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Tigers Yannick Blaser, und Torschuetze zum 2:1 Topscorer Eero Elo rechts, jubeln, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem HC Fribourg-Gotteron, am Freitag, 26. Januar 2018, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Tigers Yannick Blaser und Topscorer Eero Elo jubeln beim Spiel gegen den HC Fribourg-Gottéron. Bild: KEYSTONE

Langnaus grösster Sieg und die Angst vor dem Einsturz eines Kartenhauses

Die SCL Tigers feiern gegen Gottéron (2:1) den grössten Sieg der «Ära Ehlers». Verlängert Heinz Ehlers am nächsten Mittwoch oder fällt das ganze Transfer-Kartenhaus von Sportchef Jörg Reber in sich zusammen?

27.01.18, 07:13 27.01.18, 08:52


Die SCL Tigers haben ihren Zuschauern wieder einmal einen ganz besonderen Abend beschert, den niemand so schnell vergessen wird.

Von 19.45 Uhr bis nach 21.30 Uhr, fast zwei Stunden lang bangen und hoffen und zittern und leiden die aus nah und fern herbeigeeilten Männer, Frauen, Buben und Mädchen im ausverkauften Hockeytempel. Es ist zum Verzweifeln. Gottérons cooler Riese Barry Brust kontrolliert das Terrain um sein Tor herum wie ein guter Fussball-Goalie den Strafraum. Seine tapferen Vordermänner kontrollieren, blockieren das Spiel. Es ist alles wie italienischer Fussball. Aber ohne Schwalben.

Dann löst sich die ganze Spannung innert 146 Sekunden in stürmisch bejubelte Glückseligkeit auf. Nach 56:09 Minuten trifft Captain Pascal Berger zum 1:1. Nach 58:35 Minuten Eero Elo zum 2:1. Dieser Siegestreffer ist ein «Jahrzehnt-Tor». Der Finne wuchtet den Puck mit einem Direktschuss in die hohe Ecke.

Tigers Yannick Blaser, und Torschuetze zum 2:1 und Topscorer Eero Elo rechts, jubeln, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem HC Fribourg-Gotteron, am Freitag, 26. Januar 2018, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Eero Elo, Torschütze zum 2:1, zusammen mit Yannick Blaser. Bild: KEYSTONE

Im 89. Spiel unter Heinz Ehlers der grösste Sieg. Diese Einschätzung stammt nicht etwa von einem euphorisierten Chronisten. Es ist die Einschätzung des grössten Realisten und Untertreibers unseres Hockeys. Die Einschätzung von Heinz Ehlers. Er sagt: «Es ist der grösste Sieg, seit ich hier bin. Ich bin sehr, sehr stolz auf meine Spieler. Bis jetzt haben wir solche Spiele, die wir unbedingt gewinnen mussten, um dranzubleiben, immer verloren.»

Wo er recht hat, da hat er recht. Es ist in der Tat ein grosser Sieg. Die Hoffnung auf die Playoffs lebt weiter. Im Falle auch nur eines Punktverlustes wäre diese Hoffnung auf ein Minimum geschrumpft. Und für Gottéron ist es die Niederlage, welche die Playoffs kosten kann.

Auf der Tribüne wird gelästert

Ach, welch ein grosser Hockey-Abend. Was war das während fast zwei Stunden ein Schmähen und Kritisieren und Besserwissen nicht nur auf der Chronisten-Tribüne. Wie konnte Heinz Ehlers nur auf Cam Barker verzichten! Logisch, dass die Mannschaft im Powerplay kläglich versagt. Ohne den kanadischen Verteidiger fehlt ein Organisator des Powerplays und ein Scharfschütze von der blauen Linie. Und Cam Barker hat der Trainer ausgerechnet mit Eric Himmelfarb (35) ersetzt. Es sieht doch jeder, dass der kanadische Center überfordert ist. Er hat ja in Langnau nur einen Vertrag, weil die Hoffnung auf einen Schweizer Pass besteht. Aber er hätte wohl auch als Schweizer keinen Stammplatz. So und ähnlich wird auf der Chronisten-Tribüne gelästert.

