Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
HCD-Praesident Gaudenz F. Domenig verfolgt das Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Davos und den SCL Tigers, am Freitag, 19. Februar 2016, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Wie mächtig ist HCD-Präsident Gaudenz Domenig? Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Endlich! Der Cup offenbart uns das wahre Innenleben des HC Davos

Der Hauptsponsor musste intervenieren, um zu verhindern, dass die Cup-Halbfinal-Partie zwischen Biel und Davos zur Farce wird. Nun werden wir endlich erfahren, wer der mächtigste Mann beim HCD ist.



Um folgende Geschichte verstehen zu können, müssen wir gewisse Fakten vor dem Cup-Halbfinal zwischen dem EHC Biel und dem HC Davos von heute Abend kennen.

Das HCD-Programm in diesen Tagen:

Total: 8 Spiele in 12 Tagen

Davos coach Arno del Curto during the game between Team Canada and HC Davos at the 91th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Thursday, December 28, 2017. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Arno Del Curto musste seine Mannen in letzter Zeit öfter aufs Eis schicken, als ihm lieb war. Bild: SPENGLER CUP

Das EHCB-Programm in diesen Tagen:

Total: 3 Spiele in 12 Tagen

Der Finne Antti Toermaenen uebernimmt das Amt des Headcoaches des EHC Biel, am Montag 11. Dezember 2017 in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Antti Törmänen konnte mit seinen Mannen über die Festtage an Details feilen. Bild: KEYSTONE

Die Belastung des HC Davos ist also ungleich grösser als jene von Biel. Sie ähnelt dem Programm in einer Überlebensübung im Militärdienst. Kommt noch dazu, dass sämtliche HCD-Gegner höher einzustufen sind als die beiden Mannschaften, die Biel im gleichen Zeitraum in der Meisterschaft zugeteilt worden sind. Und Biel muss während diesen zwölf Tagen nie reisen.

Nun hat Arno Del Curto angesichts dieses «Stresstests» vor dem Spengler Cup im kleinen Kreis gesagt, er müsse sich ernsthaft überlegen, ob er seine wichtigsten Spieler für die Cup-Partie schonen und mit den Junioren nach Biel fahren soll. Wahrlich eine vernünftige Überlegung.

Davos' Andres Ambuehl looks on during the game between Team Suisse and HC Davos at the 91th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Saturday, December 30, 2017. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Dürfen die HCD-Stars heute etwas öfter zuschauen? Bild: SPENGLER CUP

Ein boshafter Chronist hat diese Überlegung während des Spengler Cups brühwarm Willi Vögtlin überbracht. Ihm obliegt beim Verband die Oberaufsicht und Organisation des Cup-Wettbewerbs. Der Weinhändler ist im Nebenamt «Mister Cup».

Arno Del Curtos vernünftiges Gedankenspiel löste beim tüchtigen ehrenamtlichen Funktionär über die Festtage hektisches Treiben aus. Er eilte aufgebracht noch in Davos oben während des Spengler Cups zur «Zürich» und verlangte Intervention. Das Versicherungsunternehmen ist sowohl beim Spengler Cup als auch beim Schweizer Cup und bei der Nationalmannschaft als Sponsor engagiert. Es ist praktisch, wenn alle Leute vor Ort sind.

Del Curto hat allen frei gegeben

HCD-Präsident Gaudenz Domenig hat auf Anfrage bestätigt, dass er von den Würdenträgern der «Zürich» ermahnt worden sei, dafür zu sorgen, dass sein Trainer in Biel mit der bestmöglichen Mannschaft antrete. Damit das Spiel nicht zur Farce verkomme.

Willi Vögtlin mag nicht dementieren, dass er für diese Ermahnung verantwortlich ist. «Ich bin mit unseren Cup-Sponsoren im regen Gedankenaustausch. Es ist unser Interesse, dass alles gut läuft und ich habe gebeten, doch beim HCD anzuregen, den Wettbewerb ernst zunehmen.»

