Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Swiss fans cheer their team, during the IIHF 2015 World Championship preliminary round game Sweden vs Switzerland, at the O2 Arena, in Prague, Czech Republic, Saturday, May 9, 2015. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Zahlreich und lautstark: Schweizer Schlachtenbummler in Prag. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Wenn bei uns die Badis öffnen, findet die Eishockey-WM statt – warum dieses Konzept so erfolgreich ist

Jedes Jahr die gleiche Klage. Wenn die Schwimmbäder geöffnet werden, wird immer noch Eishockey gespielt. Und jedes Jahr eine Eishockey-WM. Das ist doch unsinnig. Falsch: Die jährliche Eishockey-WM im Mai ist so erfolgreich wie nie!

klaus zaugg, prag



Eine WM während der Saison, zwischen September und April, ist nicht möglich. Weil die wichtigste Liga der Welt – die nordamerikanische NHL, die drei Viertel der besten Spieler der Welt beschäftigt – nicht Mitglied des Internationalen Eishockeyverbandes (IIHF) ist. Das wäre im Fussball so, wie wenn die Premier League in England und die Bundesliga nicht Mitglied der FIFA wären und sich nicht für die Fussball-WM interessieren würden.

Um trotzdem NHL-Stars an der WM zu haben, kann das Turnier erst dann beginnen, wenn in der NHL die Qualifikation und die erste Playoffrunde gespielt sind. So ist es möglich, die Stars aus 22 von 30 NHL-Teams für die WM zu nominieren. Deshalb beginnt die WM erst am letzten April- oder am ersten Mai-Wochenende.

Die Top-Verdiener der WM-Teams

Früher, als die Welt noch in Ordnung war …

Das war einst so nicht notwendig. Weil bis in die 1970er-Jahre hinein nur Kanadier und Amerikaner in der NHL spielten. Die WM konnte zwischen Februar und April mit den besten Europäern gespielt werden. Ohne Rücksicht auf die NHL. Die Kanadier und die Amerikaner schickten Amateurteams zu den Titelkämpfen.

Aber seit den 1970er-Jahren genügen Amateurteams nicht mehr. Im Laufe der 1980er-Jahre haben die Europäer die NHL erobert und nach dem Zusammenbruch des Ostblocks spielen auch die besten Tschechen, Slowaken und Russen in der NHL. Eine WM im Februar, März oder April ist nicht mehr machbar.

Prag, 14.5.2015, Eishockey WM 2015 - Kanada - Weissrussland, Sidney Crosby (can) (Melanie Duchene/EQ Images)

Superstar Sidney Crosby führte Kanada in den WM-Halbfinal. Bild: Melanie Duchene

Erfolgreich in der Nische

Die Diskussionen um einen anderen Termin sind oft geführt worden. Sie haben zu keinem Resultat geführt. Weil es zur Eishockey-WM im Mai keine Alternative gibt. Und inzwischen ist es auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht notwendig, Alternativen zu suchen.

Die Eishockey-WM hat zwar bei Weitem nicht die globale Ausstrahlung einer Fussball-WM. Aber das hätte sie auch dann nicht, wenn sie nur alle zwei oder vier Jahre ausgetragen würde. Die Eishockey-WM füllt eine Marktnische im internationalen Sportbusiness und ist inzwischen so erfolgreich wie nie. Das Interesse ist mit TV-Übertragungen in mehr als 120 Ländern und fast einer Milliarde TV-Zuschauer durchaus global. Aber die Eishockey-Titelkämpfe bewegen die Menschen nur in ein paar Ländern. In Schweden, Finnland, Lettland, Russland, Tschechien, in der Slowakei und in der Schweiz. Selbst in Kanada und in den USA spielt die WM wegen der gleichzeitig ausgespielten Stanley-Cup-Playoffs in den Medien nur eine Nebenrolle.

Weltverband braucht die jährlichen WM-Einnahmen

Aber diese Präsenz genügt fürs grosse Geschäft. Die Vermarktungsagentur Infront bezahlt der IIHF jedes Jahr rund 20 Millionen Franken für die TV- und Vermarktungsrechte der WM-Turniere. Den WM-Veranstaltern bleiben die Zuschauer- und Gastronomie-Einnahmen und stark limitierte Werbemöglichkeiten. Diese 20 Millionen Franken machen gut die Hälfte des gesamten IIHF-Budgets aus. Der Weltverband ist auf diese jährlichen Einnahmen angewiesen.

