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Switzerland`s coach Patrick Fischer celebrates with the team after scoring 2:0 during the game between Switzerland and Austria, at the IIHF 2019 World Ice Hockey Championships, at the Ondrej Nepela Arena in Bratislava, Slovakia, on Thusday, May 14, 2019. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Hochkonzentrierter Coach Patrick Fischer zwischen Schweiz-Spielern und Fans. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

«Guardiola-Hockey» und die Geduld, die nur grosse Teams haben

Drei Spiele, drei Siege, neun Punkte, 16:1 Tore – dabei ist das Team noch gar nicht in Bestform. Die Schweizer haben Österreich in einem Spiel besiegt (4:0), das sie gar nicht verlieren konnten.

klaus zaugg, bratislava



Was ist das besondere Merkmal dieser Partie? Die erdrückende Dominanz von 45:18 Torschüssen? Nein.

Die Verlässlichkeit von Reto Berra, der auch sein zweites Spiel (nach dem 9:0 gegen Italien) ohne Gegentreffer hinter sich gebracht hat? Nein.

Die Dramatik und die Spannung? – Der entscheidende Treffer zum 2:0 fiel erst in der 54. Minute. Nein. Die Dramatik und die Spannung waren rein theoretisch-statistischer Natur. Es gab zu keiner Sekunde einen Zweifel am Ausgang dieser Partie. Das besondere Merkmal war die Geduld der Schweizer.

Noch vor drei Jahren hätten sie übereifrig, ungeduldig und hektisch versucht, diesen Gegner zu überrennen («run & gun»). Sie wären mit allergrösster Wahrscheinlichkeit schmählich ausgekontert worden.

Stürmischer Übereifer und Hektik sind Merkmale kleiner Teams. Grosse Teams wissen, dass sie gegen eine Mannschaft wie Österreich nicht verlieren können und bleiben auch dann gelassen und spielen geduldig weiter, wenn die Tore nicht gleich fallen wollen. So wie die Schweizer.

Die Mannschaft von Patrick Fischer hat gegen Österreich «Guardiola-Hockey» zelebriert. Im Unterschied zum Fussball von Pep Guardiola mit etwas längeren Pässen. Aber sonst war es genau diese Philosophie des grossen spanischen Trainers, übertragen auf Eishockey: das Spiel geduldig kontrollieren, den Ball bzw. den Puck «monopolisieren», Hektik vermeiden und schliesslich die entscheidenden Tore doch erzielen (aber nicht erzwingen).

Deshalb spielte es gar keine Rolle, dass es so lange 0:0 blieb (bis 33 Sekunden vor der ersten Pause), dass es so lange nur 1:0 stand (bis zur 54. Minute). Es gab nie auch nur die kleinsten Zweifel am Ausgang dieser Partie.

«Wir haben in der Kabine gesagt, dass keine Frustration aufkommen darf.»

SCB-Spieler Gaëtan Haas.

Die tapferen, von Roger Bader, dem «Ralph Krueger des armen Mannes» gut gecoachten und organisierten Österreicher mühten sich ab wie der Hamster in seinem Rad. Ohne jede Aussicht auf Erfolg. So wie wir das früher auch oft getan haben. Und dann einer verpassten grossen Chance gegen einen Grossen nachtrauerten. Obwohl wir gar keine Chance hatten.

epa07570718 Lukas Haudum of Austria (C), Simon Moser (L) and Raphael Diaz (R) of Switzerland in action during the IIHF World Championship group B ice hockey match between Switzerland and Austria at the Ondrej Nepela Arena in Bratislava, Slovakia, 14 May 2019.  EPA/CHRISTIAN BRUNA

Lukas Haudum (Mitte) wird gleich von mehreren Seiten in die Mangel genommen. Bild: EPA/EPA

Es gibt eine Szene, die uns die neue Gelassenheit der Schweizer beispielhaft zeigt. Bei einem Gerangel vor dem Tor kommen sich Michael Raffl und Gaëtan Haas ins Gehege. Der NHL-Stürmer verabreicht Haas einen gezielten Fausthieb ins Gesicht. Der SCB-Stürmer sieht wohl ein paar Sterne («ich brauchte wohl 30 Sekunden, bis ich wieder klar sehen und denken konnte…»), reagiert aber nicht und fährt einfach davon.

