DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
COLUMBUS, OH - JANUARY 24: A general view of the NHL logo prior to the 2015 Honda NHL All-Star Skills Competition at the Nationwide Arena on January 24, 2015 in Columbus, Ohio.   Bruce Bennett/Getty Images/AFP
== FOR NEWSPAPERS, INTERNET, TELCOS & TELEVISION USE ONLY ==

Wollen die kanadischen Investoren in der Schweiz eine «kleine NHL» installieren?
Bild: GETTY IMAGES NORTH AMERICA

Eismeister Zaugg

Kloten, Servette und Lausanne verbünden sich – was die «NHL Light» für unser Eishockey bedeutet

Der Pulverdampf nach dem Wechsel von Klotens Präsident Ken Stickney zu Lausanne hat sich verzogen. Nun erkennen wir: Den Kloten Flyers eröffnen sich ungeahnte neue Möglichkeiten.



Eine Premiere in unserem Hockey. Ein Präsident wechselt während der Saison zu einem anderen Klub. Spieler haben das schon oft getan. Ein Boss noch nie. Wenn einer zwei Klubs präsidierte, dann in gehörigem Abstand. Peter Bossert war bis 1986 grosser Vorsitzender des EHC Arosa. Erst 2001 stieg er als Präsident in Kloten wieder ins Hockeygeschäft ein.

Was bedeutet nun der Ausstieg von Präsident Ken Stickney und sein Wechsel zu Lausanne für die Kloten Flyers? Nun, nachdem sich die Aufregung gelegt hat, erkennen wir: ein Schritt nach vorne. Weil nun eine «kanadische Bruderschaft» bereits einen Viertel der Liga kontrolliert: Servette, die Kloten Flyers und neu auch Lausanne. Die drei Klubs bilden eine «kleine NHL».

ARCHIV --- ZUM BESITZERWECHSEL BEIM HC LAUSANNE STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Hugh Quennec, president du Servette FC, parlent lors d'un point presse suite a la releguation en Promotion League du Servette FC ce lundi 1 juin 2015 au Stade de Geneve. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Hugh Quennec überlässt in Lausanne Ken Stickney das Ruder.
Bild: KEYSTONE

Natürlich gibt es offiziell und juristisch keine Verbindung zwischen den drei Hockeyunternehmen. Die Liga hat entsprechende Gesetze erlassen: Niemand darf bei mehr als einem Klub 25 oder mehr Prozent der Aktien besitzen oder ein Amt ausüben. Deshalb ist Ken Stickney bei den Kloten Flyers als Verwaltungspräsident ausgestiegen. «Sie können davon ausgehen, dass wir uns an die Vorschriften halten», sagt Klotens Geschäftsführer Matthias Berner.

Kanadische «Buddies» mit klarer Strategie

Kein Schelm, wer die bange Frage stellt: Steigen nun die nordamerikanischen Investoren bei den Kloten Flyers aus und wenden sich Lausanne zu? Einem Hockeyunternehmen mit besseren wirtschaftlichen Voraussetzungen. Matthias Berner sagt: «Überhaupt nicht. Der Abgang von Ken Stickney hat keinen Einfluss auf die Kloten Flyers.»

Das muss Klotens Bürogeneral natürlich so sagen. Aber es dürfte tatsächlich so sein. Die nordamerikanische Avenir Gruppe ist ja nicht Sponsor des Klubs. Sondern Besitzerin. Die Besitzerin kann nicht aussteigen. Sie kann nur verkaufen oder verschenken.

Aber es gibt noch einen anderen Grund, warum Matthias Berners Aussage nicht bloss eine verbale Beruhigungspille ist. Hinter dem Einstieg der Nordamerikaner in unser Hockey steht eine Strategie. Wer will, kann daraus eine Verschwörungstheorie drechseln.