Vor Ort interessieren sich immer mehr Zuschauer für die WM. 2012 und 2013 hatten die Finnen und Schweden viel zu hohe Eintrittspreise verlangt und kamen nicht einmal auf eine halbe Million Zuschauer. 2014 in Minsk waren es dann 640'000 (Rekord) und nun wird in Prag eine neue Bestmarke erreicht. Der letztjährige Rekord ist bereits geknackt und am Ende werden es mehr als 700'000 zahlende Zuschauer sein. Das Erfolgsrezept ist einfach: Moderate Eintrittspreise (beinahe halbierte Ticketpreise im Vergleich zu 2011 und 2012) und eine gut ausgebaute Gastronomie in den Fanzonen. Damit es auch rund um die Arenen rockt und rollt.

Official mascot Bob jokes with spectators, during the IIHF 2015 World Championship preliminary round game France vs Canada, at the O2 Arena, in Prague, Czech Republic, Saturday, May 9, 2015. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Maskottchen Bob heizt die Stimmung in der Halle an. Bild: KEYSTONE

Der Bierpreis als Stimmungsmacher

Ein Vorteil der Hockey-WM sind die friedlichen Zuschauer, Zwischenfälle gibt es kaum. Die Hockey-WM ist längst so etwas wie ein alljährliches Klassentreffen für Hockeyfans aus ganz Europa geworden. Wenn erst noch in einem Land mit vernünftigen Bierpreisen gespielt wird (was in Prag der Fall ist), schwelgen die Besucher aus Skandinavien in Glückseligkeit.

Die Eishockey-WM verkürzt den Fans die Wartezeit auf die neue Saison um einen Monat, schwemmt inzwischen jedes Jahr Geld mehr in die Kassen des Internationalen Verbandes und des Organisators vor Ort und verschafft dem Eishockey in den Stammländern viel Medienpräsenz. Auch die Schweiz hat bei den letzten WM-Turnieren (1998 und 2009) rund eine Million Franken verdient, mit 220'000 (1998) und mit 375'000 (2009) Zuschauern. Mehr kann von diesem Turnier nicht erwartet werden. Mehr ist nicht möglich.

So die Welt nicht untergeht …

Mit der jetzt aktuellen Formel – 16 Teams, zwei Gruppen – ist das Optimum erreicht. Mehr konkurrenzfähige Nationalmannschaften gibt es nicht. Bis 1975 spielten nur 6 Teams um den WM-Titel, dann waren es bis 1991 10 und seit 1998 haben wir die heute üblichen 16 WM-Teilnehmer.

Wir werden, so die Welt nicht untergeht, auch in 30 Jahren noch während der Badesaison im Mai eine Eishockey-WM mit 16 Teams haben.

Schon gesehen?

Kennst du schon die watson-App?

Über 150'000 Menschen nutzen bereits watson für die Hosentasche. Unsere App hat den «Best of Swiss Apps»-Award gewonnen und wurde unter «Beste Apps 2014» gelistet. Willst auch du mit watson auf frische Weise informiert sein? Hol dir jetzt die kostenlose App für iPhone/iPad und Android.

Das könnte dich auch interessieren:

«Die Schweiz ist eine Gold-Weltmacht – ein enormes Risiko»

Link zum Artikel

Turbo Jens ist alles, was du heute gesehen haben musst (wer hat den Typen eingestellt?)

Link zum Artikel

YouTuberin verwandelt Teslas Model 3 in Pick-up – und das Resultat ist grandios

Link zum Artikel

«Ab 30 kann Mann keine kurzen Hosen mehr tragen!» – watson-Chef klärt uns auf 🙄

Link zum Artikel

Diese Schweizer Fussballer haben noch keinen Vertrag für nächste Saison

Link zum Artikel

Herr Matthes, wie gross ist die Schadenfreude bei Nokia über Huaweis Trump-Schlamassel?

