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Eine Warnung aus der NLB für Biel und Langnau

Die NLB-Spitze ist noch näher an die NLA herangekommen. Ein Augenschein bei einem NLB-Spitzenkampf verheisst Langnau und Biel nichts Gutes.

14.12.15, 15:03 14.12.15, 16:18


Die Leistungsdifferenz zwischen den NLB-Spitzenmannschaften und den zwei letzten der NLA ist heute wahrscheinlich so gering wie nie zuvor. Der Trend des letzten Frühjahres – die SCL Tigers deklassierten als NLB-Meister die Lakers in der Liga-Qualifikation (4:0) – bestätigt sich jetzt in der NLB. Mag sein, dass La Chaux-de-Fons, die Lakers, Langenthal und Olten eine Saison in der höchsten Spielklasse nicht durchstehen würden. Aber sie sind inzwischen gut genug, um eine Playoffserie (Liga-Qualifikation) gegen ein NLA-Team zu gewinnen.

11.12.2015; Langenthal; Eishockey NLB – SC Langenthal - Hockey Thurgau; Marc Kaempf (L, Langenthal) erzielt das 1:1 gegen Thurgau Torhueter Dominic Nyffeler (Leroy Ryser/freshfocus)

Langenthal (hier mit Marc Kaempf beim Torerfolg ist eines von drei Teams an der NLB-Spitze. 
Bild: Leroy Ryser/freshfocu

EHC Olten gegen den SC Langenthal. Eines der grossen, vergessenen Derbys im Windschatten der nationalen Medien. 5536 Fans. Zwischen den so ähnlichen, nahezu gleich grossen Kleinstädten. Langenthal hat etwas weniger, Olten etwas mehr als 15'000 Einwohner. Eine intensive, unversöhnliche Rivalität im Land des zähen Nebels (Hier geht es zum klubeigenen Olten-Liveticker der Partie). Jedes Derby ist ein Drama. Jedes Derby schreibt eine besondere Geschichte. Jedes Derby hat seinen Helden.

Die Highlights der Partie Olten – Langenthal.
YouTube/ehcotv

Der Mann tief aus dem Emmental

So ist es auch jetzt. Diesmal heisst der Held Philipp Wüst (29). Ein Eggiwiler, der einst bei Langnaus Junioren war und seit 2010 für die Oltner stürmt. Also einer von noch weiter hinten im Emmental als Langnau. Er verkörpert die Auferstehung und den Triumph der Oltner in einem intensiven Spiel mit NLA-Niveau.

Kurz vor dem Ende des zweiten Drittels (37. Min.) erwischt ihn Langenthals Topskorer Brent Kelly (den die Langenthaler einst Olten ausgespannt haben) mit einem harten Check hinter dem Tor. Philipp Wüst bleibt liegen. Der Pfleger eilt rutschigen Schrittes aufs Eis. Keine Strafe. Schliesslich steht der tapfere Emmentaler doch wieder auf, kehrt mit eigener Kraft auf die Spielerbank zurück und kann sich in der zweiten Pause erholen. «Ich bin überrascht worden und mit der Schulter in die Bande geprallt. Im ersten Moment hatte ich Lähmungserscheinungen im Arm. Wahrscheinlich hat es einen Nerv erwischt. Aber zum Glück ging es bald wieder.»

Philipp Wüst ist eben ein «Warrior» («Krieger»). So nennen die Nordamerikaner respektvoll die zähen Kämpfer, die nie aufgeben und immer wieder aufstehen. Er ist typisch für so viele Spieler in NLB-Spitzenteams. Eigentlich zu gut für die NLB, aber doch nicht gut genug für einen Stammplatz in der NLA. Es sind mental robuste, zähe, oft erstaunlich talentierte Kämpfer, die in einzelnen Spielen (beispielsweise in einer Liga-Qualifikation) auch gegen ein NLA-Team bestehen können. Oder ehemalige NLA-Haudegen im Spätherbst ihrer Karriere.

Die späte Wende

Im Schlussdrittel kehren die Oltner ins Spiel zurück. Sie hatten sich im zweiten Drittel unter dem Druck der kräftigeren Langenthaler gebogen. Es hatte geächzt und geknarrt im Mannschaftsgefüge. Sie waren 0:2 in Rückstand geraten. Aber sie waren nicht gebrochen und sie hatten die Geduld nicht verloren. Dabei hatte Sportchef Jakob Kölliker bereits in der ersten Pause im Trainerbüro interveniert und Umstellungen der Linien verlangt.

