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Reto Berra muss es richten.
Reto Berra muss es richten.Bild: KEYSTONE
Schwache Vorstellung gegen Russland

Nur Reto Berra kann diese WM noch retten

Die Schweiz hat erstmals unter Sean Simpson das Startspiel eines Titelturniers verloren. Das 0:5 gegen Russland gibt Anlass zu grosser Sorge. 
10.05.2014, 09:1510.05.2014, 13:41

Was gibt es für Ausreden nach der WM-Startpleite gegen Russland? Nun, es gibt einige Erklärungen. Die Schweiz ist kein Aussenseiter mehr. Wir sind WM-Finalist und werden nicht mehr unterschätzt. Die Schweiz gehört zu den Grossen und mit dieser Rolle müssen sie erst noch leben lernen. 

Die Russen haben nach Olympiapleite und Trainerwechsel viel gutzumachen. Zudem kam eine Niederlage ausgerechnet am Tag der Feierlichkeiten des Sieges über Nazideutschland einfach nicht in Frage. Und sie spielten gegen die Schweiz taktisch diszipliniert und clever und arbeiteten in der eigenen Zone konzentriert. Es war zumindest in dieser einen Partie gegen die Schweiz eines der taktisch besten russischen Teams der Neuzeit.

Konsternierte Schweizer.
Konsternierte Schweizer.Bild: KEYSTONE

Wir können jetzt noch die fehlende offensive Durchschlagskraft (kein Tor seit 215 Minuten) anführen. Und die miserable Defensivorganisation. Aber das sind letztlich alles bloss Ausreden und keine Erklärungen. Wir können die Abkürzung nehmen und gleich zur Sache kommen: Torhüter Leonardo Genoni hat diese Partie verloren.

Bei einem haltbaren Treffer nach 13 Sekunden zum 0:1 und einer Fangquote von 83,87 Prozent gibt es keinen Freispruch. Wenn die Schweiz gegen Russland oder einen anderen Grossen gewinnen will, muss der Goalie über 92 Prozent der Schüsse halten. 

Leonardo Genoni suchte gar nicht nach Ausreden und analysierte seine Leistung sachlich. «Ich hatte seit dem Ausscheiden aus den Playoffs mit dem HCD am 22. März nur noch zwei Testspiele bestritten. Ich fühlte mich aber gut. Vielleicht stieg ich etwas übermotiviert in das Spiel. Am Anfang kam ich zu weit aus dem Tor und als ich das korrigierte, stand ich etwas zu tief.»

Die Cheerleader waren das erfrischendste Element aus Schweizer Sicht.Bild: freshfocus

Eishockey ist ein Mannschaftsspiel. Aber eine Analyse dieses WM-Fehlstartes beginnt und endet bei einem einzigen Spieler: Beim Torhüter. Auf WM-Niveau brauchen wir gegen Teams wie Russland einen Weltklasse-Torhüter mit einer Fangquote von über 93 Prozent. Das war immer so, das ist jetzt noch so und das wird immer so sein. Leonardo Genonis Leistung im Spiel gegen Russland hätte vielleicht beim HCD für einen Sieg gegen die Lakers gereicht. 

Der schnelle, haltbare Gegentreffer zum 0:1 nach nur 13 Sekunden hatte fatale Auswirkungen. Es war, als habe bei den Schweizern jemand das Licht ausgeknipst. Von diesem Moment an spielten fast alle, als seien sie ein bisschen kleiner, ein wenig leichter und etwas langsamer geworden. Das stolze Silberteam schrumpfte im Nu zu einer kleinen, einer gewöhnlichen Mannschaft. Mit einer gewöhnlichen Mannschaft ist ein Sieg gegen Russland nicht möglich.

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Das frühe 1:0 der Russen.Gif: SRF

Wir können auch beim Blick nach vorne eine Abkürzung nehmen. Gegen die USA spielt (heute um 19.45 Uhr) Reto Berra . Der Silberheld mit einer Fangquote von 96,72 Prozent. Nur er kann diese WM-Expedition retten. Wenn er so hält wie vor einem Jahr in Stockholm, wenn er wie vor einem Jahr ein grosser, aggressiver, charismatischer, dominierender Goalie sein wird wie bei der Silber-WM – dann wird vielleicht doch noch fast alles gut. 

Wenn auch er versagt und nicht besser spielt als Leonardo Genoni, dann wird die Qualifikation für die Viertelfinals schwierig. Reto Berra hat nach seinem Transfer von Calgary nach Colorado in der NHL nur noch zweimal gespielt und das Testspiel gegen Kanada (0:4) bestritten. Auch er ist, wie Leonardo Genoni, nicht in Hochform.

Die Eisgenossen haben erstmals unter Sean Simpson das erste Spiel eines Titelturniers verloren. Bisher starteten sie immer mit einem Sieg. Bei der WM 2010 mit einem 3:1 gegen Lettland. Bei der WM 2011 besiegten sie zum Auftakt Frankreich 1:0. 2012 überfuhren sie Kasachstan in der ersten Partie 6:1 und bei der Silber-WM begannen sie den Sturmlauf ins Finale mit einem 3:2 gegen Schweden. Auch in Sotschi begannen sie mit einem Sieg (1:0) gegen Lettland.

Leonardo Genoni konnte sein Potenzial im Startspiel gegen Russland nie abrufen.
Leonardo Genoni konnte sein Potenzial im Startspiel gegen Russland nie abrufen.Bild: AFP

Nach diesem erstmaligen Startdebakel braucht es eine Premiere. Die Schweizer müssen erstmals dazu in der Lage sein, auf eine Niederlage reagieren zu können. Bisher war nämlich nach der ersten Niederlage Lichterlöschen. Bei allen fünf Titelturnieren unter Sean Simpson (2010, 2011, 2012 und 2013) gelang es nicht mehr, nach der ersten Niederlage die Zielsetzungen zu erreichen. 

Bei der WM 2010 folgten nach der ersten Niederlage (2:3 gegen Norwegen) nur noch Pleiten und zuletzt ein 0:1 im Viertelfinale gegen Deutschland. Bei der WM 2011 erholten sich die Schweizer von der 3:4-Niederlage gegen Kanada nicht mehr und verpassten das Viertelfinale. Bei der WM 2012 war nach einem 2:5 gegen Finnland Lichterlöschen vor den Viertelfinals.

Nati-Trainer Sean Simpson muss sich etwas einfallen lassen.
Nati-Trainer Sean Simpson muss sich etwas einfallen lassen.Bild: freshfocus

Beim olympischen Turnier gelang nach dem 0:2 gegen Schweden zwar noch ein bedeutungsloser Sieg (1:0 gegen Tschechien). Doch dann war im Achtelfinale bereits Schluss (1:3 gegen Lettland). Nur bei der WM 2013 hatte die erste Niederlage keine Folgen für den weiteren Verlauf des Turniers: Die Schweizer verloren nach neun Siegen in Serie erst das Finale gegen Schweden.

Vor einem Jahr hat die Schweiz mit Reto Berra im Tor in Stockholm das Halbfinale gegen die USA 3:0 gewonnen. Eine Niederlage heute gegen die USA wäre nur dann noch kein Grund zu tiefster Sorge, wenn Reto Berra spielen würde wie ein Hockeygott.

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