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Viel zu Jubeln gab es für Brunner im Devils-Trikot bis heuer nicht. Bild: AP/FR51951 AP

Auf die Waiver-Liste gesetzt

Warum Damien Brunner in die Rolle eines Sündenbockes geraten ist

Damien Brunner (28) soll in New Jersey aus dem «goldenen Käfig» befreit werden. Wie ein Schweizer in Bestform in der NHL versauerte.

05.12.14, 21:21 06.12.14, 14:30

klaus zaugg, toronto

Das letzte Spiel am letzten Donnerstag erzählt die ganze Saison. New Jersey gewinnt 5:3. Damien Brunner bucht im Powerplay den Assist zum 1:0. Er ist im ersten Drittel einer der auffälligsten Stürmer und spielt zwei weitere Chancen heraus. Am Ende hat er trotzdem nur 11:01 Minuten Eiszeit. Obwohl er in Bestform ist.

Aber dieser kreative Stürmer ist in einer der offensiv schwächsten NHL-Mannschaften nur ein Hinterbänkler und der ideale Sündenbock. Eine Szene beendet praktisch sein Spiel. Im Powerplay hat er freien Raum gefunden. Aber der Pass des Verteidigers kommt zu spät und das Spiel läuft in die Gegenrichtung und Toronto gleicht in Unterzahl zum 2:2 aus (32. Min.). Von da weg bekommt Damien Brunner gerade noch einen einzigen Einsatz. «Ich wusste, dass es so kommen wird» sagt er hinterher. «Jemand musste für diesen Gegentreffer als Sündenbock herhalten.»

Gerät die Karriere von Brunner ins Straucheln? Bild: GETTY IMAGES NORTH AMERICA

Brunner bleibt optimistisch

So bleibt dem Betrachter aus der Schweiz auf der Tribüne nur ein bisschen Wehmut: Ach was könnte Damien Brunner wohl bewegen, wenn er seine Kreativität und seine Schlauheit und seine Schnelligkeit ausleben dürfte. Aber im eher statischen Spiel der Devils ist er als Stürmer, der aus der Bewegung heraus Chancen kreiert, verloren. Er verschwendet sozusagen sein Talent. 

Brunner meint: «Darüber mache ich mir keine Gedanken. Es ist für mich zwar nicht ganz einfach, trotz allem positiv zu bleiben. Zumal ich hier keine Kumpels habe und meinen Frust nicht mal rauslassen kann wie daheim. Aber es hilft nichts, wenn ich mit dem Schicksal hadere. Es ist wie es ist und es bleibt mir gar nichts anderes übrig, als bereit zu sein, wenn ich meine Chance bekomme.»

Nur neun NHL-Teams sind offensiv noch schwächer als New Jersey. Ein Team, das extrem auf Defensivtaktik setzt. Trainer Peter DeBoer gewährt seinen Spielern und ganz besonders den Flügelstürmern wenig taktischen Auslauf. Brunner sitzt im taktischen Käfig. Es ist allerdings ein goldener Käfig. Immerhin verdient er diese Saison 2,5 Millionen Dollar und nach Abzug der Steuern bleiben ihm mehr als eine Million auf dem Konto. 

Chef Peter DeBoer steht nicht auf den Schweizer. Bild: AP/FR51951 AP

Im Gegensatz zu anderen Schweizern, die schon in Nordamerika versauert sind (wie zuletzt etwa Andres Ambühl), verdient er wenigstens gutes Geld. Das gibt ihm eine erstaunliche Gelassenheit. «Ich habe im Sommer so gut trainiert wie noch nie und habe mich weiter verbessert. 

«Ich kann meine Qualitäten nur ausspielen, wenn ich Freiheiten und Vertrauen bekomme.»

Damien Brunner

«Einer der fünf sechs besten Stürmer »

Er bekommt beides nicht. Obwohl er ganz offensichtlich in bester Form ist und in Detroit seine NHL-Tauglichkeit längst unter Beweis gestellt hat (58 Spiele/35 Punkte). «Ich bekomme regelmässig positive Rückmeldungen über meine Leistungen und der General Manager hat mir versichert, er sei zufrieden. Im Trainingslager ist mir versichert worden, ich sei einer der fünf sechs besten Stürmer. Dann habe ich trotzdem nicht gespielt. Ohne Angabe von Gründen. So ist das hier. Es gibt offenbar Spieler, die sind aufgrund ihres Vertrages wichtiger als ich.» Warum greift der General Manager nicht ein? «Weil der Trainer die Aufstellung macht.»