Es gibt zwar keine offiziellen Verbindungen zwischen Lausanne, Servette und Kloten. Aber die nordamerikanischen Investoren bei den drei Teams sind «Buddies». Freunde. Da entsteht ein «Kartell des Bösen» mit dem Ziel, eine ganze Liga unter Kontrolle zu bringen und unser Hockey in die 11. Provinz Kanadas zu verwandeln. «Ein Kartell ist schon etwas hoch gegriffen», sagt Matthias Berner: «Es sind ja nur drei Klubs. Aber es stimmt, dass es gemeinsame Interessen und einen Gedankenaustausch gibt.»

Matthias Berner, CIEF bei der Vorsaison-Medienkonferenz von Swiss Ice Hockey von der Saison 2012/2013..am Dienstag, 28. August 2012 im Nordring 8, Bern. (PHOTOPRESS/Markus Hubacher)

Matthias Berner: «Der Abgang von Stickney hat keinen Einfluss auf die Kloten Flyers».
Bild: PHOTOPRESS

Steht gar unser Auf- und Abstiegs-System vor dem Aus?

Eine «kleine NHL» ist entstanden. Die Manager von Kloten, Lausanne und Servette können beispielsweise unter sich schon mal ein bisschen nach NHL-Manier fuhrwerken. Beispiel: Denis Hollenstein ist in Kloten zu teuer. Also transferieren wir ihn samt Vertrag nach Lausanne oder nach Genf. «Das ist ein unglücklich gewähltes Beispiel», sagt Matthias Berner. «Denis Hollenstein ist das Herz und die Seele unseres Klubs. Deshalb ist so ein Transfer ausgeschlossen. Aber dieses Szenario ist bei einem weniger wichtigen Spieler denkbar.»

Was die übrigen Klubs und vor allem jene der NLB schon ein wenig beunruhigen sollte: Matthias Berner versteht sich sehr gut mit Peter Zahner. Dessen ZSC Lions sind auch stark nordamerikanisch geprägt und pflegen bereits eine Zusammenarbeit mit den Toronto Maple Leafs. Wenn Kloten, Lausanne und Genf nun mit Zürich politisch zusammenspannen entsteht ein Machtblock, der einen Drittel der Liga kontrolliert. Zudem müssen in der NLB  zwei Farmteams nach der politischen Pfeife der Kloten Flyers und der ZSC Lions tanzen (Winterthur, GCK Lions). Entsteht da eine «unheilige Allianz» zwischen Deutsch und Welsch?

In dieser «kleinen NHL» werden ketzerische Gedanken gewälzt. Matthias Berner sagt: «Wir sind gegen den Auf- und Abstieg und für eine geschlossene Liga.» Es ist die Denkweise der nordamerikanischen Herren. Sie kennen im Sportgeschäft den Auf- und Abstieg nicht. Bis heute sind glücklicherweise alle Versuche, aus der höchsten Spielklasse eine geschlossene Liga zu machen, gescheitert. Eine Mehrheit liess sich nie finden. Die NLB-Klubs konnten glücklicherweise den Unsinn einer geschlossenen Liga bis heute immer verhindern. Aber jetzt könnte es gefährlich werden. Gut, dass sich die NLB-Klubs diese Woche auf eine bessere politische Zusammenarbeit geeinigt haben.

Kloten's Denis Hollenstein looks on his teammates from the bench, during the game of National League A (NLA) Swiss Championship between Geneve-Servette HC and EHC Kloten Flyers, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Tuesday, January 26, 2016. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Die «Seele» der Kloten Flyers: Denis Hollenstein.
Bild: KEYSTONE

Simpson hat den Strichkampf bereits gewonnen

Wir sind etwas vom Thema abgekommen. Kehren wir zu Kloten und zum «Strichkampf» zurück: Wenn ein Klub-Präsident zurücktritt, um bei einem Konkurrenten im Kampf um die Playoffs einzusteigen, dann kommt Unruhe auf. Hat dieser Wechsel zur Unzeit Einfluss auf die Mannschaft der Kloten Flyers, auf den Kampf um die Playoffs? «Nein» sagt Matthias Berner. «Natürlich war der Mittwoch ein aufregender Tag und es hat viele Fragen gegeben. Diese Fragen haben wir inzwischen beantwortet und am Donnerstag sind alle wieder an ihre Arbeit gegangen. Ich gehe davon aus, dass die ganze Sache keine sportlichen Auswirkungen hat.»

