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Zuerichs Cheftrainer Serge Aubin reagiert im Eishockeyspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem SC Bern am Freitag, 21. September 2018, im Zuercher Hallenstadion. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Serge Aubin kann beim ZSC trotz ausbleibender Resultate in Ruhe arbeiten. Bild: KEYSTONE

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Aktive Erholung im Herbst – warum ZSC-Trainer Aubin noch nicht um seinen Job fürchten muss

Die ZSC Lions sind in dieser Saison noch schlechter gestartet als im vergangenen Jahr. Trotzdem hat der aktuelle Coach Serge Aubin Vorteile, die seine Vorgänger nicht hatten.



Erfahrung macht klug. ZSC-Sportchef Sven Leuenberger wehrt sich immer wieder mit Nachdruck gegen die Einschätzung, seine Mannschaft sei die talentierteste der Liga und man dürfe Dominanz und Platz 1 erwarten.

Er gibt jeweils zu bedenken, dass Talent allein keine Meistermannschaft mache. Allein die Definition des Begriffes «Talent» gibt ihm recht. Talent steht für Begabung, unabhängig davon, ob sie sich bereits durch besondere Leistung manifestiert hat.

Lions Head Coach Serge Aubin, links, und Sportchef Sven Leuenberger, rechts, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und den ZSC Lions am Dienstag, 30.Oktober 2018 in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Sportchef Leuenberger diskutiert mit Trainer Aubin auf der ZSC-Bank. Bild: KEYSTONE

Tatsächlich hat sich das immense Talent der ZSC Lions mit 16 helvetischen Nationalspielern im Herbst 2018 noch nicht in besonderen Leistungen manifestiert. Inzwischen haben die Zürcher schon dreimal gegen die SCL Tigers verloren. Im Cup (3:5) und nun am Dienstagabend bereits zum zweiten Mal in der Meisterschaft 1:4. Gemessen am eingesetzten Geld und am Talent sind drei Niederlagen gegen die Emmentaler eigentlich ein unhaltbarer Zustand.

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Die Tore bei der dritten ZSC-Niederlage gegen die Tigers. Video: YouTube/MySports

Es gäbe Grund zur Polemik

Noch bleibt Polemik um die Position des Trainers aus. Dabei gäbe es durchaus Grund für ein bisschen Aufregung. Die ZSC Lions stehen mit einer noch talentierteren Mannschaft nach 14 Runden weniger gut da als vor einem Jahr unter dem gescheiterten Hans Wallson. Um den Verdacht billiger Polemik zu entkräften, hier ein Blick auf die Zahlen:

ZSC Lions Stuermer Denis Hollenstein waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen den SC Rapperswil-Jona Lakers und den ZSC Lions am Samstag, 22. September 2018, in Rapperswil. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Trotz hochkarätigen Zuzügen läuft es dem ZSC noch nicht wunschgemäss. Bild: KEYSTONE

Der neue Trainer Serge Aubin hat zwei Vorteile: Erstens hat er, anders als sein gefeuerter Vorgänger Hans Wallson, die Kabine noch nicht verloren. Diesen Ausdruck verwenden die Nordamerikaner dann, wenn der Trainer seine Spieler nicht mehr erreicht. Sein schwedischer Vorgänger scheiterte ja nicht nur an den Resultaten. Er hätte auch eine neue sportliche Philosophie durchsetzen sollen.

Wie sich rückblickend zeigt: ein gut gemeinter Unsinn, geboren in einer Zeit, als es den Zürchern mit zwei Titeln und einem Final in vier Jahren viel zu gut ging. Der schwedische Hockeygelehrte, der alles besser wusste, verlor beim Versuch, den Unwissenden das Hockey-Evangelium zu bringen, zu viel Energie und Akzeptanz.

Kein Grund zur Sorge

Unter Sportchef Sven Leuenberger ist ein gesunder Pragmatismus zurückgekehrt: es geht nur darum, erfolgreich zu sein. Und nicht mehr um eine neue «Hockey-Heilslehre». Und zweitens hat Serge Aubin den Vorteil, dass die Zürcher aus Erfahrung wissen, dass ein mässiger Herbst noch lange kein Grund zur Sorge ist. Die ZSC Lions haben 2012 und 2018 den Titel vom 7. Platz aus erobert. 2012 war nicht einmal eine Trainerentlassung notwendig.

Keine andere Mannschaft ist so schwierig zu coachen wie ein Titan, der nicht darauf angewiesen ist, das Publikum im Herbst zu unterhalten, weil ein Mäzen am Ende des Tages das Defizit bezahlt. Die Stars wissen, dass es reicht, im Frühjahr parat zu sein. Der Herbst ist eine Zeit des Warmlaufens und der aktiven Erholung.

Diese Haltung hat in Lugano und in Zürich schon so manchen Trainer zur Verzweiflung und um den Job gebracht. Die ZSC Lions stecken jetzt nur deshalb nicht in einer echten Krise, weil vermeintlichen «Hinterbänkler» wie Raphael Prassl (20), Marco Miranda (20) oder Jérome Bachofner (22) Energie ins Team tragen.

Zuerichs Topscorer Jerome Bachofner beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen den SC Bern und dem ZSC Lions, am Freitag, 19. Oktober 2018, in der Postfinance Arena in Bern. (PPR/Anthony Anex)

ZSC-«Blitz-Topskorer» Bachofner darf sich am Deutschland-Cup auch in der Nati beweisen. Bild: PPR

Bachofner ist mit bloss 12:41 Minuten Eiszeit pro Spiel ein «Blitz-Topskorer». Jeder der elf anderen Team-Topskorer der Liga hat mehr Eiszeit. Andrew Ebbett beim SCB sogar 19:57 Minuten. Bachofner und Miranda sind nun von Nationaltrainer Patrick Fischer mit ihren ersten Aufgeboten zu Länderspielen belohnt worden.

Erfahrung macht klug. Deshalb lassen die ZSC Lions ihren Trainer Serge Aubin noch in verhältnismässiger Ruhe arbeiten. Aber diese Klugheit aus Erfahrung sollte den Kanadier auch beunruhigen. Er ist noch weit davon entfernt, eine Autorität wie einst Bob Hartley oder Marc Crawford zu sein. Seine Chefs wissen um die wundersame Wirkung einer Trainerentlassung zum richtigen Zeitpunkt.

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