Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Der Tiger Harri Pesonen jubelt nach dem 2-3 beim Eishockeyspiel der National League ZSC Lions gegen die SCL Tigers   in Zuerich am Donnerstag, 2. Januar 2020. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Nach Marcus Nilsson könnte bei Langnau auch Harri Pesonen privat finanziert werden. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Ausländer privat finanzieren – geht das? Ja, warum denn nicht?

In Langnau finanziert der Präsident einen zusätzlichen ausländischen Spieler in Zeiten der Krise und der staatlichen Subventionen. Nur Neider kritisieren dieses Vorgehen.



Hockeyclubs sind Unternehmen der Unterhaltungsindustrie mit einem hohen gesellschaftlichen Wert: sie leisten mit ihrer Jugendarbeit einen sozialen Dienst, der gar nicht hoch genug bewertet werden kann. Die Virus-Krise hat auch diese Clubs – wir können sie auch Hockey-Firmen nennen – hart getroffen. Deshalb bekommen sie staatliche Hilfe.

Die Zuschüsse aus öffentlichen Kassen oder durch Bürgschaften des Staates abgesicherte Kredit-Hilfen lassen sich stark vereinfacht in drei Phasen zusammenfassen.

In einer ersten Phase können die Hockeyfirmen die gleiche Hilfe beantragen wie jedes andere Unternehmen auch: Kurzarbeitslosen-Entschädigung und durch Bundesbürgschaft abgesicherte Sofortkredite von ihrer Hausbank. In der ersten Phase der Krise sind die Hockey-Firmen noch nicht so stark betroffen. Die Saison ist fast zu Ende gespielt (nur die zwei letzten Qualifikationspartien sind «Geisterspiele»).

Geisterspiel beim Swiss Ice Hockey Cup 1/8 Final, zwischen dem SC Langenthal und den EV Zug am Sonntag 25. Oktober 2020 in der Eishalle Schoren in Langenthal. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Geisterspiele sind in der National League bereits zur Normalität geworden. Bild: keystone

Die Playoffs fallen zwar in der höchsten Liga ganz und in der Swiss League fast ganz aus (eine Runde wird ausgetragen). Aber Playoffs werden im Eishockey in der Regel nicht budgetiert. Will heissen: die Betriebsrechnung muss ohne die Einnahmen aus den Playoffs aufgehen. Diese Einnahmen werden sowieso sehr oft von den Prämien für die Spieler und Trainer wieder «aufgefressen.» In dieser Phase ist privat finanziertes ausländisches Personal sowieso kein Thema.

Im Sommer ruht der Spielbetrieb. Nun erzielen die Hockey-Firmen ihre Einnahmen durch den Verkauf der Saisonabis. In dieser zweiten Phase wird es schwieriger. Weil niemand weiss, ob es im Herbst mit Publikum weitergehen kann oder nicht. Stehen im Herbst wieder «Geisterspiele» an, geraten die Hockey-Firmen in enge monetäre Hosen.

In dieser zweiten Phase kommen nun spezielle staatliche Kredite für Profi-Sportklubs ins Spiel. Wie der Teufel gegen das Bad im geweihten Wasser, so sträubt sich Matthias Remund, der Direktor des Bundesamtes für Sport, gegen ungesicherte Kredite und verknüpft sie mit Bürgschaften. Wohlweislich. Denn allen ist klar: Kredite können von Firmen einer Branche, die selbst in Boom-Zeiten rote oder nur ganz knapp schwarze Zahlen schreibt, nicht zurückbezahlt werden. Nur zwei Klubs (Ambri und Lausanne) beantragen solche Kredite, nur einer (Lausanne) bekommt 2,2 Millionen ausbezahlt. Hier gilt: Privat finanzierte Ausländer sind für ein Unternehmen, das von staatlichen Krediten lebt, tabu. Ich kann nicht beim Staat die hohle Hand machen und private Zuwendungen nicht der Klubkasse zuführen. Und die Steuerzahlerin und der Steuerzahler sind nicht unbedingt erfreut, wenn mit seinem Geld Kredite gewährt werden, damit transferiert werden kann. Und es geht auch nicht, dass Spieler engagiert und gleichzeitig Rechnungen nicht bezahlt werden.

Matthias Remund, Direktor BASPO spricht an einer Medienkonferenz ueber die Studie

Matthias Remund, der Direktor des BASPO. Bild: keystone

Im Herbst hat die dritte Phase begonnen. Erst kann die Kapazität der Stadien nur beschränkt genutzt werden (zwei Drittel der Sitzplätze) und kurz darauf sind nur noch «Geisterspiele» möglich. Nun wird ein Hilfsprogramm erarbeitet, das die Ausfälle durch die auferlegten Beschränkungen wenigstens teilweise und für alle nach den gleichen Vorgaben ausgleichen soll. Hier geht es nicht mehr um Kredite. Hier kompensiert der Staat den Schaden, der den Hockey-Firmen durch gesetzliche Verordnungen erwächst. Die Beiträge aus der Steuerkasse basieren auf den tatsächlichen Zahlen (grundsätzlich der Zuschauerzahlen) der vergangenen Jahre.

