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Tigers Benjamin Neukom, rechts, kaempft um den Puck gegen Berns Topscorer Andrew Ebbett, links, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League zwischen den SCL Tigers und dem SC Bern, am Samstag 14. Oktober 2017, in der Ilfishalle in Langnau. (PPR/Marcel Bieri)

Kaum Strafen: SCB und Langnau sind die weichsten Teams der Liga.  Bild: PPR

Verweichlichtes Berner Hockey – da fehlte nur noch ein Selfie mit Thomas Rüfenacht

Zum ersten Mal in der Geschichte sind die SCL Tigers und der SC Bern die weichsten Teams der Liga. Das ist gut für den Meister. Aber verhängnisvoll für die Langnauer.



Das Derby am Samstag war eines der langweiligsten aller Zeiten. Also seit Langnaus erster NLA-Saison (1961/62). Gross waren die Erwartungen. Und noch grösser ist hinterher die Ernüchterung. Viel zu wenig Emotionen. Keine Provokationen. Keine krachenden Checks. Einmal mehr verspielen die Emmentaler eine Chance auf drei Punkte. Weil sie zu brav, zu diszipliniert, zu weich sind.

Ja, Langnau ist drauf und dran, eine Jahrhundert-Playoffchance zu vergeben. Lausanne, Kloten, Servette und Ambri liegen diese Saison in Reichweite. Die Playoffs sind möglich. Aber nicht mit dieser Einstellung. Unfassbar für einen echten Emmentaler: Die Jungs waren nach diesem kläglichen 0:2 auch noch zufrieden. Fabulierten von einem starken Gegner, der verdient gewonnen habe. Von einem starken Leonardo Genoni. Es fehlte nur noch der Wunsch nach einem Selfie mit SCB-Vorkämpfer Thomas Rüfenacht.

Die Tigers verkommen zu einer billigen SCB-Kopie

Wenn eine Mannschaft unter dem taktischen Hexenmeister und Gleichmacher Heinz Ehlers keine Rebellen in ihren Reihen hat, dann ist das Resultat langweiliges, berechenbares, steriles Laufhockey. Die SCL Tigers laufen Gefahr, ihre Identität, ihr Profil zu verlieren und zu einer billigen SCB-Kopie mit unzulänglichen spielerischen Mitteln zu verkommen.

Unfassbar für einen echten Emmentaler: die Jungs waren nach diesem kläglichen 0:2 auch noch zufrieden. Es fehlte nur noch der Wunsch nach einem Selfie mit SCB-Vorkämpfer Thomas Rüfenacht.

Tigers Head Coach Heinz Ehlers, Mitte, gibt  Federico Lardi, links, und Miro Zryd, rechts, Anweisungen, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem HC Fribourg-Gotteron, am Freitag, 6. Oktober 2017, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Langnaus Trainer Ehler hat keine Rebellen in seinen Reihen. Bild: KEYSTONE

Gewiss: Es würde helfen, wenn die Langnauer auf den Ausländerpositionen charismatische Leitwölfe, Vorkämpfer, emotionale Feuerteufel und Skorer hätten. Antti Erkinjuntti kann nur ansatzweise eine Führungsrolle übernehmen. Deshalb laufen ja halboffizielle und semiherzhafte Bemühungen um eine Rückkehr von Chris DiDomenico, dem Aufstiegshelden und Leitwolf der letzten zwei Jahre.

Doch es geht in der Sache nicht vorwärts. Inzwischen meldet sein Agent, dass Ottawa keine Eile habe, den Kanadier aus dem Vertrag freizugeben. Und Sportchef Jörg Reber betont, im Falle einer Freigabe werde man intern noch einmal prüfen, ob man Chris DiDomenico wirklich wolle.

Oder wäre vielleicht Cory Conacher etwas für die Langnauer? Der charismatische Kanadier der SCB-Meistermannschaft von 2016 darbt, wie Chris DiDomenico, im Farmteam. Auch er ist nicht gut genug für die NHL. Langnaus Verwaltungsrat hat SCB-General Marc Lüthi und seinen Stabschef Rolf Bachmann in der Tradition guter Emmentaler Gastfreundschaft vor dem Derby im Stadion zum Essen eingeladen.