Abgesehen davon, dass er das so sagen muss, dürfte es tatsächlich so sein: Die Kloten Flyers haben zwar unruhige Tage hinter sich. Aber Spieler und Trainer haben inzwischen mit solchen Unruhen längst leben gelernt wie die Japaner mit der Erdbebengefahr. Die Kloten Flyers haben ja wahrlich schon aufregendere Zeiten durchgestanden.

Trainer und Sportchef Sean Simpson dürfte die ganze Aufregung sogar recht sein. Sollte er nämlich entgegen allen Erwartungen die Playoffs verpassen (was einem Nichteinlösen eines Freiloses gleichkäme), dann hat er nun eine prima Ausrede: die Unruhe rund um den Präsidentenwechsel sei schuld. Wie beschliesst doch ein frommer Hockeytrainer sein Abendgebet? «Lieber Gott, nimm mir alles, aber lass mir die Ausreden.»

Ist die Durchlässigkeit der Ligen bald Geschichte? Alle NLA-Absteiger seit Einführung der Zwölfer-Liga

1 / 10
Alle NLA-Absteiger seit Einführung der Zwölfer-Liga
quelle: keystone / gian ehrenzeller
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Finde es ein für alle Mal heraus: Wie viel Eismeister steckt in dir?

Link zum Artikel

Bist du bereit für die Playoffs? Dann musst du die Hockey-Spieler auch als Emojis kennen

Link zum Artikel

Kopf oder Zahl? Das 50:50-Quiz zum Schweizer Eishockey Cup 

Link zum Artikel

Erkennst du diese Hockeyaner nur anhand ihres Karriereverlaufs? – Teil 2

Link zum Artikel

Wenn du diese Hockey-Slang-Begriffe nicht kennst, musst du heute für Schweden sein

Link zum Artikel

Erkennst du diese NHL-Stars anhand ihrer Kinderfotos?

Link zum Artikel

Kennst du die kuriosen Namen der AHL-Teams? Wenn nicht, musst du ab ins Farmteam!

Link zum Artikel

Kennst du dich aus in Hockey-Nordamerika oder suchst du Roman Josi in Näschwil?

Link zum Artikel

Wenn du von einem Hockeyaner nur den Karriereverlauf siehst: Weisst du, wen wir suchen?

Link zum Artikel

Du darfst auch so jubeln – wenn du das Topskorer-Quiz bestehst

Link zum Artikel

Wir haben Schweizer Eishockey-Grössen etwas umgestylt – erkennst du sie trotzdem?

Link zum Artikel

Zum Saisonstart: Wie viel Prozent Eishockey steckt wirklich in dir? Stelle dich unserem knallharten Psychotest

Link zum Artikel

Erkennst du die NLA-Spieler auch ohne Helm?

Link zum Artikel

Hockey-Stars ohne Helm: Kennst du die Schweizer NHL-Spieler auch abseits des Eisfelds?

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

«Allein gegen die Mafia» – Ajoie ist die Mannschaft des Jahres

Ajoie besiegt Kloten nach Verlängerung 5:4 und kehrt nach 28 Jahren in die höchste Liga zurück. Ein hochverdienter Aufstieg gegen alle Widerstände für das «Gallische Dorf» unseres Hockeys.

Mathias Joggi, dem rauen Powerstürmer und ehemaligen Nationalspieler, gelingt das historische Tor zum 5:4 nach 11 Minuten und 17 Sekunden in der Verlängerung. Das Tor, das Ajoie in die höchste Liga bringt.

Was für eine späte Krönung der Karriere des 35-jährigen Bielers, der nach einem Umweg über Davos und Langnau 2018 bei Ajoie am Ort seiner Bestimmung angekommen ist.

Nach dem Meistertitel von 2016 und dem Cupsieg von 2020 ein weiterer Triumph für Gary Sheehan, seit Jahren der meistunterschätzte …

Artikel lesen
Link zum Artikel