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SC Rapperswil-Jona Lakers Verteidiger Nathan Vouardoux, Mitte, feiert seinen Treffer zum 4-3 gegen Langnau.
SC Rapperswil-Jona Lakers Verteidiger Nathan Vouardoux, Mitte, feiert seinen Treffer zum 4-3 gegen Langnau.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

SCRJ Lakers – vom Elefantenmist-Voodoo zur besten Taktik der Liga

Einst waren die Lakers «die Miserablen». Inzwischen sind sie so gut, dass sie Langnau unterschätzen und trotzdem am Ende locker gewinnen (5:3). Sie stehen heute taktisch auf dem Niveau von Meister Zug. Die Geschichte einer erstaunlichen Entwicklung.
18.01.2022, 02:4718.01.2022, 14:59

Gleich nach der Entlassung von Jason O`Leary dürfen die SCL Tigers zweimal in 24 Stunden mit dem neuen Trainer Yves Sarault gegen die Lakers antreten. Sozusagen als Anschauungsunterricht: Die Lakers haben nämlich geschafft, was den Langnauern einfach nicht gelingen will: der Aufstieg in die Spitzengruppe.

Der Vergleich zwischen diesen beiden Hockey-Unternehmen macht durchaus Sinn. Sie haben vergleichbare wirtschaftliche Voraussetzungen im Einzugsgebiert von Titanen (ZSC Lions, Zug bzw. SC Bern, Biel). Beide blicken auf eine vergleichbare Vergangenheit zurück: Langnau kehrt 2015 nach zwei, Rapperswil-Jona 2018 nach drei Jahren wieder in die National League zurück.

Gestern gewannen die Lakers nach miserablem Beginn doch noch 5:3. Die Steigerung der tapferen Langnauer (sie führten bis tief ins Schlussdrittel hinein 3:2) war dem Voodoo nach einer Trainerentlassung geschuldet: Ein neuer Chef kann nicht gleich ein neues System machen. Aber den Spielern Beine. Die Lakers sind inzwischen so gut geworden, dass sie es sich leisten können, die Langnauer zu unterschätzen. Und sie gewinnen trotzdem. Das hat es noch nie gegeben. Das ist die schöne neue Hockey-Welt in Rapperswil-Jona.

Die Lakes konnten sich trotz holprigem Start doch noch gegen Langnau durchsetzen.
Die Lakes konnten sich trotz holprigem Start doch noch gegen Langnau durchsetzen.Bild: keystone

2015 haben die Lakers ihren Platz in der höchsten Liga im Direktduell gegen die SCL Tigers verloren. Sieben Jahre später sind die Rollen vertauscht: Die Lakers gehören zu den Spitzenteams. Die Langnauer wären hingegen, wenn es eine Relegation gäbe, in akuter Abstiegsgefahr.

Warum ist das so? Ist es das Geld? Oder einfach Glück und Pech? Natürlich gehört auch Glück dazu, für die Schlüsselpositionen (Torhüter, Trainer, Sportchef) die richtigen Personen zu finden. Aber hinter dem Aufstieg der Lakers und dem Niedergang der Langnauer steht auch eine Philosophie. Wir können sie auf einen Satz reduzieren: Die Lakers setzen mehrheitlich auf Spieler, die ihre Zukunft noch vor sich haben. Die Langnauer in den letzten Jahren hingegen noch zu oft auf solche, die ihre Zukunft hinter sich oder keine ruhmreiche mehr vor sich haben.

Wenn irgendwo im Land ein Talent nicht zufrieden ist oder von der Konkurrenz übersehen wird: Lakers-Sportchef Yanick Steinmann ist zur Stelle. Dazu kommt: Die Lakers gehören unter der Führung eines klugen Präsidenten zur Fraktion der Vernünftigen. Die Lohnhierarchie stimmt. Salärexzesse gibt es nicht. Deshalb stürmt der hochtalentierte, aber verletzungsanfällige Marco Lehmann (diese Saison 10 Spiele/1 Tor/2 Assists/mit -2 die zweitschlechteste Plus/Minus-Bilanz im Team) halt ab nächster Saison für den Liga-Krösus SC Bern. Für gut 300'000 Franken Jahreslohn. Krösus war ein für Wohlstand und Freigiebigkeit berühmter König der Antike.