Tigers Head Coach Heinz Ehlers gestikuliert waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem HC Fribourg-Gotteron, am Freitag, 26. Januar 2018, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Nur Heinz Ehlers ist dazu in der Lage, mit diesen Spielern ein Maximum herauszuholen. Bild: KEYSTONE

Aber Heinz Ehlers hat bei der Mannschaftsaufstellung nicht einfach gewürfelt. Bei ihm hat alles, was er entscheidet, Hand und Fuss, Sinn und Zweck. Er sagt: «Nach der Sperre von Barker haben unsere Schweizer Verteidiger so aufopfernd gekämpft, dass sie eine weitere Chance verdient haben. Zumal jetzt Blaser wieder zur Verfügung stand. Mit Erkinjuntti fehlt uns der kreativste Stürmer (der Topskorer ist verletzt – die Red.) und deshalb habe ich Himmelfarb eingesetzt. Er brachte genau das, was ich mir von ihm erhofft habe. Er hat den Ausgleich vorbereitet und war auch am Siegestreffer beteiligt. Es war sein bisher bestes Spiel.»

Wieder einmal hat der grosse Taktiker Heinz Ehlers triumphiert. Und Sportchef Jörg Rebers Problem wird immer grösser: Diese Mannschaft ist «geheinzt». Will heissen: Nur Heinz Ehlers ist dazu in der Lage, mit diesen Spielern ein Maximum herauszuholen.

Die Antwort auf Kari Jalonen

Jörg Reber hat in den letzten zwölf Monaten ausschliesslich Spieler transferiert, die ins taktische Konzept seines Trainers passen – und zu Langnaus Budget. Während die Konkurrenten meistens in den Transfer-Boutiquen eingekauft haben, hat Jörg Reber die Transfer-Brockenstuben durchstöbert und Spieler gefunden oder hat mit Spielern verlängert, für die eigentlich niemand so recht Interesse hatte. In keinem Fall ist der Preis durch eine Konkurrenzofferte in die Höhe getrieben worden. Das gilt auch für die Neuen, die für die nächste Saison kommen (Glauser, Leeger, Diem). Die SCL Tigers haben die kostengünstigste Mannschaft der Liga.

Heinz Ehlers hat aus diesen «Desperados», verkannten Talenten und «Defensivsoldaten» eine konkurrenzfähige Mannschaft geschmiedet. Kein anderer Trainer der Liga holt aus so wenig Talent so viel heraus.

Joerg Reber, Sportchef  SCL Tigers, waehrend der Vorsaison-Pressekonferenz, am Sonntag, 6. September 2015, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Geht der Trainer, dann fällt Jörg Rebers Transferkartenhaus in sich zusammen. Bild: KEYSTONE

Im Grunde ist Heinz Ehlers Langnaus Antwort auf Kari Jalonen. Er lehrt eine verblüffend ähnliche Hockey-Philosophie wie der SCB-Erfolgstrainer. Aber Kari Jalonen setzt diese Hockeylehre mit ungleich talentierterem und teurerem Personal durchschlagend erfolgreich um. Der SCB gibt für die Mannschaft und den Trainerstab rund doppelt so viel Geld aus wie Langnau. Mit Heinz Ehlers würde der SCB ziemlich genau gleich spielen wie jetzt mit Kari Jalonen.

Und damit kommen wir schliesslich und endlich zum grossen Problem von Jörg Reber: Wenn er Heinz Ehlers verliert, dann kann er ihn nicht ersetzen. Denn er hat eine Mannschaft zusammengestellt, die nur Heinz Ehlers zum Erfolg führen kann.

Geht der Trainer, dann fällt Jörg Rebers Transferkartenhaus in sich zusammen – und es droht im Frühjahr 2019 der Abstieg.

«Bis zum 31. Januar werde ich Klarheit schaffen.»

