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Eismeister Zaugg

Von alten und neuen, glücklichen und unglücklichen Helden im «Mittelland-Drama»

Das Halbfinaldrama Olten gegen Langenthal tritt in die letzte Phase. Aus einem organisierten Spiel wird ein improvisiertes Bühnenstück. Nun schlägt die Stunde der alten und neuen, der glücklichen und unglücklichen Helden.



Ein sorgfältig ausgearbeiteter und fleissig eingeübter «Game Plan»? Können wir vergessen. Ein Spielsystem, eine Taktik? Nur noch in Ansätzen zu erkennen.

Ein «Game Plan» ist in dieser Endphase des grossen Mittelland-Dramas schon nach ein paar Spielzügen Makulatur. Die klügste Analyse nach ein paar Minuten wiederlegt. Und die Taktik weicht der Improvisation. Olten gegen Langenthal ist nun die Fortsetzung des Eishockeys mit anderen Mitteln.

Der Lakers Leandro Profico, rechts, gegen den Langenthaler Philipp Rytz, links, im zweiten Eishockey Playoff-Finalspiel der National League B zwischen den SC Rapperswil-Jona Lakers und  dem SC Langenthal  in Rapperswil am Freitag, 24. Maerz 2017. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Philipp Rytz (stehend) Bild: KEYSTONE

Nur eine einzige Wahrheit wird nach dem Spiel noch gelten: wenn Haudegen Philipp Rytz, der jüngere Bruder von Oltens Simon Rytz, keine Strafe kassiert, dann siegt Langenthal.

Ein klassischer Spielbericht hinterher, wenn wir wissen, wie alles geendet hat und den Coaches vorrechnen, was sie alles anders hätten machen können und müssen, wäre unerträgliche intellektuelle Arroganz eines Chronisten.

Das 4:1 der Langenthaler in Olten erscheint, wenn wir diese Zahlen zur Kenntnis nehmen, als klare Sache. War es aber nicht. Problemlos könnte der Chronist eine Analyse verfassen, warum die Oltner die logischen Sieger ist. Schliesslich haben sie die Partie mit 30:16 Torschüssen dominiert und in den ersten 20 Minuten ihr bestes Drittel in dieser Serie gespielt (1:0).

Aber gewonnen hat Langenthal. Mit 4:1 (0:1, 2:0, 2:0).

Nun werden in der Endphase dieser Serie die Spiele durch Kunststücke, Einzelaktionen, Irrtümer und Fehler entschieden. Die Systemsicherheit, die Energie und die Intensität fehlen, um eine Wende nach vorgegebener Taktik systematisch zu erzwingen. Das Spiel löst sich immer mehr in Einzelteile auf. Nun schlägt die Stunde der alten und neuen, der glücklichen und unglücklichen Helden.

Robin Leblanc ist ein alter Held und im Januar schon 36 Jahre alt geworden. Einen Vertrag für nächste Saison hat der Kanadier mit Schweizer Lizenz (sein Vater Fernand Leblanc kam als ausländischer Spieler in die Schweiz) nicht. Heldentaten hat von ihm in Langenthal eigentlich niemand erwartet. Eigentlich. Nun entscheidet er dieses Spiel in Olten. Drei Treffer. Zum 1:2, zum 1:3 und zum 1:4.

Der Davoser Robin Leblanc, Torschuetze zum sieg bringenden 1:0, feiert in der Kabine mit dem Meisterpokal,  nach dem siebten Playoff Eishockey Meisterschaftsspiel der Nationalliga A zwischen dem HC Davos und dem SC Bern, am Montag, 9. April 2007 in Davos.    (KEYSTONE/PHOTOPRESS/Arno Balzarini)

Robin Leblanc 2007 im Dienste von Davos Bild: PHOTOPRESS

Robin Leblanc kann Final und Meister. Und er ist ein Mann der grossen Spiele. Am 9. April 2007 erzielt er im 7. Finalspiel gegen den SC Bern das goldene Tor zum 1:0. Nur dieser eine Treffer fällt in dieser Partie und beschert dem HCD den Titel. Er wird nun in Olten von Chronisten gefragt, was mehr zähle – dieser Hattrick gegen Olten oder dieses Tor, das die Meisterschaft von 2007 entschieden hat. Er hat Sinn für Humor und sagt: «Natürlich das 1:0 mit Davos. Schon wegen der Meisterprämie…»

Philip Wüthrich ist ein junger Held. Im Januar ist er erst 21 Jahre alt geworden. Im Sommer räumt er die Garderobe bei den Elite-Junioren des SC Bern und zügelt als Nummer 2 nach Langenthal.

