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Marc Luethi, CEO des SC Bern, vorne, an der Seite von Walter Born, Verwaltungsratspraesident des SC Bern, hinten, waehrend einer Vorsaison-Medienkonferenz des SC Bern, am Montag, 5 September 2016, in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Marc Lüthis Federn werden nicht so sehr gestutzt, dass er flugunfähig wird. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Marc Lüthis gestutzte Federn – das Risiko der neuen Machtverhältnisse beim SCB

Mit dem Einzug von Mark Streit und Roman Josis Vater in den SCB-Verwaltungsrat verändern sich zum ersten Mal seit 1998 die Machtverhältnisse in der grössten Hockey-Firma Europas. Eine grosse sportliche Chance und ein Risiko zugleich.



Wie gross die Anteile am SCB sind, die Mark Streit und die Familie Josi erworben haben, ist nicht bekannt. Das SCB-Aktionariat ist nicht einsehbar. Schätzungen, dass es je rund 15 Prozent sind, die je knapp eine Million gekostet haben, dürften nicht ganz daneben sein. Aber diese Besitzverhältnisse spielen eigentlich keine Rolle. Es geht um die neue Machtverteilung. Und die hängt von den Stimmen im Verwaltungsrat und nicht von der Anzahl Aktien ab, die ein Verwaltungsrat besitzt.

Mark Streit hat sozusagen in einem Akt vorauseilender politischer Korrektheit schon verkündet, an Marc Lüthis Aufgaben werde sich nichts ändern und es gebe eine klare Abgrenzung zum operativen Bereich. Tatsächlich aber sind jetzt die Voraussetzungen gegeben, dass die Federn des «Königs von Bern» erstmals ein wenig gestutzt werden. Was sich schon daran ablesen lässt, dass sich Marc Lüthi zum ersten Mal überhaupt seit 1998 ausdrücklich geweigert hat, sich öffentlich zu einem wichtigen SCB-Geschäft zu äussern.

Der grosse SCB-Manager hat seine Macht 2014 zementiert. Er ist seither nicht mehr nur Mitbesitzer und Delegierter des Verwaltungsrates. Er ist auch Verwaltungsrat. Damit sitzt er im Gremium, das ihn eigentlich kontrollieren sollte. Theoretisch setzt Marc Lüthi lediglich um, was der Verwaltungsrat vorgibt. Im richtigen SCB-Leben war es seit 1998 so, dass der Verwaltungsrat abnickte, was Marc Lüthi vorgeschlagen hatte.

Der SCB ist so wahrlich gut gefahren. Zu keinem Zeitpunkt hat sich das SCB-Management beim Geldausgeben von den sportlichen Emotionen leiten lassen. Der SCB hat stets nur so viel Geld ausgegeben, wie eingenommen worden ist. Diese Balance zwischen Geld und Sport hat den SCB zur erfolgreichsten Sportfirma der Schweiz gemacht.

Die Kritik war lediglich, dass der SCB zu wenig in den Sport, in die erste Mannschaft investiert. Was dazu geführt hat, dass zuletzt wichtige Spieler (wie Leonardo Genoni) nicht mehr gehalten werden konnten oder grosse Transfers gescheitert sind. Auch deshalb ist der Meister in der letzten Saison sportlich «abgestürzt».

Zugs Goalie, Leonardo Genoni, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen dem HC Fribourg-Gotteron und dem EV Zug, am Dienstag 25. Februar 2020, in der BCF Arena in Fribourg. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Leonardo Genoni steht jetzt beim EV Zug im Tor. Bild: KEYSTONE

Mit Zug, den ZSC Lions, Davos und Lugano hat der SCB vier Herausforderer, die mit Milliardären als Besitzer oder Mäzen betriebsfremde Mittel einschiessen können. Auch wenn an allen vier Orten betont wird, das sei keineswegs der Fall und man operiere streng nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen – wenn es um einen grossen Transfer geht, fliesst der «Extrabatzen» der Milliardäre, der die Differenz macht. Auf dem Schachbrett der Transferstrategen entscheidet am Ende immer das letzte Tausendernötli.

Beim SCB steckt die Sportabteilung in der «Zwangsjacke» des Budgets, das vom Verwaltungsrat vorgegeben wird. Eine Lockerung dieser finanziellen «Zwangsjacke» durch eine ausserordentliche Investition hat es in den letzten Jahren nicht gegeben. Der SCB hat keinen «Götti» und im SCB-Verwaltungsrat sassen kostenbewusste Zahlenmenschen, die Marc Lüthis restriktiver Finanzpolitik gefolgt sind.