Heinz Ehlers

Die Ausgangslage scheint einfach zu sein. Schaffen die Langnauer die Playoffs, dann wird der Vertrag mit dem Trainer automatisch um ein Jahr verlängert. Was aber gar nichts heissen will. Heinz Ehlers fragt rhetorisch: «Was ist mit einem Trainer, der den Wunsch hat, zu gehen?» Richtig: Er darf gehen. Reisende soll man nicht aufhalten.

Heinz Ehlers sagt, er werde nächste Woche entscheiden, ob er bleiben oder gehen wird. «Bis zum 31. Januar werde ich Klarheit schaffen.» Wie diese Entscheidung ausfallen wird, lässt er offen. «Um Geld geht es nicht.» Es gibt auch keine Offerten von einem anderen Schweizer Klub, die ihn interessieren würden. Es geht dem Dänen vielmehr um einen persönlichen Grundsatzentscheid: Will er in den nächsten Jahren in der Schweiz leben und arbeiten?

Jörg Reber sitzt bis dahin wie auf glühend heissen Kohlen. Er sagt: «Ich bin zuversichtlich, dass wir mit Heinz Ehlers verlängern können.»

Die Chancen stehen gut, dass er sich in diesem Falle nicht schon wieder täuscht. Langnaus tüchtiger Sportchef war im Herbst auch zuversichtlich, mit Miro Zryd und Yannick-Lennart Albrecht verlängern zu können.

Beide werden nächste Saison in Zug spielen.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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34Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • BaDWolF 27.01.2018 18:22
    Highlight Auch als Drachenfan muss ich zugeben, Langnau hat die 3 Punkte ehr und redlich verdient, und es macht einfach Spass ihre Freude am Spiel zu sehen.
    20 1 Melden
  • Stogge 27.01.2018 15:17
    Highlight Musste schon lange nicht mehr aufspringen während einem Sportaktuell bis gestern. Unglaublich, dieses Feuer im Emmental.

    Sorry an meine Nachbarn, der Schrei musste raus :-D
    54 11 Melden
  • sste87 27.01.2018 14:53
    Highlight Lieber Hockeygott, bitte lasse die Langnauer in die Playoffs. Danke.
    63 16 Melden
  • egemek 27.01.2018 08:57
    Highlight Nur schon wegen dem Jubel beim Siegestor gestern hoffe ich, dass Langnau die Playoffs schafft. Ich habe ja nur die TV-Zusammenfassung gesehen, aber da war das ganze Stadion inkl Spieler in Ekstase.
    141 26 Melden
    • Mia_san_mia 27.01.2018 09:22
      Highlight Ja klar, wenn man einmal in 100 Jahren die Chance auf die Playoffs hat.
      48 175 Melden
    • keplan 27.01.2018 12:49
      Highlight Gerade als Rappi Fan müsste man da eher schweigen.

      Ist jetzt eigentlich schon klar das Rappi unten bleibt.
      Es mag niemand sehen wie sich diese Team wieder ü50 Spiele auf
      den PlayOut Final vorbereitet
      56 18 Melden
    • Knety 27.01.2018 15:06
      Highlight Don‘t feed the troll!
      16 4 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Mia_san_mia 27.01.2018 08:19
    Highlight Ich verstehe nicht, was in dieser Liga los ist. Die Teams sollen sich endlich mal zusammennehmen, dann können solche Niederlagen gegen Langnau nicht mehr passieren.
    32 168 Melden
    • sidthekid 27.01.2018 09:04
      Highlight Ach du bist doch ein Troll Mia... 😂
      121 21 Melden
    • Mia_san_mia 27.01.2018 09:21
      Highlight Ist man ein Troll, wenn man seine Meinung sagt? Ich habe gedacht, hier kann man das...
      29 115 Melden
    • sidthekid 27.01.2018 09:50
      Highlight Klar kannst du das. Aber das hat ja wenig mit Meinung zu tun, sondern geht eher in die Richtung Bashing. Würde gerne mit dir eine differenzierte Unterhaltung führen, aber da deine Ablehnung gegenüber den Tigers derart verankert ist, würden wir wohl auf keinen grünen Zweig kommen 😉
      111 11 Melden
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