SCL Tigers Stürmer Nolan Diem, Mitte, gegen Torhüter Melvin Nyffeler.
SCL Tigers Stürmer Nolan Diem, Mitte, gegen Torhüter Melvin Nyffeler.Bild: keystone

Eine zentrale Rolle spielt bei den Lakers die Kontinuität auf der Torhüter- und Trainerposition: Melvin Nyffeler ist 2015 als vergessenes Talent gekommen und zu einem der besten, konstantesten Goalies der Liga gereift. Die Lakers verlieren nie wegen ihm. Aber sie gewinnen oft dank ihm. Die Lakers haben auch die richtigen Trainer gefunden: Jeff Tomlinson übernimmt nach dem Abstieg und übergibt sechs Jahre später im Frühjahr 2021 als Playoff-Halbfinalist an seinen Nachfolger Stefan Hedlund.

Im gleichen Zeitraum stehen in Langnau Benoit Laporte, Scott Beattie, Heinz Ehlers, Rikard Franzen, Jason O’Leary und Yves Sarault an der Bande. Nun können wir sagen: Wer ständig die Trainer entlässt ist halt selbst schuld! Doch so einfach ist es nicht: Die Lakers sind in sieben Jahren mit zwei Trainern ausgekommen, weil diese Trainer eben erfolgreich waren. Die Langnauer beschäftigen in sieben Jahren sechs Coaches, weil der Erfolg bei fünf halt ausgeblieben ist.

Interessanterweise kennen die Sportchefs in Rapperswil-Jona und in Langnau ihre Trainer sehr gut. Janick Steinmann war ein Jahr lang (2017/18) bei Zugs Farmteam der Assistent von Stefan Hedlund. Marc Eichmann arbeitete während der Meistersaison in Langenthal als Torhütertrainer von Chefcoach Jason O`Leary (2016/17). Nun musste er seinen ehemaligen Vorgesetzten feuern.

Die einzige glückliche Trainerwahl in Langnau seit dem Wiederaufstieg hatte nichts mit dem Sportchef zu tun: Im Oktober 2016 wurde Scott Beattie auf Geheiss des Verwaltungsrates durch Heinz Ehlers ersetzt – und es folgten die besten vier Jahre seit der Rückkehr in die höchste Liga. Wir sehen: Den richtigen Trainer zu finden, ist schwierig und manchmal sollte man die Sache nicht einfach den Sportchefs überlassen.

Dass die Lakers die richtige Wahl getroffen haben, hat auch etwas mit einer klaren Strategie zu tun. Sieben Jahre lang hatten sie die Playoffs verpasst und die Leistungskultur verlottern lassen und Clowns wie Morgan Samuelsson und Raimo Summanen als Trainer beschäftigt.

Während der Liga-Qualifikation 2015 kommt es zum amüsanten Finale der wilden Jahre: Die Lakers haben dreimal verloren. Sie müssen in Langnau gewinnen. Sonst steigen sie ab. Trainer Michel Zeiter weiss: Tiger fürchten Elefanten und schleichen davon, wenn sie Elefantenmist riechen. Also holen die Lakers im Kinderzoo einen Haufen Elefantenmist und nehmen das Naturprodukt im Mannschaftsbus mit nach Langnau und in die Kabine. Um die Tiger (SCL Tigers) zu verunsichern. Sie verlieren trotz Elefanten-Mist in der Kabine kläglich 1:5 (nach 3 Minuten steht es schon 0:2) und steigen erstmals in der Klubhistorie ab. Die Geschichte ist wahr. Wie auch sonst fast alles, was der Chronist schreibt.