Die Frage ist nun: muss der SCB künftig grössere Risiken eingehen und mehr in den Sport investieren, um weiterhin auf Augenhöhe mit den Titanen aus Zürich oder Zug zu stehen? Noch stecken wir in der Viruskrise. Aber wenn sie überwunden ist, wird es im Hockey-Business wieder rocken. Eine sportliche «Perestroika» (Veränderung, Umgestaltung) läuft beim SCB über den Verwaltungsrat. Nun sitzen in diesem obersten SCB-Gremium zum ersten Mal seit 1998 zwei Vertreter des Sportes: Mark Streit und Peter Josi, der Vater von Roman Josi.

FILE - In this Sunday, Feb. 16, 2020 file photo, Nashville Predators defenseman Roman Josi, of Switzerland, plays against the St. Louis Blues in the third period of an NHL hockey game in Nashville, Tenn. Predators captain Roman Josi and his wife, Ellie, gave $20,000 to Second Harvest Food Bank of Middle Tennessee and another $20,000 to a local homeless ministry. (AP Photo/Mark Humphrey, File)
Roman Josi

NHL-Star Roman Josi wird von seiner Vater Peter im Verwaltungsrat vertreten. Bild: AP

Mit diesen zwei neuen Verwaltungsräten werden keine zusätzlichen Einnahmequellen erschlossen. Weder Mark Streit noch die Familie Josi werden den Verstand verlieren und als Mäzen auftreten. Nach wie vor gilt der eherne Grundsatz: es gibt einen Weg, mit dem Sport ein kleines Vermögen zu machen. Indem man mit einem grossen Vermögen anfängt. Die finanzielle DNA des Hockeykonzerns SCB verändert sich durch den neuen Verwaltungsrat nicht.

Es geht aber auch nicht darum, mit dem SCB Geld zu verdienen. Das geht schon deshalb nicht, weil der SCB seit 1998 nie Dividenden ausbezahlt, sondern das Geld gleich wieder investiert hat. Bei diesen zwei neuen Verwaltungsräten geht es um etwas anderes als um Geld: es geht um das Einbringen von Knowhow in eine urbernische Institution. Um eine aufregende neue Aufgabe. Um eine grosse Herausforderung. Ein bisschen auch um ein modernes Abenteuer und ein wenig Eitelkeit und Adrenalin. Sonst wird es Mark Streit bald einmal langweilig. Und kürzlich hat IIHF-Präsident René Fasel im kleinen Kreis angemahnt, man sollte nicht den Fehler machen, Mark Streit zu unterschätzen.

Mark Streit und die Familie Josi sind nicht nur wegen ihrem riesigen Beziehungsnetz und hockeytechnischen Wissen wichtiger als Sportchefin Florence Schelling. Mit zwei Sitzen im Verwaltungsrat sind sie auch dazu in der Lage für eine sportliche Öffnung – will heissen: für grössere Investitionen in den Sport, für ein grösseres Budget der Sportabteilung zu sorgen. Sie haben zwar nur zwei von sechs Stimmen – aber wenn sie bei einer Verwaltungsrats-Sitzung vorgetragen werden von einem Stanley Cup-Sieger und vom Vater des Captains der Nashville Predators, dann haben sie so viel Gewicht, dass schon mal ein Antrag gegen den Willen und die Stimme von Marc Lüthi durchgebracht werden kann.

Florence Schelling, ehemalige Schweizer Eishockey-Nationaltorhueterin, in ihrer neuen Funktion als Assistant Coach beim Spiel der Schweizer Damen U18 Eishockey Nationalmannschaft gegen Russland, aufgenommen am Donnerstag, 23. August 2018, in St. Gallen. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Die neue SCB-Sportchefin Florence Schelling. Bild: KEYSTONE

Diese neuen Machtverhältnisse sind nicht ganz ohne wirtschaftliches Risiko. Da es sich aber bei den neuen Verwaltungsräten um Ur-Berner handelt, die alles Interesse am Wohlergeben der urbernischen Institution SCB haben, sind keinerlei finanziellen Abenteuer zu befürchten.

Wer nun einwendet, es sei doch wohl etwas übertrieben und polemisch, von gestutzten Machtfedern bei Marc Lüthi zu reden, hat womöglich nicht ganz unrecht. Sagen wir es so: Marc Lüthis Federn werden nicht so sehr gestutzt, dass er flugunfähig wird. Aber sie werden von den neuen Verwaltungsräten sportlich bunter gefärbt. Der SCB-Verwaltungsrat ist nun jünger, dynamischer, sportlicher und in einem gesunden Mass risikofreudiger. Oder noch einfacher: ein frischer Wind weht durch die SCB-Büros.

