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Berns Topscorer Martin Pluess im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem SC Bern und dem EV Zug, am Freitag, 10. Oktober 2014, in der PostFinance-Arena in Bern. (Photopress/Peter Klaunzer)

Mit ihm behält der SCB einen äusserst verlässlichen Skorer: Martin Plüss hat seinen Vertrag mit den Mutzen um zwei Jahre verlängert. Bild: PHOTOPRESS

Die Flieger müssen über die Bücher

Eismeister Zaugg

Plüss bleibt – eine schwere Niederlage für die Kloten Flyers

Martin Plüss bleibt beim SC Bern. Die Vertragsverlängerung macht Sinn und die Frage steht im Raum: Welche Perspektiven hat eigentlich Kloten?

Das Werweissen um die Zukunft von Martin Plüss hat beim SC Bern ein wenig für Unterhaltung gesorgt. Bleibt er? Geht er? Ein Abgang des Leitwolfes nach Kloten schien wahrscheinlich. Denn SCB- Sportchef Sven Leuenberger hatte noch nie ein Problem, sich zum richtigen Zeitpunkt von verdienten Spielern zu verabschieden. Und die Flyers wollten Martin Plüss nach 10 Jahren heim nach Kloten holen (watson.ch berichtete).

Die Vertragsverlängerung mit Martin Plüss macht durchaus Sinn. Auch wenn er im nächsten Frühjahr schon 38 Jahre alt wird. Ein Karrierenende wie bei Ivo Rüthemann kann mit ziemlicher Sicherheit ausgeschlossen werden. Rüthemann ist zwar gleich alt wie Martin Plüss, aber er war als Tempoflügel ein anderer Spielertyp und seine Wirkung hing mehr von der Form seiner Mitspieler ab.

Im Meisterjahr (2012/13) produzierte er in 70 Spielen 45 Punkte. Eine Saison später waren es noch 6 Punkte in 54 Spielen und er beendete seine Karriere. Martin Plüss ist ein dominierender Center, der seine Wirkung ziemlich unabhängig vom Formstand seines Teams entfaltet und er war in der letzten Krisensaison sogar produktiver als im Meisterjahr.

Berns Martin Pluess, links, feiert sein 1-1 fuer Bern vor Zug-Torhueter Tobias Stephan, oben rechts, im Eishockey Mesterschaftsspiel zwischen dem EV Zug und dem SC Bern, am Freitag, 14. November 2014, in Zug. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Bild: KEYSTONE

Plüss wäre für Kloten Gold wert gewesen

Der SC Bern kann weiterhin zwei Jahre auf seinen Leitwolf zählen. Die Kloten Flyers haben eine schwere Transfer-Niederlage erlitten. Die Rückkehr dieser grossen Spielerpersönlichkeit wäre ein enormer Prestigegewinn in turbulenten Zeiten gewesen. Martin Plüss wäre in Kloten so etwas wie ein «Poster Boy» einer neuen Ära gewesen – und sportlichen Mehrwert hätte er sowieso gebracht.

Die Kloten Flyers wollten Martin Plüss. Das Scheitern der Verhandlungen ist erst einmal ein ganz normales Hockeygeschäft. Im November wird jeden Tag irgendwo in einem Hockeyunternehmen in diesem Land ein Gespräch geführt, das schliesslich nicht zum erhofften Transferresultat führt. Also wäre die Absage von Martin Plüss kein Grund zur Aufregung.

Und doch lohnt es sich für das Management der Kloten Flyers, kurz innezuhalten und sich zu fragen: Wohin wollen wir eigentlich?



Den Flyers fehlt es an Charisma ...

Pro Match sind in dieser Saison durchschnittlich noch exakt 5000 Zuschauer gekommen. Erstmals seit fünf Jahren droht der Schnitt unter 5000 zu sinken. Vor drei Jahren wollten noch 6 041 Fans die Flyers sehen. Der Rückgang ist nicht nur dem ausbleibenden sportlichen Erfolg geschuldet. Sportunternehmen mit einer klaren Positionierung auf dem Markt werden auch in schweren Zeiten vom Publikum unterstützt. Der SCB hatte in seiner Krisensaison 2013/14 mit Sturz in die Abstiegsrunde mehr Zuschauer (16 347) als in der Meistersaison 2012/13 (16 329).

Natürlich lässt sich Kloten als Standort eines Sportunternehmens nicht mit der Stadt Bern vergleichen. Und doch haben die Kloten Flyers ein Imageproblem. Wofür stehen sie? Sie sind im Niemandsland zwischen grossen Ambitionen und Bescheidenheit stecken geblieben. Sie sind weder der sympathische Aussenseiter (wie Ambri oder Langnau), noch der sportliche und wirtschaftliche Titan (wie der SCB oder die ZSC Lions), der Neid oder Bewunderung weckt. Das erschwert die Vermarktung enorm.