Damien Brunner sagt, er habe in seiner Karriere bereits einmal eine ähnliche Situation erlebt. «Als mir Anders Eldebrink in Kloten sagte, ich tauge nicht für die NLA und mich in den Thurgau schickte.» Dann hat ein Transfer nach Zug die Türe zu einer grossen Karriere geöffnet. Drei Jahre später war Damien Brunner in Zug NLA-Topskorer. 

In Kloten eine Bruchlandung und beim EVZ zum Höhenflug angesetzt. Bild: PHOTOPRESS

Und so wie ihm Kloten keine Chance gab so ist es nun in New Jersey. Die gleiche Geschichte nur jetzt in der wichtigsten Liga der Welt auf höchstem Niveau. Doch die Erlösung naht. New Jersey hat Damien Brunner auf die Waiver-Liste gesetzt.

Das bedeutet dass die Teams 24 Stunden Zeit haben, Damien Brunner ohne Kompensation (also ohne Gegenleistung an New Jersey) zu übernehmen. Interessieren sich zwei Klubs, bekommt der schlechter klassierte den Zuschlag. Interessiert sich niemand, darf New Jersey Brunner ins Farmteam schicken. Der Schritt überrascht Damien Brunner nicht. «Damit habe ich seit Saisonbeginn gerechnet.» Die Frist läuft am Samstag 12.00 Uhr New Yorker Zeit ab – bis am Samstagmittag 12.00 Uhr weiss Damien Brunner also, wie seine Zukunft aussehen wird.

Ein Transfer kann seiner Karriere neuen Schub geben. Wie bei Nino Niederreiter den die Islanders eine ganze Saison ins Farmteam steckten. Jetzt ist er bei Minnesota ein Star.  

Nino Niederreiter hat den Turnaround geschafft. Bild: X02835

Zukunft in der Schweiz?

Im Frühjahr läuft Damien Brunners NHL-Vertrag so oder so aus und bereits im Dezember kann die Frage nicht ausbleiben: Und wie weiter? «Daran denke ich gar nicht. Ich konzentriere mich hundertprozentig auf die Gegenwart.» Ein neues Team kann für ihn eine neue Chance sein und eine Fortsetzung der NHL-Karriere ist durchaus möglich.  

Damien Brunner kann sich diese Sorglosigkeit leisten. Wenn es keinen neuen NHL-Vertrag gibt, bleibt die Option KHL und auf jeden Fall werden für ihn im nächsten Sommer in der NLA die Tresore geöffnet. 

Hat er schon Kontakte mit Sportchefs gehabt? «Nein» sagt er. Weil er es als Profi so sagen muss. Doch dann muss er lachen. «Telefoniert hat noch kein Sportchef. Aber ein paar interessante SMS habe ich schon erhalten. Auch von einem Trainer.» Weiter will er nicht ins Detail gehen. 

Patrick Fischer würde Brunner mit Handkuss nehmen. Bild: Patrick Straub/freshfocus

Aber es ist klar, wer alles daran setzen und den Tresor sperrangelweit öffnen wird, um Damien Brunner nächste Saison im Team zu haben und wer ihm die interessantesten SMS-Botschaften schickt: sein Kumpel Patrick Fischer. Trainer beim HC Lugano.  



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    Alle Leser-Kommentare
  • Nosgar 08.12.2014 12:07
    Highlight Scheinbar hat Brunner in der NHL doch nicht das hohe Ansehen und die NHL-Generäle (um's in Zaugg'sche Manier auszusprechen) halten ihn nicht für einen Topstürmer. Ansonsten wäre es nicht zu erkläre, weshalb ihn sich niemand von der Waiver List geschnappt hat.
    3 1 Melden
  • Nosgar 06.12.2014 10:13
    Highlight 9 Teams sind offensiv schwächer als NJ. Die Wahrscheinlichkeit, dass er bei so einem landet, ist gross. Wenn denn Klaus Zaugg recht hat mit seinen Aussagen und Brunner wirklich so stark ist. Aber Brunner ist komplett selber schuld, schliesslich wollte er aus Detroit weg. Nun versauert er halt evtl. in Albany.
    13 4 Melden
  • Goon 06.12.2014 05:31
    Highlight Na selber schuld lieber Damien. Wärst halt besser in Detroit geblieben. Mach einer verkürzten Saison schon meinen, man sei der Überheld kommt meistens schlecht....
    16 7 Melden
  • franklyn 05.12.2014 23:18
    Highlight ich hoffe auf eine lösung in der NHL für damian brunner. er soll noch ein mal sein talent beweisen können bevor wir (die Schweizer Medien) ihn zerfleischen. aus meiner sicht ist er auch nicht gerade ein sympathieträger aber er hat eine weitere chance verdient. mal sehen, morgen wissen wir mehr. ich tippe auf ein team wie Buffalo, Colorado oder vielleicht die Sharks. ich bin auf jeden fall gespannt.
    5 2 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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