Während der Saisonvorbereitung bekommt er mehrmals eine Chance und kassiert in drei Partien sage und schreibe 17 Tore. Ein altgedienter, fachlich hoch respektierter Unternehmer, Hockey-Chronist, Hockey-Historiker und Saisonkarten-Inhaber des SC Langenthal sagt: «Mögen die Hockeygötter geben, dass sich unsere Nummer 1 nicht verletzt (Anm. d. Red.: Marco Mathis). Sonst ist die Saison vorbei.»

Marco Mathis, der Meisterheld von 2017, fällt schon nach zwölf Runden verletzt aus. Philip Wüthrich muss ins Tor. Er hext die Langenthaler durch die Qualifikation und in den Playoffs, in den Zeiten der maximalen nervlichen Belastung, ist er noch besser geworden. Die Oltner sind am Mittwochabend erneut schier verzweifelt.

Tigers Sven Lindemann, vorne, erzielt das 1:0 gegen Langenthals Goalie Marc Eichmann, waehrend dem Eishockeyspiel der National League B zwischen den SCL Tigers und dem SC Langenthal am, Donnerstag, 27. November 2014, in der Ilfishalle Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Marc Eichmann (im Tor) Bild: KEYSTONE

Inzwischen ist die Frage nicht mehr, ob er sogar besser sei als einst Kultgoalie Marc Eichmann, der Meisterheld von 2012, heute Geschäftsführer und bald der Chef von Sportchef Kevin Schläpfer. Die viel spannendere Frage ist, ob Philip Wüthrich am Ende gar besser sei als Niklas Schlegel.

Oltens letzter Mann Simon Rytz ist ein unglücklicher Held. Im September wird er 36 und seine Karriere ist eine unvollendete wie die Sinfonien von Bruckner, Mozart und Schubert.

Er wird in Biel der Held der «Hollywood-Serie», jenem Viertelfinale im Frühjahr 2015 gegen die ZSC Lions über sieben Spiele. Biels «Hockey-Gott» Kevin Schläpfer nervt ZSC-Cheftrainer Marc Crawford so sehr, dass der altgediente Bandengeneral bei laufender TV-Kamera schimpft, das alles komme ihm vor wie «Hollywood».

Die Nummer 1 wird Simon Rytz trotzdem in Biel nie und weil er hinter Jonas Hiller nicht mehr zum Einsatz kommt, quittiert er im Sommer 2017 seinen Dienst trotz weiterlaufendem Vertrag und wechselt nach Olten.

CAPTION CORRECTION - CORRECTS PLAYER NAME - Torhueter Simon Rytz von Olten, im ersten Playoff-Finalspiel der Eishockey Swiss League zwischen den SC Rapperswil-Jona Lakers und dem EHC Olten, am Donnerstag, 29. Maerz 2018, in der St. Galler Kantonalbank Arena in Rapperswil-Jona. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Simon Rytz Bild: KEYSTONE

Wären die Hockey-Götter gerecht, dann könnte Simon Rytz noch nach Jahren seinen Enkelkindern von diesem fünften Halbfinalspiel vom Mittwochabend erzählen. Der unkonventionelle Stilist steht buchstäblich auf dem Kopf, verteidigt die 1:0-Führung mit grandiosen Reflex- und Flugparaden. Zweimal erstirbt den Langenthalern der Torjubel auf den Lippen.

Aber dann erspäht Langenthals Captain Stefan Tschannen – er steht im Powerplay auf der verlängerten Torlinie – dass Simon Rytz den Stock nicht, wie es die klassische Stilschule eigentlich vorschreibt – zur Abwehr eines möglichen Schusses auf dem Eis hält. Es scheint ja völlig unmöglich, dass ein Stürmer aus diesem spitzen Winkel gegen einen so routinierten Goalie auch nur an einen Abschlussversuch zu denken wagt. Die ganze Körpersprache des Torwächters signalisiert, dass er deshalb einen Pass vors Tor erwartet und diesen Pass «abbeissen» will.

Aber Stefan Tschannen, ein teuflisch schlauer Skorer und Kunstschütze, wagt das Unerwartete. Er trifft die kleine Lücke, die Oltens Torhüter am nahen Pfosten offenlässt. So in der Art, wie in der Art der Laien, die sich in den Pausen im Torwandschiessen üben. Es steht 1:1.