Bei der Gelegenheit erkundigte man sich bei Marc Lüthi, wieviel man wohl dem Cory Conacher bieten müsste. Die Antwort des SCB-Chefs liess selbst die wohlbestallten Mitglieder des Tiger-Verwaltungsrates leer schlucken: mindestens 350'000 Franken netto. Macht fast 700'000 Franken brutto. Potz Heilandtonner! Viel zu teuer!

Die Schweizer sollen spielen wie Männer! 

Ein neuer Ausländer ist sowieso nicht die Lösung des Problems. Es ist an den Männern mit helvetischen Lizenzen, wieder zu spielen wie Männer. Wie Emmentaler. Zurzeit sind die SCL Tigers und der SCB die mit Abstand am wenigsten bestraften Mannschaften der Liga. Wir können es auch deutsch und deutlich sagen: die weichsten Teams im Land. Die weichsten sind die Langnauer mit 94, die zweitweichsten die Stadtberner mit 102 Strafminuten. Zum Vergleich, die Spitze des Bösen: Servette (220 Strafminuten), Lugano (191), Zug (187) und Biel (177).

Nun sind viele Strafminuten kein Qualitätsmerkmal. Disziplinlosigkeit führt ja auch zu vielen Strafen. Aber Talent, das nicht mit ein bisschen Härte gewürzt und geschützt wird, kann sich nicht durchsetzen.

Faire Fans zeigen ihr Gesicht, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League zwischen den SCL Tigers und dem SC Bern, am Samstag 14. Oktober 2017, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Können die SCL-Fans heuer endlich wieder Playoff-Spiele erleben?  Bild: KEYSTONE

Zum Vergleich: Der SCB rumpelte in den meisterlichen Playoffs ganz ordentlich. Im 2016 waren es 186 Strafminuten in 14 Partien und im letzten Frühjahr 274 Minuten in 16 Spielen. Und beim Wiederaufstieg (2014/15) liessen es die Emmentaler ordentlich krachen: 262 Strafminuten in den 15 NLB-Playoffpartien.

Diese neue Weichheit ist Langnaus Verhängnis. Der offensichtliche Mangel an Talent kann nur mit Leidenschaft, Mut, Härte und Disziplin kompensiert werden. Diese neue Weichheit kann Langnau die Playoffs kosten. Der SCB kann sich hingegen gut strukturiertes, weiches Lauf-, Tempo- und Champagner-Hockey leisten. Der Meister hat bei weitem genug Talent, um die Liga mit spielerischen Mitteln zu dominieren. Der SCB ist der statistisch weichste Tabellenführer und Titelverteidiger dieses Jahrhunderts.

Die Verwandlung von Scherwey

Die weiche Welle personifiziert am besten der charismatische Vorkämpfer Tristan Scherwey. Er hat nach 12 Spielen bereits 7 Tore erzielt – letzte Saison waren es nach 46 Qualifikationspartien 5 Treffer. Aber noch bemerkenswerter: Er hat diese Saison noch keine einzige Strafminute abgesessen. Im letzten Frühjahr hatte er alleine in 16 Playoffspielen 37 Strafminuten zusammengerumpelt. SCB-Cheftrainer Kari Jalonen hat also mit Tristan Scherwey einen «Goon» in einen Vollstrecker verwandelt. Er gibt zu bedenken, dass mit «Goon-Hockey» heute sowieso keine Meisterschaft mehr zu gewinnen sei und man bewusst die Abschlussqualitäten von Scherwey fördere.