L'entraineur du SCL Langnau Jakob Koelliker donne des conseils a ses joueurs lors du 4eme match de la serie de la finale de promotion relegation de National League B, LNB, et National League A, LNA, du championnat suisse de hockey sur glace, entre le Lausanne HC, LHC, et le SCL Tigers ce jeudi, 11 avril 2013, a la patinoire de Malley a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Olten-Sportchef Jakob Kölliker.
Bild: KEYSTONE

Cheftrainer Heikki Leime ist cool geblieben und hat sich nicht zu Änderungen provozieren lassen. Er ahnt: Es braucht bei einem so ausgeglichenen Spiel nur ein Tor um die Energien freizusetzen, die sein Team zur Wende braucht. Immer wieder hat es Olten diese Saison geschafft, im Schlussdrittel doch noch einen Weg zum Sieg zu finden. Warum nicht auch jetzt?

Und tatsächlich gelingt die Wende. Stefan Hürlimann hat zum 1:2 verkürzt (43.) und jetzt wankt Langenthal, das doch so lange Zeit wie der sichere Sieger ausgesehen hat. Es ist eben bei einem so unberechenbaren Spiel auf einer rutschigen Unterlage nicht möglich, einen Vorsprung zu verwalten und ein Spiel zu kontrollieren.

Das Telegramm des Spitzenspiels
screenshot: sihf.ch

Ausgerechnet dem ersten Block der Langenthaler um den Titanen Brent Kelly passiert in der 52. Minute ein fatales Missgeschick, das alle vorangegangenen Anstrengungen zunichte machen wird. Die beiden ersten Blöcke sind nach einem langen Einsatz daran, fliegend zu wechseln. Die Langenthaler sind ein bisschen schneller. Auch Philipp Wüst will wechseln, aber dann sieht er im letzten Augenblick, dass Marco Truttmann in Scheibenbesitz kommt. «Er hat mich gesehen und da war für mich klar, dass ich mich noch nicht auswechseln lasse und noch einmal alle Energie zu einer letzten Anstrengung mobilisiere. Wenn er die Scheibe hat, dann weisst Du, dass es funktioniert. Ich bin losgefahren, habe den Puck bekommen und dann habe ich einfach alle Kraft in den Schuss gelegt.»

Die Breite an der Spitze

Philipp Wüst ist losgestürmt und ein paar Schritte nach der blauen Linie hat er die Scheibe in einer blitzschnellen Entladung all seiner Energie mit unheimlicher Wucht hoch ins Netz geschossen. Selbst in der NLA ist ein so herzhafter Abschluss selten zu sehen. Der starke Marco Mathis ist machtlos und hätte er die Fanghand irgendwie in die Schussbahn gehalten, hätte er womöglich einen Fingerbruch riskiert. Ja, das war Wüsts Geschoss.

29.03.2015; Olten; Eishockey NLB Playoff Final - EHC Olten - SCL Tigers; Deny Baertschi (R, Langnau) gegen Philipp Wuest (Sandro Stutz/freshfocus)

Philipp Wüst (links) im Frühling gegen die SCL Tigers.
Bild: Sandro Stutz/freshfocus

Dieser Ausgleich ist der Anfang vom Ende für die Langenthaler, die in dieser Saison die beiden ersten Derbys gewonnen haben. Nun bläht ein Sturmwind der Emotionen die Segel der Oltner und ihre Beine und Armen werden leichter. Der Sieg in der Verlängerung (nach 62:52 Minuten) durch einen wuchtigen Schuss des aufgerückten Verteidigers Fabian Ganz ist die logische und verdiente Krönung eines wundersamen Comebacks in einem grossen, dramatischen Spiel.

Die aktuelle Tabelle der NLB.

Die NLB-Spitze ist breit. La Chaux-de-Fonds, die Lakers, Olten und Langenthal stehen praktisch auf Augenhöhe. Die besten Teams werden regelmässig gefordert und haben eine bemerkenswerte Spielkultur entwickelt. Sie sind exzellent gecoacht, mental robust, geraten nach Rückständen nicht aus dem Konzept und haben das Selbstvertrauen und die Geduld, die Siegerteams auszeichnen.

Die Zeiten mögen noch ändern. Aber vieles spricht dafür, dass Biel oder die SCL Tigers ihren Platz in der NLA gegen den NLB-Sieger verteidigen müssen. Es wird für Biel oder Langnau (oder wen es auch immer erwischen mag) im Frühjahr 2016 schwerer als es alle erwarten. In den letzten drei Jahren hat es den NLA-Letzten (SCL Tigers, Lakers) zweimal erwischt.

