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Der HC Davos hat am Spengler Cup wieder Selbstvertrauen und Mut geschöpft.
Der HC Davos hat am Spengler Cup wieder Selbstvertrauen und Mut geschöpft.Bild: SPENGLER CUP
Eismeister Zaugg

Der HC Davos im Niemandsland zwischen Playoff-Hoffnungen und Abstiegs-Angst

Die Wiedergeburt des HC Davos. Das ist in einem Satz der 92. Spengler Cup erklärt. Können die Davoser die Playoffs doch noch schaffen?
31.12.2018, 07:0331.12.2018, 07:34

Vor dem Turnier gab es bange Fragen. Kann die Mannschaft überhaupt mithalten? Wird sie sich gar blamieren? Wird der Spengler Cup unter der HCD-Krise leiden?

Der HCD begann den Spengler Club am 26. Dezember als Krisenklub und hat ihn am 30. Dezember im Halbfinale mit einem spektakulären, intensiven Tempospektakel und einer unglücklichen Niederlage gegen Kuopio (1:2) wie neu geboren beendet. Mit etwas Pathos können wir sagen: Auferstanden aus der Asche der Götterdämmerung der 22 Jahre währenden «Ära Del Curto».

Im Laufe der Altjahrswoche hat die Mannschaft, ja, die ganze Hockeyfirma HCD unter dem neuen Trainer Harijs Witolinsch in vier Partien die erstaunlichste Metamorphose (= Umwandlung) der neueren helvetischen Hockeygeschichte durchlaufen. Vom grauen Entlein zum strahlend weissen Schwan. Heraus aus dem kreativen Chaos unter der Fuchtel von Arno Del Curto und hin zur Normalität.

Harijs Witolinsch hatte am Spengler Cup Zeit, den Spielern sein System zu erklären.
Harijs Witolinsch hatte am Spengler Cup Zeit, den Spielern sein System zu erklären.Bild: EPA/KEYSTONE

Zwischen der Niederlage im Startspiel (1:2 Team Canada) und dem denkbar knappen, dramatischen, eigentlich unverdienten Scheitern im Halbfinale (1:2) gegen den 11. des finnischen Championats stehen ein 3:2 gegen Nürnberg und vor allem der erstaunliche Viertelfinal-Triumph über Trinec, den Leader der tschechischen Meisterschaft (3:1).

In der Vergangenheit war der Spengler Cup eine Zusatzbelastung. Nun war das Turnier eher ein Trainingslager für den neuen Trainer: Er hatte nun vier Partien, um sein System zu justieren und die Jungs besser kennen zu lernen.

Der neutrale Beobachter denkt: Dieser HCD ist am Ende gar dazu in der Lage, in den restlichen 23 Qualifikationspartien die 17 Punkte Rückstand auf den letzten Playoffplatz aufzuholen. Davos doch noch in den Playoffs? Es wäre die grösste Qualifikations-Sensation seit Einführung der Playoffs (1985/86).

Landstrasse statt Autobahn

Aber die Ausgangslage ist heikel: Mit den Schlittschuhen stehen die Davoser im Playout-Finale gegen die Rapperswil-Jona Lakers – aber der letzte Playoffplatz ist nach wie vor in Sichtweite. Der HCD befindet sich nach dem Spengler Cup im Niemandsland zwischen Playoff-Hoffnungen und Abstiegs-Angst.

Die grosse Frage ist, ob der HCD das Leistungsniveau der grossen Hockey-Party in den Qualifikations-Alltag hinüberretten kann, der bereits am 2. Januar mit der Partie gegen Lugano (und Linus Klasen, so er von Trainer Greg Ireland eingesetzt wird) beginnt.

Spengler Cup: Bilder aus längst vergangenen Zeiten

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Spengler Cup: Bilder aus längst vergangenen Zeiten
quelle: photopress-archiv / str
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Das HCD-Spiel hat beim Spengler Cup auf hohem Niveau funktioniert. Aber es gibt einen fundamentalen Unterschied zwischen Spengler-Cup-Hockey und der nationalen Meisterschaft.

Beim Spengler Cup spielt jede Mannschaft «nur» um den Sieg. Es gibt nichts zu verlieren, nur zu gewinnen. Das mag nun gar banal tönen, hat aber grosse Wirkung. Es gibt beim Spengler Cup keine Angst vor einer Niederlage bzw. keine destruktive Spielanlage mit dem Ziel, ein Spiel nur nicht zu verlieren.

Technik, Talent und Tempo sind beim Spengler Cup wichtiger als taktische Schlauheit, Geduld und gute Nerven. Und die mentale Belastung ist im Vergleich zu den Partien gering, die der HCD nun in der Qualifikation gewinnen muss, um die allerletzten Playoffchancen zu wahren bzw. den Ligaerhalt zu sichern. Zwischen gewinnen dürfen und gewinnen müssen ist ein erheblicher Unterschied.