Auch wenn das anschliessende Powerplay nicht zum 2:0 genützt werde kann – diese Gelassenheit ist eine ganz besondere, matchentscheidende Qualität der Schweizer. Und der SCB-Stürmer antwortet auf die Frage, ob wegen der vielen verpassten Chancen nicht Frustration aufgekommen sei: «Wir haben in der Kabine gesagt, dass keine Frustration aufkommen darf.» Am Ende sind die Tore in den letzten sieben Minuten doch wie reife Früchte gefallen.

Drei Siege gegen Italien (9:0), Lettland (3:1) und nun Österreich (4:0). Mit drei Siegen sind wir zuletzt 2010 unter Sean Simpson in Deutschland (3:1 Lettland, 3:0 Italien, 4:1 Kanada) und 2013 in Stockholm (3:2 Schweden, 3:2 n.P. Kanada, 5:2 Tschechien) ins Turnier gestattet. 2010 scheiterten wir im Viertelfinale gegen Deutschland (0:1) und 2013 im Finale gegen Schweden (1:5).

Der Start ist also – wie erwartet – geglückt. Dabei sind noch gar nicht alle Spieler in Bestform. Natürlich ist Roman Josi unser bester Verteidiger. Aber wir haben beispielsweise den wahren, dominanten, charismatischen, grossen Roman Josi noch gar nicht gesehen. Den werden wir erst sehen, wenn es gegen die Grossen geht.

Switzerland's Nico Hischier during the game between Switzerland and Austria, at the IIHF 2019 World Ice Hockey Championships, at the Ondrej Nepela Arena in Bratislava, Slovakia, on Thusday, May 14, 2019. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Nico Hischier gegen Österreich in Aktion. Bild: KEYSTONE

Ein roter Faden zieht sich durch alle drei Partien. Wenn die Kunst und die Spielintelligenz von Nico Hischier und Kevin Fiala aufblitzen, fällt die Entscheidung.

Nico Hischier hat den entscheidenden Treffer zum 2:1 gegen Lettland erzielt und in seiner unnachahmlichen Art für Kevin Fiala zum 1:0 und für Philipp Kuraschew zum 3:0 gegen Österreich «aufgelegt.» Mit ihm und Kevin Fiala haben wir zwei Spieler, die in jeder Partie dazu in der Lage sind, die Differenz zu machen.

Wenn die Entwicklung der Mannschaft so weiter geht, wird sie ihre Bestform am Donnerstag in einer Woche fürs wichtigste Spiel – fürs Viertelfinale – erreichen. Und dann wird sie gegen jeden Gegner eine Siegeschance von mindestens 50 Prozent haben.

Bereits zeichnet sich ab, dass Patrick Fischer eigentlich nur einen heiklen Personalentscheid zu fällen hat: mit Reto Berra oder Leonardo Genoni ins Viertelfinale? Beide sind in Bestform. Wahrscheinlich wird der Nationaltrainer eine Münze werfen.

Switzerland's Reto Berra during a training session of the Swiss team at the IIHF 2019 World Ice Hockey Championships, at the Ondrej Nepela Arena in Bratislava, Slovakia, on Monday, May 13, 2019. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Reto Berra ist wie sein Goaliekollege Leonardo Genoni derzeit in Bestform. Bild: KEYSTONE

Ein Spieler der Österreicher interessiert uns. Stürmer Peter Schneider. In der österreichischen Operettenliga wird er als Habsburgs Antwort auf Alex Owetschkin verehrt. Aber an dieser WM ist er bisher eine offensive (kein Skorerpunkt) und auch sonstige Nullnummer (minus 4-Bilanz). Seine Kollegen aus unserer höchsten Liga – Ambris Dominic Zwerger und Fabio Hofer – haben immerhin schon je einen Assist gebucht und bloss eine minus 1- bzw. minus 2-Bilanz.