Link zum Artikel

Ein Streik kommt selten allein – so wollen die Frauen weitermachen

Link zum Artikel

Nach 27 Jahren kommt der Nachfolger der SMS – das musst du über RCS wissen

Link zum Artikel

Merkel beginnt bei Staatsbesuch plötzlich zu zittern – Entwarnung folgt kurz darauf

Link zum Artikel

Empörung nach Landung am Mont-Blanc

Link zum Artikel

Ohrfeige für Bundesanwalt vom Bundesstrafgericht – Lauber ist im FIFA-Fall befangen

Link zum Artikel

40 Millionen Liter Trinkwasser verschwunden? Das Rätsel von Tägerig ist gelöst

Link zum Artikel

OMG – wir haben Knoblauch unser ganzes Leben lang falsch geschält

Link zum Artikel

Warum Donald Trump 2020 wiedergewählt wird – und warum nicht

Link zum Artikel

Ein 3-jähriges Mädchen zerstört eine Fliege – das macht dann 56'000 Franken

Link zum Artikel

«Kann man sich in einen guten Freund verlieben?»

Link zum Artikel

Khashoggi-Mord: Hinweise belasten Saudi-Kronprinz

Link zum Artikel

Federer vor Halle-Auftakt: «Rasen hat seine eigenen Regeln – vor allem für mich»

Link zum Artikel

We will always love you – vor 60 Jahren veröffentlichte Dolly ihre erste Single

Link zum Artikel

Fazit nach Frauenstreik: Hunderttausende Menschen protestierten für Gleichstellung

Link zum Artikel

«Er hat nicht unrecht» – das sagt Christoph Blocher zu SVP-Glarners Handy-Terror

Link zum Artikel

Du willst dein Handy sicherer machen? Dann solltest du diese 10 Regeln kennen

Link zum Artikel

FCB-Sportchef Streller tritt mit emotionalem SMS zurück: «Es bricht mir s’Herz»

Link zum Artikel

Trump hat sich im Persischen Golf verzockt

Link zum Artikel

5 Action-Heldinnen, die die Filmwelt ordentlich gerockt haben

Link zum Artikel

Preisgeld-Vergleich: So viel mehr kassieren Männer im Sport als Frauen

Link zum Artikel

14 Gründe, warum die Frauen heute streiken

Link zum Artikel

«Das stimmt einfach nicht» – Martullo-Blocher wird in der «Arena» vorgeführt

Link zum Artikel

Nach Handy-Terror: Betroffene Mutter rechnet mit SVP-Glarner ab – und wie

Link zum Artikel

Trump setzte Kopfgeld auf unschuldige Schwarze aus – jetzt melden sie sich zu Wort

Link zum Artikel

9 spannende Geisterstädte und ihre Geschichten

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Nummelin 18.05.2015 09:38
    Highlight Highlight Bin mit vielem einig was Hr. Zaugg hier beschreibt, ausser mit den "gut ausgebaute Gastronomie und Fanzonen". Das stimmt nur bedingt; wer in Prag war hatte Luxus pur: top Stadion, super Gastronomie, tolle Fanzone, schöne Stadt etc. Die Fans in Ostrava haben aber die Arschkarte gezogen. Ist zwar subjektiv: aber für mich hässliche Stadt und Stadion, Tink- und Essverbot auf den Sitzplätzen (geht mal gar nicht), dazu schlechtes Gastroangebot im Stadion. Ich verstehe nicht, wie die IIHF sowas zulassen kann. Mind. beim Gastroangebot sollte ein gewisser Standard eingehalten werden.
  • manolo 18.05.2015 08:45
    Highlight Highlight ich hoffe sehr das die schweiz (furrer, kuonen ,lüthi) für die nächste wm die sie durchführen, gelernt haben und die ticketpreise so ansetzen, dass auch das fussvolk / jugendliche/ und ahv, spiele besuchen können!

Natistar Alina Müller: «Eltern verstehen nicht, warum eine Frau statt ihrem Sohn spielt»

Karriere und Leben von Eishockeyspielerinnen verlaufen ganz anders als bei ihren männlichen «Berufskollegen». Die Schweizer Nationalstürmerin Alina Müller erzählt, wie das Leben ohne gesicherte Zukunft ist. Und warum es ihr derzeit ungewohnt gut geht.

Florence Schelling kennt in der Schweiz inzwischen beinahe jeder Eishockey-Fan. Die früheren Teamkolleginnen der mittlerweile zurückgetretenen Star-Torhüterin sind ungleich unbekannter. Auch Alina Müller. Dabei hätte die Winterthurer Stürmerin durchaus viel Aufmerksamkeit verdient, ist sie doch eine der besten Spielerinnen der Welt.

Die heute 21-Jährige gewann in Sotschi im Alter von 15 Jahren Olympiabronze, erzielte im kleinen Final gegen Schweden das siegbringende Tor. Vier Jahre später wird …

Artikel lesen
Link zum Artikel