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Eismeister Zaugg

Bevor Harold Kreis in Zug Meister wird, gerät Angela Merkel in einen Sexskandal

Nun ist es mit den neuen Verträgen mit Patrick Fischer und Harold Kreis offiziell bestätigt worden: Lugano und Zug haben ein Trainerproblem.
11.09.2015, 09:0311.09.2015, 09:14

Eine Rating-Agentur würde ab sofort die Titelkandidaten Zug und Lugano von der Maximalwertung AAA auf BBB oder gar CCC herunterstufen. Der Grund: Trainerprobleme.

Wir kommen wir zu diesem Schluss? Nun, Zug und Lugano haben diese Woche noch vor dem ersten Saisonspiel ohne Not vorzeitig die Verträge mit ihren Trainern verlängert. Zug mit Harold Kreis bis 2017, Lugano mit Patrick Fischer gar bis 2018.

Harold Kreis hat in Zug eine Viertelfinalniederlage, eine schwache Saisonvorbereitung und ein frühzeitiges Ausscheiden aus der Champions Hockey League hinter sich. Patrick Fischer hat zweimal hintereinander die Viertelfinals gegen Servette verloren. Eine vorzeitige Entlassung wäre bei Harold Kreis und Patrick Fischer einfacher zu begründen als eine vorzeitige Verlängerung der Zusammenarbeit.

Patrick Fischer wird nach zwei enttäuschenden Viertelfinal-Outs in den Playoffs bei Lugano nicht entlassen – sein Vertrag wird sogar verlängert.<br data-editable="remove">
Patrick Fischer wird nach zwei enttäuschenden Viertelfinal-Outs in den Playoffs bei Lugano nicht entlassen – sein Vertrag wird sogar verlängert.
Bild: Patrick Straub/freshfocus

Die Vertragsverlängerung als Zeichen der Schwäche

Für nominelle Spitzenteams wie Zug oder Lugano sind die kompromisslose Ausrichtung auf Erfolg und die Entwicklung einer Siegermentalität von zentraler Bedeutung. Einem Trainer in Lugano oder Zug den Vertrag vorzeitig zu prolongieren, der im Klub noch keinen Erfolg vorzuweisen hat, ist ist ein Verrat des Leistungsprinzips.

Nur schwache Trainer brauchen bei einem Spitzenteam einen langfristigen Vertrag. Im letzten Herbst war es Hans Kossmann, der kurz nach einer vorzeitigen Verlängerung des Vertrages gefeuert werden musste. Er hatte Gottéron immerhin zum Qualifikationssieg und zum Finale 2013 geführt. Aber er spürte, dass er die Kontrolle verlor und liess sich kurz vor dem Eklat den Vertrag vorzeitig verlängern.

Hans Kossmanns Vertrag bei Fribourg wurde letzten Herbst verlängert. Kurz darauf wurde er entlassen.<br data-editable="remove">
Hans Kossmanns Vertrag bei Fribourg wurde letzten Herbst verlängert. Kurz darauf wurde er entlassen.
Bild: KEYSTONE

Wir können nun sagen, eine vorzeitige Vertragsverlängerung habe Signalwirkung und erleichtere die langfristige Arbeit auf allen Ebenen. Aber wenn der Trainer zur Stärkung seiner Autorität ein Papier braucht, dann hat er längst nicht mehr die natürliche Autorität, um eine Mannschaft zu führen.

Die Frage nach dem Sinn der Vertragsverlängerung

In den letzten Jahren hat es auch sinnvolle vorzeitige Vertragsverlängerung gegeben. Beispielsweise in Biel. Dort steht der Trainer fast so im Zentrum eines Hockeywunders wie Arno Del Curto in Davos. Zum Zeitpunkt der vorzeitigen Verlängerung bis 2018 hatten die Trainer bei allen Titanen (ZSC Lions, Bern, Lugano, Zug, Davos) auslaufende Verträge per Ende Saison 2015/16. Die Gefahr, dass Kevin Schläpfer den Klub verlassen könnte, war erheblich.

Aber niemand denkt daran, Lugano Patrick Fischer oder Zug Harold Kreis abzuwerben. Beide sind vielmehr froh, dass sie bleiben dürfen. Zug hat auf dem Eis eine der aufregendsten und offensiv besten Mannschaften der Liga. Aber an der Bande steht ein konservativer, freundlicher Langeweiler. Bevor Harold Kreis in Zug Meister wird, gerät Angela Merkel in einen Sexskandal. Lugano hat die teuerste Mannschaft seiner Geschichte. Aber an der Bande steht ein Zauberlehrling, der ein enormes Potenzial nach wie vor nicht richtig auszuschöpfen versteht.

Patrick Fischer ist eine charismatische Persönlichkeit. Die milliardenschwere Präsidentin Vicky Mantegazza ist von ihrem Trainer fasziniert. Aber es nützt nichts, wenn die Vorsitzende ihren Trainer für einen Hockeygott hält, die Spieler aber nicht.

Das Selbstvertrauen der grossen Trainer

Grosse Trainer lehnen vorzeitige Vertragsverlängerungen sowieso ab. Weil sie genug Selbstvertrauen haben, um Jahr für Jahr neue und immer bessere Kontrakte auszuhandeln. Bill Gilligan (in vier Jahren drei Titel) verlängerte in Bern als Meistertrainer meistens erst im Mai um ein weiteres Jahr. Arno Del Curto hat nach dem Titel soeben mehrere Wochen gewartet, bis er das Jawort bloss für ein weiteres Jahr gab. Er hätte einen Fünfjahresvertrag haben können.

Wären Patrick Fischer und Harold Kreis grosse Trainer, dann hätte beide die Verlängerungsofferte abgelehnt. Aber nun, da sie neue Verträge ohne entsprechenden Leistungsausweis bekommen haben, ist es sozusagen amtlich: Zug und Lugano haben ein Trainerproblem.

Bild: Daniela Frutiger/freshfocus

Beide Klubs signalisieren mit der vorzeitigen Verlängerung nicht nur Vertrauen. Sondern auch, dass ihre Coaches die Sache nicht mehr im Griff haben und einen Rollator für ihre Autorität brauchen. Beide Klubs gehen reichlich naiv davon aus, dass die Spieler besser parieren, wenn sie wissen, dass die Chefs von höchster Stelle gestützt werden und damit praktisch unentlassbar sind.

Kein Schelm, wer gerade deshalb noch diese Saison auf eine Entlassung von Patrick Fischer und Harold Kreis wettet.

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