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Der neue Cheftrainer Jan Cadieux und sein Assistent Rikard Franzén im Gespräch mit den Spielern.
Der neue Cheftrainer Jan Cadieux und sein Assistent Rikard Franzén im Gespräch mit den Spielern. Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Servette und die heilsame Wirkung eines Trainerwechsels

Ein Trainerwechsel kann auch Wunder wirken. Beim Weg aus der Krise spielt Rikard Franzén bei Servette eine zentrale Rolle. Der Trainer, den Langnau nach der letzten Saison nicht mehr wollte.
25.01.2022, 15:53

Es war die Niederlage zu viel: Nach dem 3:4 n.P. gegen Ajoie am 6. November muss Trainer Patrick Emond gehen. Servette hat nur 7 von 23 Partien gewonnen. Dem Kanadier hilft auch die ruhmreiche letzte Saison mit der schon fast märchenhaften Final-Qualifikation nicht mehr.

Zum Zeitpunkt der Trainerentlassung hat Servette auf dem 11. Platz nur drei Punkte Vorsprung auf die SCL Tigers und einen Rückstand von fünf Punkten auf den SC Bern. Inzwischen sind die Genfer auf den 7. Platz vorgerückt. Sie haben 29 Punkte mehr als die Langnauer und der SCB liegt 14 Punkte zurück.

Patrick Emond musste trotz einer hervorragenden letzten Saison Genf verlassen.
Patrick Emond musste trotz einer hervorragenden letzten Saison Genf verlassen. Bild: keystone

Jan Cadieux ist vom Assistenten zum Chef befördert worden und Louis Matte arbeitet weiterhin als Assistent. Neu kommt Rikard Franzen als zusätzlicher Assistent.

Der Schwede hatte in Langnau zwei Jahre lang Heinz Ehlers als Assistent gedient und war letzte Saison Cheftrainer geworden. Keine Zuschauer, kein Abstieg, keine Investitionen: Meistens muss er ohne Ausländer auskommen. Oft hat er nur einen Junior im Tor. Der 12. und letzte Platz ist unter diesen Voraussetzungen unvermeidlich. Aber den Letzten beissen die Hunde: Er bekommt im Frühjahr 2021 keinen neuen Vertrag und wird arbeitslos.

Bei den SCL Tigers hatte Rikard Franzén eine undankbare Aufgabe.
Bei den SCL Tigers hatte Rikard Franzén eine undankbare Aufgabe. Bild: keystone

Nun schreibt Rikard Franzén zusammen mit Jan Cadieux und Louis Matte in Genf eine Erfolgsgeschichte. Nachdem sein Vertrag in Langnau nicht verlängert worden war, kehrte er nach Schweden zurück. «Für mich hatte eine Rückkehr in die Schweiz erste Priorität.» Ein paar Angebote aus anderen Ligen habe er abgelehnt. Dann kommt der Anruf von Servettes Sportchef Marc Gautschi.

Der Trainerwechsel bedeutet nicht eine neue Generallinie. Louis Matte arbeitet schon seit 2003 in Genf, ab 2008 als Assistent des Cheftrainers. Jan Cadieux, der Sohn der Trainerlegende Paul-André Cadieux, steht auch schon in seiner dritten Saison.

Ein richtiges URgestein: Louis Matte (rechts) arbeitete in Genf auch schon viele Jahre unter Chris McSorley.
Ein richtiges URgestein: Louis Matte (rechts) arbeitete in Genf auch schon viele Jahre unter Chris McSorley. Bild: KEYSTONE

Der Trainerwechsel ist in diesem Falle also eher ein kleiner Handgriff mit maximaler Wirkung. Die Leistungskultur ist intakt. Es braucht keine Revolution. Keinen Neuanfang. Es geht mehr um Justierung des Spiels, der defensiven Ordnung und Disziplin. Der Wiederherstellung der Balance zwischen Offensive und Defensive.

Jan Cadieux, Louis Matte und Rikard Franzén neigen auch durch ihre Erfahrung als Assistenten zur Teamarbeit. Zur kollektiven Führung. Keiner war schon mal ein berühmter Cheftrainer. Keiner hat das persönliche Profil eines Bandengenerals, der alles kann. Einen Konflikt der Egos gibt es nicht. Ideale Voraussetzungen, wenn es darum geht, Kontinuität zu wahren. Wenn nicht alles auf den Kopf gestellt werden muss. Evolution statt Revolution.

Vor seiner Beförderung in Genf war Jan Cadieux noch nie Cheftrainer eines Teams in der National League gewesen.
Vor seiner Beförderung in Genf war Jan Cadieux noch nie Cheftrainer eines Teams in der National League gewesen.Bild: keystone

Vor dem Trainerwechsel kassiert Servette pro Spiel mehr als drei Tore. Seit dem Trainerwechsel sind es weniger als zwei. Zugleich ist die Torproduktion von 2,5 auf über 3,0 angestiegen. Oder noch einfacher: Das Torverhältnis lautete vor dem Trainerwechsel 58:80. Nun ist es ausgeglichen (109:109).

Hier ist die Handschrift von Rikard Franzén zu erkennen. Der langjährige Weggefährte von Taktik-Hexenmeister Heinz Ehlers kann taktische Schulung. Dazu gehört die Kunst, das Spiel ohne Scheibe zu lehren: Wenn sich alle richtig verhalten, die den Puck nicht haben, ist die halbe Miete schon bezahlt.

Die Frage ist interessant: Wo wäre Langnau, wenn Rikard Franzén geblieben wäre? Aber eben: Hinterher sind alle klüger und nach dem Krieg ist jeder Soldat ein General. Dass es nach einem Trainerwechsel aufwärts geht, ist oft nicht nur der Verdienst der neuen Führung. Sondern auch des abgesetzten Patrick Emond: Er hat eine intakte Mannschaft hinterlassen.

Servette blieb auch in schwierigen Zeiten eine intakte Mannschaft.
Servette blieb auch in schwierigen Zeiten eine intakte Mannschaft. Bild: keystone

Ob ein Kommandowechsel etwas bringt, hängt oft mehr vom Umfeld als von der Persönlichkeit der Trainer ab. Sage mir, ob ein Trainerwechsel etwas bewirkt, und ich sage dir, in welchem Zustand sich ein Hockey-Unternehmen befindet.

Sportchef Marc Gautschi hatte darüber nachgedacht, auf nächste Saison Sam Hallam als Cheftrainer zu verpflichten. Doch der Schwede wird nächste Saison neuer Nationaltrainer in seinem Heimatland. Nun könnte das Triumvirat mit Jan Cadieux, Louis Matte und Rikard Franzén die Lösung für die Zukunft sein. Ein Triumvirat ist ein Bündnis von drei Personen, die das gleiche Interesse haben.

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22 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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maylander
25.01.2022 11:37registriert September 2018
Dann gibt's noch das Gegenbeispiel bei dem der Trainerwechsel absolut gar nichts gebracht hat...
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hpvogt
25.01.2022 12:10registriert August 2014
Lieber Eismeister
Ich lese deine Artikel immer gerne. Etwas stört mich aber immer wieder: Du bringst die Bedeutungen des Begriffs „Verdienst“ durcheinander.
Der Verdienst ist der Lohn, das Gehalt.
Das Verdienst, sind Meriten, die jemand erworben hat.
Liebe Grüsse
Hanspeter
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