Head coach Arno del Curto of HC Davos is pictured during a training session at the 90th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Monday, December 26, 2016. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Das HCD-Training vom Mittwoch wurde gestrichen. Bild: SPENGLER CUP

Die Intervention ist verständlich. Im anderen Halbfinal treten die Rapperswil-Jona Lakers gegen Ajoie an. Wir werden also auf jeden Fall ein zweitklassiges Team im Cupfinal haben. Der HCD hätte als Finalgegner eine im Quadrat höhere nationale Zugkraft als Biel.

Die Frage geht nun an Arno Del Curto: Treten Sie im Cup-Halbfinal in Biel mit der bestmöglichen Mannschaft an? So wie es der Präsident befohlen bzw. angeregt hat? Auf eine solche Frage mag er nicht einmal eintreten. «Ich habe am Mittwoch allen frei gegeben und auch ich machte frei. Über die Mannschaftsaufstellung mache ich mir am Spieltag und auf der Fahrt nach Biel Gedanken.» Und betont, es sei doch klar, dass man in den Final wolle, wenn man einmal im Halbfinal angekommen sei. Fragt sich halt nur, wie fest er will.

Wer gewinnt den Hockey-Cup 2017/18?

Über die enorme Belastung klagt er nicht. «Es ist einfach so, dass wir dann, wenn wir in Rückstand geraten, Schwierigkeiten haben, eine Partie doch noch zu drehen. Weil die Energie fehlt.»

Banger Blick auf die Aufstellung

Diese Cup-Episode hilft uns, den HC Davos besser zu verstehen. Der Präsident ist von einem wichtigen Sponsor gebeten worden, dafür zu sorgen, dass sein Trainer mit der bestmöglichen Mannschaft in Biel antritt. Wenn nun Arno Del Curto in Biel wichtige Spieler schont, dann wissen wir: es spielt keine Rolle, wer unter Arno Del Curto HCD-Präsident ist.

Tritt der HCD hingegen in Biel in Bestbesetzungan, dann wissen wir, dass Präsident Gaudenz Domenig auch gegenüber Arno Del Curto weisungsbefugt ist. Der Cup offenbart uns sozusagen das wahre Innenleben des HC Davos. Das spannendste am Cup-Halbfinal Biel gegen Davos ist daher die HCD-Mannschaftsaufstellung.

HC Davos Cheftrainer Arno Del Curto, links, empfaengt die Gratulationen von HCD-Praesident Gaudenz Domenig nach dem Titelgewinn und dem Sieg im fuenften Playoff Finalspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und dem  HC Davos, am Samstag, 11. April 2015, im Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Del Curto oder Domenig: Wer hat beim HCD das Sagen? Bild: KEYSTONE

Falls sich Davos für den Cup-Final vom 4. Februar qualifiziert, folgen vor der Olympia-Pause noch einmal anstrengende Tage:

Total: 7 Spiele in 11 Tagen für die HCD-Internationalen und 6 Spiele für die restlichen HCD-Spieler.

Die Spieldaten für den Cup erhöhen den Stress für die besten Spieler ganz erheblich. Es ist schön, wenn unsere besten Spieler gefordert werden. Allerdings ist kein Polemiker, wer sagt, solche extremen Belastungen könnten die Verletzungsanfälligkeit der Spieler erhöhen.

Ach, hätte der HCD-Trainer doch angekündigt, seine wichtigsten Spieler zu schonen und ihnen die Cup-Reise nach Biel zu ersparen. Wir hätten dann einen «todsicheren» Tipp für die Internet-Sportwetten gehabt.

Biels Spieler jubeln nach dem Treffer zum 0-1, links, rechts Davos' Gilles Senn, waehrend dem Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem HC Davos und dem EHC Biel, am Samstag, 9. Dezember 2017, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE/Juergen Staiger)

Biel will nach dem Cup-Halbfinal jubeln. Davos auch? Bild: KEYSTONE

Welchen Stellenwert hat eigentlich ein Wettbewerb, dessen Ernsthaftigkeit von einem Sponsor angemahnt werden muss? Hat man je gehört, dass ein Sponsor bei einem Klub interveniert und gefordert hat, man solle doch die Qualifikation oder die Playoffs ernst nehmen?

Kein Schelm, wer so etwas fragt.

