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Center Nico Hischier holds a New Jersey Devils jersey after being selected by the team in the first round of the NHL hockey draft, Friday, June 23, 2017, in Chicago. (AP Photo/Nam Y. Huh)

Hischier im Trikot seines neuen Teams, den New Jersey Devils. Bild: Nam Y. Huh/AP/KEYSTONE

Eismeister Zaugg

«Poster Boy» Hischier wird die Saison in der NHL beginnen – und dann?

Nico Hischier wie Mario Lemieux, Sidney Crosby oder Patrick Kane? Ja, das sind die Dimensionen seiner Karriere. Er wird die nächste Saison in der NHL beginnen.

klaus zaugg, chicago



Nico Hischier (18) hat etwas, was Patrick Nolan, der kanadischen Nummer Zwei in diesem Draft, fehlt: diesen Hauch von Genie und Leichtigkeit, den nur aussergewöhnliche Spieler haben. Deshalb ist er die Nummer Eins. Und deshalb sind die Erwartungen so hoch. Nico Hischier ist ausersehen, die Organisation der New Jersey Devils in eine neue Ära zu führen.

Als Nummer-Eins-Draft hat er alle Vorteile, die das System NHL, die der nordamerikanische Profisport einem Spieler zu bieten hat. Die beste Betreuung und – das ist wichtig – viel Geduld. Bevor New Jerseys General Manager Ray Shero den Stab über seinem Nummer-Eins-Draft bricht, gibt er ihm zehn Chancen. Denn ein Scheitern von Nico Hischier wäre auch Sheros Irrtum. Seine Schmach.

Gut für Hischier, dass er in New Jersey gelandet ist

An äusseren Umständen wird Nicos Karriere nicht scheitern. Als Nummer-Eins-Draft hat er «sieben Leben». Die New Jersey Devils werden alles für den Erfolg von Nico Hischier tun – und damit für den Erfolg des Teams, der gesamten Organisation.

Hischier beginnt seine Karriere nicht bei einem der charismatischen, traditionsreichen NHL-Organisationen. Nicht bei Montreal, Toronto, Chicago, Boston oder bei den Rangers. Und das ist gut für ihn. Er wäre bei fast allen anderen NHL-Unternehmen einfach ein wichtiger, neuer Spieler – und ansonsten würde alles seinen gewohnten Gang gehen. Niemand würde in Montreal, Toronto oder New York wegen Nico Hischier den Beginn einer neuen Ära erwarten.

In New Jersey ist es anders. Diese Organisation ist gerade daran, sich neu zu positionieren, neu zu erfinden. Die Ära von General Manager Lou Lamoriello ist im Mai 2015 nach 28 Jahren und drei Stanley Cups zu Ende gegangen. Lamoriello hatte seinen ganz eigenen Stil und mit seinen strikten Verhaltensregeln vermittelte er seiner Organisation den Hauch einer Militärakademie. Richtig populär waren die Devils noch nie. Aber sie genossen in der Liga und in der Hockeywelt Kraft ihrer Erfolge allerhöchsten Respekt.

FILE - In this June 9, 2003, file photo, New Jersey Devils goaltender Martin Brodeur hoists the Stanley Cup after the Devils defeated the Anaheim Mighty Ducks 3-0 in Game 7 of the Stanley Cup Finals in East Rutherford, N.J.. Brodeur is retiring to take a front office job with the St. Louis Blues. (AP Photo/The Canadian Press, Paul Chiasson)

Goalie Martin Brodeur stemmt 2003 den Stanley Cup in die Höhe. Bild: AP/The Canadian Press

Hischier wird zum «Franchise-Spieler»

Nun erfindet General Manager Ray Shero die Devils sozusagen neu. Die Abnabelung von der ruhmreichen Vergangenheit, vom Stil seines Vorgängers, ist im Gange. Aber sie ist nicht einfach und noch nicht ganz abgeschlossen. Eine neue Ära soll beginnen – und eine neue Ära braucht ein neues Gesicht. Einen neuen «Franchise-Spieler».