Der Schock sitzt tief. Eine Minute und zehn Sekunden später hat Simon Rytz den Puck unter Kontrolle. Er meint es zumindest. Aber der Puck kullert zur Seite und Robin Leblanc trifft ins leere Tor. Es steht 1:2. Diese zwei Treffer wirken so, wie wenn wir bei einem riesigen Stapel Bierharassen ganz unten eine wegziehen. Alles fällt zusammen.

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Checks, bei denen es Brunner und drüber geht. Tore, die Freudensprunger verursachen. Memes von Fora und hinten aus der Tabelle. Diaz alles findest du auf unserem Hockey-Account auf Instagram.

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Clarence Kparghai wird im Mai 34. Er ist ein Desperado unseres Hockeys. Die Knie des einst schnellsten Verteidigers unseres Hockeys schmerzen oft. Niemand glaubt mehr so recht an ihn und Ende Saison läuft sein Vertrag mit Lugano aus.

Lugano hat ihn im Laufe dieser Saison ins Farmteam ab (Ticino Rockets) abgeschoben und von dort hat ihn Olten geholt. Nach einer «Tour de Suisse», die ihn schon nach Bern, Langenthal, Davos, Chur, Weinfelden, Biel und Lugano geführt hat, bekommt er in Olten noch einmal die Chance in einem grossen Hockey-Drama und auf eine Karrieren-Verlängerung.

Davos' Clarence Kparghai during the game between Thomas Sabo Ice Tigers and HC Davos, at the 92th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Thursday, December 27, 2018. (KEYSTONE/Melanie Duchene).

Clarence Kparghai Bild: SPENGLER CUP

Aber daraus wird wohl nichts. Nach 27 Minuten und 15 Sekunden ereilt ihn der Zorn der Hockey-Götter. Die guten Schiedsrichter sind streng. Weil er den Stock in der Hitze des Zweikampfes etwas zu hoch geführt hat, kassiert er zweimal zwei Minuten. Er darf vor Ablauf der vier Minuten die Strafbank verlassen: die Langenthaler nützen die zwei Ausschlüsse zu den zwei Treffern vom 1:0 zum 1:2. Es sind die zwei Tore, die auch Simon Rytz unglücklich gemacht haben.

Am Ende steht es 4:1. Nun brauchen die Langenthaler noch einen Sieg, um Hockey-Geschichte zu schreiben. Sie haben dafür zwei Versuche. Am Freitag in Langenthal und, wenn es nicht gelingt, am Sonntag in Olten. Die bisherigen drei Playoff-Serien haben sie gegen Olten verloren: 2010 (3:4), 2013 (2:4) und 2018 (1:4).

Eine Prognose? Nein, in diesem Stadium dieses Dramas wäre das der Versuch, einen störrischen Esel satteln zu wollen.

Nur das: wir werden auch im nächsten Spiel mindestens einen alten und neuen, einen glücklichen und unglücklichen Helden feiern bzw. trösten können. Kandidaten gibt es mehr als genug. Auf beiden Seiten.

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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • L49! 21.03.2019 14:25
    Highlight Highlight Der EHC Olten wird keine Erfolge feiern, solange der Verein und das Umfeld nicht wissen was der Verein ist... Nämlich eine graue Maus in der Hockeylandschaft.
    Denkt man in Olten echt, nur weil man ein paar teure, in der NLA gescheiterte Namen zusammensetzt, dass man Aufstiegskandidat NR. 1 ist?! Eine Mannschaft ohne Gameplan und Konzept aber ein Vorstand mit 3-Jahresplan.. Zum Glück neigt sich eure Saison dem Ende zu so kann Euer Captain wieder mehr „Bierli nä“ und „chli go luege“.
  • Ricardo Tubbs 21.03.2019 08:47
    Highlight Highlight ich denke, dass es das für uns war diese saison...

    dann kann man wieder den trainer rausschmeissen und "auf nächste saison hoffen", wie es in olten immer läuf...