Seither ist bei den Lakers Schluss mit Voodoo und Zirkus-Trainern. Heute spielen sie ein modernes, gut strukturiertes Lauf- und Tempo-Hockey so sattelfest, dass sie auch dann gewinnen, wenn sie – wie gestern gegen die SC Tigers – nicht so recht bei der Sache sind. In einem Satz zusammengefasst: Eine erstaunliche Entwicklung vom Elefantenmist-Voodoo zum modernsten Stil der Liga. Die Eiszeiten und damit der Energiehaushalt werden sorgfältig ausbalanciert: 22 Spieler haben diese Saison durchschnittlich mehr als 10 Minuten Eiszeit pro Partie. Aber nur ein einziger (Emil Djuse/20:57 Min.) mehr als 20 Minuten. Taktisch steht die Mannschaft auf Augenhöhe mit Meister Zug oder den ZSC Lions.

Das ist es, was den Langnauern fehlt: Das Wissen, was sie sind, was sie künftig sein wollen und wie sie das werden können, was sie sein möchten. Und so ist ihr Spiel dem Elefantenmist-Voodoo eher näher als einem modernen System. Die Lakers haben, sicherlich auch mit Glück, seit dem Abstieg von 2015 die richtigen Antworten auf diese Fragen gefunden. Darum stehen sie inzwischen in der Spitzengruppe der Tabelle.

Die Langnauer haben, sicherlich auch vom Pech verfolgt, diese Antworten noch nicht gefunden. Deshalb darben sie auf Rang 12. Aber sie haben gute Ratgeber. Auf der strategischen Führungsebene pflegen die beiden Klubs einen freundschaftlichen Gedankenaustausch. Sozusagen die Achse der Vernünftigen.

Die Fachleute der Lakers haben ihren Freunden im Emmental beiläufig die Verpflichtung von Michael Liniger (GCK Lions) als Trainer empfohlen. Ein guter Rat? Es gibt eine leicht zynische und politisch nicht ganz korrekte, aber eben doch hilfreiche Lebensweisheit, die im Eishockey leider viel zu wenig beachtet wird: Ein Ruin kann drei Ursachen haben: schnelle Frauen, langsame Rennpferde und die Befragung von Fachleuten.

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29 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Clark Kent
18.01.2022 06:54registriert Januar 2014
wer bei rappi immer noch von glück und bei langnau von pech redet, hat keine ahnung. kläusi, akzeptiere es doch einfach, wie es ist: die langnauer sind die neuen miserablen. die extrem miserablen.
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bullygoal45
18.01.2022 10:11registriert November 2016
Es ist kein Zufall das gestern Vouardoux den Gamewinner geschossen hat. Ein Team voll Spieler, von denen die meisten vor einigen Jahren nicht mal den Namen kannten (Dünner, Wetter, Forrer, Maier etc.) 🔴🔴🔴

Es macht einfach Spass das zu erleben. Nach all den harten Jahren im B gegen Biasca und GCK wieder auf Augenhöhe mit dem Z und Zug. 🙂

Hopp Rappi ✨
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Chalbsbratwurst
18.01.2022 10:08registriert Juli 2020
In Rappi ist es die Summe vieler guter Faktoren die zum Erfolg führen ohne das einzelne Faktoren überragend wären.

Guter Geschäftsführer + guter Sportchef + guter Trainer-Staff + guter Goali + gute ältere Spieler als Vorbilder und Choreographen + gute junge Spieler für Tempo und Kampfgeist + guter Teamspirit = Starke Kette ohne schwaches Glied.

Darum haben die Rapperswiler mehr Erfolg als Teams mit einerseits sehr starken aber andererseits auch schwachen Gliedern in der Kette... siehe Langnau oder auch ZSC...

Super Rappi! Einfach geil :-)
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