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Der Berner Yves Sarault geht nach einem Stockschlag vom Eis mit blutender Nase im NLA Eishockey Meisterschaftsspiel zwischen dem SC Bern und Lausanne am Freitag, 3. Dezember 2004, in Bern. (KEYSTONE/PHOTOPRESS/Yoshiko Kusano)

Yves Sarault konnte nicht nur austeilen sondern auch einstecken. Bild: PHOTOPRESS

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Ein «Krieger» als Bandengeneral – kommen nun die grossen, bösen Welschen?

Der Kanadier Yves Sarault (44) kann bei Lausanne der nächste Chris McSorley werden – zumindest was den Unterhaltungswert betrifft.



Wer ist Lausannes neuer Cheftrainer Yves Sarault? Dazu zwei Episoden und eine Statistik.

Zu den Zahlen: Er verbrachte als Stürmer und Leitwolf während vier von fünf Saisons in der Schweiz (2003 bis 2008) mehr als 100 Strafminuten auf der Strafbank.

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Die Statistik von Sarault in der Schweiz: Spiele, Tore, Assists, Punkte und Strafminuten. statistik: eliteprospects

Zu den Episoden: Er kam 2003 nach Bern und war Vorkämpfer des Meisterteams von 2004. Box-Schweizer-Meister Sascha Müller, damals Titelhalter im Halbschwergewicht der Amateure und Masseur beim SC Bern sagte, mit Yves Sarault möchte er nicht in den Ring steigen.

Der Berner Marc Reichert verlaesst nach einer Pruegelei mit dem Basler Yves Sarault gezeichnet das Eis, im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem SC Bern und dem EHC Basel, am Freitag, 23. November 2007 in Bern. Beide Spieler erhielten eine Matchstrafe. (KEYSTONE/ Peter Schneider)

Marc Reichert nach einem Rencontre mit Yves Sarault 2007. Bild: KEYSTONE

Inzwischen hat Yves Sarault seine Spielerkarriere längst beendet. 2014 ist er als Cheftrainer der Elite-Junioren und als Assistent der ersten Mannschaft nach Lausanne gekommen. Kürzlich erzählte Stéphane Rochette, bis und mit letzter Saison Assistent bei Lausannes Elitejunioren, jetzt TV-Kommentator bei «MySports»: «Wir spielten mit unseren Elitejunioren im Frühjahr 2016 das Halbfinale gegen den SCB. Der Masseur der Berner hat sich bei mir über unsere harte Gangart beklagt. Er habe nach Spielen gegen uns immer so viel Arbeit, weil es so viele blaue Flecken gebe.»

ARCHIVBILD ZUR TRAINERENTLASSUNG BEIM HC LAUSANNE --- L'entraineur assistant du Lausanne Hockey Club, LHC, Yves Sarault pose pour le photographe ce lundi 14 aout 2017 a la patinoire provisoire de Malley a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Yves Sarault wurde in Lausanne vom Assistenten zum Cheftrainer befördert.  Bild: KEYSTONE

Lausannes neuer Bandengeneral war als Spieler das, was die Nordamerikaner «Warrior» nennen – einen «Krieger». Elf Jahre lang hat er die Knochen in der NHL (111 Spiele, 10 Tore) und den Farmteams (533 Spiele, 161 Tore) hingehalten. Nie ein Star. Einfach ein harter Kerl, der jeden Abend alles gegeben und, darauf ist er stolz, nie einen Faustkampf in der NHL verloren hat. Am 7. Februar 2001 nicht einmal gegen Shayne Corson.

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Yves Sarault und Shayne Corson geben sich ordentlich auf die Rübe. Video: YouTube/pjstock20

Stilwechsel mit Stil

Nun ist der «Krieger» in Lausanne vom Assistenten zum Cheftrainer befördert worden. Endlich hat er im grossen helvetischen Hockey-Theater wieder eine Hauptrolle.

Wahrlich, ein weiterer spektakulärer Stilwechsel in Lausanne. Der freundliche Philosoph Gerd Zenhäusern, der nur ausnahmsweise tobte, hat die Mannschaft im Frühjahr 2013 in die NLA zurückgeführt. Er bekam auch als Aufstiegstrainer keinen Vertrag und heute ist er Nachwuchschef bei Gottéron.

ZUM START DER NATIONAL LEAGUE A EISHOCKEY-SAISON 2015/16 AM MITTWOCH, 9. SEPTEMBER 2015, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL DER TRAINER ZUR VERFUEGUNG – L'entraineur fribourgeois Gerd Zenhaeusern lors du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League A, entre le Lausanne Hockey Club, LHC, et HC Fribourg Gotteron, ce vendredi 30 janvier 2015 a la patinoire de Malley a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)..