Oder noch anders gesagt: Wir wissen nach dem Spengler Cup, dass die Mannschaft im Sonntagsgewand hockeytechnisch wieder funktioniert. Aber wir wissen noch nicht, wie gut der Trainer und die Spieler mit der Belastung des «Werktags-Hockey» in der Qualifikation umgehen können. Spengler-Cup-Hockey ist wie Autobahnfahren. Meisterschaftshockey wie die Fahrt auf einer Landstrasse mit gefährlichen Einmündungen.

Item, wie es sich beim Spengler Cup mit VIP-Kathedrale gehört, ist auch am zweitletzten Tag nicht nur spektakulär gespielt, sondern auch zäh verhandelt worden. «Ja, wir hätten Linus Klasen gerne für den Rest der Saison von Lugano übernommen», bestätigt HCD-Präsident Gaudenz Domenig.

Linus Klasen war der beste Davoser am Spengler Cup.
Linus Klasen war der beste Davoser am Spengler Cup.Bild: SPENGLER CUP

Der Sprössling einer rockigen schwedischen Künstlerfamilie – sein Vater Robert trommelt als Schlagzeuger einer Punk-Rock-Band – ist in seiner 5. Saison in Lugano unglücklich. Der Zwist mit Trainer Greg Ireland will und will nicht enden. Und sein Vertrag fesselt ihn noch bis ins Frühjahr 2020 an Luganos Palmen.

Nach dieser Saison werden die Karten indes neu gemischt. Der Vertrag von Greg Ireland läuft aus. Der Zwist mit dem schwedischen Schillerfalter kann den Kanadier die Vertragsverlängerung kosten.

Beim Spengler Cup durfte Linus Klasen (32) als «Verstärkungs-Spieler» mit dem HCD über die Aussenbahnen fegen. Nun muss er wieder heim nach Lugano. Keine Freigabe. Verständlich. Wie würden Lugano und vor allem der tüchtige Sportdirektor Roland Habisreutinger dastehen, wenn Linus Klasen ab sofort mit dem HCD die Meisterschaft aufmischen würde? Lugano hat die Playoffs noch nicht auf sicher.

Manzato der Titan

Auch wenn der HCD, der Zweitletzte unserer Meisterschaft, wie im Vorjahr im Halbfinale gescheitert ist – einen Spengler Cup-Titanen mit Schweizer Pass hat es am 30. Dezember doch gegeben. Torhüter Daniel Manzato (34). Er verstärkte die finnische Mannschaft aus Kuopio.

Daniel Manzato hexte KalPa am Spengler Cup zu zwei Siegen.
Daniel Manzato hexte KalPa am Spengler Cup zu zwei Siegen.Bild: SPENGLER CUP

Der vergessene Held der legendären 1984er-Generation, zu der auch Tobias Stephan (Zug), Michael Flückiger und Thomas Bäumle (beide zurückgetreten) gehören, hexte Kuopio gegen Magnitogorsk zu einem erstaunlichen Sieg in der Verlängerung (1:0) und am 30. Dezember ausgerechnet gegen Davos ins Finale.

Sein Arbeitgeber ist Ambri. Dort ist er hinter Benjamin Conz nur die Nummer zwei. Es ist, wie es ist: ein Ersatzgoalie aus unserer National League ist gut genug, um ein Held in einer Mannschaft aus der besten finnischen Liga zu sein. Nur mit schweizerischer Hilfe ist es den Finnen gelungen, den HCD zu bezwingen. Ob in der NHL, bei der WM oder beim Spengler Cup: Die Schweizer rocken die Hockeywelt.

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18 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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DomiNope
31.12.2018 07:22registriert September 2015
Immer wieder amüsant wie der „Eismeister“ jeweils mit den gigantischsten und pompösesten Wörtern herumwirft :}
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HotIce
31.12.2018 08:24registriert Oktober 2018
Playoffs? 🙄
Das einzige Ziel ist nicht abzusteigen. Das wird gelingen. Aber Klaus hört sich bisschen wie ein übereifriger Fan an, geblendet vom strahlenden Licht des SC-Hockey.
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Sünneli31
31.12.2018 09:35registriert Mai 2018
Ich war nie ein Fan von Klaus Zaugg... Aber seit er nicht mehr gegen einzelne Personen schiessen muss und seine Berichte mehr zur „mit Tatsachen/Gerüchten/Mutmassungen gespickten Unterhaltung“ dienen als die Tagesaktualität zu beschreiben, warte ich immer wieder gern auf die neusten Themen. Und mal ehrlich: der Eismeister versteht sein Handwerk, schreibt unterhaltsam, polemisiert, behauptet und hat oft auch noch (teilweise) recht, sogar mit den wildesten Vermutungen... aber am lustigsten sind ja jeweils die Kommentare der Leser die ihm mangelnde Objektivität vorwerfen... nichts verstanden...
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