In dieser dritten Phase ist die private Finanzierung eines (oder mehrerer Ausländer) nicht mehr «unsittlich». Warum? Das Geld, das die Klubs aus der Staatskasse bekommen, ist kein Kredit. Sondern eine Ausfallentschädigung. Alle werden nach gleichen Massstäben berücksichtigt. Damit der Betrieb weitergehen kann.

In einer Hockey-Firma dreht sich alles um die Konkurrenzfähigkeit der ersten Mannschaft. Sie ist der eigentliche Geschäftszweck. Sie gibt dem Unternehmen Dynamik, liefert Energie und strahlt auf alle Abteilungen, auch auf die Nachwuchsorganisation aus. Auch dann, wenn es vorübergehend keinen Abstieg gibt.

Wer diese Konkurrenzfähigkeit nicht mehr beachtet und die Sportabteilung verlottern lässt (beispielsweise durch den Verzicht auf ausländisches Personal oder durch Billiglösungen auf Schlüsselpositionen wie Trainer, Assistenten oder Sportchef) setzt mutwillig die Existenz seines Unternehmens aufs Spiel. Das Leben geht ja nach der Krise weiter. Wer seine Anhängerinnen und Anhänger, seine Sponsoren und Geschäftspartner weiterhin an Bord haben, wer für gute Spieler und Trainer eine erste Adresse bleiben will, muss die sportliche Attraktivität bewahren.

Wenn nun eine dem Klub nahestehende Person dabei hilft, in Zeiten der Krise die sportliche Konkurrenzfähigkeit zu erhalten, indem die Kosten für zusätzliches ausländisches Personal übernommen werden, so ist diese Hilfe zu begrüssen. Sie ist im Interesse des Klubs und der gesamten Liga. Erst recht, wenn durch diese Hilfe überhaupt erst ermöglicht wird, dass das Kontingent (vier Ausländer pro Spiel) ausgeschöpft werden kann.

Wenn – um ein konkretes Beispiel zu nennen – Langnaus Präsident Peter Jakob die Kosten für das Engagement des schwedischen Stürmers Marcus Nilsson übernimmt, wenn einer seiner Verwaltungsratskollegen sich bereit erklärt, auch Harri Pesonen im Falle eines Falles zu finanzieren, dann sind diese Investitionen zum Wohle des Hockeys zu begrüssen.

Der Einwand, die Herren könnten ja einfach auch in die Klubkasse einzahlen, ohne dass dann etwas passiert, ist reichlich naiv: In einer freien Gesellschaft darf eine freie Frau und ein freier Mann sein Geld dort investieren, wo sie oder er will. Wenn diese Hilfe nicht mit den Interessen der öffentlichen Hand übers Kreuz liegt, gibt es keine Einwände. Und da ist noch etwas: Peter Jakob steht mit seinem, für Emmentaler durchaus typischen Sinn für Redlichkeit und Transparenz offen dazu, dass er hilft. Wer sagt, dass auch an anderen Orten privat, aber diskret so oder ähnlich geholfen wird, ist kein Schuft.

Tigers Topscorer Harri Pesonen waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League zwischen den SCL Tigers und dem EHC Biel, am Samstag 29. Februar 2020 im Ilfisstadion in Langnau. (PPR/Marcel Bieri)

Kehrt Harri Pesonen nach Langnau zurück? Bild: PPR

Es gibt natürlich auch Gründe, eine solche Hilfe abzulehnen. Beispielsweise die Furcht, dass jemand, der bei der Finanzierung eines ausländischen Spielers dann auch ein wenig mitreden will. Wer die Mannschaft durch persönliche Zuwendungen besser machen will, wird es kaum goutieren, dass der General Manager die Sportabteilung einfach verlottern lässt. Und der General Manager, der das zulässt und einen Sinn für Machtpolitik hat, wird es klugerweise rundum ablehnen, solche Hilfe zu beanspruchen.

watson Eishockey auf Instagram

Selfies an den schönsten Stränden von Lombok bis Honolulu, Fotos von Quinoa-Avocado-Salaten und vegane Randen-Lauch-Smoothies – das alles findest du bei uns garantiert nicht. Dafür haben wir die besten Videos, spannendsten News und witzigsten Sprüche rund ums Eishockey.

Folge uns hier auf Instagram.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden

Du bist ein echter Eishockey-Fan? So kriegst du das Stadion-Feeling zuhause hin.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

Die verschmähten Junioren, die unsere Klubs Millionen kosten

Die laufende U20-WM erklärt uns, warum die Spieler-Löhne so hoch sind und entlarvt, wie absurd die Erhöhung auf zehn Ausländer ist.

Bei der U20-WM treten jedes Jahr die besten Junioren-Spieler der Welt an. In der Regel sind auch die besten Kanadier und Amerikaner dabei – abgesehen von ein paar Ausnahmen, die es zu diesem Zeitpunkt bereits in die NHL geschafft und keine Freigabe bekommen haben. Die U20-WM eignet sich also vorzüglich dazu, internationale Vergleiche anzustellen.

Nur Fakten, keine Polemik. Der Beginn der neuen, grossen Zeit unseres Hockeys können wir gut in die Saison 1997/98 verlegen. Bei der U20-WM in Helsinki …

Artikel lesen
Link zum Artikel