Die Schweizer Hockey-Cupsieger der Neuzeit

Unvergessene Eishockey-Geschichten

Bobby Orr entscheidet mit dem «Flying Goal» den Stanley-Cup-Final

Link zum Artikel

Ralph Krueger schreibt das wichtigste SMS der Schweizer Hockey-Geschichte 

Link zum Artikel

Deutschland verpasst die grosse Sensation, weil der Puck auf der Linie kleben bleibt

Link zum Artikel

NHL-Star Darryl Sittler stellt einen Rekord für die Ewigkeit auf

Link zum Artikel

04.01.1987: Als nach der grössten Prügelei aller Zeiten die Lichter ausgingen und ein Spiel die Eishockey-Welt veränderte

Link zum Artikel

16.01.1905: Nach 23 Tagen Anreise werden die Dawson City Nuggets im Stanley-Cup-Final mit 2:23 vermöbelt

Link zum Artikel

19.10.1996: Del Curto klärt seine Spieler auf: «Zum Schiri nüma ‹Fuck you› sägä, äs git zwei Minuta, hä!»

Link zum Artikel

24.02.2006: Neunmal das F-Wort in einer Minute – Greg Holst macht sich mit legendärem Ausraster-Interview unsterblich

Link zum Artikel

14.05.2008: Philippe Furrer schiesst das kurioseste Eigentor der Schweizer Hockey-Geschichte

Link zum Artikel

10.10.1979: Ein gewisser Wayne Gretzky bestreitet sein erstes Spiel in der NHL – er wird sämtliche Rekorde pulverisieren

Link zum Artikel

18.02.2006: Die «Eisgenossen» spielen kanadischer als die Kanadier und rächen sich für eine uralte Schmach

Link zum Artikel

11.03.1979: NHL-Haudegen Randy Holt prügelt sich zu einem bis heute gültigen Rekord – 67 Strafminuten in einem einzigen Spiel

Link zum Artikel

08.04.1980: Sie wissen nicht, was sie tun, als sich zwei Schweden als erste Hockeyspieler einen Playoff-Bart wachsen lassen

Link zum Artikel

28.01.2009: Die Zürcher Löwen krönen sich zu Europas Eishockey-Königen

Link zum Artikel

24.03.1936: Im längsten Hockey-Spiel aller Zeiten fällt das goldene Tor erst im 9. Drittel – um 2.35 Uhr nachts

Link zum Artikel

28.12.1999: «La Montanara» erklingt in Berlin – Ambri krönt sich zum europäischen Champion

Link zum Artikel

Nie haben wir uns mehr über ein Tor gegen die Schweiz gefreut als bei Omarks Penalty-Trick

Link zum Artikel

22.09.2012: Rick Nash meldet sich mit einem Blitz-Hattrick in der Schweiz zurück

Link zum Artikel

30.12.1981: Wayne Gretzky schafft den verrücktesten seiner Rekorde: 50 Tore in 39 NHL-Spielen

Link zum Artikel

26.12.1993: Dank Chomutow und Bykow träumt Aufsteiger Davos vom ersten Spengler-Cup-Titel seit 35 Jahren

Link zum Artikel

Amerikas College-Boys erlegen den russischen Bären

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

Ambri und die Valascia – des Eismeisters Abschied von der steinernen Seele unseres Hockeys

Nach dieser Saison wird mit der Valascia ein Kraftort des Schweizer Eishockeys für immer von der Landkarte verschwinden. Ein letzter Rundgang durchs mythischste Stadion unseres Hockeys.

Beginnen wir unsere letzte Geschichte über die Valascia mit ein wenig Pathos. Gustave Flaubert ist ein französischer Dichter aus dem 19. Jahrhundert. Er hat einmal geschrieben: «Es gibt Orte auf der Welt, die so schön sind, dass man sie an sein Herz pressen möchte.» Wäre er ein Hockey-Chronist gewesen, dann hätte er mit diesem Satz die Valascia gemeint.

Soweit die Romantik. Aber Polemik gehört auch dazu. Es gibt ein Buch über Ambri, zusammengestellt von Ruedi Ingold. Darin gibt es eine …

Artikel lesen
Link zum Artikel