Alle NLA-Absteiger seit Einführung der Zwölfer-Liga

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • peter23 14.12.2015 21:03
    Highlight Danke Eismeister! Ja, kn der NLB wird gutes Hockey gespielt, aber SRF wird auch weiterhin lieber stundenlang über Tom Lüthi und Simon Ammann berichten, wie diese der Konkurrenz weit hinterher tuckern bzw. hüpfen.
    Allez HCC!
    35 4 Melden
    • RoJo 16.12.2015 05:58
      Highlight Da wird auf ganz hohem Niveau gejammert, Peter! Eishockey und Fussball sind hinsichtlich Fernseh-Präsenz verwöhnt! Da wird jedes Freundschaftspiel und jedes Grümpel-Turnier live übertragen! Im Motocross gehören Jeremy Seewer und Valentin Guillod zur absoluten Weltspitze! Wenn sie Glück haben, erhalten sie pro Saison einen 3-4 minütigen Bericht als Randnotiz! Andern Sportarten ergeht es ebenso! Von was sprachen wir eben?! Ach ja, von NLB-Eishockey!......
      2 7 Melden
  • Nothingtodisplay 14.12.2015 18:51
    Highlight Merci Klaus für diesen Bericht aus der NLB!
    38 2 Melden
  • Grego 14.12.2015 17:19
    Highlight Äh, den mittleren Abschnitt haben Sie aber schön vom Oltner Tagblatt abgeschrieben, Herr Zaugg. Oder haben Sie den Artikel im OT verfasst? Hervorzuheben, dass Sie den Text von einem anderen Journalisten übernommen haben wäre nicht nur höflich sondern ich hätte mir auch gerade 2 Minuten sparen können.
    5 63 Melden
    • samy4me 14.12.2015 17:33
      Highlight Ja, Zaug hat den Bericht im OT verfasst. In den zwei Minuten als Du den Kommentar verfasst hast, hättest Du auch selber rasch auf der HP der Zeitung nachschauen können.
      67 3 Melden
  • sevenmills 14.12.2015 15:59
    Highlight Dieses Jahr gehört Visp (Meister 2011 und 2014) ausnahmsweise mal nicht zu dieser erweiterten Spitze, aber falls das neue Stadion kommt wird neben den genannten Teams in den nächsten Jahren wohl auch mit Visp zu rechnen sein.
    26 8 Melden
    • super_silv 15.12.2015 09:39
      Highlight Neue Stadien bedeuten oft zu Beginn eine sportliche Krise, da es eine grosse Umstellung ist
      7 0 Melden
    • sevenmills 15.12.2015 11:52
      Highlight Ja schon.. Kann sein, muss nicht... Im Falle von Olten ging es ja in die richtige Richtung. Und bei Visp soll das neue Stadion auch ein Anfang eines Prozesses sein, der mittelfristig in der NLA gipfeln/enden könnte/sollte (gemäss offizieller Zielsetzung). Wenn der Neubau denn zustande kommt.. bei den momentanen Leistungen ist das imho aber noch nicht so sicher.
      Und schlimmer als in der Litterna kann es ja nicht werden ;)
      5 1 Melden
    • super_silv 15.12.2015 23:14
      Highlight Wenn Ihr erst mal das neue Stadion habt, wisst Ihr was ihr an der jetzigen Halle hatted. Ich finde nach dem Abstieg etwas vom Besten im B sind die eher älteren Stadien (: entlich ist es wieder ein rictiges Hockeyspiel und kein Event.
      Langfristig macht es natürlich schon sinn, ein neues Stadion zu bauen(:
      5 0 Melden
  • geistfrei 14.12.2015 15:19
    Highlight es ist definitiv so, dass die nlb unterschätzt wird. wer sich als junger spieler in dieser extrem kämpferischen liga durchsetzen kann, hat sicher nla-potential. ich denke da an den beim scb nicht mehin erwünschten schmutz, mit 21 jahren 4.-bester skorer der nlb. oder auch kuonen von rappi. nach 3-4 jahren nlb wird es aber sehr schwierig, den schritt zu machen (siehe bspw. loichat). die liga-quali wird sicher eine enge sache!
    40 2 Melden
    • Schoschag 14.12.2015 20:01
      Highlight Was heisst mehin?
      2 5 Melden
  • BillieJoe 14.12.2015 15:11
    Highlight Es mag sein, dass diverse Mannschaften sportlich dazu in der Lage wären, in die NLA aufzusteigen. Aber wirtschaftlich macht es weder für La Chaux-de-fonds noch für Langenthal Sinn aufzusteigen. Deshalb besteht nur eine reelle Gefahr für Langnau oder Biel, wenn Olten oder Rappi B-Meister werden. Schaun' mer mal!
    64 3 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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