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10.10.2014; Bern; Eishockey NLA - SC Bern - EV Zug; 
Pascal Berger (Bern) gegen Nolan Diem (Zug)
(Urs Lindt/freshfocus)

Nolan Diem (rechts) kämpft bei Zug bisher meist glücklos – trotzdem wurde er für den Slovakia Cup aufgeboten. Bild: Urs Lindt/freshfocus

Wenn die Statistik für einmal lügt

Eismeister Zaugg

Nolan Diem – der erstaunlichste Nationalspieler der letzten Jahre

Von den unbekannten Helden beim wundersamen 4:1 gegen Deutschland ist Zugs Nolan Diem (21) der erstaunlichste Nationalspieler der letzten Jahre.



Klaus Zaugg, Banska Bystriza

Die Statistik lässt wahrlich keinen Helden vermuten. Und der kräftige junge Mann ist auch nicht als Stürmer des EV Zug zu erkennen – er bittet nämlich im Gespräch darum, französisch parlieren zu dürfen. Er hat sein Hockey-ABC in Lausanne gelernt und steht jetzt in seiner vierten Saison in Zug.

Normalerweise kommen Stars in die Nationalmannschaft. Aber Nolan Diem ist kein Star. Er ist beim EV Zug ein Hinterbänkler. Mittelstürmer in der vierten Linie. Seine Offensivproduktion in dieser Saison ist eher bescheiden (3 Tore und 4 Assists in 42 Spielen). Mit der schlechtesten Plus/Minus-Bilanz im Team (-10) muss seine Defensivleistung gar als miserabel qualifiziert werden.

Der Zuercher Patrik Baertschi, rechts, freut sich ueber einen Treffer, der Zuger Nolan Diem, links, reagiert enttaeuscht, im Eishockeyspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und dem EV Zug, am Dienstag, 27. Januar 2015, im Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Wenn Diem das Trikot der Zuger trägt, haben meistens die anderen Grund zum Lachen. Bild: KEYSTONE

Er ist der geradezu typische Spieler für diese unerfahrene dritte Garnitur, die Deutschland sensationell 4:1 besiegt hat. Es ist die unerfahrenste Nationalmannschaft der Neuzeit. Mit acht Neulingen und einer durchschnittlichen Erfahrung von acht Länderspielen. Mit Spielern wie eben Nolan Diem, die noch vor ein paar Tagen nicht zu träumen wagten, in der Nationalmannschaft zu spielen.

«Ich wollte meine Eltern besuchen»

Aber jetzt ist Zugs Hinterbänkler ein Held im Nationalteam. Eine erstaunliche Geschichte. Er hat selber nicht mit dieser wundersamen Entwicklung gerechnet. «Ich wollte während der Nationalmannschaftspause eigentlich meine Eltern besuchen und in Villars Ski fahren.» Aber dann habe ihm Trainer Harold Kreis am letzten Samstag nach der Partie in Kloten gesagt, er werde wahrscheinlich einen Anruf von Nationalcoach Glen Hanlon bekommen. «Ich konnte das fast nicht glauben. Aber tatsächlich kam am Montagvormittag das Telefon.»

Head coach Glen Hanlon of Switzerland is pictured during the semifinals of the Arosa Challenge, on Friday, December 19, 2014, in Arosa, Switzerland. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Hanlon testet, was das Zeugs hält. Bild: KEYSTONE

So ist aus Zugs Viertlinien-Center der Mittelstürmer der vierten Linie in der Nationalmannschaft geworden. Nolan Diem führte zwischen SCB-Vorarbeiter Tristan Scherwey und ZSC-Flügel Mike Künzle den vierten Sturm. Das Trio erfüllte seine Aufgabe und ging mit einer 0:0-Bilanz vom Eis. «Ich war schon etwas nervös. Aber wir haben gewonnen, das zählt.» Er erwarte jetzt deswegen kein Upgrade in der Mannschaft des EV Zug. «Dass ich jetzt Nationalspieler bin, ändert nichts.» Er wisse um seine Rolle im Team. Aber immerhin zeigt uns sein Beispiel, dass eine Statistik nicht immer die letzte Wahrheit verrät, ja sogar lügen kann. Nolan Diem ist zweifelsfrei besser als es die EVZ-Statistik vermuten liessen.

Inti Pestoni – die Heldenfigur

Wenn Nolan Diem der «unbekannte Held» in diesem erstaunlichen Spiel war, dann ist Inti Pestoni (24) die grosse Heldenfigur. Im ersten Drittel dominierten die Deutschen. Aber beim einzigen echten Entlastungs-Angriff entwischte Inti Pestoni, konnte nur noch gefoult werden und den fälligen Penalty verwertete er grandios zum 1:0. Von diesem Schock erholten sich die Deutschen nicht mehr und später legte er auch noch zum alles entscheidenden 3:1 von Gregory Hofmann auf.

Dass Inti Pestoni torgefährlich ist, sagt uns auch die Statistik. Er hat in Ambri in 24 Partien 18 Punkte produziert. Und doch ist seine Leistung gegen Deutschland erstaunlich. Denn die Punkte in Ambri werden von Kritikern oft dem Umstand zugeschrieben, dass er neben den Ausländern stürmen darf. Und da fallen halt schon mal «Gratis-Skorerpunkte» ab. Nun aber hat er in seinen letzten sieben Länderspielen fünf Treffer erzielt. Er kann also auch eine Mannschaft führen. «Ich lerne eben in Ambri von den Ausländern viel und habe das nun umgesetzt.»

Ambri's Inti Pestoni bejubelt sein Tor zum 1-1 im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Ambri-Piotta und den Kloten Flyers am Dienstag, 27. Januar 2015, in der Valascia Eishalle in Ambri. (KEYSTONE/Ti-Press/Carlo Reguzzi)

Inti Pestoni jubelt nicht nur bei Ambri. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Treffsicherster Stürmer aber war HCD-Flügel Gregory Hofmann. In seinem 9. Länderspiel hat er erstmals getroffen. Zum 3:1 und ins leere Tor zum 4:1. Er bildete mit Etienne Froidevaux und Inti Pestoni die beste Angriffsformation der Schweizer. Auf die Frage, wie er diese ersten Treffer in der Nationalmannschaft erlebt habe, sagt er launig: «Sehr schön fürs Team und geil für mich. Ich habe auf diese Treffer gewartet…»

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