Im Privatjet nach New Jersey

Nico Hischier hat Chicago bereits heute Samstagvormittag verlassen – mit dem Privatjet. General Manager Ray Shero hat seinen Nummer-Eins-Draft zu einem ersten Besuch nach New Jersey geflogen. Hischier kehrt voraussichtlich am Mittwoch in die Schweiz zurück.

Zum ersten Mal rückt nun mit Nico Hischier ein Schweizer in diese zentrale Rolle einer NHL-Organisation. So gesehen hat er eine noch wichtigere Rolle als Roman Josi in Nashville. Nico Hischier soll das Gesicht der neuen Devils, der «Poster Boy» einer neuen Ära werden.

Im Privatjet geht's in die neue Heimat.

Natürlich geben bei einem Nummer-Eins-Draft in allererster Linie die spielerischen und charakterlichen Qualitäten eines Spielers den Ausschlag. Bei Nico Hischier kommt aber noch etwas dazu. Neben seiner Magie als Spieler bringt er auch Mehrwehrt in die PR-Abteilung der Devils. Als «Schweizer Wunderkind» bietet er andere Vermarktungsmöglichkeiten als ein Kanadier, Amerikaner, Schwede oder Russe.

Drei Camps für ein Halleluja

Alles dreht sich nun um die Frage, ob Nico Hischier bereits nächste Saison in der NHL spielen und gleich eine wichtige Rolle übernehmen kann. Ob er für die NHL bereit ist, wird sich erst nach einem intensiven Sommer und Herbst zeigen. Er wird drei Camps hintereinander durchlaufen (Development-Camp, Rookie-Camp und das NHL-Camp), die Saisonvorbereitung bestreiten und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mindestens die neun ersten NHL-Partien der Saison.

Nach neun Spielen muss Shero entscheiden, ob Hischier bleibt. Dann beginnt sein Dreijahresvertrag zu laufen. Oder ob er ihn für eine weitere Saison zur Weiterentwicklung zu den Junioren oder zum SC Bern schicken will. Dann wird der Vertragsbeginn um ein Jahr hinausgeschoben.

Zurück zum SC Bern?

SCB-Sportchef Alex Chatelain hat den historischen Nummer-Eins-Drafts seines ehemaligen Juniorenspielers vor Ort miterlebt. Er sass zusammen mit Verbands-Sportdirektor Raeto Raffainer im Publikum. Beide waren beeindruckt vom Spektakel. Der SCB-Sportchef hat mit New Jerseys General Manager noch nicht gesprochen: «Der Rummel ist jetzt zu gross. Ich werde mich in ein paar Tagen bei ihm melden.» Grosse Hoffnungen macht sich Alex Chatelain nicht. «Wir werden aufzeigen, welche Möglichkeiten Nico Hischier im Falle eines Falles bei uns hätte. Das ist alles, was wir tun können.»

McDavid und Matthews sind der Massstab für Hischier

Die NHL ist nicht mehr die raue «Rumpel-Liga» des letzten Jahrhunderts. Noch vor 20 Jahren hätte ein Spieler wie Nico Hischier allergrösste Mühe gehabt. In der modernen NHL mit der Regelauslegung «Null Toleranz» haben spielstarke Center viel mehr Raum und Sauerstoff, um sich zu entfalten. Talent wird besser geschützt. Die NHL ist sportlich jünger, moderner, besser, spektakulärer geworden. Connor McDavid, der Nummer-Eins-Draft von 2015, hat die NHL-Skorerwertung dieser Saison gewonnen und Auston Matthews, die Nummer Eins im Draft von 2016, war Neuling des Jahres.

Auston Matthews of the Toronto Maple Leafs holds the Calder Memorial Trophy after winning the award during the NHL Awards, Wednesday, June 21, 2017, in Las Vegas. (AP Photo/John Locher)

Rookie des Jahres: Ex-ZSC-Stürmer Auston Matthews. Bild: John Locher/AP/KEYSTONE

Das ist der Massstab, an dem Nico Hischier gemessen wird. Eine riesige Herausforderung für das grösste Schweizer Talent aller Zeiten – und eine ebenso grosse Chance.

 

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