Gerd Zenhäusern tobte selten, führte Lausanne 2013 aber in die NLA. Bild: KEYSTONE

Dann hat der grosse, grantige Taktiklehrer Heinz Ehlers in Lausanne die taktischen Geleise gelegt und ist darauf in drei Jahren zweimal in die Playoffs gerollt und im Viertelfinale erst im 7. Spiel gescheitert. Auf diesem Schienenstrang brauste der charismatische Rechtsanwalt Dan Ratushny letzte Saison mit kreativem Champagner-Hockey in die Spitzengruppe der Liga (4.) – und soeben ist er gefeuert worden. Mit der stürmischen letzten Saison hat er Grössenwahn und viel zu hohe Erwartungen geschürt. Die konnte er nicht mehr erfüllen. Und nun also der «Feuerkopf» Yves Sarault.

Werden wir in Lausanne nun die «big bad Lions» sehen? Nach taktischem Schachspiel, offensivem Spektakel nun Rumpelhockey?

So wird es wohl vorerst nicht sein. Und doch ist die Beförderung von Yves Sarault ein Signal, das uns etwas über das welsche Hockey sagt. Es ist sogar eine Warnung: Es kann durchaus sein, dass sich die Deutschschweizer bald einmal über die Härte der Welschen beklagen.

Matteo Nodari, links, von Lausanne im Spiel gegen einen Zuger, rechts, beim Eishockey Meisterschaftsspiel in der Qualifikation der National League zwischen dem EV Zug und dem HC Lausanne vom Dienstag, 12. September 2017 in Zug. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Spielt Lausanne bald noch härteres Eishockey? Bild: KEYSTONE

Stéphane Rochette erzählt: «Diese Zeiten sind ja schon da. Nicht nur der SCB-Masseur jammerte letzte Saison über unsere harte Spielweise. Auch in Zug oder Davos wurde über die Härte unserer Elitejunioren geklagt. Die Zeit der weichen Welschen ist vorbei. Yves Sarault war als Ausbildner für Lausanne Gold wert.»

Gerd Zenhäusern ergänzt: «Chris McSorley hat das nordamerikanische Hockey nach Genf gebracht. Sein Beispiel hat auf die ganze Westschweiz ausgestrahlt und das Hockey verändert. Was Chris McSorley in Genf, das ist in der Nachwuchsarbeit Yves Sarault in Lausanne. Er hat dort dieses nordamerikanische Element in die Nachwuchsausbildung eingebracht.»

Der Umbruch im welschen Hockey

Und nun ist dieser Yves Sarault Cheftrainer in Lausanne. Vielleicht nur für ein paar Spiele, vielleicht bis Ende Saison, wahrscheinlich nicht lange genug, um der nächste Chris McSorley zu werden. Sicher ist nur: Er wird die Unterhaltungskultur der Liga bereichern.

ARCHIVBILD ZUR ABSETZUNG VON CHRIS MCSORLEY ALS TRAINER DES HC SERVETTE GENF GSHC --- Geneve-Servette's Head coach Chris McSorley gestures, during the game of National League A (NLA) Swiss Championship between Geneve-Servette HC and SCL Tigers, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Tuesday, September 13, 2016. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Chris McSorley hat vor allem etwas in die National League gebracht: Viel Unterhaltung. Bild: KEYSTONE

Die Beförderung von Yves Sarault ist ein Zeichen für den Umbruch im welschen Hockey. Ein Umbruch, der inzwischen das Management in Lausanne und Genf sportlich überfordert und in beide Richtungen führen kann – in den sportlichen Abgrund oder weiter nach oben. Getreu dem welschen Sprichwort «Reculer pour mieux sauter» («ein paar Schritte zurück um weiter springen zu können»).

In Genf und in Lausanne sind in den letzten Jahren vielversprechende Nachwuchsabteilungen aufgebaut worden und in Lausanne entsteht eine neue Arena. Aber am Ende des Tages entscheiden Erfolg und Ausstrahlung der ersten Mannschaft über den Erfolg eines Hockeyunternehmens.

Lausanne hat mit Yves Sarault immerhin einen neuen, rauen, charismatischen Leitwolf. Servette taumelt hingegen nach der Entmachtung von Chris McSorley mit dem heillos überforderten Craig Woodcroft als Hockey-Zirkus führungslos in eine tiefe sportliche Krise. Gestern war in Genf Krisen-Palaver statt Training und der Trainer ist noch im Amt geblieben. Nach der nächsten Krisensitzung wird er gefeuert. Trotz Dreijahresvertrag.

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