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Fans of FC Basel walk across the Kornhausbruecke prior to the Swiss Cup final soccer match between FC Basel and FC Zuerich at the Stade de Suisse Stadium in Bern, Switzerland, Monday, April 21, 2014. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Bild: KEYSTONE

Polemik

Eismeister Zaugg

Warum wir uns für unseren Klubfussball schämen müssen

Also doch: Das Osterwochenende hat uns eindrücklich vor Augen geführt, was wir eigentlich schon lange wissen: Unsere Hockeykultur ist um Welten besser als unsere Fussballkultur. Eine Polemik.



Unsere Hockey- und Fussballsaisons hatten soeben ihre jeweiligen Höhepunkte in der Zeitspanne von drei Tagen. Am Samstag holten die ZSC Lions durch ein 2:1 nach Penaltys in Kloten den Titel. Am Ostermontag gewann der FC Zürich durch ein 2:0 über den FC Basel den Cup.

Welch ein Unterschied! Die gesamte Eishockey-Finalserie zwischen den Lokalrivalen ZSC Lions und Kloten Flyers war ein Hockeyfest. Zelebriert von anständigen Fans und Spielern. In den vier Final-Partien jammerten die Trainer nicht ein einziges Mal über die Schiedsrichter.

ZSC-Trainer Marc Crawford haelt den Pokal, nach ihrem Meisterschaftssieg im vierten Playoff Finalspiel der National League A gegen die Kloten Flyers am Sonntag, 20. April 2014, im Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Trotz der ZSC-Dominanz in der Finalserie gab es keine einzige Schiedsrichterdiskussion. Bild: KEYSTONE

Sind Sie auch der Meinung, dass die Schweizer Hockeykultur um Welten besser ist als diejenige im Fussball?

Unanständige Fans und unanständige Trainer

Der Fussball-Cupfinal war hingegen ein beschämendes Schauspiel mit unanständigen Fans und unanständigen Trainern. Das Jammern über die Schiedsrichter ist ganz einfach lächerlich. Nur sagt im Fussball niemand mehr, wie viele Kaiser bei uns auf allen Ebenen ohne Kleider herumlaufen.

Die moderne Technik ermöglicht es uns, Entscheide der Unparteiischen in Zeitlupe zu studieren. Ich befasse mich zwar journalistisch wenig mit Fussball, habe aber Freunde, die in zentralen Positionen im Fussball-Business tätig sind. Weshalb ich mich sehr für das kurzhosige Sportbusiness interessiere. 

Referee Patrick Graf (R) shows a red card to FC Basel's Giovanni Sio (L) next to Valentin Stocker during their Swiss Cup final soccer match against FC Zurich in the Stade de Suisse stadium in Bern April 21, 2014. REUTERS/Ruben Sprich (SWITZERLAND - Tags: SPORT SOCCER)

Schiedsrichter Graf zeigt Giovanni Sio im Cupfinal die rote Karte. Bild: Keystone

Der ach so umstrittene Entscheid von Schiedsrichter Patrick Graf ist durchaus vertretbar. Die TV-Bilder lassen sich durchaus objektiv auch so interpretieren: Basels Giovanni Sio lässt sich ganz klar fallen. Es ist eine Schwalbe. Kommt dazu, dass er von Zürichs Jorge Teixeira wahrscheinlich ausserhalb des Strafraumes zurückgehalten wird. Die Verwarnung ist berechtigt, der Platzverweis ebenso. Wie gesagt: Die TV-Bilder können (aber müssen nicht) objektiv so gesehen werden.

Das Schiri-Theater ist lächerlich geworden

Auch im Eishockey gibt es gelegentlich Chronisten, die mangels Sachkenntnis gegen die Unparteiischen polemisieren. Aber diese Einfaltspinsel haben keinen Einfluss. Die gesamten Playoffs sind im Eishockey ohne einen spielentscheidenden Schiedsrichter-Fehlentscheid und ohne Schiedsrichter-Polemik über die Bühne gegangen. 

Der Respekt vor den Unparteiischen ist im Eishockey mit ganz wenigen Ausnahmen auf allen Ebenen – bei den Zuschauern, den Medien, den Präsidenten, den Sportchefs, den Trainern und den Spielern – im Quadrat grösser als im Fussball. Dazu trägt auch eine speditiv arbeitende, kompetente und gut funktionierende Liga-Justiz bei, die Missetäter eine Strafe zuführt. Das ist keineswegs selbstverständlich. Eishockey ist als Schauspiel auf und neben dem Spielfeld noch emotionaler als Fussball.