Tigers Goalie Ivars Punnenovs, links, geschlagen von Berns Tristan Scherwey, rechts, zum 0-1, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League zwischen den SCL Tigers und dem SC Bern, am Samstag 14. Oktober 2017, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

«Weichei» Scherwey hat bislang 7 Tore erzielt – und noch keine Strafe geholt.  Bild: KEYSTONE

Aber die bange Frage sei gestellt: Surft der SCB zu einfach durch die Qualifikation? Können zu viele Siege, vor allem so leichte Siege wie zuletzt in Langnau, auch zum Problem werden? Kann der SCB, wenn es dann hart auf hart geht, rumpeln? Ist der SCB zu weich oder ist es einfach eine Big Stick-Taktik um Kräfte zu sparen?

Big Stick («grosser Knüppel») ist die Bezeichnung für die Aussenpolitik von US-Präsident Theodore Roosevelt, von 1901 bis 1906 US-Präsident. Sein Motto im Umgang mit anderen Ländern lautete angeblich: «Speak softly and carry a big stick; you will go far». («Sprich sanft und trage einen großen Knüppel, dann wirst du weit kommen»). Auf den SCB übertragen: Spiele sanft in der Qualifikation, aber trage einen grossen Knüppel, dann wirst du in den Playoffs weit kommen.

Reis statt Berner Platte

Wie gut, wie «ring» es beim SCB läuft, wie windstill es rund um den Meister zurzeit ist und wie langweilig das Derby war, illustriert eine Episode. Weil das Spiel einfach nichts hergab, machte der angesehene Chronist der «Berner Zeitung» die Olympischen Spiele zum Thema. Und erkundigte sich nach der Partie bei Kari Jalonen, ob es eventuell ein Nachteil sei, dass der SCB womöglich bis zu 16 Spieler an die Olympischen Winterspiele entsenden müsse – für unser Nationalteam und für die deutsche, schwedische, finnische und kanadische Nationalmannschaft.

SC Bern Cheftrainer Kari Jalonen beobachtet seine Spieler im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und den ZSC Lions, am Freitag, 13. Oktober 2017, in der PostFinance Arena in Bern.  (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

SCB-Trainer Kari Jalonen muss während Olympia auf bis zu 16 Spieler verzichten.  Bild: KEYSTONE

Stell Dir vor, es ist Berner Derby und das Thema ist das Olympische Eishockeyturnier im nächsten Jahr im fernen Pyeongchang. Korea statt Gotthelfland. Reis statt Berner Platte beim Derby in Langnau. Aber so kommt es, wenn wir im Bernbiet die weichsten Mannschaften des Landes haben.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Nelson Muntz 15.10.2017 08:49
    Highlight Highlight @KZ: Wiso spielte der Z in Las Vegas Trikots? hätten dies die Farben der Zurich Lions sein sollen, damals? Bitte um Aufklärung. Danke!
    • TheMan 15.10.2017 12:28
      Highlight Highlight Der Z spielte in diesem Trikot aufgrund der Fusiin Z und GCK Lions, das Jubiläum feiert.
  • Tikkanen 15.10.2017 08:16
    Highlight Highlight ...Herrlich, wunderbarer Artikel „Potzheilantonner“ „Selfie mit Rüfi“ „Rek’s Olympia“ wahre Chronistenkunst🤗
    Chlöisu, dä Text geit abä wi nidlä😋
    War gestern in einer Waldhütte beim gemütlichen Fondue, dass Brot im Kirsch tünklet und dazu ein feiner Fendant aus CC‘s Land am Rhonestrand🤗da blieb nur das Teletext App, auch wenn der SCB Sieg ja klar war. Ich vermisse die alten Derbys stark, denke zurück an die herrlichen Zeiten in den 90ern🤔Stäcketöri ging das ab damals wenn wir jeweils im Dörfli das WarmUp🍻 vornahmen und dann in der alten Ilfis dem Derby frönten. Precicious Memories🐯🐻😎
    • Hugo Wottaupott 16.10.2017 03:30
      Highlight Highlight In den 90ern hat man in der Ilfis 1.Liga Hockey bestaunt und mit dem Schätzeli auf den Rängen geschmust und sicher nicht gegen den ArschCB gespielt.

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