    jahr 26 ohne irgend einen gewinn.
    • TheBear97 21.03.2019 10:40
      Highlight Highlight Ich bin SCL-Fan, aber ich denke man sollte euch definitiv noch nicht abschreiben. Mit der Rückkehr von Chirajev gestern kam bei 5 gegen 5 recht viel Druck von den Oltnern. Meiner Meinung nach bleibt es nach wie vor spannend😊
    • Knety 21.03.2019 11:53
      Highlight Highlight It’s not finished til the fat lady sings!
  • Schpaetzu 21.03.2019 07:50
    Highlight Highlight Das klar schlechteste Spiel der Langenthaler. Irgendwie gewinnt in dieser Serie oft das "falsche" Team.
    Der Freitag wird wohl das Saisonende für die Oltener, es sei den Barts zaubert plötzlich noch ein Dpielsystem hervor.
    • Ricardo Tubbs 21.03.2019 08:44
      Highlight Highlight es heisst oltner oder "outner"
    • peter23 21.03.2019 10:49
      Highlight Highlight Out-ner passt irgendwie besser, find ich 😅
  • Muselbert Qrate 21.03.2019 06:51
    Highlight Highlight Ich gabe mir gestern einmal NLB Hockey gegeben und das Spiel am TV geschaut.

    Sorry aber das Niveau ist schon bedenklich. Praktisch im 2-Minutentakt werden dilettantische Defensivfehler gemacht.. Alle paar Minuten kann ein Spieler alleine auf den Torhüter los oder es gibt ein 2 gegen eins.. Was auch auffällt ist, dass krass langsame Tempo und der eine schwache Goalie.

    Und ich weiss nicht ob die Mikrofone von Mysports kaputt waren oder meine Surround-Anlage einen schlechten Abend hatte aber von dieser anscheinend so grandiosen Stimmung die dort herschen soll hat man im TV nichts mitgekriegt.
    • peter23 21.03.2019 07:48
      Highlight Highlight Du hast dir das falsche Spiel angeschaut ;-)
      Gruss aus La Chaux-de-Fonds
    • bullygoal45 21.03.2019 08:24
      Highlight Highlight Jep so ist es. Ein grosser Vorteil für schnell, schlaue Spieler wie Knselsen. Im B steht dir niemand im Weg. im A kommt dir auch mal ein 1.90m Riese entgegen, der was kann 😉
    • Bobby Sixkiller 21.03.2019 14:15
      Highlight Highlight Dann schaut doch etwas anderes!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Baron Minshew 21.03.2019 06:19
    Highlight Highlight Würde ja in die SCB Beurteilung von Talenten passen wenn Würhrich in 2-4 Jahren ein Top Goalie in der obersten Spielklasse wäre...
    sigs wis isch- ich lebte aus beruflichen Gründen vor einiger Zeit in der Region der oben beschriebenen Teams. Ohne jetzt eine spezielle Sympathie für einen der beiden Clubs zu haben muss schon gesagt sein, dass an diesen beiden Postleitzahlen eine beneidenswerte Hockey Kultur herrscht. In Bern oder Zürich wären die Teams wohl kaum so ein Kultobjekt wenn sie im B wären. Gut, der SCB ist es auch so nicht. Sein Einzugsgebiet sind ja eher die umliegenden Gemeinden
    • Lumina 21.03.2019 14:39
      Highlight Highlight Am grünen Tisch aufzusteigen, nur weil der EHC Arosa aus Angst vor massiver Überschuldung Mitte der 80er freiwilig die Segel strich und nur wegen ein paar Meistertiteln praktisch immer den "im Zweifel für den SCB" Schiribonus zu bekommen, nennst du eine beneidenswerte Hockeykultur? - also ich nicht!
    • Paia87 21.03.2019 18:05
      Highlight Highlight @Lumina
      Ich glaube du hast seinen Text falsch verstanden! 😜

Stehplätze für Gästefans – ein Relikt aus der «Belle Epoque» wird verschwinden

Grosse Aufregung, weil im neuen Hockey-Tempel in Lausanne der Gästesektor nur rund 180 Plätze gross ist. Aber das ist die neue Zeit. Der Gästesektor ist ein Kostenfaktor und wird in absehbarer Zeit ganz aus den Stadien verschwinden.

Zu den Besonderheiten unserer Hockey-Kultur gehören die Stehplätze für Gästefans. Sie sind ein Teil der ganz besonderen Stimmung in unseren Stadien, die wahrscheinlich weltweit die beste ist. Weil in keinem anderen wichtigen Hockeyland der Welt die Distanzen so kurz sind, ist es bei uns einfacher möglich, Auswärtspartien zu besuchen als in Skandinavien oder Nordamerika.

Aber Gäste-Stehplatzfans kosten. Das ist eine ganz nüchterne Feststellung. Keine Polemik. Die gesetzlichen Grundlagen haben …

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