Berns Topscorer Martin Pluess jubelt nach seinem Tor zum 2-1 im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem SC Bern und Genf Servette HC, am Samstag, 4. Oktober 2014, in der PostFinance-Arena in Bern. (Photopress/Peter Klaunzer)

25 Skorerpunkte (14 Tore/11 Assists) hat sich Martin Plüss in dieser Saison bislang gutschreiben lassen dürfen. Bild: PHOTOPRESS

... und schafft es nicht, ein «Anti-ZSC» zu sein

Die Rückkehr von Martin Plüss hätte klugen Marketing-Strategen die Chance geboten, auf eigene Werte zu setzen. Kloten als Hockeyunternehmen der Bescheidenheit. Als Hockeyunternehmen, das auf die selber ausgebildeten Spieler setzt. Das seinen Talenten die Chance eröffnet, die grosse, weite Hockeywelt zu erobern. Und im Herbst ihrer Karriere kehren dann diese Talente zu «ihrem» Kloten heim, um ihre Erfahrung in das Unternehmen einbringen.

Die riesige Chance, im Grossraum Zürich, im grössten Wirtschaftsraum der Schweiz, ein «Anti-ZSC» zu werden, also ein Sportunternehmen, das nicht auf Titel und Triumphe angewiesen ist, sondern auf die romantischen Werte des Sportes setzt, als «Dorfclub» Kult wird und sich so im Markt ganz anders positioniert (wie die SCL Tigers gegenüber dem SC Bern) müsste eigentlich jeden Marketing-Spezialisten elektrisieren.

Aber eben: Inzwischen haben die ZSC Lions die bessere Nachwuchsorganisation als Kloten aufgebaut und selbst ein Ur- Klotener wie Martin Plüss mag nicht heimkehren und bleibt lieber in Bern. Die Schwierigkeiten der Kloten Flyers sind nicht nur sportlicher Natur. Kein Schelm, wer behauptet, der SCB habe mit Sven Leuenberger den besseren Sportchef.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Tikkanen 27.11.2014 17:52
    Highlight Highlight War ja klar, das der Plüss nicht nach Kloten geht. Dort regieren ja mittlerweile die Emmentaler. Das käme einem Abstieg sondergleichen für Martin nahe. Aber eigentlich erstaunlich: Obwohl mittlerweile Klausis ehemaliger "Chelios des armen Mannes" in Kloten regiert, ist der Zaugg immer noch reserviert gegenüber den Flyers :-)
  • Lindros88 26.11.2014 18:38
    Highlight Highlight Ist jetzt etwa vom gleichen Sportchef Leuenberger die Rede wie vor einem Jahr? Weil, der vor einem Jahr konnte machen was er wollte, es war falsch! Der in diesem Jahr macht alles richtig.
    Wenn er Plüss gehen lässt, ist das die richtige Entscheidung ( Kolumne von gestern!), wenn Plüss verlängert, ist es laut Herrn Zaugg's heutiger Meinung die einzig richtige Entscheidung!!
    Bin gespannt auf die Kolumne von morgen....
  • Ralphster 26.11.2014 18:30
    Highlight Highlight Vielleicht hat der SCB halt einfach trotzdem noch ein ganzes Stuck mehr Gehalt geboten als die Flyers...aber diese Annahme passt halt nicht in das Bild vom Eismeister....wie hätte die Schlagzeile ausgesehen wäre der Transfer doch vollzogen worden? "Plüss folgt dem Ruf des Geldes" und ob dann das ganze aus Sicht von Zaugg auch als Transfercoup angesehen worden wäre? Nur die Götter wissen die Antwort...es wäre nicht das erste Mal, dass sich seine Meinung wie das Fähnchen im Wind verhalten hätte....dass Kloten aber ein deftiges Imageproblem hat, lässt sich nicht von der Hand weisen...
    • chandler 27.11.2014 08:06
      Highlight Highlight Und Bern kann sich der höhere Lohn wirtschaftlich leisten, was man von Kloten nicht behaupten kann (auch ein kleineren Lohn für Plüss eigentlich nicht...). Erfolg eines Sportunternehmen ist auch Milliarden auf dem Konto nicht einfach zu kaufen.
    • Ralphster 27.11.2014 11:44
      Highlight Highlight Gut, seien wir mal ehrlich, erstens brauchte auch der SCB vor ein paar Jahren noch (externe) finanzielle Hilfe um diese Grundlage zu schaffen und zweitens lebt auch dieser Club (wie praktisch alle anderen) durchaus ab und zu noch von Zuschüssen, welche von Gönnern zur Verfügung gestellt werden....oder ist bereits wieder vergessen, wer vor zwei Jahren die NHL-Stars bezahlt hat? Dieses Geld kam auf jeden Fall nicht aus der Portokasse...

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