Schiedsrichter Marc Wiegand waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen den Kloten Flyers und den ZSC Lions am Sonntag, 26. Januar 2014, in der Kolping Arena in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Im Eishockey wird den Schiedsrichtern mehr Respekt entgegengebracht. Bild: KEYSTONE

Die Jammerei nützt in Europa nichts

Die Auswirkungen der fehlenden Fussballkultur sind inzwischen nicht mehr zu übersehen. Die Trainer und Spieler haben sich im helvetischen Fussball so an Schiedsrichterkritik gewöhnt, dass es kaum noch jemand zu sagen wagt, wie lächerlich das ganze Theater geworden ist. Mit Folgen: Dass unsere Klubs in Europa – anders als im Eishockey – einfach noch nie auf einen grünen Zweig gekommen sind, hat durchaus mit dieser fehlenden Kultur zu tun. 

In den europäischen Wettbewerben kümmert das Jammern über die Schiedsrichter halt niemanden. Die fehlende Disziplin der Spieler hat zuletzt direkt zum europäischen Scheitern des FC Basel geführt. Und das schäbige Verhalten der FCB-Fans hat die Schande eines Geisterspiels nach sich gezogen – und niemand regt sich mehr richtig darüber auf. Die FCB-Führung hat das Fehlverhalten der eigenen Fans in Salzburg nie öffentlich klar, unmissverständlich und mit aller Konsequenz verurteilt. Gott sei dank wird unsere Fussball-Nationalmannschaft von Spielern getragen, die im Ausland Fussball-Anstand gelernt haben.

The teams in the empty stadium prior to the UEFA Europa League quarter final first leg soccer match between Switzerland's FC Basel 1893 and Spain's Valencia CF behind closed doors at the St. Jakob-Park stadium in Basel, Switzerland, on Thursday, April 3, 2014. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Der FC Basel hat das Fehlverhalten seiner Fans trotz der Schande eines Geisterspiels nie konsequent verurteilt. Bild: KEYSTONE

Nichts tun hilft auch nicht

Es ist letztlich kein Wunder, dass nicht einmal mehr bei einem Cupfinal-Klassiker wie Basel gegen den FCZ das Stadion gefüllt werden kann. Die berechtigte Angst vor dem pöbelnden Fans dürfte manch anständigen Familienvater davon abgehalten haben, am Ostermontag nach Bern zu fahren. Es gibt ohnehin ja kaum mehr ein Schlüsselspiel ohne die Furcht vor Fan-Saubannerzügen. Wir müssen uns wegen gewisser Auswüchse unseres Klubfussballs schämen.

Der Fanmarsch der FCZ-Fans durch die Berner Altstadt, vor dem Cupfinal zwischen dem FC Basel und dem FC Zuerich, am Ostermontag, 21. April 2014 in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Fans of FC Zurich march through the streets of Bern, prior to the Swiss Cup final soccer match between FC Basel and FC Zurich at the Stade de Suisse stadium in Bern, Switzerland, Monday, April 21, 2014. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Die Angst vor Ausschreitungen hält anständige Fans vom Stadionbesuch ab. Bild: KEYSTONE

Ein zentrales Merkmal einer Sportkultur ist der Respekt gegenüber den Schiedsrichtern auf allen Ebenen – und der Anstand der Fans. In diesen Bereichen ist es, wie dieser beschämende Cup-Final wieder einmal gezeigt hat, im Schweizer Klubfussball nicht gut bestellt. Es ist erstaunlich, dass die Klub-, Verbands- und Liga-Führungen gegen diese Missstände nicht energisch einschreiten.

Weder die Klubs noch eine Verbands- oder Liga-Führung können eine heile Fussball-Welt erschaffen. Aber es wäre sehr wohl möglich, die Schiedsrichter viel besser zu schützen, die motzenden Trainer zu bestrafen und das Fehlverhalten der Fans härter zu sanktionieren und unsere Fussball-Kultur zu verbessern.

So, habe fertig. Ende der Polemik.

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38 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Darkside
22.04.2014 15:38registriert April 2014
Ganz ehrlich, ich bin froh gehen diese Affen alle zum Fussball, dann kann man in Ruhe Hockey geniessen.
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38

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