv umgesetzt worden. Deshalb das fürchterliche Hockey, der Sturz in die Abstiegsrunde und noch in diesem Herbst die blamablen Resultate im europäischen Wettbewerb.

16.09.2014; Bern; Eishockey NLA - SC Bern - HC Fribourg-Gotteron: Trainer Guy Boucher (Bern) (Christian Pfander/freshfocus)

Guy Boucher findet mittlerweile die richtigen Worte. Bild: Christian Pfander/freshfocus

Die Wende war auf dieser taktischen Basis nicht mehr schwierig. Salopp gesagt: Guy Boucher musste, als er endlich merkte, dass er sich auch als kanadischer Hockey-Imperialist unserer Hockeykultur anpassen muss, nur noch den Schalter umlegen. Von passiv-destruktiv auf aktiv-aggressiv. Nicht mehr auf den Fersen stehen, sondern auf den Zehen. In einer ersten Übergangsphase war das Spiel noch hektisch und die Ordnung löste sich vorübergehend auf. Aber weil Disziplin und Leistungsbereitschaft nicht verloren gingen, ist die Umstellung zügig gelungen.

Jetzt spielt der SCB sehr gut organisiert und aggressiv vorwärts. Der SCB wird mehr und mehr eine grosse, mächtige Hockeymaschine. Ganz in der Art der ZSC Lions der vergangenen Saison. Ganz in der Art der meisterlichen «Big bad Bears» der späten 1980er und frühen 1990er Jahre. Sie holten in vier Jahren drei Titel.

Umfrage

Hat der SCB das Zeug dazu, Schweizer Meister zu werden?

  • Abstimmen

38

  • Ja klar. Mit der neuen Taktik ist alles möglich.68%
  • Nein, die Konkurrenz ist einfach zu stark.26%

Lausanne und das langfristige SCB-Wetter

Lausanne war am Freitagabend ein guter Test für diesen taktisch neuen SCB. Sag mir, wie der SCB gegen Lausanne spielt und ich sage Dir, wie das langfristige SCB-Wetter sein wird. Lausanne ist nämlich alles andere als ein weiches welsches Team. Ja, es ist eine Mannschaft, die alemannischer als viele Teams aus der Deutschschweiz spielt und arbeitet und von Trainer Heinz Ehlers zu einem der taktisch besten Mannschaften der Liga gemacht worden ist. Sehr gut organisiert, diszipliniert, physisch robust und mit gesundem Selbstvertrauen.

Wer nicht hundertprozentig bei der Sache ist, wird meistens mit einer Niederlage bestraft. Erwischt hat es auch schon Tabellenführer Davos. Partien gegen Lausanne hatten beim SCB schon früher wegweisenden Charakter. Nach einem 1:3 im letzten Januar warf Interimstrainer Lars Leuenberger das Handtuch, zog sich wieder auf seine Position als Assistent zurück und der SCB holte Guy Boucher als neuen Cheftrainer.

Berns Martin Pluess, links, und Tristan Scherwey, Mitte, im Duell mit Lausannes Etienne Froidevaux, Simon Fischer und Jannik Fischer, von links, im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem SC Bern und dem  Lausanne HC, am Freitag, 31. Oktober 2014, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Gegen ein starkes Lausanne setzt sich der SCB dank grosser Beharrlichkeit durch. Bild: KEYSTONE

Der SC Bern hat beim 5:1 gegen Lausanne sein bisher bestes Saisonspiel gezeigt. Die fehlende Spannung mag gegen diese Einschätzung stehen. Aber wir haben mehr als eine halbe Stunde lang ein starkes Lausanne gesehen. Der Zusammenbruch in der zweiten Spielhälfte war mehr auf die SCB-Qualitäten als auf Lausannes Schwächen zurückzuführen.

Es war keineswegs einfach, dieses Lausanne zu besiegen. Zumal sich der SCB in der Favoritenrolle gegen nominell schwächere, aber taktisch gute Teams wie Lausanne (oder Servette) in der Regel sehr schwer tut. Der SCB spielte konzentriert, diszipliniert, geduldig und mahnt immer mehr an eine Hockeymaschine, die unerbittlich dem Sieg entgegenrollt. 

Lausanne ist richtiggehend zermürbt worden. Nach dem 3:1 war die Partie gelaufen. Dass Torhüter Cristobal Huet geschont wurde und Pascal Caminada zum Zuge kam, war nicht von Bedeutung: Den 3:1-Sieg im Januar hatte Lausanne auch mit dem Ersatzgoalie geholt.

Für den SCB ist sogar der Titel möglich

Was für den neuen SCB spricht: Selbst als nach halber Spielzeit oben auf der Resultattafel erst ein 2:1 stand und der Sieg keineswegs eine sichere Sache schien, war keinerlei Hektik auf dem Eis oder auf der Spielerbank zu erkennen. Die Umstellung auf die offensive Spielweise ist inzwischen ganz offensichtlich gelungen. Der SCB hat sich auf hohem Niveau stabilisiert, seine Identität als «Big bad Bears» gefunden, und die Nerven haben sich auch in der Chefetage beruhigt.

Unbesiegbar sind die Berner natürlich nicht. Aber sie sind jetzt bereits dazu in der Lage, jeden Gegner zu besiegen oder wenigstens herauszufordern. Wenn Guy Boucher in einer Schwächephase (die im Laufe der Qualifikation nicht zu vermeiden ist) und in den Playoffs nicht auf einmal Angst vor seinem Mut bekommt, wieder in die taktische Steinzeit zurückfällt und destruktiv spielen lässt, dann ist sogar der Titel möglich.

31.07.2014; Burgdorf; Eishockey - Team Schweiz; Fototermin Schweizer Nationalmannschaft; Simon Moser (Valeriano Di Domenico/freshfocus)

Simon Moser erholt sich noch vom Pfeiffer'schen Drüsenfieber. Bild: Valeriano Di Domenico/freshfocus

Ähnlich wie die ZSC Lions ist auch der SCB bei der Offensivproduktion nicht mehr von einer Linie abhängig. Diese Saison haben bereits alle Stürmer ein Tor erzielt. Und im Laufe der Saison wird ja noch Simon Moser in die Mannschaft zurückkehren. In Form ist er einer der besten Powerstürmer im Land. Er wird, so wie der SCB sich entwickelt, wohl in der vierten Linie stürmen müssen.

Wer es sich leisten kann, Simon Moser im vierten Sturm einzusetzen, wird den Titel holen.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Italian Stallion 02.11.2014 23:10
    Highlight Highlight Ich sage nach wie vor, dass Boucher der schlechteste Trainer der NLA ist. Er überschätzt sich enorm und glaubt, uns erklären zu müssen, wie man Eishockey spielt.
  • hammerhead 01.11.2014 17:45
    Highlight Highlight Somit ist klar, dass Simon Moser nicht in der vierten Linie spielen wird. Denn Meister bleibt der ZSC.
  • Clark Kent 01.11.2014 11:51
    Highlight Highlight und heute verliert bern, die "maschine" kommt ins stottern und herr zaugg kann den artikel wieder neu schreiben.

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