Das reicht eigentlich schon, um den SCB mittelfristig wieder zum Meisterkandidaten zu machen.

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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Jüre51 02.05.2020 18:17
    Highlight Highlight @SBP
    Ja genau aufgrund dieser Fehleinschätzung - übrigens durch einen gewissen Bill Gilligan - kann Mark dem SCB helfen, dass solche „Geschichten“ kaum mehr vorkommen werden.
    • MARC AUREL 02.05.2020 20:34
      Highlight Highlight Jüre51, Fehleinschätzungen wird es immer wieder geben! Gewisse Spieler brauchen länger um ihre Potenzial auszuschöpfen... andere schlagen gleich ein usw...
  • Roelli 02.05.2020 16:33
    Highlight Highlight Aber die eigentliche Frage ist doch wird Roman Josi per Telefon mit dem Verwaltungsrat kommunizieren?🤔
    • bokl 02.05.2020 17:59
      Highlight Highlight Nein per Papa.

      Wer lesen kann ist klar im Vorteil...
    • glointhegreat 02.05.2020 20:58
      Highlight Highlight Bin mir nicht ganz sicher, aber meinte irgendwo gelesen zu haben, er würde per telefon kommunizieren.
    • marak 03.05.2020 11:17
      Highlight Highlight Dar er gar nicht. Die HNL erlaubt das nicht, dass akitve Spieler in Verwaltungsräten sitzen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Yorik2010 02.05.2020 15:53
    Highlight Highlight Der Bericht von Eismeister Zaugg ‚schmürzelet‘ etwas nach Kaffeesatz lesen. Lassen wir doch den ,neuen‘ Verwaltungsrat aktiv werden bevor wir das Kind mit dem Bad ausschütten!
    Ich denke positiv ganz nach dem bernischen Moto: Äs chunt scho guet!
  • MARC AUREL 02.05.2020 15:47
    Highlight Highlight Treffend analysiert Herr Zaugg! Wie ich es schon lange sage.. Die Mäzen können Bern jederzeit überbieten und sind der Hauptgrund für die Saläre die völlig überborden! Harter arbeit gegenüber die Bonzen! GRANDE BERN!
    • mukeleven 02.05.2020 18:07
      Highlight Highlight es wird zeit lassen sie dich wieder arbeiten, marc.
    • Klartext 02.05.2020 18:31
      Highlight Highlight Liest du den Stuss den du schreibst jeweils nicht durch, bevor du den grünen Button drückst... Allzu intelligent wirkt dein Gefasel jedenfalls nicht
  • Jüre51 02.05.2020 15:37
    Highlight Highlight Ich habe mir schon lange ersehnt, dass urbernische Hockeygrössen Einzug in die Teppichetage des SCB erhalten. Jetzt ist es soweit! Dass es gerade zwei sind und erst noch Spieler mit einem riesigen Leistungsausweis in der NHL (Captains) ist grossartig! Nach der Ära Jalonen und der Nichtberücksichtigung von eigenen Nachwuchsspielern kommt hoffentlich mit Mark Streit und seinen eigenen Erfahrungen aus der Juniorenzeit beim SCB neuen Wind in die Organisation! Die Fans erwarten Mittelfristig keine Wunder nur Eiszeit von eigenen Nachwuchsspielern mit Entwicklungspotenzial! Danke Mark, danke Roman!
    • SBP 02.05.2020 16:25
      Highlight Highlight Du meinst die Juniorenzeit, in der man Mark Streit beim SCB als NLA-untauglich eingestuft hat? 😂
    • Pesche Buri 02.05.2020 16:43
      Highlight Highlight Mich freuts...
  • Bruno Wüthrich 02.05.2020 15:34
    Highlight Highlight Es ist nicht leicht, von aussen zu beurteilen, was in den letzten 20 Jahren im Verwaltungsrat des SC Bern ablief. Eventuell endete ja die unbestritten grosse Macht von Marc Lüthi bereits bisher bei den Budgets, die ihm vom Verwaltungsrat vorgegeben wurden.

    Sollte dies so gewesen sein, so könnte dies auch weiterhin genauso bleiben. Der Verwaltungsrat (dem Lüthi ja angehört und wo er Einfluss nehmen kann) beschliesst die Budgets, der CEO Marc Lüthi setzt dann um. Einziger (möglicher) Unterschied: Der Verwaltungsrat genehmigt künftig höhere Budgets.
    • BOSELLI 02.05.2020 16:11
      Highlight Highlight Auffällig einfach dass M.L. schweigt.
      Zu Frau Schelling gab's ja durchaus das eint oder andere zu lesen.
      Und auch zum neuen Thema wär's zumindest interessant was er zu sagen hätte.

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