Es gibt für Biels neuen ausländischen Stürmer (mit Zweijahresvertrag) eine schlechte und eine gute Nachricht. Die schlechte Nachricht: in dieser Form ist er in unserer höchsten Liga chancenlos und wird schon im Oktober ausgemustert. Die gute Nachricht: kein anderes Hockeyunternehmen ist mit seinem ausländischen Personal so geduldig wie der EHC Biel und kein Trainer so freundlich mit seinen Spielern wie Biels Antti Törmänen.

P.S. Die Schweiz wird auch gegen Norwegen (Mittwoch, 16.15 Uhr) nicht verlieren.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Pana 15.05.2019 12:47
    Highlight Highlight "Und dann wird sie gegen jeden Gegner eine Siegeschance von mindestens 50 Prozent haben."

    Die Schweiz kann an einem guten Tag jeden Gegner besiegen, keine Zweifel. Aber sie ist in den VF sicherlich nicht gegen JEDEN Gegner favorisiert. Arroganz und Selbstvertrauen ist ja schön und gut. Aber bitte nicht nach Siegen gegen Italien und Österreich.
  • Peter Panther 15.05.2019 12:39
    Highlight Highlight Eines wissen wir nach dieser WM genau: Der Eismeister ist kein Freund der Operette. Hoffentljch liebt er wenigstens "Holyday on Ice"!😉🤔😂
  • länzu 15.05.2019 11:53
    Highlight Highlight Zu einer grossen Mannschaft gehört schon noch etwas mehr, als gegen zwei Zwerge des Welteishockeys zu gewinnen. Neben den Genannten (Josi, Hischier, Fiala, Torhüter) konnten eigentlich nur die ganz Jungen wie Moser und Kurashev überzeugen. Der Rest bleib doch mehrheitlich blass. Da hat
    es noch viel Steigerungspotetntial.
  • Hayek1902 15.05.2019 08:24
    Highlight Highlight Sehe es genau so, war selbst noch nie so gelassen bei einer 1:0 führung im hockey. Österreich hat gut verteidigt, mehr aber nicht. Und ein grosses Disziplinproblem.
    • kupus@kombajn 15.05.2019 09:07
      Highlight Highlight dito

      Früher war ich bei einem 1:0 - gerade gegen auf dem Papier schwächere Gegner - immer nervös, und meistens dann ja auch zu recht. Gestern hatte ich keine Sekunde lang Zweifel.
    • UncleHuwi 15.05.2019 12:30
      Highlight Highlight Dazu kommt, dass der Goalie einen sehr guten Tag hatte.
  • marak 15.05.2019 08:11
    Highlight Highlight Wie es so ist. Angst hatte ich auch keine. Aber ein 1:0 ist eben immer nur ein 1:0. Es reicht, ist aber knapp. Österreich hat getan, was es konnte, die Schweizer waren zuweilen etwas zu verspielt, hat es aber gut gemeistert. Wer kann schon sieben Vorrundenspiele brillieren.
    Im Gleichschritt scheinen auch unsere Freunde aus dem grossen Kanton die Pflicht zu erfüllen. Eins spezielle Tabelle, dem Moment geschuldet: D 3/9; CH 3/9.
  • Schniggeding 15.05.2019 08:09
    Highlight Highlight Aber mit dieser Schuss- und Passgenaugkeit ist im Viertelfinal Schluss wer auch immer der Gegner sein wird.
  • ali_der_aal 15.05.2019 07:39
    Highlight Highlight irgendwie habe ich das gefühl, dass da vieles gut geredet wird...
    Die richtigen Gegner kommen erst noch, bin gespannt wie es dann um die Alpenrussen oder Guardiola hockey steht, bis jetzt habe ich nicht wahnsinnig viel gesehen das mich 100% überzeugt hat...
    aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren
    • Gruschenko 15.05.2019 09:10
      Highlight Highlight Die Eisgenossen werden sicher an den kommenden noch wachsen.
      In diesem Sinne: Hopp Schwitz!
  • UncleHuwi 15.05.2019 07:29
    Highlight Highlight Dieser Raffl ist mir extrem unsympathisch. Liegt es an den dummen Strafen die er kassiert hat? (eher nicht) Oder doch wegen seinem Schnauz?
    • Mia_san_mia 15.05.2019 08:04
      Highlight Highlight Ganz klar der Schnauz 😜
    • marak 15.05.2019 08:06
      Highlight Highlight Falsch, völlig falsch. Im funkelnden Plexiglas sah Raffl, dass das mit dem Schnauz eine Furzidee war. Da drehte er durch und machte ein dummes Foul nach dem Anderen.
      Im Ernst, die Raffls waren bis auf wenige Szenen der grosse Ausfall der Mannschaft. Und das verträgt ein Österreich nicht.
    • Eisenhorn 15.05.2019 10:27
      Highlight Highlight Du weisst das es 2 Raffl's waren die sich die Strafen geteilt haben? :P
    Weitere Antworten anzeigen
  • Marc83 15.05.2019 06:55
    Highlight Highlight Mal schauen wie es weiter geht. Bis jetzt hatten sie noch keine starken gegner. Aber im grossen und ganzen sind das pflichtsiege gewesen...
  • Bieler95 15.05.2019 06:55
    Highlight Highlight Lieber Zaugg
    Peter Schneider hat bei uns Bieler für eine Saison unterschrieben und nicht für 2 Saisons ;)
    • Hoopsie 15.05.2019 13:09
      Highlight Highlight Er hat für 1 Jahr unterschrieben, aber das ist definitiv 2 Jahre zu viel! Definitiv!
  • Jacques #23 15.05.2019 06:49
    Highlight Highlight Im Kern ein sehr richtiger Bericht, natürlich mit dem Frotzeleien-Aromat 😂

    Es sind wahrlich klare, positive, neue Eigenschaften in jedem Spiel deutlich sichtbar.

    An dieser Stelle eine Würdigung und Dank an Mark Streit, Tinu Gerber, Abby, Timo Helbling, Fischi RAV, Mitch und die gesamte Nino Vorreiter Generation. Die mutigen Ermöglicher!

    Wow, 06.49h und so ein Wortspiel - es wird ein Freudentag! 😊 Happy Day an alle da draussen.
    • schneeglöggli 15.05.2019 07:40
      Highlight Highlight Made my day!😂
    • Daylen 15.05.2019 11:16
      Highlight Highlight Sehr schön 😂
      RAV = Reto an Vorx? 😉
    • Jacques #23 15.05.2019 11:42
      Highlight Highlight Sehr gut. Danke Daylen! 😅😂
  • löpersonelldacompagnemo 15.05.2019 06:38
    Highlight Highlight Wahrscheinlich blieb auch der Eismeister gelassen und ohne Hektik. Zumindest bis zur 54. Minute... und der letzte Artikel erleichtert ad Acta gelegt werden konnte 😉 Er gehört inzwischen ja auch zu den grossen unter den Kolumnisten.

    Danke für die Beiträge 😁
    • mrcharliebrown 15.05.2019 07:22
      Highlight Highlight Chronisten! Es heisst: Chro-nis-ten.
    • löpersonelldacompagnemo 15.05.2019 08:12
      Highlight Highlight @mrcharliebrown
      Ou ja! Tschuligom für diesen Fauxpas
    • Adrian Buergler 15.05.2019 09:29
      Highlight Highlight Nukular. Das Wort heisst nu-ku-lar.
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Die Schweiz spielt an der Heim-WM 2020 in Zürich – ein grober Fehler

Die Schweiz trägt ihre Gruppenspiele in Zürich und nicht in Lausanne aus. Eine Respektlosigkeit sondergleichen gegenüber der welschen Eishockey-Kultur.

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